RUDOLF STEINER GESAMTAUSGABE
VORTRAGE
VORTRAGE VOR MITGLIEDERN
DER ANTHROPOSOPHISCHEN GESELLSCHAFT
RUDOLF STEINER
Die geistigen Wesenheiten
in den Himmelskorpern und Naturreichen
Zehn Vortrage, gehalten in Helsingfors (Helsinki)
vom 3. bis 14. April 1912,
und ein dffentlicher Vortrag,
Helsingfors, 12. April 1912
1996
RUDOLF STEINER VERLAG
DORNACH/SCHWEIZ
Nach voin Vortragenden selbst nicht durchgesehenen Nachschriften
herausgegeben von der Rudolf Steiner-NachlaBverwaltung
Die Herausgabe besorgte Johann Waeger
1. Auflage (Zyklus 21) Berlin 1912
2. Auflage Dornach 1935
3. Auflage, erweitert um den offentlichen Vortrag
vom 12. April 1912
Gesamtausgabe Dornach 1960
4. Auflage, Gesamtausgabe Dornach 1974
5. Auflage, Gesamtausgabe Dornach 1984
6. Auflage, Gesamtausgabe Dornach 1996
Bibliographie-Nr. 136
Einbandgestaltung und Zeichnungen im Text von Assja Turgenieff
Alle Rechte bei der Rudolf Steiner-NachlaBverwaltung, Dornach/Schweiz
© 1996 by Rudolf Steiner-NachlaBverwaltung, Dornach/Schweiz
Printed in Germany by Greiserdruck, Rastatt
ISBN 3-7274-1361-1
Zu den Veroffentlkhungen
aus dem Vortragswerk von Rudolf Steiner
Die Gesamtausgabe der Werke Rudolf Steiners (1861-1925) gliedertsich
in die drei groBen Abteilungen: Schriften - Vortrage - Kiinsderisches
Werk (siehe die Ubersicht am SchluB des Bandes).
Von den in den Jahren 1900 bis 1924 sowohl offentlich wie fur die
Mitglieder der Theosophischen, spater Anthroposophischen Gesellschaft
zahlreichen frei gehaltenen Vortragen und Kursen hatte Rudolf Steiner
urspriinglich nicht gewollt, daB sie schriftlich festgehalten wiirden, da sie
von ihm als «mundliche, nicht zum Druck bestimmte Mitteilungen» ge-
dacht waren. Nachdem aber zunehmend unvollstandige und fehlerhafte
Horernachschriften angefertigt und verbreitet wurden, sah er sich veran-
laBt, das Nachschreiben zu regeln. Mit dieser Aufgabe betraute er Marie
Steiner-von Sivers. Ihr oblag die Bestimmung der Stenographierenden,
die Verwaltung der Nachschriften und die fur die Herausgabe notwen-
dige Durchsicht der Texte. Da Rudolf Steiner aus Zeitmangel nur in ganz
wenigen Fallen die Nachschriften selbst korrigieren konnte, muC gegen-
iiber alien Vortragsveroffentlichungen sein Vorbehalt beriicksichtigt
werden: «Es wird eben nur hingenommen werden miissen, daB in den
von mir nicht nachgesehenen Vorlagen sich Fehlerhaftes findet.»
Uber das Verhaltnis der Mitgliedervortrage, welche zunachst nur als
interne Manuskriptdrucke zuganglich waren, zu seinen offentlichen
Schriften auBert sich Rudolf Steiner in seiner Selbstbiographie «Mein
Lebensgang» (35. Kapitel). Der entsprechende Wordaut ist am SchluB
dieses Bandes wiedergegeben. Das dort Gesagte gilt gleichermafien auch
fiir die Kurse zu einzelnen Fachgebieten, welche sich an einen begrenz-
ten, mit den Grundlagen der Geisteswissenschaft vertrauten Teilnehmer-
kreis richteten.
Nach dem Tode von Marie Steiner (1867-1948) wurde gemaB ihren
Richtlinien mit der Herausgabe einer Rudolf Steiner Gesamtausgabe
begonnen. Der vorliegende Band bildet einen Bestandteil dieser Gesamt-
ausgabe. Soweit erforderlich, finden sich nahere Angaben zu den Text-
unterlagen am Beginn der Hinweise.
INHALT
Einleitende Worte zur BegruGung der Zuhorer
Helsingfors (Helsinki), 3. April 1912 13
Erster Vortrag, Helsingfors (Helsinki), 3. April 1912 . . . . 17
Der Weg zum Schauen der Elementarwesen im Atherleib der
Erde; das Blau des Himmels, das Griin der Pflanzendecke, das
WeiB der Schneedecke erweckt moralische Empfindungen : die
Frommheit, das Verstehen, das Verstandnis fiir den StofF - An
dem Ton und seiner Oktave erieben wir das Zusammenklingen
von Wunsch und Vernunft - Hinter dem Metallischen findet
der okkulte Blick Wesenheiten mit scharfumrissenen Formen:
die Elementarwesen der Erde; im rieselnden Regen und in den
steigenden Nebeln sich immer verwandelnde Wesenheiten: die
Elementarwesen des Wassers; sie holen die Pflanzen im Friih-
ling aus der Erde heraus.
Zweiter Vortrag, 4. April 1912 31
Blitzartig aufleuchtend erscheinen die Elementarwesen der Luft;
sie leben im Welken und Absterben, sie besorgen das Reifen -
Die Elementarwesen des Feuers sind die Bewahrer der Keime -
Der astralische Leib der Erde wird erlebt vom schlafenden
Menschen; in ihm leben die Geister der Umlaufszeiten, welche
den Wechsel der Jahreszeiten herbeifuhren; sie drehen die Erde
um ihre Achse und bewirken so Tag und Nacht - Der Mensch
darf das Gedachtnis und das Gewissen nicht verlieren bei der
okkulten Entwickelung; dann kann er aufwachen im Ich, er
schaut die Sonne auch nachts in ihrem Lauf - Die Welt der
Naturgeister druckt sich aus in den Naturkraften, die der Geister
der Umlaufszeiten in den Naturgesetzen, die des Planetengeistes
im Sinn der Natur.
Dritter Vortrag, 5. April 1912 48
Der Mensch fiihrt ein Innenleben; die Angeloi leben in der
absoluten Wahrheit: was sie wahrnehmen, ist Offenbarung ihrer
inneren Natur in der AuBenwelt; statt des Innenlebens erfahren
sie Geist-Erfullung ; sie sind die Fiihrer der einzelnen Menschen -
Fiihrer der Volker sind die Archangeloi, die der Zeiten die
Archai : deren Nachkommen sind die Naturgeister der Erde, die
der Archangeloi die Naturgeister des Wassers, die der Angeloi
die der Luft - Verrichtet der Mensch Liebestaten, wird er reicher,
nicht armer: dargestellt im Bilde eines Glases mit Wasser, das,
wenn man es ausleert, immer voller wird - Schulung zur Uber-
windung des gewohnlichen Innenlebens ; dazu dient die Mathe-
matik.
VlERTER VORTRAG, 6. April 1912
Auf der ersten Stufe der Hellsichtigkeit benutzt der Mensch
den Astralleib ; was er da wahmimmt, kann er nachher erinnern;
auf der zweiten Stufe den Atherleib; dann tragt er die Hell-
sichtigkeit in den gewohnlichen BewuBtseinszustand hinein und
erkennt die Wesenheiten der zweiten Hierarchie: die Exusiai,
Dynamis, Kyriotetes - Er fuhlt sich untergetaucht in die anderen
Wesen - Im gewohnlichen BewuBtsein ahnelt dem das Mitleid,
die Liebe - Bei den Wesenheiten der zweiten Hierarchie bleibt
die Offenbarung ihres Wesens als etwas Selbstandiges zuriick,
und im Innern wird Leben erregt, das wahrgenommen wird als
geistiges Tonen, als Spharenmusik - Die Exusiai sind die Form-
geber fur alles Lebendige; im Formenwechsel offenbaren sich
die Dynamis - Im Schauen der Physiognomie und dann der
Formen des Blattes und der Bliite erkennt der Mensch die
Kyriotetes - Die Wesenheiten der zweiten Hierarchie haben als
Nachkommen die Gruppenseelen der Pflanzen und Tiere.
FUNFTER VORTRAG, 7. April 1912
Auf der dritten Stufe der Hellsichtigkeit werden wir mit dem
betrachteten Wesen eins; dann nehmen wir wahr die Wesen-
heiten der ersten Hierarchie: die Throne, Cherubim, Seraphim -
Sie sondern ihren Abdruck von sich ganz ab: andere Wesen
scharTen ist ihr Innenleben - Ihre Nachkommen sind die Geister
der Umlaufszeiten - Hohere Wesenheiten haben Exusiai als
unterstes GHed, dann Dynamis, Kyriotetes, Throne, Cherubim,
Seraphim - Sie schauen herauf zu der Dreieinigkeit: Vater, Sohn,
Heiliger Geist - Die auBere Form eines Geistes der Form ist
ein Planet; hinter ihm sind die Geister der Bewegung, der Weis-
heit, des Willens, Cherubim, Seraphim - In den Witterungs-
erscheinungen wirken die Dynamis ; das BewuBtsein des Planeten
sind die Kyriotetes; Throne regeln seine Bewegung im Raume;
die Cherubim bringen diese Bewegungen in Ubereinstimmung
miteinander; die Seraphim regeln das Zusammenstimmen der
einzelnen Planetensysteme miteinander - Die oberste Dreiheit
waltet im Weltenraume in den einzelnen Planetensystemen als
Hullen.
Sechster Vortrag, 8. April 1912
Die luziferischen Geister haben das Bestreben, ein selbstandiges
Innenleben zu entwickeln; sie werden dadurch Geister der Un-
wahrheit - Statt sich zu erfiillen mit den hoheren Hierarchien,
spalten sie sich von ihnen ab - Ein Planet ist dasjenige, was
mit Athersubstanz erfullt den ganzen Raum, der begrenzt wird
von seiner scheinbar elliptischen Bahn - Die Geister der Form,
die die Athersphare eines Planeten beherrschen, wirken von der
Sonne aus - Dem wirken von auBen herein entgegen die luzife-
rischen Geister der Exusiai, dadurch entsteht eine Einstiilpung:
der physische Planet - Unsere Erde ist in der Wirklichkeit ein
Loch im Weltenraum - Zerbrochene Form ist Materie - Die
Seraphim und Cherubim sind Trager des Lichtes von der Sonne;
ihnen wirken entgegen die luziferischen Geister und werfen das
Licht zuriick - Dies hat zuerst Zarathustra vorgetragen; er
nennt den Geist der Sonne Ahura Mazdao, die rebellischen
Geister der Finsternis Angra Mainyu.
SlEBENTER VORTRAG, 10. April 1912
Die geistigen Wesenheiten von den Seraphim bis zu den Geistern
der Weisheit beherrschen die Entwickelung der Sonne, der Fix-
sterne; bis zu den Geistern der Form geht die EinfluCsphare
der Planeten; bis zu den Archangeloi die der Monde - Der
Astralleib durchsetzt das Gehirn und die Milz, der Atherleib
die Leber, das Ich das Blutsystem - Die Monde sind die Leich-
name des Planetensystems, die Planeten der lebendige physische
Leib, wie die Tiere auf Erden; der Fixstern, die Sonne, macht
okkult den Eindruck wie die Atherleiber der Pflanzen: in ihm
ist der Atherleib des Planetensystems, der bis zum auBersten
Rand desselben reicht - In den geistigen Wesenheiten der Pla-
neten haben wir auch den Astralleib - Die schadlichen Krafte
der luziferischen Wesenheiten werden gesammelt durch den
Kometen, der zumeist erst wieder neu entsteht beim Eintritt
in das Planetensystem und dann wieder vergeht, indem er weiter
den Weg nimmt auBerhalb der Raumesdimensionen - Im Ko-
meten wirken Seraphim und Cherubim.
Achter Vortrag, 11. April 1912
Der okkult sich Entwickelnde muB lernen, die Welt mit der
Wahrnehmungsart der Angeloi anzusehen - Er sieht von den
physischen Korpern nichts, aber er hat noch ein Erinnerungs-
bild von den Himmelskorpern; sie stellen sich dar als ein Ver-
gangenes - Den Mond betrachtend, wird er zuriickversetzt in
den uralten Mondenzustand; dieser ist zur Erde geworden durch
die Arbeit der Exusiai - Wendet sich der hellseherische Blick
den Planeten zu, so empfangt er auch ein Erinnerungsbild -
Fiihlt der Mensch nur Mitleid und Liebe, dann ist die physische
Sonne verschwunden - Man schaute sie in den agyptischen
Mysterien urn Mitternacht: man kommt zuriick in den uralten
Sonnenzustand der Erde - Der Nibelungenhort ist in Wirklich-
keit ein Talisman aus Gold - Der Mensch hat in der physischen
Welt ein Ich; das Gruppen-Ich der Tiere ist auf dem Astral-
plan, das der Pflanzen im Devachan, das der Mineralien im
hdheren Devachan - Beim Hervorkommen der Pflanzen im
Friihling empfindet der Astralleib der Pflanzen in der Astral-
welt ein Einschlafen, beim Welken im Herbste ein Aufwachen -
Zerklopft man Steine, so empfindet der Astralleib der Mineralien
ein Wohlgefuhl im Devachan - ReiBt man die Pflanze mit der
Wurzel aus, so empfindet der Astralleib der Pflanze in der Astral-
welt Schmerz.
Neunter Vortrag, 13. April 1912
Vernunft ist wirksam auch im Tierreich: die Wespen stellen
Papier her - Von den 6 bis 7 Planeten her wirken die Gruppen-
Iche der Tiere auf die Haupttypen des Tierreichs ; spezifizierend
wirken herein die 12 Tierkreisbilder - Diese Gruppen-Iche sind
Nachkommen der Dynamis, die dem Menschen auf dem alten
Mond den Astralleib gegeben haben - Die ihnen entsprechen-
den luziferischen Geister spezifizieren das Menschengeschlecht
von den Planeten aus zu den Hauptrassen - Die Dynamis in-
spirieren von den Planeten aus die groBen Kulturimpulse, zum
Beispiel vom okkulten Merkur aus den des Buddhismus ; daher
sagt H. P. Blavatsky: Buddha = Merkur - Auf den astralischen
Leib der Pflanzen wirken die Nachkommen der Dynamis von
den Planeten aus; sie bewirken die spiraligen Blattansatze - In
der Richtung des Pflanzenstengels wirken die Gruppen-Iche der
Pflanzen von der Sonne aus; sie sind Nachkommen der Kyrio-
tetes - Geister der Umlaufszeiten verbinden das spiralige Be-
wegungsprinzip mit dem Prinzip im Stengel: das spiralige Prin-
zip in den kreisformig stehenden StaubgefaBen, das im Stengel
wirkende im Fruchtknoten - Wahrend des uralten Sonnen-
zustandes haben die Kyriotetes dem Menschen den Atherleib
gegeben; jetzt wirken sie von der Sonne herunter in der Verti-
kalen der Pflanze - Die sieben Rischis gaben die Erinnerungen
wieder an die sieben groBen Kulturen der Atlantis, aber iiber
dem lag fiir sie Vischvakarman - Zarathustra nannte diesen Geist
der Weisheit Ahura Mazdao, die Agypter Osiris, der von Typhon
zerstuckelt wird und den der Mensch erst antrifft nach dem
Tode - In der vierten nachatlantischen Kulturperiode wurde
der Christus unmittelbar inspiriert durch drei Jahre von diesem
Sonnengeist der Weisheit; er ist der Einheitsgeist der Erden-
kultur - Das Abendland hat diesen Christus-Impuls aus dem
Morgenland empfangen.
Zehnter Vortrag, 14. April 1912 184
Die Kristallformen des Mineralreiches sind zuruckzufuhren auf
die Wirkungsweise der Geister der Form oder ihrer Nachkom-
men; das Atherische stromt herab von den Dynamis aus den
Planeten und schafft seine Substanzen: vom Saturn her das Blei,
vom Jupiter das Zinn, vom Mars das Eisen, von der okkulten
Venus das Kupfer, vom okkulten Merkur das Quecksilber -
Das Astralische des Minerals kommt von den Kyriotetes oder
ihren Nachkommen auf der Sonne - Die luziferischen Geister
der Weisheit stromen von der Sonne aus Atherisches auf die
Erde und bewirken das Gold, und das Gleichgewicht wird wie-
der hergestellt durch Atherstrome vom Monde aus, die das
Silber bewirken - Die Geister der Weisheit leben in den Fix-
sternen; deren physisches Licht kommt von den luziferischen
Geistern der Weisheit - Das Gruppen-Ich der Mineralien wirkt
von auBerhalb des Planetensystems durch die Throne oder ihre
Nachkommen; werden sie luziferisch, so erscheinen sie in den
Meteoren und Kometen; sie gliedern sich beim Durchlaufen
durch das Planetensystem Mineralisches an, das ja auch von den
Thronen herriihrt - Der Saturn zeigte friiher einen Schweif,
der sich sparer zusammengezogen hat zu dem geschlossenen
Ring; er ist dasselbe wie ein Kometenschweif - Uranus und
Neptun sind Planeten, die viel sparer zugeflogen sind - Durch
luziferische Wesenheiten auf der Stufe der Throne bekommt
der Komet mineralische Natur - Die Exusiai schufen urspriing-
lich das Gruppen-Ich der Menschen, das dann differenziert wird
durch die anderen Wesenheiten der verschiedenen Hierarchien -
Jahve ist die Reflexion des Christus vom Monde aus - Auch
fur H. P. Blavatsky ist Jahve ein Mondgott, und Luzifer ist sein
Gegner - Christus ist der wahre Luzifer - Solche Betrachtungen
der Himmelswelten sollen zu einer moralischen Kraftquelle wer-
den, die Harmonie und Frieden auf Erden stiftet.
Der Okkultismus und die Initiation
Offentlicher Vortrag, Helsingfors (Helsinki), 12. April 1912 213
Leben nach dem Tode, Wiederverkorperung und Schicksal -
Wir erkennen nur das, an dessen Schopfung wir teilnehmen
konnen - Unser Tagesleben ist ein ZerstorungsproseB, der in
der Nacht wieder schopferisch ausgeglichen wird - Mideid und
Liebe lassen uns in Fremdes eindringen, und von innen spricht
das Gewissen aus einer hoheren Welt - Die Schulung durch
Meditation und Kon2entration zur Erlangung hoherer Erkennt-
nisse fuhrt zunachst 2u einem Erleben von Bildern, die der
Mensch selber geschaffen hat; er nimmt dadurch teil an einem
schopferischen ProzeB - Die Inspiration ist ein hoherer Zu-
stand - In fruheren Zeiten geschah die Schulung unter An-
leitung des Guru, der in der Gegenwart ersetzt werden muB
durch den energischen WillensentschluB des Menschen selber -
Die Kultur der Gegenwart ertragt nicht mehr die Berufung auf
Adepten - H. P. Blavatsky beruft sich noch auf Gurus.
Hinweise
Zu dieser Ausgabe 241
Hinweise zum Text 241
Register
Namenregister 244
Register der geistigen Wesenheiten 244
Rudolf Steiner iiber die Vortragsnachschriften 245
Ubersicht iiber die Rudolf Steiner Gesamtausgabe 247
EINLEITENDE WORTE
ZUR BEGRUS SUNG DER ZUHORER
Helsingf ors, 3 . April 1912
Meine lieben Freunde, es sind soeben liebe Worte der BegriiBung
hier vor Ihnen an mich gerichtet worden, und dasjenige, was ich
zuallererst auf diese lieben Worte erwidern mochte, ist ein aller-
herzlichster GruB in dem Sinne, wie wir, meine lieben Freunde,
uns als Geistsuchende einander in aller Welt begriiBen. Indem ich
mit einer Anzahl unserer engern deutschen Freunde zu Ihnen hier
heraufgekommen bin in dieses wunderbare, von alten Erinnerun-
gen, von alten Sagen zu uns sprechende Land, mochte ich vor alien
Dingen gedenken, um gewissermaBen Universelles mit recht Spe-
ziellem zu verbinden, daB innerhalb eines groBen Gebietes der-
jenigen Gegendeh Mitteleuropas, in denen zunachst geisteswissen-
schaftlich zu wirken meine Aufgabe und Pflicht ist, man da, um
auch dem fremdesten Menschen gleich mit Liebe entgegenzukom-
men, den GruB gebraucht «GriiB Gott!» oder «Gott zum GruB!»
Es ist das ein in gewissen Gegenden Mitteleuropas allgemein an-
gewendeter deutscher GruB. An ihn mochte ich denken, wenn ich
spreche von dem mir liebsten GruB, den ich Ihnen bringen mochte
und der eigentlich schon darin liegt, daB wir uns alle, meine lieben
Freunde, wie wir mit unserer Gesinnung, mit unserem Streben
nach einer gewissen Art des Wissens iiber die Welt hin verbreitet
sind, Gottsucher nennen. Und indem wir uns so nennen, liegt ein
Allumfassendes in dem von jeder gottsuchenden Seele zu der
anderen gehenden GruBe schon durch die Benennung, die wir uns
erlauben, uns selber zu geben. Wir appellieren, indem wir uns Gott-
sucher nennen, an das Tiefste, an das Innigste in einem jeden Men-
schen. Und wir sprechen zu diesem Innigsten, zu diesem Tiefsten
eines jeden Menschen, indem wir uns mit ihm zugleich so nennen,
wiederum selbst aus unserem Tiefsten, Innigsten heraus, oder wol-
len wenigstens so sprechen. So vereint dasjenige, was wir zum
Ausdruck bringen, indem wir uns Gottsucher nennen, das Gottliche
in unserer Seele, und indem wir uns also nennen, begriiBen wir uns
auch, weil wir sprechen lassen das Gottliche in uns selber. DaB
immer mehr und mehr die Menschen zusammenfiihre in der Welt
dasjenige, was in diesem Namen liegt, das ist ja unser aller Ziel,
unser aller Streben. Und wenn wir so zusammenkommen an einem
solchen Orte wie hier und uns vielleicht in bezug auf das AuBere
unserer Sprache schwerer verstehen, so verstehen wir uns gleich als
Gottsucher sozusagen iiber die ganze Welt hin, wenn wir dies wirk-
lich anstreben zu sein, wenn wir das Innerste unseres Wesens in
uns sprechen lassen. Deshalb erscheint es so sehr wie die Auf-
frischung uraltheiliger Erinnerungen, die alien Menschen gemein-
sam sind, wenn wir uns als Gottsucher zusammenfinden. Wir sagen
uns, daB alle, alle Menschen von einem gemeinsamen geistig-gott-
lichen Ursprung herkommen und daB, wie sie auch auseinander-
gegangen sind nach Territorien, nach Sprachidiomen, es moglich
ist, anzuschlagen in der Seele die Sake, die da tont von den ur-
altesten, heiligsten menschlichen Erinnerungen, die in sich schlieBen
das Geistig-Gottliche, von dem wir ausgegangen sind. Und so kom-
men wir uns vor wie Briider der allumfassenden Menschheits-
familie, die ausgegangen sind von gemeinsamem Heim, ihre Ent-
wickelung, ihre Evolution durchgemacht haben in den verschieden-
sten Gebieten und nicht vergessen haben dasjenige, was sie erinnert
an ihren uraltheiligen Ursprung. Was ist denn Gottsuchen in unse-
rer Gegenwart? Etwas wie ein machtiger Sehnsuchtsschrei der Men-
schen, die heute schon verstehen dasjenige, was alle Menschen bin-
den soil immer mehr und mehr in der Zukunft, was auf leben lassen
soli in alien Herzen das Verbindende immer mehr und mehr in die
Zukunft hinein, wie es immer mehr und mehr war, je weiter wir in
unsere Vergangenheit zuriickschauen. Deshalb ist es selbstverstand-
lich, daB wir uns zusammenfinden in dem besten GruB, den wir
uns bieten konnen, wenn wir uns als Geistsuchende zusammen-
finden.
Die Menschen, sie begegnen einander iiber das weite Erden-
rund hin. Die einen kennen einander mehr, die anderen weniger,
einzelne sind befreundet, einzelne lieben einander. So geht es im
Alltag. Und diejenigen Menschen, die gemeinsame Ziele, gemein-
same Interessen haben, sie schlieBen sich insbesondere in unserer
Zeit unter gemeinsamen Idealen zusammen, denn solche wissen,
daB sie einander begegnen in diesen gemeinsamen Idealen. Aber
noch etwas anderes heiBt es, wenn wir uns als Strebende nach Geist-
Erkenntnis zusammenfinden. Da finden wir uns so zusammen, daB
im Grunde genommen ein jeder einen jeden sogleich kennt. Denn
wodurch kennen sich Menschen? Dadurch, daB sie voneinander
etwas wissen. Wir gehen gleichgultig vorbei an demjenigen in der
Welt, von dem wir nichts wissen; wir reichen liebevoll die Hand
dem, der unser alter Bekannter ist; wir lacheln an den, dem wir
lange nicht begegnet sind und der uns mit inniger Freude durch
seine Begegnung erfullt, — kurz, es kniipft sich ein Band von Mensch
zu Mensch dadurch, daB der eine von dem anderen etwas weiB.
Wenn wir als Geistsuchende zusammenkommen, dann wissen wir
alle etwas voneinander und keiner ist uns fremd. Wir wissen von
dem anderen, daB in seinem tiefsten Innern, in seinem eigentlichen
menschlichen Kern mit uns das gleiche geistige Ideal lebt, und so
erscheint er uns wie ein alter Bekannter, wie ein selbstverstand-
licher Bekannter. Neben allem iibrigen, das Geist-Erkenntnis dem
Menschen bringen kann, wird es dieses sein, daB die Menschen, die
sich noch nie auf dem auBeren physischen Plan gesehen haben,
einander werden so begegnen konnen iiber das ganze Erdenrund
hin, daB sie das Wichtigste voneinander wissen werden einfach
dadurch, daB sie sich auf dem gemeinsamen Boden der Geist-
Erkenntnis finden. Das gibt allem, was wir tun und sprechen, jenen
Ton von Herzlichkeit, der da nicht fehlen soli, wenn wir uns zu-
sammenfinden, jenen Ton von Herzlichkeit, der da eben zum Aus-
druck gekommen ist und fur den ich so innig danke. Wenn Sie,
meine lieben Freunde, in den Vortragen, die von mir verlangt wor-
den sind, trotz alles scheinbar bloB Geistigen, in das uns namentlich
die ersten Vortrage fiihren werden, etwas erkennen werden von
diesem herzlichen Ton, dann werden Sie mich richtig verstanden
haben. Das miissen wir ja so vielfach als Geistesforscher und Stre-
bende nach Geist-Erkenntnis: durchwandern zunachst die Gefilde
des Geistigen, um uns zuletzt, wenn wir das Mannigfaltigste des
Geisteslebens auf uns haben wirken lassen, doch in den Ergebnissen
dieser geistigen Erkenntnisse wieder zusammenzufinden wie in einem
harmonischen Herzenston. Und so mochte ich, daB Sie mich von
diesem Gesichtspunkt aus ein wenig verstehen. Werden es zunachst
scheinbar rein geistige, rein spirituelle Tatsachen sein, die wir zu
durchwandern haben nach der Aufgabe, die mir gesetzt worden ist
von unseren Freunden, so wird doch nichts gesagt werden im Laufe
dieser Tage, das nicht innig zusammenhangen soil mit dem eben
hier gekennzeichneten Ziele.
Und nach Voraussendung dieser Worte lassen Sie mich sogleich
auf den Gegenstand, 'der unsere Aufgabe bezeichnet, eingehen.
ERSTER VORTRAG
Helsingfors, 3. April 1912
Gefordert worden ist von unseren Freunden, als sie in Liebe mich
hierher riefen, daB ich sprechen soli iiber das, was wir als geistige
Wesenheiten finden in den Naturreichen und in den Himmels-
korpern. Wir werden damit, das liegt im Thema, ein Gebiet beruh-
ren, das zunachst weit, weit abliegt von all dem, was heute das
Wissen drauBen in der intellektualistischen Welt dem Menschen
gibt. Wir werden gleich vom Anfang an zu beruhren haben ein
Gebiet, dessen Realitat gegenwartig abgeleugnet wird von der auBe-
ren Welt. Voraussetzen mochte ich nur das eine, liebe Freunde, daB
Sie aus Ihren bisherigen geisteswissenschaftlichen Studien mir ent-
gegenbringen ein Gefuhls- und Empfindungsverstandnis fur die
geistige Welt. In bezug auf die Art und Weise, wie wir die Dinge
benennen werden, werden wir uns im Laufe der Vortrage schon
verstandigen. Alles iibrige ergibt sich ja in gewisser Beziehung von
selbst, wenn wir uns im Laufe der Zeit ein Gefuhls- und Empfin-
dungsverstandnis dafur angeeignet haben, daB hinter unserer sinn-
lichen Welt, hinter der Welt, die wir zunachst erleben als Men-
schen, eine geistige, eine spirituelle Welt steht und daB man ebenso,
wie man eindringt in die physische Welt, indem man sie nicht nur
als eine groBe Einheit betrachtet, sondern indem man sie in ein-
zelne Pflanzen, einzelne Tiere, einzelne Mineralien, einzelne Vol-
ker, einzelne Menschen spezifiziert betrachtet, man ebenso die spiri-
tuelle Welt spezifizieren kann in einzelne Klassen und Individuen
von spirituellen, von geistigen Wesenheiten. So daB wir auf dem
Boden der Geisteswissenschaft nicht nur von einer geistigen, von
einer spirituellen Welt im allgemeinen sprechen, sondern daB wir
von ganz bestimmten Wesenheiten und Kraften sprechen, die hin-
ter unserer physischen Welt stehen.
Was alles rechnen wir denn zur physischen Welt? Seien wir uns
dariiber zunachst klar. Zur physischen Welt rechnen wir alles das,
was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen konnen, was unsere Augen
sehen, unsere Ohren horen, unsere Hande greifen konnen. Zur phy-
sischen Welt rechnen wir ferner alles dasjenige, was wir mit unse-
ren Gedanken umspannen konnen, insofern diese Gedanken sich
auf die auBere Wahrnehmung, auf das beziehen, was uns die phy-
sische Welt sagen kann. Zur physischen Welt mussen wir auch alles
das rechnen, was wir selber als Menschen innerhalb dieser phy-
sischen Welt tun. Es konnte freilich leicht Bedenken erregen, wenn
man sagt, daB alles das, was wir als Menschen in der physischen
Welt tun, zur physischen Welt gehore, denn man muJ3 sich ja sagen,
daB die Menschen, indem sie in der physischen Welt handeln, Gei-
stiges in diese physische Welt heruntertragen. Die Menschen han-
deln ja nkht nur so, wie ihnen die physischen Triebe und Leiden-
schaften das eingeben, sondern sie handeln zum Beispiel nach
moralischen Prinzipien; Moral durchzieht unser Handeln, unser
Tun. GewiB, wenn wir moralisch handeln, spielen spirituelle Im-
pulse in unser Handeln herein, aber der Schauplatz, auf dem wir
moralisch handeln, ist doch die physische Welt. Und ebenso, wie
in unser moralisches Handeln spirituelle Impulse hereinspielen,
ebenso dringen durch die Farben, durch die Tone, durch Warme
und Kalte, durch alle sinnlkhen Wahrnehmungen geistige Impulse
zu uns.
Das Geistige ist zunachst fur die auBere Wahrnehmung, fur das,
was der auBere Mensch erkennen und tun kann, iiberall gewisser-
maBen verborgen, verhullt. Das ist das Charakteristische des Geisti-
gen, daB der Mensch es erst erkennen kann, wenn er sich bemiiht,
wenigstens im geringen MaBe, anders zu werden, als er von vorn-
herein ist. Wir arbeiten in unseren geisteswissenschaftlichen Ver-
einigungen miteinander. Ja, wir horen da nicht nur diese oder jene
Wahrheiten, die uns etwa sagen: Es gibt verschiedene Welten, der
Mensch besteht aus verschiedenen Gliedern oder Leibern, oder wie
man es nennen will — , sondern indem wir das alles auf uns wirken
lassen, auch wenn wir es nicht immer bemerken, wird nach und
nach, auch ohne daB wir eine esoterische Entwkkelung durch-
machen, unsere Seele zu etwas anderem. Das, was wir lernen auf
dem Boden der Geisteswissenschaft, macht unsere Seele zu etwas
anderem, als sie vorher war. Vergleichen Sie einmal die Art, wie
Sie fuhlen konnen, nachdem Sie einige Jahre das spirituelle Leben
in einer Arbeitsgruppe fur Geisteswissenschaft mitgemacht haben;
vergleichen Sie die Art und Weise, wie Sie fuhlen, wie Sie denken,
dann mit der Art und Weise, wie Sie vorher gefuhlt und gedacht
haben oder wie die nicht fur Geisteswissenschaft interessierten
Menschen fuhlen und denken: Geisteswissenschaft bedeutet nicht
bloB die Aneignung eines Wissens, Geisteswissenschaft bedeutet
eine Erziehung im eminentesten MaBe, eine Selbsterziehung unserer
Seele. Wir machen uns zu etwas anderem, die Interessen werden
andere, die Aufmerksamkeiten, die der Mensch fur das oder jenes
entwickelt nach einigen Jahren, wenn er in die Geisteswissenschaft
eingedrungen ist, sie werden anders. Was ihn friiher interessiert
hat, interessiert ihn nicht mehr; was ihn friiher nicht interessiert
hat, beginnt ihn im hdchsten MaBe zu interessieren. Man darf nicht
bloB sagen: Derjenige erst erhalt ein Verhaltnis zur geistigen Welt,
welcher eine esoterische Entwickelung durchgemacht hat. — Die
Esoterik beginnt nicht erst mit der okkulten Entwickelung. In dem
Augenblicke, wo wir uns mit irgendeiner geisteswissenschaftlichen
Vereinigung verbinden und mit unserem ganzen Herzen dabei sind
und fuhlen, was in den Lehren der Geisteswissenschaft liegt, da
beginnt schon die Esoterik, da beginnt schon unsere Seele sich um-
zuwandeln, da beginnt schon mit uns etwas Ahnliches, wie etwa
vorgehen wiirde, sagen wir, mit einem Wesen, das vorher nur
gesehen hatte Hell und Dunkel und das dann durch eine besondere,
andere Organisation der Augen anfangen wiirde, Farben zu sehen:
die ganze Welt wiirde anders aussehen fur ein solches Wesen. Wir
brauchen es nur zu bemerken, wir brauchen es uns nur zu gestehen,
dann werden wir finden: die ganze Welt beginnt anders auszusehen,
wenn wir die spirituelle Selbsterziehung eine Weile durchmachen,
die wir haben konnen in einer geisteswissenschaftlichen Vereini-
gung. Dieses Sich-Erziehen zu einer ganz bestimmten Empfindung
gegeniiber der geistigen Welt, dieses Sich-Erziehen zu einem Hin-
blicken auf etwas, was hinter den physischen Tatsachen steht, das
ist eine Frucht der geisteswissenschaf tlichen Bewegung in der Welt,
und das ist das Wichtigste am spirituellen Verstandnis. Wir sollen
nicht glauben, daB wir uns spirituelles Verstandnis aneignen kon-
nen durch eine bloBe Sentimentalitat, dadurch daJ3 wir immer nur
sagen, wir wollen unsere Gefuhle mit Liebe durchdringen. Das
wollen andere Menschen auch, wenn sie gute Menschen sind; damit
wiirden wir uns nur einen gewissen Hochmut heranerziehen. Wir
miissen uns vielmehr klar sein, wie wir unsere Gefuhle dadurch
erziehen, daB wir auf uns wirken lassen die Erkenntnis der Tat-
sachen einer hoheren Welt, und durch diese Erkenntnis unsere Seele
umgestalten. Diese besondere Art und Weise, unsere Seele zu einer
Empfindung gegeniiber einer hoheren Welt zu erziehen, diese Art
und Weise macht den Geisteswissenschafter aus. Dieses Verstandnis
brauchen wir zunachst, wenn wir iiber die Dinge reden wollen,
von denen in diesem Vortragszyklus gesprochen werden soil.
Derjenige, der mit einem okkult geschulten Blick hinter die
physischen Tatsachen zu schauen vermag, der flndet hinter all dem,
was sich ausbreitet als Farbe, als Tone, als Warme, als Kalte, was
sich ausbreitet an Naturgesetzen, sogleich Wesenheiten, die sich fur
die auBeren Sinne und fur den auBeren Verstand nicht offenbaren,
die hinter der physischen Welt liegen. Dann dringt er immer tiefer
und tiefer, und er entdeckt sozusagen Welten mit Wesenheiten von
immer hoherer Gattung. Wenn wir uns ein Verstandnis fur all das
aneignen wollen, was da hinter unserer Sinneswelt liegt, dann
miissen wir, gemaB der besonderen Aufgabe, die mir hier gestellt
worden ist, eigentlich ausgehen von dem allernachsten, was wir
antreffen hinter unserer sinnlichen Welt; von dem, was wir gleich-
sam antreffen, wenn wir nur den allerersten Schleier heben, den
uns die sinnliche Wahrnehmung ausbreitet iiber das geistige Ge-
schehen. Im Grunde genommen iiberrascht eigentlich die Welt, die
sich dem okkult geschulten Blick als die nachste darstellt, am aller-
meisten den heutigen Verstand, die gegenwartige Fassungsgabe.
Nun, ich spreche ja zu solchen, welche schon Geisteswissenschaf t-
liches in sich aufgenommen haben, ich darf daher voraussetzen, Sie
wissen, daB hinter dem, was uns zunachst auBerlich am Menschen
entgegentritt, was wir am Menschen mit unseren Augen sehen, mit
unseren Handen greifen, mit unserem Verstande in der gewohn-
lichen Anatomie oder Physiologie begreifen konnen, daB hinter
dem, was wir den physischen Menschenleib nennen, wir im geistes-
wissenschaftlichen Sinne gleich ein nachstes iibersinnliches Glied
erkennen. Wir nennen dieses nachste iibersinnliche Glied des Men-
schen den Ather- oder audi wohl Lebensleib, den atherischen Leib.
Wir wollen heute nicht von noch hoheren Gliedern der Menschen-
natur sprechen, sondern wollen nur uns klarlegen, daB der okkulte
Blick, der da imstande ist, hinter den physischen Korper zu schauen,
zunachst den Ather- oder Lebensleib findet. Ein Ahnliches kann
nun der okkulte Blick auch tun gegeniiber der Natur drauBen. Wie
wir den Menschen okkult daraufhin anschauen konnen, ob er hin-
ter seinem physischen Leib noch etwas anderes hat und wie wir
dann finden den Atherleib, den Lebenskorper, so konnen wir auch
die Natur drauBen in ihren Farben, in ihren Formen, in ihren
Tonen, in ihren Reichen, im mineralischen, pflanzlichen, tierischen,
menschlichen Reich, sofern sie uns physisch entgegentreten, an-
schauen mit dem okkulten Blick, und wir finden dann: So wie wir
hinter dem physischen Leib des Menschen den Ather- oder Lebens-
korper haben, so finden wir auch eine Art von Ather- oder Lebens-
korper hinter der ganzen physischen Natur. Nur ist ein gewaltiger
Unterschied zwischen diesem Ather- oder Lebenskorper der ganzen
physischen Natur und dem des Menschen. Wenn der okkulte Blick
sich auf den Ather- oder Lebenskorper des Menschen richtet, dann
sieht er ihn als eine Einheit, als ein zusammenhangendes Gebilde,
als eine zusammenhangende Form oder Gestalt. Wenn der okkulte
Blick das durchdringt, was sich in der Natur drauBen darstellt als
Farbe, als Form, als mineralische, pflanzliche, tierische Gebilde,
wenn der okkulte Blick das alles durchdringt, dann findet er den
Ather- oder Lebenskorper der physischen Natur als eine Vielheit,
als eine unendliche Mannigfaltigkeit. Das ist der groBe Unter-
schied: ein einziges einheitliches Wesen als Ather- oder Lebens-
korper beim Menschen, viele verschiedene, differenzierte Wesen
hinter der physischen Natur.
Nun muB ich Ihnen den Weg zeigen, durch den man zu einer
solchen Behauptung, wie sie eben getan worden ist, kommen kann;
zu der Behauptung, daB sich ein Ather- oder Lebensleib — eigent-
lich eine Ather- oder Lebenswelt — , eine Vielheit, eine Mannigfal-
tigkeit diff erenzierter Wesen hinter unserer physischen Natur findet.
Wenn ich sagen will, wie man dazu kommen kann, dann kann ich
das in die einfachen Worte kleiden: man gelangt immer mehr zu
der Anerkennung dieser Ather- oder Lebenswelt hinter der phy-
sischen Natur dadurch, daB man beginnt, die ganze Welt, die urn
einen herum ist, moralisch zu empfinden. Was heiBt das: die Welt
moralisch empfinden? Wir richten zunachst einmal unseren Blick,
von der Erde aufschauend, in die Weiten des Weltenraums, aus
denen uns entgegenkommt das Blau des Himmels. Wir nehmen
an, wir tun das an einem Tag, an dem kein Wolkchen, nicht das
leiseste weiBe Silberwolkchen die Himmelsblaue unterbricht. Wir
nehmen an, wir blicken iiberall hin in das sich iiber uns ausspan-
nende Blau des Himmels. Ob wir das im physischen Sinne an-
erkennen als etwas Reales oder nicht, darauf kommt es nicht an,
auf den Eindruck kommt es zunachst an, den dieses sich ausspan-
nende Blau des Himmels auf uns macht. Nehmen wir an, wir kon-
nen dieses Sich-Hingeben an das Blaue des Himmels intensiv, lange,
lange machen, und wir konnen es so machen, daB wir vergessen
alles dasjenige, was uns sonst aus dem Leben bekannt ist oder was
sonst im Leben um uns herum ist. Nehmen wir an, wir konnten
alle auBeren Eindriicke, alle Erinnerungen, alle Sorgen des Lebens,
alle Bekiimmernisse des Lebens fur einen Augenblick vergessen
und ganz hingegeben sein dem einzigen Eindrucke des blauen Him-
mels. Ja, das, was ich Ihnen jetzt sage, kann jede menschliche Seele
erfahren, wenn sie nur die entsprechenden Veranstaltungen unter-
nimmt; eine allgemein menschliche Erfahrung kann das werden,
was ich Ihnen jetzt sage. Nehmen Sie an, eine menschliche Seele
blickt so auf nichts als auf das Blau des Himmels schauend: Dann
tritt ein gewisser Moment ein, ein Moment, wo aufhort das Blau
des Himmels, wo wir nicht mehr Blau sehen, nicht mehr etwas
sehen, was wir in irgendeiner menschlichen Sprache mit Blau
bezeichnen. Wenn wir aber uns auf unsere eigene Seele besinnen
in dem Moment, wo das Blau aufhort fiir uns blau zu sein, dann
werden wir in unserer Seele eine ganz bestimmte Stimmung bemer-
ken: Das Blau verschwindet gleichsam, eine Unendlichkeit tut sich
vor uns auf, und in diese Unendlichkeit hinein will eine ganz
bestimmte Stimmung unserer Seele, ein ganz bestimmtes Gefuhl,
eine ganz bestimmte Empfindung unserer Seele sich ergieBen in
die Leerheit, die da entsteht, wo vorher Blau war. Und wollen wir
diese Seelenempfindung, wollen wir das, was da hinaus will in alle
unendlichen Fernen, wollen wir das benennen, dann haben wir da-
fur nur ein Wort: fromm fiihlt unsere Seele, fromm gegeniiber
einer Unendlichkeit, hingegeben fromm. Alle religiosen Gefuhle
der Menschheitsentwickelung haben im Grunde genommen eine
Nuance, welche das in sich schliefit, was ich jetzt hier fromm
nenne. Fromm hingegeben, religios gestimmt, moralisch ist der
Eindruck des blauen Himmelsgewolbes geworden. Eine moralische
Empfindung hat das Blau, das weithin sich dehnt, in unserer Seele
hervorgerufen: indem es als Blau verschwunden ist, lebte auf in
unserer Seele eine moralische Empfindung gegeniiber der auBeren
Welt.
Und jetzt wollen wir uns auf eine andere Empfindung besinnen,
wo wir wieder in anderer Weise uns moralisch stimmen konnen
gegeniiber der auBeren Natur. Wir wollen hinblicken, wenn die
Baume ausschlagen und die Wiesen sich mit Grim fiillen, wir wol-
len unseren Blick richten auf das Griin, das in der mannigfaltig-
sten Weise die Erde bedecken oder uns aus den Baurnen entgegen-
treten kann, und wir wollen es wieder so machen, daB wir alles
vergessen, was an auBeren Eindriicken auf unsere Seele wirken
kann, und uns lediglich hingeben dem, was da in der auBeren Na-
tur vor uns hintritt als das Griin. Wenn wir wieder imstande sind,
uns dem, was real als das Grime aufschieBt, hinzugeben, so konnen
wir dies wieder so weit treiben, daB das Grime als Griines fiir uns
verschwindet, wie friiher das Blaue als Blaues verschwunden ist.
Wir konnen also wieder nicht sagen, eine Farbe breitet sich vor
unserem Blick aus, dafiir aber — ich bemerke ausdriicklich, ich
erzahle Dinge, die jeder an sich erfahren kann, der die betreffen-
den Veranstaltungen macht, — fiihlt die Seele eigenartig. Sie fiihlt:
Jetzt verstehe ich das, was ich erlebe, wenn ich in mir vorstelle,
wenn ich in mir denke, schaffe, wenn ein Gedanke in mir auf-
schieBt, wenn eine Vorstellung in mir erklingt! Das verstehe ich
erst jetzt, das lehrt mich erst das HervorsprieBen des Griinen iiber-
all urn mich herum. Ich fange an, das Innerste meiner Seele zu ver-
stehen an der auBeren Natur, wenn sie als auBerer Natureindruck
verschwunden ist und mir ein moralischer Eindruck dafur geblieben
ist. Das Griin der Pflanzen sagt es mir, wie ich fiihlen sollte in mir
selbst, wenn meine Seele begnadet ist, Gedanken zu denken, Vor-
stellungen zu hegen. — Wiederum ist ein auBerer Natureindruck
verwandelt in eine moralische Empfindung.
Oder wir blicken hin auf eine weiBe Schneeflache. Sie kann in
derselben Art, wie das jetzt hier fur das Blau des Himmels und das
Griin der Pflanzendecke geschildert worden ist, in uns eine mora-
lische Empfindung auslosen. Sie wird die moralische Empfindung
auslosen fur alles das, was wir nennen die Erscheinung des Stof-
fes in der Welt. Und erst, wenn man iiber die weiBe Schneedecke
hinschauend alles iibrige vergessen hat und das WeiBe empfindet
und dann verschwinden laBt, dann bekommt man ein Verstandnis
fur das, was die Welt als Stoff erfiillt. Dann fiihlt man den Stoff
webend und wesend in der Welt.
Und so kann man alle auBeren Gesichtseindriicke in moralische
verwandeln, so kann man Gehoreindriicke in moralische Empfin-
dungen verwandeln. Nehmen wir an, wir horen einen Ton und
horen daraufhin seine Oktave. Wenn wir gegeniiber diesem Zwei-
klang eines Grundtones und seiner Oktave wiederum unsere Seele
so stimmen, daB sie alles iibrige vergiBt, alles sonstige aus sich aus-
schaltet und dann, ganz hingegeben diesem Zweiklange des Grund-
tones der Prim und der Oktave, endlich es dahinbringt, trotzdem
diese zwei Tone tonen, sie nicht mehr zu horen, gleichsam die
Aufmerksamkeit abzuwenden von diesem Zweiklang, dann finden
wir, daB in unserer Seele wiederum eine moralische Empfindung
losgelost wird. Wir fangen dann an, ein geistiges Verstandnis zu
empfangen fur das, was wir erleben, wenn in uns ein Wunsch lebt,
der uns zu irgend etwas hinfiihren will, und dann unsere Vernunft
auf diesen Wunsch wirkt. Das Zusammenklingen von Wunsch und
Vernunft, von Gedanke und Begierde, wie sie in der menschlichen
Seele leben, dies empfindet sie an einem Ton und seiner Oktave.
So konnten wir die mannigfaltigsten Sinnesempfindungen auf
uns wirken lassen. Wir konnten auf diese Weise das, was wir rings-
herum in der Natur durch unsere Sinne wahrnehmen, gleichsam
verschwinden lassen, so daB diese sinnliche Decke hinweggehoben
wird; dann wiirden iiberall moralische Empfindungen der Sym-
pathie und Antipathie auftreten. Und wenn wir auf diese Weise
uns angewohnen, alles das, was unsere Augen sehen, was unsere
Ohren horen, was unsere Hande greifen, was unser Verstand, der
an das Gehirn gebunden ist, versteht, auszuschalten und uns an-
gewohnen, doch der Welt gegeniiberzustehen, dann wirkt ein Tie-
feres in uns als die Sehkraft unserer Augen, als die Horkraft unserer
Ohren, als die Verstandeskraft unseres Gehirndenkens: dann stehen
wir mit einem tieferen Wesen der AuBenwelt gegenuber. Dann
wirkt die Weite der Unendlichkeit auf uns so, daB wir religios
gestimmt werden. Dann wirkt die griine Pflanzendecke auf uns so,
daB wir uns selbst in unserem Innern geistig erbliihen fiihlen und
empflnden. Dann wirkt die weiBe Schneedecke so, daB wir an ihr
Verstandnis gewinnen, was Materie, was Stoff ist in der Welt. Dann
erfafit etwas Tieferes in uns die Welt als das, was sonst die Welt
erfaBt. Daher kommen wir auf diese Weise auch zu etwas Tieferem
in der Welt als sonst. Da ist gleichsam hinweggezogen der auBere
Schleier der Natur, und wir kommen in eine Welt, die hinter die-
sem auBeren Schleier liegt.
Geradeso wie wir, wenn wir hinter den physischen Leib des Men-
schen blicken, in den Ather- oder Lebensleib gelangen, so kommen
wir auf diese Weise in ein Gebiet, auf dem sich uns nach und nach
mannigfaltige Wesenheiten enthullen, jene Wesenheiten, welche
hinter dem mineralischen Reich, hinter dem pflanzlichen und tie-
rischen Reich wesen und kraften. Die atherische Welt geht uns
nach und nach differenziert in ihren Einzelheiten auf. Man hat in
der okkulten Wissenschaft immer das, was auf die geschilderte
Weise dem Menschen nach und nach aufgeht, die elementarische
Welt genannt, und diejenigen geistigen Wesenheiten, zu denen wir
kommen, wenn der Weg beschritten wird, von dem wir gesprochen
haben, diese geistigen Wesenheiten sind die elementarischen Gei-
ster, die hinter allem Physisch-Sinnlichen verborgen liegen.
Ich sagte schon, wahrend der atherische Leib des Menschen ein
Einheitliches ist, ist das, was wir als die atherische Welt der ganzen
Natur wahrnehmen, eine Vielheit, eine Mannigfaltigkeit. Wie kon-
nen wir denn, da das etwas ganz Neues ist, was wir da wahrneh-
men, uns in die Moglichkeit versetzen, etwas zu beschreiben von
dem, was da hinter der auBeren Natur allmahlich auf uns ein-
dringt? Nun, wir konnen es, wenn wir vergleichsweise an das an-
kniipfen, was bekannt ist. Wir finden in der ganzen Mannigfaltig-
keit, die da hinter der physischen Welt liegt, zunachst Wesenheiten,
welche abgeschlossene Bilder geben fur den okkulten Blick. Ja, ich
muB schon an Bekanntes ankniipfen, urn das zu charakterisieren,
was wir da zunachst finden. Abgeschlossene Bilder, Wesenheiten
von bestimmter Begrenzung nehmen wir wahr, von denen wir
sagen konnen, daB sie sich ihrer Form oder Gestalt nach beschrei-
ben lassen. Diese Wesenheiten sind die eine Klasse dessen, was wir
zunachst finden hinter der physisch-sinnlichen Welt. Eine zweite
Klasse von Wesenheiten, die wir da finden, konnen wir nur be-
schreiben, wenn wir absehen von dem, was sich in festen Formen
zeigt, was feste Gestalten hat, wenn wir aussprechen das Wort
Metamorphose, Gestaltenwandlung. Das ist das Zweite, was sich
dem okkulten Blick darbietet. Wesen, die bestimmte Formen haben,
gehoren zur einen Klasse, Wesen, die eigentlich in jedem Augen-
blick ihre Gestalt wandeln, die, indem sie uns entgegentreten und
wir glauben sie zu fassen, schon wieder anders sind, so daB wir
ihnen nur folgen konnen, wenn wir selber unsere Seele beweglich
und empfanglich machen, gehoren zu dieser zweiten Klasse.
Der okkulte Blick findet die erste Klasse von Wesenheiten, die
eine ganz bestimmte Form haben, eigentlich nur dann, wenn er
von solchen Voraussetzungen aus, wie sie Ihnen geschildert wor-
den sind, in die Tiefen der Erde hineindringt. Ich habe Ihnen
gesagt, man soli alles das, was in der AuBenwelt auf uns wirkt, zu
moralischer Wirkung erheben, wie es geschildert worden ist. Wir
haben als Beispiel angefiihrt, wie man zu moralischen Eindriicken
erheben kann das Blau des Himmels, das Griin der Pflanzen, das
WeiB des Schnees. Nehmen wir an, wir dringen in das Innere der
Erde ein. Wenn wir uns zu Genossen, sagen wir, von Bergarbeitern
machen, dann kommen wir, in das Innere der Erde dringend, aller-
dings in Gebiete, in denen wir nicht unser Auge zunachst so schulen
konnen, daB es einen Blick in einen moralischen Eindruck ver-
wandelt. Aber wir merken da in unserem Gefiihl Warme, differen-
zierte Warmeunterschiede. Diese miissen wir erst empfinden, das
muB der physische Eindruck, der physische Natureindruck sein,
wenn wir in das Reich des Irdischen eintauchen. Wenn wir diese
Warmedifferenzen, diese Warmeverschiebungen ins Auge fassen
und das, was sonst auf unsere Sinne wirkt, indem wir da hinunter-
gehen, auBer acht lassen, dann bekommen wir gerade durch dieses
Eindringen in das Innere der Erde, durch dieses Uns-verbunden-
Fiihlen mit dem Wirksamen des Inneren der Erde, ein bestimmtes
Erlebnis: Wenn wir namlich dann alles auBer acht lassen, was da
Eindriicke macht, wenn wir uns bemiihen, da unten nichts zu emp-
finden, audi nicht die Warmedifferenzen, durch die wir uns nur
vorbereitet haben, wenn wir uns bemiihen, nichts zu horen und zu
sehen, sondern den Eindruck nachwirken zu lassen so, daB das als
ein Moralisches aus unserer Seele herauftaucht, dann ersteht vor
unserem okkulten Blick diejenige Klasse von schaffenden Natur-
wesenheiten, die eigentlich in allem Irdischen, namentlich in allem
Metallischen, fur den Okkultisten real wirksam ist und die sich
seiner Imagination, seiner imaginativen Erkenntnis in scharfum-
rissenen Gestalten der verschiedensten Art zum Ausdruck bringt.
Derjenige, der mit einer okkulten Erziehung und zu gleicher Zeit
mit einer gewissen Liebe zur Sache — die gehort ganz besonders
dazu auf diesem Gebiete — sich zum Genossen von Bergleuten
macht, der in Bergwerke eindringt und da unten vergessen kann
alle auBeren Eindriicke, der fiihlt aufgehen vor seiner Imagination
die nachste Klasse sozusagen von Wesenheiten, die hinter allem
Irdischen, allem Metallischen namentlich, schaffend und webend
sind. Ich spreche heute noch nicht davon, wie Volksmarchen und
Volkssagen sich dessen, was in solcher Weise real ist, bemachtigt
haben, ich mochte Ihnen zuerst einraal gleichsam trocken die Tat-
sachen, die sich dem okkulten Blick darbieten, erzahlen. Denn
nach der Aufgabe, die mir gestellt ist, muB ich empirisch vorgehen,
mufi ich zunachst erzahlen, was man da findet in den verschiedenen
Naturreichen. So habe ich es verstanden, als das Thema mir gestellt
worden ist.
Ebenso, wie man mit dem okkulten Blick so in seiner Imagina-
tion festbegrenzte Naturwesenheiten wahrnimmt, wie man auf diese
Weise festgeformte Wesenheiten vor sich haben kann, fur die man
Grenzen sieht, die man aufzeichnen kbnnte, so ergibt sich eine
andere Moglichkeit fur den okkulten Blick, einen Eindruck zu
haben von Wesenheiten, die unmittelbar hinter dem Schleier der
Natur stehen. Wenn man, sagen wir, an einem Tag, wo die Witte-
rungsverhaltnisse sich jeden Augenblick andern, wo beispielsweise
Wolken sich bilden, aus den Wolken der Regen herunterfallt, wo
viellekht auch, von der Erdoberflache ausgehend, wiederum Nebel
sich aufwarts heben — wenn man an einem solchen Tage sich diesen
Erscheinungen in derselben Weise hingibt, wie vorhin geschildert,
so daB man einen moralischen Eindruck an die Stelle des physischen
treten laBt, dann kann man wieder ein bestimmtes Erlebnis haben.
Besonders geeignet ist es, wenn man sich dem eigentiimlichen Spiel
hingibt, sagen wir, einer in einem Wasserfall sich zerstaubenden,
sich iiberschlagenden Wassermasse; wenn man sich hingibt den
sich bildenden, skh auflosenden Nebeln und dem Wasserdunst,
der die Luft erfiillt und rauchformig nach oben geht, oder wenn
man einen feinen Regen nach unten stromen sieht oder auch ein
leises Rieseln durch die Luft gehen fuhlt. Wenn man all dem
gegenuber moralisch empfindet, so ergibt das die zweite Klasse von
Wesenheiten, denen gegenuber wir anwenden mochten das Wort
Metamorphose, Verwandlung. Diese zweite Gruppe von Wesen-
heiten konnten wir nicht zeichnen, so wenig wie man eigentlich
den Blitz malen kann. Man kann eine bestimmte Gestalt, die nur
einen Augenblick vorhanden ist, festhalten, im nachsten ist das
alles schon verwandelt. Also solche sich immer verwandelnden
Wesenheiten, deren Symbol wir fur die Imagination hochstens
finden konnen in den sich verwandelnden Wolkengebilden, sie
erscheinen uns als die zweite Klasse von Wesenheiten.
Aber wir machen noch auf eine andere Weise als Okkultisten
Bekanntschaft gerade mit diesen "Wesenheiten. Wenn wir Pflanzen
betrachten, wie sie zur Friihlingszeit aus der Erde herauskommen
- wohlgemerkt, wenn sie die ersten griinen Sprossen heraustreiben,
nicht spater, wenn sie sich schon anschicken, Friichte zu tragen — ,
dann fiihlt der okkulte Blick, daB dieselben Wesenheiten, die er ent-
deckt hat in den zerstaubenden und sich wiederum iiberschlagenden
Wassermassen und in den sich sammelnden Nebeln, umspiilen die
Pflanzenknospen. So daB wir sagen konnen, daB, wenn wir hier
aus der Erde die Pflanze heraussprossen sehen, wir sie iiberall um-
spiilt sehen von solchen sich metamorphosierenden Wesenheiten.
Und der okkulte Blick fiihlt dann, als wenn das, was da oben un-
sichtbar iiber der Pflanzenknospe webt und west, etwas zu tun
hatte mit dem, was die Pflanze aus dem Boden herausstreben macht,
herausholt aus dem Boden. Ja sehen Sie, meine lieben Freunde, die
gewohnliche physische Wissenschaft erkennt nur das Wachstum
der Pflanzen, weiB nur, daB die Pflanze eine Triebkraft hat, die
von unten nach oben sprieBt. Der Okkultist aber erkennt: Bei der
Bliite ist das anders. Nehmen wir an, da ware ein junger Pflanzen-
sproB. Der Okkultist erkennt um den jungen PflanzensproB herum
sich metamorphosierende Wesenheiten, die gleichsam entlassen sind
aus der Umgebung und herunterdringen; die nicht bloB, wie es das
physische Wachstumsprinzip tut, von unten nach oben gehen, son-
dern die von oben nach unten wirkend die Pflanzen herausholen aus
dem Boden. So daB der okkulte Blick im Fruhling, wenn die Erde
sich mit Griin iiberdeckt, etwas fiihlt wie aus dem Weltall hernieder-
steigende Naturkrafte, die herausholen das, was in dem Erdenboden
ist, damit das Erdeninnere ansichtig werden kann des Himmels, der
auBeren Umwelt. Ein immer Bewegliches ist iiber der Pflanze, und
das ist das Charakteristische, daB der okkulte Blkk sich eben eine
Empfindung dafiir aneignet, daB das, was da die Pflanze umwebt,
dasselbe ist, was in dem verdunstenden und sich zu Regen ballen-
den Wasser auch vorhanden ist. Das ist die zweite Klasse von,
sagen wir, Naturkraften und Naturwesenheiten.
Wenn wir morgen ubergehen zur Schilderung der dritten und
vierten Klasse, die noch viel interessanter ist, so wird sich uns das
noch genauer zeigen. Das miissen wir festhalten, wenn wir solche
Betrachtungen anstellen, die so weit abliegen von dem gegen-
wartigen BewuBtsein der Menschheit: Alles, was uns entgegen-
tritt im Physischen, ist durchzogen von einem Geistigen. Wie wir
uns den einzelnen Menschen durchdrungen zu denken haben von
dem, was der okkulte Blick als den Atherleib sieht, so haben wir
uns alles, was da drauBen in der Welt webt und west, durchdrungen
zu denken von einer Vielheit, von einer Mannigfaltigkeit von gei-
stigen, spirituellen lebendigen Wesenheiten und Kraften. Das soil
der Gang unserer Betrachtungen sein, daB wir zunachst einfach
die Tatsachen schildern, die der okkult geschulte Blkk erleben
kann an der AuBenwelt; Tatsachen, die sich ergeben, wenn wir
anschauen die Tiefen der Erde, den Luftkreis, das, was in den ein-
zelnen Naturreichen geschieht, was in den Himmelsweiten bei den
sich bewegenden Planeten, bei den die Himmelsraume erfullenden
Fixsternen geschieht, und daB wir das Ganze erst zuletzt zu einer
Art von theoretischer Erkenntnis verbinden, die uns aufklaren
kann iiber das, was geistig unserem physischen Weltall und seinen
verschiedenen Reichen und Gebieten zugrunde liegt.
ZWEITER VORTRAG
Helsingfors, 4. April 1912
Gestern abend versuchte ich zunachst, den Weg zu zeigen, der die
menschliche Seele hinfiihrt zur Beobachtung jener geistigen Welt,
die unmittelbar hinter unserer sinnlich-physischen Welt verborgen
ist, und ich versuchte aufmerksam zu machen auf zwei Klassen,
auf zwei Kategorien von geistigen Wesenheiten, welche der okkulte
Blick findet, wenn er in der gestern geschilderten Art den Schleier
hinweghebt von der Sinneswelt. Es sollen zunachst heute noch
zwei andere Arten, Kategorien von Naturgeistern besprochen wer-
den. Die eine Art, also eine besondere Kategorie, ergibt sich fur
den okkult geschulten Blick dann, wenn man beobachtet das all-
mahliche Hinwelken und Absterben, sagen wir, der Pnanzenwelt
im Spatsommer oder im Herbst, uberhaupt das Absterben der
naturlichen Wesenheiten. Schon wenn die Pflanzen beginnen,
Friichte zu entwickeln in ihren Bliiten, kann man dieses Entwickeln
der Friichte so auf die Seele wirken lassen, wie wir es gestern ge-
schildert haben. Und auf dieselbe Weise, wie das gestern geschildert
worden ist, erhalt man dann fur seine Imagination den Eindruck
von geistigen Wesenheiten, welche etwas zu tun haben mit dem
Absterben, mit dem Hinwelken der natiirlichen Wesenheiten. So
wie wir gestern schildern konnten, daB die Pflanzen im Friihling
gleichsam herausgezogen werden aus der Erde von gewissen Wesen-
heiten, die einer fortwahrenden Metamorphose unterliegen, so
konnen wir sagen: Wenn die Pflanzen zum Beispiel sich allmahlich
heranentwkkelt haben und wiederum die Notwendigkeit beginnt,
daB sie welken, dann greifen andere Wesenheiten ein, Wesenheiten,
von denen wir nicht einmal sagen konnen, daB sie ihre Gestalten
fortwahrend verwandeln, denn wir konnen eigentlich von ihnen
nur sagen, daB sie keine rechte Gestalt haben. Blitzartig aufleuch-
tend, wie kleine Meteore aufleuchtend und wieder verschwindend,
so erscheinen sie uns, wieder auf blitzend und wieder verschwindend,
so daB sie eigentlich gar keine bestimmte Gestalt haben, sondern
wie liber unsere Erde hinhuschend, meteor- oder irrlichtartig auf-
leuchtend und verglimmend sind. Diese Wesenheiten hangen zu-
nachst zusammen mit dem Heranreifen alles dessen, was in den
Reichen der Natur vorhanden ist. Damit Wesenheiten in den Natur-
reichen reif werden konnen, sind diese Krafte oder Wesenheiten
vorhanden. Fur den okkulten Blick sind diese Wesenheiten eigent-
lich nur dann wahrnehmbar, wenn er sich einzig und allein auf
die Luft selber richtet, und zwar auf eine moglichst reine Luft. Wir
haben die zweite Art von Naturwesenheiten gestern so schildern
miissen, daB wir das verspriihende oder sich wieder sammelnde
Wasser auf uns wirken lassen, das in den Wolkengebilden oder
sonstwie unserer Betrachtung sich darbietet. Moglichst wasserreine
Luft, die vom Sonnenlicht und von der Sonnenwarme durchspielt
wird, muB auf die Seele wirken, wenn man die Imagination von
diesen meteorisch aufleuchtenden und wieder verglimmenden
Wesenheiten erhalten will, welche gleichsam unsichtbar in der
wasserreinen Luft leben und gierig einsaugen das Licht, von dem
die Luft durchdrungen ist und das sie aufglanzen und aufleuchten
laBt. Diese Wesenheiten sind es, die sich dann niedersenken zum
Beispiel auf die Pflanzenwelt oder auch auf die tierische Welt und
das Reifen besorgen.
Wir sehen schon aus der Art, wie wir zu diesen Wesenheiten
kommen, daB sie in einer gewissen Beziehung stehen zu dem, was
man im Okkultismus von altersher die Elemente nennt. Was wir
gestern als die erste Art solcher Wesenheiten geschildert haben,
findet man ja, wenn man in die Tiefen der Erde hinuntersteigt,
wenn man in das Feste unseres Planeten eindringt; da ergeben
sich fur unsere Imagination Wesenheiten von einer bestimmten
Form, so daB wir diese Wesenheiten auch nennen konnen die
Naturgeister des Festen oder die Naturgeister der Erde. Die zweite
Kategorie, die wir gestern schilderten, fanden wir im sich zu-
sammenziehenden und auseinanderstiebenden Wasser; daher konnen
wir diese geistigen Wesenheiten in Zusammenhang bringen mit
dem, was der Okkultismus von altersher das fliissige oder Wasser-
element nennt. Darinnen metamorphosieren sie sich, iibernehmen
gleichzeitig die Rolle, alles das, was wachst, was hervorsprieBt,
aus dem Erdboden herauszuziehen. Und mit dem Element der
moglichst wasserfreien Luft stehen diejenigen Wesenheiten in
Zusammenhang, von denen wir heute sprechen konnten. So daB
wir reden konnen von Naturgeistern der Erde, des Wassers und
der Luft.
Noch eine vierte Kategorie von solchen geistigen Wesenheiten
konnen wir ins Auge fassen. Der okkulte Blick kann sich bekannt
machen mit dieser vierten Kategorie, wenn er wartet, bis eine Bliite
es zur Frucht und zum Keim gebracht hat, und dann beobachtet,
wie der Keim allmahlich heranwachst zu einer neuen Pflanze. Nur
bei dieser Gelegenheit kann man leicht — sonst ist es schwierig —
die vierte Art dieser Wesenheiten beobachten, denn die vierte Art,
das sind die Bewahrer aller Keime, aller Samen innerhalb unserer
Naturreiche. Sie tragen als die Hiiter den Samen von einer Gene-
ration von Pflanzen oder auch anderen Naturwesen hinuber zu der
nachsten Generation. Und beobachten konnen wir, daJ3 diese Wesen-
heiten, welche die Bewahrer der Samen oder der Keime sind und
es dadurch moglich machen, daB immer wieder dieselben Wesen
auf unserer Erde auftauchen, daB diese Wesenheiten zusammen-
leben mit der Warme unseres Planeten, mit dem, was man von
altersher genannt hat das Element des Feuers oder das Element
der Warme. Deshalb sind auch die Samenkrafte verbunden mit
einem bestimmten Warmegrad, mit einer bestimmten Temperatur.
Und wenn der okkulte Blick ganz genau beobachtet, dann findet
er eben, daB die notige Umwandlung der Warme der Umgebung
in eine solche Warme, wie sie der Same oder der Keim braucht,
um heranzureifen, daB diese Umwandlung der leblosen Warme in
die lebendige Warme besorgt wird von solchen Wesenheiten. Da-
her kann man diese Wesenheiten auch als die Naturgeister der
Warme oder des Feuers bezeichnen. So daB wir nun zunachst -
das Genauere werden wir schon in den nachsten Vortragen horen -
vier Kategorien von Naturgeistern kennengelernt haben, welche
eine gewisse Beziehung haben zu dem, was man die Elemente Erde,
Wasser, Luft und Feuer nennt, gleichsam als ob diese geistigen
Wesenheiten ihren Bezirk, ihr Territorium hatten in diesen Ele-
menten, wie der Mensch selber seinen Bezirk, sein Territorium
auf dem ganzen Planeten hat. Wie er da heimisch ist gegeniiber
dem Weltenall, so haben diese Wesenheiten ihr Territorium je in
einem der genannten Elemente.
Wir haben schon gestern darauf aufmerksam gemacht, daB diese
verschiedenen Wesenheiten fur unsere gesamte Erde mit ihren
Naturreichen, also fur unsere irdische, physische Welt, dasjenige
bedeuten, was fur den einzelnen Menschen der atherische Korper
oder Lebenskorper oder Lebensleib bedeutet. Nur, haben wir ge-
sagt, ist dieser Lebensleib eine Einheit, wahrend der Atherkorper
der Erde aus vielen, vielen solchen Naturgeistern besteht, die noch
dazu in vier Kategorien zerfallen. In dem lebendigen Zusammen-
wirken dieser Naturgeister besteht der atherische oder Lebensleib
der Erde. Der ist also keine Einheit, sondern der ist eine Vielheit,
eine Mannigfaltigkeit. Wenn man diesen atherischen Korper der
Erde erkennen will mit dem okkulten Blick, dann muB man,
wie es gestern geschildert worden ist, die physische Welt mora-
lisch auf sich wirken lassen und dadurch den Schleier der physi-
schen Welt hinwegziehen. Dann wird gleichsam das, was unmittel-
bar unter diesem Schleier liegt, dieser atherische Leib der Erde,
sichtbar.
Wie ist es nun, wenn man auch das hinwegzieht, was als solcher
atherischer Leib der Erde zu bezeichnen ist? Wir wissen ja, daB als
drittes Glied der menschlichen Wesenheit hinter dem atherischen
Korper der astralische Leib, der astralische Korper ist, der Korper,
welcher der Trager unserer Begierden, unserer Wiinsche, unserer
Leidenschaften ist So daB wir, wenn wir von den hoheren Gliedern
der Menschennatur absehen, sagen konnen: Wir haben zuerst am
Menschen den physischen Leib, dann hinter dem physischen Leib
den atherischen und hinter dem atherischen den astralischen Leib.
Geradeso ist es bei der auBeren Natur: Wenn wir das Physische
hinwegziehen, kommen wir allerdings auf eine Vielheit, aber diese
stellt uns dar den atherischen Leib unserer gesamten Erde mit alien
ihren Naturreichen. Konnen wir nun auch von einer Art astra-
lischem Leib der Erde sprechen, von etwas, was in bezug auf die
ganze Erde, in bezug auf alle Reiche unserer Erde dem astralischen
Leib des Menschen entspricht? Man kann allerdings nicht so leicht
zu diesem astralischen Leib der Erde vorrucken wie zu dem athe-
rischen Korper. Wir haben gesehen, daB man einfach zu dem athe-
rischen Leib vorriickt, wenn man die Erscheinungen der Welt nkht
bloB durch die Sinneseindriicke, sondern moralisch auf sich wirken
laBt. Will man aber weiterdringen, dann sind fur den Menschen
tiefere okkulte Ubungen notwendig, wie Sie sie zum Teil, soweit sie
in einer auBeren Publikation mitgeteilt werden konnen, beschrieben
finden in meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der
hoheren Welten?» Bei einem bestimmten Punkt der esoterischen
oder okkulten Entwickelung, wie Sie dort nachlesen konnen, be-
ginnt ja der Mensch auch in der Zeit, in welcher er sonst bewuBt-
los ist, namlich vom Einschlafen bis zum Aufwachen, bewuBt zu
werden. Wir wissen ja, daB der gewohnliche bewuBtlose Zustand,
der gewohnliche Schlafzustand des Menschen darauf beruht, daB
der Mensch im Bette liegenlaBt seinen physischen Leib und Ather-
leib und den astralischen Leib und das andere, was zu ihm gehort,
herauszieht: aber dann ist der Mensch auch fur den normalen Zu-
stand bewuBtlos. Wenn er immer mehr und mehr sich jenen
Ubungen hingibt, die in Meditation und Konzentration und so
weiter liegen, wenn er die schlummernden verborgenen Krafte
seiner Seele immer kraftiger macht, dann kann er einen bewufiten
Schlafzustand herstellen, so daB der Mensch nicht bewuBtlos ist,
wenn er seinen astralischen Leib aus dem physischen und Atherleib
herausgeholt hat, sondern daB er dann um sich herum hat aller-
dings nicht die physische Welt, auch nicht die Welt, die bisher
geschildert worden ist, die Welt der Naturgeister, sondern eine
andere, eine noch spirituellere, eine geistigere Welt als die bisher
geschilderte. Wenn der Augenblick eintritt fur den Menschen, daB
er sein BewuBtsein aufleuchten fuhlt, nachdem er sich freigemacht
hat von seinem physischen und seinem atherischen Leib, dann
nimmt er eine ganz neue Art von geistigen Wesenheiten wahr.
Das nachste, was dem okkulten Blick, der so weit geschult ist,
auffallt, das ist, daB diese neue Art von Geistern, die er jetzt wahr-
nimmt, glekhsam die Befehlshaber der Naturgeister sind. Machen
wir uns klar, inwieweit sie die Befehlshaber sind. Sehen Sie, ich
habe Ihnen gesagt, daB diejenigen Wesenheiten, die wir nennen
konnen die Naturgeister des Wassers, besonders bei der heraus-
spriefienden, aus dem Boden hervorquellenden Pflanzenwelt wir-
ken. Diejenigen Naturgeister, die wir nennen konnen die Natur-
geister der Luft, spielen mehr eine Rolle, wenn im Spatsommer
und im Herbst die Pflanzen verwelken, hinsterben sollen. Da sen-
ken sich die meteorartigen Luftgeister iiber die Pflanzenwelt her-
unter urid ersattigen sich gleichsam an der Pflanzenwelt, indem
sie diese in ihren Sommergestaltungen und Friihlingsgestaltungen
hinwelken lassen. Diese Ordnung, daB in der Hauptsache einmal
die Geister des Wassers, das andere Mai die Geister der Luft auf
diesem oder jenem Erdengebiet wirken, diese Dinge andern sich
ja nach den verschiedenen Erdengebieten; auf der nordlichen Erd-
halfte ist es selbstverstandlich ganz anders als auf der siidlichen.
Diese Anordnung, zu dem richtigen Zeitpunkt die entsprechenden
Naturgeister zu ihrer Beschaftigung gleichsam hinzudirigieren, tref-
fen diejenigen geistigen Wesenheiten, die man erst erkennen lernt,
wenn der okkulte Blick so weit geschult ist, daB der Mensch, wenn
er sich von seinem Atherleib und seinem physischen Leib befreit
hat, auch noch in seiner Umgebung etwas wahrnehmen kann. So
daB wir zum Beispiel sagen konnen: Es wirken mit unserer Erde,
mit unserem Erdenplaneten im Zusammenhang geistige Wesen-
heiten, welche die Arbeiten der Naturgeister auf die Jahreszeiten
verteilen, welche also den Wechsel der Jahreszeiten dadurch herbei-
fiihren fur die verschiedenen Gegenden der Erde, daB sie die Ar-
beiten der Naturgeister verteilen. Diese geistigen Wesenheiten
stellen dasjenige dar, was wir nennen konnten den Astralleib der
Erde. Sie sind auch dieselben, in welche der Mensch des Abends,
wenn er einschlaft, mit seinem eigenen astralischen Leib unter-
taucht. Mit der Erde verbunden ist dieser astralische Leib, der aus
hoheren Geistern besteht, und in das Gebiet dieser hoheren Geister,
die da umspielen den Erdplaneten und ihn durchdringen wie eine
geistige Atmosphare, taucht der eigene Astralleib des Menschen
wahrend der Nachtzeit unter.
Nun besteht fiir die okkulte Beobachtung ein groBer Unter-
schied zwischen den zuerst beschriebenen Kategorien von Natur-
geistern, den Geistern der Erde, den Geistern des Wassers und so
weiter, und diesen Geistern, welche die Naturgeister wiederum
dirigieren. Die Naturgeister beschaftigen sich damit, die Natur-
wesen reifen zu lassen, verwelken zu lassen, also Leben hineinzu-
bringen in das gesamte planetarische Erdgebiet. Anders ist das bei
diesen geistigen Wesenheiten, die wir in ihrer Gesamtheit als den
astralischen Leib der Erde bezeichnen konnen. Diese geistigen
Wesenheiten sind so, daB der Mensch, wenn er mit seinem okkulten
Blick sich mit ihnen bekannt machen kann, sie schon empfindet
als Wesenheiten, welche mit seiner eigenen Seele, mit seinem
eigenen Astralleib etwas zu tun haben, "Wesenheiten, welche so
wirken auf den astralischen Leib des Menschen und auch auf den
astralischen Leib der Tiere, daB wir nicht bloB von einer beleben-
den Wirkung sprechen konnen, sondern von einer Wirkung, wie
die Wirkung von Gefuhlen, von Gedanken auf unsere eigene Seele
ist. Die Naturgeister des Wassers, der Luft, die beobachtet man
und man kann sagen, sie seien in der Umgebung; diese geistigen
Wesenheiten, von denen wir jetzt sprechen, von denen kann man
nicht sagen, sie seien in unserer Umgebung, sondern man ist eigent-
lich immer mit ihnen vereint, wie in sie ergossen, wenn man sie
wahrnimmt. Man geht in ihnen auf, und sie sprechen zu einem
im Geiste. Es ist so, wie wenn man aus der Umgebung Gedanken
und Gefuhle wahrnehmen wurde, und auch Willensimpulse, Sym-
pathien und Antipathien kommen zum Ausdruck in demjenigen,
was da diese Wesenheiten uns an Gedanken, an Gefuhlen, an
Willensimpulsen zuflieBen lassen. So daB wir, man mochte sagen,
schon den menschlichen Seelen ahnliche Wesen in dieser Art, in
dieser Kategorie von Geistern zu sehen haben.
Wenn wir noch einmal zuriickblicken auf das, was wir angefiihrt
haben, so konnen wir sagen, daB auch alle Arten von Anord-
nungen in der Zeit, von Verteilung in den Zeit- und Raumver-
haltnissen mit diesen Wesenheiten zusammenhangen. Daher ist uns
im Okkultismus ein altes Wort erhalten zur Bezeichnung von
diesen Wesenheiten, die wir in der Gesamtheit erkennen als den
astralischen Leib der Erde, und dieses Wort wiirde, im Deutschen
ausgedriickt, heiBen: Geister der Umlaufszeiten. So daB also nicht
nur der regelmafiige Jahresumlauf im Wachsen und Verwelken
der Pflanzen, sondern auch der regelmaBige Umlauf, der sich in
bezug auf den Erdplaneten in Tag und Nacht ausdriickt, von
solchen Geistern bewirkt wird, welche zum astralischen Leib der
Erde zu rechnen sind. Mit anderen Worten, alles, was mit rhyth-
mischer Wiederkehr, rhythmischer Abwechslung, was mit dem
Wechsel der Zeitverhaltnisse und der Wiederholung der Zeit-
geschehnisse zusammenhangt, das wird angeordnet von geistigen
Wesenheiten, die alle zusammen zum astralischen Leib der Erde
gehoren und auf welche anwendbar ist der Name « Geister der
Umlaufszeiten unseres Planeten». Und dasjenige, was der Astronom
durch seine Berechnungen herausfindet von dem Umdrehen der
Erde um ihre Achse, das ist dem okkulten Blick dadurch wahr-
nehmbar, daB er um die ganze Erde herum verteilt weiB diese
Geister der Umlaufszeiten, welche wirklich die Trager der Krafte
sind, die die Erde um ihre Achse herum drehen. Es ist auBerordent-
lich wichtig, daB man in dem astralischen Leib der Erde alles das-
jenige sieht, was mit dem gewohnlichen Wechsel zusammenhangt,
mit dem Aufbliihen und Verbluhen der Pflanzen, aber auch alles
das, was mit dem Wechsel, bis zu Tag und Nacht hin, in den Jahres-
zeiten, in den Tageszeiten und so weiter zusammenhangt. Alles das,
was so geschieht, ruft in dem Beobachter, der so weit gekommen ist,
daB er mit seinem astralischen Leib aus seinem physischen und
Atherleib herausgehen und doch bewuBt bleiben kann, den Ein-
druck von geistigen Wesenheiten hervor, die eben zu den Geistern
der Umlaufszeiten gehoren.
Damit haben wir gleichsam den zweiten Schleier hinweggezogen,
den Schleier, der gewoben wird aus den Naturgeistern. Wir konn-
ten sagen: Den ersten Schleier, der gewoben ist aus den sinnlich-
physischen Eindriicken, den Ziehen wir hinweg und kommen 2um
Atherleib der Erde, zu den Naturgeistern. Dann konnen wir einen
zweiten Schleier hinwegziehen und kommen zu den Geistern der Um-
Iaufszeiten, die alles das, was in periodischer Weise wiederkehrt, was
einem rhythmischen Wechsel unterworfen ist, regeln und anordnen.
Nun wissen wir, daB in unseren eigenen Astralleibern wiederum
eingebettet ist das, was wir die hoheren Glieder der Menschen-
natur nennen konnen und was wir zunachst zusammenfassen als
das in unseren astralischen Leib eingebettete Ich. Von unserem
astralischen Leib haben wir schon gesagt, daB er in das Gebiet der
Geister der Umlaufszeiten, gleichsam in das wogende Meer der
Geister der Umlaufszeiten untertaucht: unser Ich, das schlaft eigent-
lich fur das normale BewuBtsein noch mehr als der astralische Leib.
DaB dieses Ich noch mehr schlaft, das wird derjenige Mensch, der
sich in einer okkulten Entwickelung befindet, der esoterisch sich
weiterbringt, dadurch gewahr, daB er zuerst eindringen lernt in
die Wahrnehmungen des astralischen Leibes, in die geistige Welt,
in die er untertaucht und die da besteht aus den Geistern der Um-
laufszeiten. Dieses Wahrnehmen ist eigentlich in gewisser Be-
ziehung eine gefahrliche Klippe der esoterischen Entwickelung.
Denn der astralische Leib des Menschen ist wiederum eine Einheit,
alles das aber, was im Gebiet der Geister der Umlaufszeiten ist, das
ist im Grunde genommen eine Vielheit, eine Mannigfaltigkeit. Und
da der Mensch, wie geschildert wurde, vereinigt ist mit dieser Man-
nigfaltigkeit, untergetaucht ist in diese Mannigfaltigkeit, so fiihlt
er sich, wenn er mit seinem Ich noch schlaft und mit seinem astra-
lischen Leib aufgewacht ist, wie zerstiickelt innerhalb der Welt der
Geister der Umlaufszeiten. Das muB auch bei einer regelrechten
esoterischen Entwickelung vermieden werden. Daher werden von
denjenigen, die Anweisung geben konnen zu einer solchen regel-
rechten Entwickelung, MaBregeln getroffen, daB der Mensch wo-
mdglich sein Ich gar nicht zum Einschlafen bringt, wenn sein
astralischer Leib schon aufgewacht ist. Der Mensch wiirde namlich,
wenn sein Ich schlaf end bliebe, wahrend sein astralischer Leib schon
aufgewacht ist, seinen inneren Zusammenhalt verlieren und wiirde
sich zerspalten wie Dionysos vorkommen in der ganzen astralischen
Welt der Erde, welche aus den Geistern der Umlaufszeiten besteht.
Bei einer richtigen esoterischen Entwickelung werden also Mafi-
regeln getroffen, daB dies nicht geschieht. Diese Mafiregeln be-
stehen darin, daB man Sorge tragt, daB derjenige, welcher durch
Meditation, Konzentration oder durch andere esoterische Ubungen
bis zur Hellskhtigkeit getrieben werden soli, in das ganze Gebiet
der hellsichtigen, der okkulten Beobachtung hinein zwei Dinge
behalt, zwei Dinge ja nicht verliert. Das ist auBerordentlich wichtig,
daB in jeder esoterischen Entwickelung alles so eingerichtet wird,
daB zwei Dinge nicht verlorengehen, die der Mensch im gewohn-
lichen Leben hat, die er allerdings leicht verlieren kann in der
esoterischen Entwickelung, wenn sie nicht richtig dirigiert wird.
Wird sie aber richtig dirigiert, dann wird er sie nicht verlieren. Das
erste ist, daB der Mensch nicht verliert die Erinnerung an alle Er-
lebnisse der gegenwartigen Inkarnation, wie er sie sonst hat in
seinem Gedachtnis. Der Zusammenhalt des Gedachtnisses darf nicht
zerstort werden. Mit diesem Zusammenhalt des Gedachtnisses meint
man auf dem Gebiet des Okkultismus noch viel mehr als im ge-
wohnlichen Leben. Im gewohnlichen Leben versteht man mit
diesem Gedachtnis eigentlich nur, daB man zuriickblicken kann
und wichtige Ereignisse seines Lebens nicht gerade aus dem Be-
wuBtsein verloren hat. Im Okkultismus meint man unter richtigem
Gedachtnis auch noch, daB der Mensch mit seiner Empfindung,
mit seinem Gefuhl nur auf das etwas gibt, was er schon in der
Vergangenheit geleistet hat, so daB sich der Mensch keinen anderen
Wert beimiBt als den Wert, den ihm die Taten seiner Vergangen-
heit geben.
Verstehen wir uns da nur ganz richtig, meine lieben Freunde!
Es ist damit etwas auBerordentlich Wichtiges gesagt. Wenn ein
Mensch durch seine okkulte Entwickelung dahin getrieben wiirde,
sich plotzlich zu sagen: Ich bin die Verkorperung dieses oder jenes
Geistes — , ohne daB irgendwie eine Berechtigung dazu vorliegen wiirde
durch alles das, was er bisher geleistet hat, was schon da ist in dieser
physischen Welt von ihm, dann wiirde im okkulten Sinn sein Ge-
dachtnis unterbrochen sein. Ein wichtiger Grundsatz in der okkulten
Entwickelung ist der, sich keinen anderen Wert beizumessen als
denjenigen, der da kommt aus den Leistungen in der physischen
Welt innerhalb der gegenwartigen Inkarnation. Das ist auBer-
ordentlich wichtig. Jeder andere Wert muB erst auf Grundlage einer
hoheren Entwickelung kommen, die sich erst dann ergeben kann,
wenn man zunachst feststeht auf dem Boden, daB man sich fur
nichts anderes halt, als was man in dieser Inkarnation hat leisten
konnen. Es ist das auch natiirlich, wenn man die Sache objektiv
betrachtet, denn das, was man geleistet hat in der gegenwartigen
Inkarnation, ist das Ergebnis auch der friiheren Inkarnationen; es
ist das, was Karma bisher aus uns gemacht hat. Was Karma noch
aus uns macht, miissen wir erst machen lassen, das diirfen wir nicht
in unseren Wert hineinrechnen. Kurz, wir werden, wenn wir uns
selber bewerten sollen, dies bei der beginnenden esoterischen Ent-
wickelung nur in der richtigen Weise tun, wenn wir uns unseren
Wert nur von dem beilegen lassen, was sich in der Erinnerung als
unser Vergangenes darbietet. Das ist das eine Element, das uns
erhalten bleiben muB, damit unser Ich nicht einschlaft, wahrend
unser astralischer Leib aufwacht.
Das zweite, was uns als gegenwartiger Mensch auch nicht ver-
lorengehen darf, ist der Grad unseres Gewissens, den wir in der
auBeren physischen Welt besitzen. Hier ist wiederum etwas, was
auBerordentlich wichtig ist, zu beachten. Sie werden schon ofter
erfahren haben, daB da oder dort irgend jemand eine okkulte Ent-
wickelung durchmacht. Wenn sie nicht in der richtigen Weise ge-
lenkt und geleket ist, dann kann man oftmals die Erfahrung machen,
daB der Mensch die Dinge in bezug auf Gewissensfragen leichter
nimmt als vor seiner okkulten Entwickelung. Vorher haben ihn Er-
ziehung, sozialer Zusammenhang geleitet, daB er dies oder jenes
tun oder nicht tun durfte. Nach Beginn einer okkulten Entwicke-
lung fangt sogar mancher, der friiher nicht gelogen hatte, zu liigen
an, nimmt die Dinge in bezug auf Gewissensfragen leichter, als er sie
friiher genommen hatte. Keinen Grad des uns angeeigneten Gewis-
sens diirfen wir verlieren. Gedachtnis so, daB wir uns unseren Wert
nur geben lassen aus der Betrachtung dessen, was wir schon gewor-
den sind, nicht durch irgendeine Anleihe auf die Zukunft, auf das,
was wir noch tun werden, Gewissen in dem Grade, wie wir es uns
erworben haben in der ganz gewohnlichen physischen Welt bisher,
das miissen wir uns erhalten. Wenn wir diese zwei Elemente in
unserem BewuBtsein erhalten, unser gesundes Gedachtnis, das uns
nicht vorgaukelt, etwas anderes zu sein als das, was sich als in unse-
ren Leistungen gelegen ergeben hat, und unser Gewissen, das uns
die Dinge moralisch nicht leichter nehmen laBt, als wir sie bisher
genommen haben, womoglich noch schwerer — , wenn wir uns diese
erhalten haben, dann kann niemals unser Ich einschlafen, wenn
unser astralischer Leib aufgewacht ist. Dann tragen wir den Zu-
sammenhalt unseres Ich hinein in die Welt, in der wir aufwachen
mit unserem astralischen Leib, wenn wir gleichsam wachend schla-
fen, wenn wir unser BewuBtsein hinuberretten in den Zustand, in
dem wir mit unserem astralischen Leib von dem physischen und
"atherischen Leib befreit sind. Und dann, wenn wir mit unserem
Ich aufwachen, dann fiihlen wir nicht nur unseren astralischen Leib
verbunden mit all den geistigen Wesenheiten, die wir heute geschil-
dert haben als die Geister der Umlaufszeiten unseres Planeten, son-
dern dann fiihlen wir in einer ganz eigenartigen Weise, daB wir
eigentlich nicht mehr eine unmittelbare Beziehung haben zu dem
einzelnen Menschen, der Trager dieses physischen Leibes, dieses
atherischen Leibes ist, in dem wir uns gewohnlich befinden. Wir
fiihlen sozusagen alles dasjenige, was nur als Eigenschaften unseres
physischen Leibes, unseres atherischen Leibes sich ergibt, wie von
uns genommen. Wir fiihlen daher dann auch von uns genommen
alles das, was nur auBerlich leben kann auf irgendeinem Territo-
rium unseres Planeten, denn was auf einem Territorium unseres
Planeten lebt, hangt eben zusammen mit den Geistern der Um-
laufszeiten. Jetzt aber fiihlen wir, wenn wir mit unserem Ich auf-
wachen, nicht nur uns ergossen in die ganze Welt der Geister der
Umlaufszeiten, sondern wir fiihlen uns eins mit dem ganzen ein-
heitlichen Geist des Planeten selber; wir wachen in dem einheit-
lichen Geist des Planeten selber auf.
Das ist auBerordentlich wichrig, daB wir uns fiihlen wie zum
ganzen Planeten gehorig. Es driickt sich zum Beispiel, urn eine Ein-
zelheit zu sagen, fur den geniigend aufgewachten okkulten Blick
dieses Leben mit dem Planeten so aus, daB der Mensch dann, wenn
er so weit gekommen ist, dafi sein Ich und sein astralischer Leib
zugleich aufwachen, allerdings wahrend des Tagwachens, wenn er
in der Sinneswelt ist, die Sonne verfolgt, wie sie iiber den Himmel
hin zieht von der Morgen- bis zur Abenddammerung, daB ihm
aber die Sonne nicht entschwindet, wenn er einschlaft, Wenn er ein-
schlaft, bleibt die Sonne mit ihm verbunden. Sie hort nicht auf zu
leuchten, nur nirnmt sie einen geistigen Charakter an. So daB der
Mensch, wenn er nun wirklich wahrend der Nacht dann schlaft,
die Sonne auch wahrend der Nacht verfolgt. Der Mensch ist eben
so, daB er mit den wechselnden Zustanden des Planeten nur inso-
fern etwas zu tun hat, als er in seinem astralischen Leib lebt. Mit
diesen wechselnden Zustanden des Planeten hat er aber dann nichts
zu tun, wenn er sich seines Ich bewuBt wird. Da wird er sich aller
Zustande bewuBt, die sein Planet durchmachen kann. Er, der
Mensch, ergieBt sich dann in die ganze Substanz des Planetengeistes.
Sie diirfen, indem ich dieses so ausspreche, nicht etwa glauben,
daB mit dem Ausspruch: Der Mensch ist eins geworden mit dem
Planetengeist, lebt in Einheit mit diesem Planetengeist — schon etwas
Ungeheures in bezug auf Hellsichtigkek gesagt ist. Es ist dies doch
zunachst so, wie es hier gemeint ist, nur ein Anfang. Denn wenn
der Mensch in der geschilderten Weise aufwacht, dann ist es so,
daB er eigentlich nur den Planetengeist wie im allgemeinen mit-
erlebt, wahrend dieser Planetengeist aus vielen, vielen Einzelheiten,
aus wunderbaren einzelnen geistigen Wesenheiten besteht, wie wir
in den folgenden Vortragen horen werden. Die Einzelheiten des
Planetengeistes, die besonderen Mannigfaltigkeiten dieses Geistes
nirnmt der Mensch noch nicht wahr. Was er wahrnimmt, ist, daB
er zunachst weiB: Ich lebe in dem Planetengeist eingetaucht wie in
dem Meere, das eben den ganzen Erdplaneten geistig umspiilt und
der Geist der Erde also selber ist. — Man kann ungeheuer lange Ent-
wickelungen durchmachen, um dieses Einswerden mit dem Planeten-
geist immer weiter und weiter zu erleben, aber der Anfang ist mit
dem gemacht, was geschildert worden ist. So wie wir beim Men-
schen also sagen: hinter seinem astralischen Leib ist sein Ich, so
sprechen wir davon, daB hinter all dem, was wir die Gesamtheit
der Geister der Umlaufszeiten nennen, verborgen ist der Geist des
Planeten selbst, der Planetengeist. Wahrend die Geister der Um-
laufszeiten die Naturgeister der Elemente dirigieren, um auf dem
Erdenplaneten rhythmischen Wechsel, Wiederholungen in der Zeit,
Abwechselung im Raum hervorzurufen, hat der Geist der Erde eine
andere Aufgabe. Dieser Geist der Erde hat die Aufgabe, die Erde
selber in Wechselbeziehung zu bringen zu den iibrigen Himmels-
korpern der Umgebung, sie so zu dirigieren und zu lenken, daB sie
im Laufe der Zeiten in die richtigen Stellungen kommt zu den
anderen Himmelskorpern. Dieser Geist der Erde ist gleichsam der
groBe Sinnesapparat der Erde, durch den die Erde, der Erdenplanet,
in das richtige Verhaltnis zu der Umwelt kommt.
Wenn ich also die Aufeinanderfolge jener geistigen Wesenheiten,
mit denen wir es zunachst auf unserer Erde zu tun haben und zu
denen wir den Weg finden konnen durch eine allmahliche okkulte
Entwkkelung, zusammenfassen soil, so muB ich sagen: Wir haben
als den auBersten Schleier die Sinnenwelt mit aller ihrer Mannig-
faltigkeit, mit demjenigen, was wir ausgebreitet sehen fur unsere
Sinne, was wir mit dem Verstand des Menschen begreifen konnen.
Wir haben dann hinter der Sinneswelt liegen die Welt der Natur-
geister. Hinter der Welt der Naturgeister haben wir liegen die Welt
der Geister der Umlaufszeiten und dahinter den Planetengeist.
Wenn Sie dasjenige, was fur das normale BewuBtsein von diesem
Weltenaufbau vorliegt, vergleichen wollen mit diesem Weltenauf-
bau selber, dann konnen Sie sich das etwa so klarmachen: der
auBerste Schleier der Welt ware diese Welt der Sinne, dahinter die
Welt der Naturgeister, die Welt der Geister der Umlaufszeiten und
dahinter der Planetengeist. Nun miissen wir aber sagen, daB der
Planetengeist sich in seiner Wirksamkeit in einer gewissen Be-
ziehung durchdriickt bis zur Sinneswelt, so daB man in der Sinnes-
welt sein Abbild in gewisser Weise wahrnehmen kann, ebenso die
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IVatur 3*5e»)« i{rftft-e
Geister der Umlaufszeiten, ebenso die Naturgeister. So daB wir,
wenn wir die Sinneswelt selber mit dem normalen BewuBtsein
beobachten, in dieser Sinneswelt gleichsam wie in einem Aufdruck
von hinten die Spur dieser Welten haben, die dahinter liegen,
etwa so, wie wenn wir in der obersten Haut, die wir als die Sinnes-
welt weggezogen haben, eben die hinter dieser stufenweise wirk-
samen geistigen "Wesenheiten hatten. Das normale BewuBtsein
nimmt die Sinneswelt als ihre Wahrnehmungen wahr; die "Welt
der Naturgeister, die driickt sich in den Wahrnehmungen als das
ab, was man die Naturkrafte nennt. Wo die Wissenschaft von Na-
turkraften spricht, da haben wir eigentlich nichts Wirkliches. Fur
den Okkultisten sind die Naturkrafte nichts Wirkliches, sondern sie
sind die Maja, sie sind die Abpragung der Naturgeister, die hinter
der Sinneswelt wirken.
Der Abdruck wiederum der Geister der Umlaufszeiten ist das,
was man gewohnlich fur das normale BewuBtsein die Naturgesetze
nennt. Alle Naturgesetze sind im Grunde genommen dadurch vor-
handen, daB die Geister der Umlaufszeiten dirigierend als Machte
wirken. Naturgesetze sind nichts Wirkliches fur den Okkultisten.
Wenn der gewohnliche Naturforscher von Naturgesetzen spricht
und sie auBerlich kombiniert, so weiB der Okkultist, daB diese
Naturgesetze in ihrer Wahrheit sich enthullen, wenn der Mensch
bei aufgewachtem Astralleib hinlauscht auf das, was die Geister der
Umlaufszeiten sagen und wie sie die Naturgeister anordnen, diri-
gieren. Das driickt sich in der Maja, im auBeren Schein, in den
Naturgesetzen aus. Und weiter geht gewohnlich das normale Be-
wuBtsein nicht. Zu dem Abdruck des Planetengeistes in der auBeren
Welt geht gewohnlich das normale Bewufitsein nicht. Das normale
BewuBtsein der heutigen Menschheit spricht von der auBeren Wahr-
nehmungswelt, von den Tatsachen, die man wahrnimmt, spricht
von den Naturkraften: Licht, W'arme, Magnetismus, Elektrizitat
und so weiter, Anziehungskraft, AbstoBungskraft, Schwere und so
weiter. Das sind diejenigen Wahrnehmungen in der Welt der Maja,
denen in Wirklichkeit die Welt der Naturgeister zugrunde liegt, der
Atherleib der Erde. Dann spricht die auflere Wissenschaft von Natur-
gesetzen. Das ist wiederum eine Maja. Es liegt zugrunde das, was wir
heute geschildert haben als die Welt der Geister der Umlaufszeiten.
Erst dann, wenn man noch weiter vordringt, kommt man auch zu der
Auspragung des Planetengeistes selber in der auBeren Sinneswelt.
Die Wissenschaft tut das heute nicht. Diejenigen, die das heute
noch tun, denen glaubt man nicht mehr so recht. Die Dichter, die
Kiinstler tun es, sie suchen noch einen Sinn hinter den Dingen.
Warum blunt die Pflanzenwelt? Warum entstehen und vergehen
die tierischen Gattungen und Arten? Warum belebt der Mensch die
Erde? Wenn man so fragt nach dem Sinn der Naturerscheinungen
und diesen Sinn zergliedern will, kombinieren will aus den auBeren
Tatsachen, wie manchmal auch die tiefere Philosophic noch ver-
sucht, dann nahert man sich der Auspragung des Planetengeistes
selber in der physischen Welt. Aber man glaubt heute nicht mehr
recht diesem Suchen nach dem Sinn des Daseins. Das Gefiihl glaubt
manchmal noch ein wenig, aber die Wissenschaft will nicht mehr
viel wissen von etwas, was man iiber die Naturgesetze hinaus fin-
den konnte in der Erscheinungen Flucht. Wenn man iiber den
Naturgesetzen in den Dingen der Welt, wie man sie mit den Sin-
nen wahrnimmt, noch einen Sinn sucht, dann wiirde man diesen
Sinn als den Abdruck des Planetengeistes in der Sinneswelt wahr-
nehmen konnen. Das ware die auBere Maja. Zunachst ist eine
auBere Maja die Sinneswelt selber, denn sie ist das, was hervor-
treibt aus sich selbst der Atherleib der Erde, die Substanz der Natur-
geister. Eine zweite Maja ist das, was den Menschen von den Natur-
geistern in den Naturkraften erscheint; eine dritte Maja, was als
Naturgesetze erscheint von den Geistern der Umlaufszeiten, und
eine vierte Maja etwas, was trotz seiner Maja-Natur zu der Seele
des Menschen spricht, weil der Mensch in der Wahrnehmung des
Sinnes der Natur sich wenigstens verbunden fiihlt mit dem Geist
des ganzen Planeten, der den Planeten durch den Weltenraum f iihrt
und eben dem ganzen Planeten einen Sinn gibt. In dieser Maja liegt
unmittelbar der Abdruck des Planetengeistes selber.
So konnen wir sagen: Wir sind heute aufgestiegen bis zu dem
einheitlichen Geist des Planeten. Und wollen wir wiederum das-
jenige, was wir hier fur den Planeten gefunden haben, mit dem
Menschen parallelisieren, so konnen wir sagen: Es entspricht die
Sinnenwelt dem physischen Leib des Menschen, die Welt der Natur-
geister dem atherischen Leib, die "Welt der Geister der Umlaufs-
zeiten dem astralischen Leib und der Planetengeist dem Ich des
Menschen. So wie das Ich des Menschen die physische Erden-
umgebung wahrnimmt, so nimmt der Planetengeist wahr alles das-
jenige, was im Umkreis und uberhaupt in der Raumeswelt auBer-
halb des Planeten ist und richtet die Taten des Planeten und auch
das Fiihlen des Planeten, von dem wir morgen sprechen werden,
ein nach diesen Wahrnehmungen aus dem Weltenraum. Denn das,
was ein Planet tut auBerhalb im Raum, indem er seinen Weg durch
die Weltenweiten geht, und das, was er bewirkt in seinem eigenen
Leib, in seinen Elementen, aus denen er besteht, das ist wiederum
das Ergebnis der Beobachtungen des Planetengeistes gegeniiber der
auBeren Welt. Wie die einzelne menschliche Seele auf der Welt
der Erde neben anderen Menschen lebt, sich nach ihnen richtet, so
lebt der Planetengeist in seinem Planetenleib, der eben der Boden
ist, auf dem wir stehen; aber dieser Planetengeist lebt in der Ge-
sellschaft anderer Planetengeister, anderer Geister der Himmels-
korper uberhaupt.
DRITTER VORTRAG
Helsingfors, 5. April 1912
Im Verlaufe der beiden schon gehaltenen Vortrage haben wir uns
bekannt gemacht mit gewissen geistigen Wesenheiten, welche der
okkulte Blick antreffen kann, wenn er sich vertieft in das geistige
Leben unseres Planeten. Es wird nun heute notwendig sein, noch
einen anderen Weg zu gehen, um uns in die geistige Welt zu
erheben, weil wir erst durch eine Betrachtung von einer zweiten
Seite her in die Lage kommen werden, uns rechte Vorstellungen zu
bilden iiber die Natur der geistigen Wesenheiten, von denen wir
gesprochen haben, bis zu dem sogenannten Planetengeist hinauf.
Es wird immer auBerordentlich schwierig sein, in den Worten
irgendeiner Sprache jene geistigen Wesenheiten zu charakterisieren,
welche uns das okkulte Wahrnehmen vermittelt, denn die mensch-
lichen Sprachen, wenigstens die gegenwartigen, sind ja nur gemacht
fur die Erscheinungen, fur die Tatsachen des physischen Planes.
Und daher kann man nur hoffen, daB man durch eine Charakteri-
stik von verschiedenen Seiten aus dem nahekommen kann, was
eigentlich gemeint ist, wenn von geistigen Wesenheiten gesprochen
wird. Unserer heutigen Charakteristik wird es notwendig sein, dafi
wir ausgehen von der Natur des Menschen selber und uns zunachst
klarwerden iiber gewisse Eigenschaften der menschlichen Natur,
damk wir von da aus hohere Wesenheiten, die wir in den hoheren
Welten antreffen, charakterisieren konnen. Und da sei heute eine
Eigenschaft der menschlichen Natur ganz besonders hervorgehoben.
Das ist die Eigenschaft, die man so charakterisieren kann: Der
Mensch ist ausgestattet mit der Moglichkeit, ein von allem Aufie-
ren unabhangiges Innenleben zu fuhren. Diese Moglichkeit tritt
uns ja in jeder Stunde unseres wachen Tageslebens vor Augen. Wir
wissen, daB wir in bezug auf dasjenige, was wir sehen mit unseren
Augen, hbren mit unseren Ohren, etwas Gemeinschaftliches haben
mit alien anderen Wesenheiten, die sich auch ihrer Sinne bedienen
konnen. Ein inneres Leben gegeniiber der AuBenwelt haben wir
als Menschen mit anderen Menschen und vielleicht auch mit ande-
ren Wesenheiten gemeinsam. Jeder fiir sich, das wissen wir ja nur
zu gut als Menschen, hat seine besonderen Leiden, seine besonde-
ren Freuden, hat seine Bekummernisse und Sorgen, hat seine beson-
deren Hoffnungen und Ideale; und in einer gewissen Weise sind
diese Sorgen, diese Leiden, diese Bekummernisse, diese Hoffnungen
und Ideale ein besonderes Reich, das man mit physischem Blicke
nicht sogleich dem anderen Menschen ansehen kann, das er eben
als ein selbst'andiges inneres Leben mit sich durch die Welt tr'agt.
Wenn wir mit einem Menschen in demselben Raum sind, so wis-
sen wir, was auf seine Augen, was auf seine Ohren wirken kann.
Was in seiner Seele vorgeht, was er da drinnen erlebt, dariiber kon-
nen wir vielleicht Ahnungen haben aus demjenigen, was er uns
aufiern will durch seine Mienen, durch seine Gesten oder aber durch
seine Sprache; wenn er aber sein Innenleben als seine besondere
Welt fiir sich haben will, dann konnen wir nicht ohne weiteres in
diese seine besondere Innenwelt eindringen.
Wenn wir nun mit okkultem Blick in die Welten schauen, die
zunachst fiir die auBere physische Welt verborgen sind, dann treff en
wir da Wesenheiten an, welche gerade in bezug auf diejenigen
Eigenschaften, die jetzt eben charakterisiert worden sind, ganz an-
ders geartet sind. Wir trefFen Wesenheiten an, welche ein solches
selbstandiges Innenleben nicht so fuhren konnen, wie der Mensch
es fiihrt. Wir treffen als eine nachste Gruppe, als eine nachste Kate-
gorie von geistigen Wesenheiten namlich solche an, welche dann,
wenn sie ihr Innenleben fuhren, sogleich durch dieses innere Leben
in einen anderen Zustand versetzt werden, in einen anderen Be-
wuBtseinszustand als dasjenige Leben, das sie in der AuBenwelt und
mit der AuBenwelt fuhren. Versuchen wir uns zu verstandigen.
Nehmen wir an, es miiBte ein Mensch so leben, daJ3, wenn er in
seinem Inneren leben und den Blick nicht auf die AuBenwelt len-
ken wollte, die ihn umgibt, wenn er nicht mit dieser AuBenwelt
leben wollte, er dann sogleich einfach durch diesen seinen Willen
in einen anderen BewuBtseinszustand iibergehen miiBte. Wir wis-
sen, daB der Mensch ohne seinen Willen in einen anderen BewuBt-
seinszustand in seinem normalen Leben iibergeht, wenn er sich im
Schlaf befindet. Aber wir wissen auch, daB dieser Schlaf dadurch
herbeigefiihrt wird, daB sich der astralische Leib und das Ich des
Menschen von dem atherischen und physischen Leib absondern.
Wir wissen also, daB mit dem Menschen etwas vorgeht, wenn er
in einen anderen BewuBtseinszustand kommen soli. Dadurch, daB
der Mensch zum Beispiel einfach sagt: Hier habe ich vor mir eine
Wiese, mit vielen Blumen bedeckt; indem ich sie anschaue, macht
sie mir Freude — dadurch kommt der Mensch noch nicht in einen
anderen BewuBtseinszustand; er erlebt sozusagen fiir sich selber
seine Freude an der Wiese, an den Blumen, in der Gemeinschaft
mit der AuBenwelt. Diejenigen Wesenheiten nun, welche durch den
okkulten Blick als die nachste Kategorie in einer hoheren Welt an-
getroffen werden, verandern jedesmal ihren BewuBtseinszustand,
wenn sie ihre Wahrnehmung, ihr Tun ablenken von ihrer AuBen-
welt und auf sich selber hinlenken. Bei ihnen braucht also keine
Trennung einzutreten zwischen verschiedenen Wesensgliedern, son-
dern in ihnen selbst, so wie sie sind, bewirken sie einfach durch
ihren Willen einen anderen BewuBtseinszustand.
Nun sind die Wahrnehmungen dieser Wesenheiten, von denen
wir hier sprechen als der nachsten Kategorie iiber dem Menschen,
nicht so wie die Wahrnehmungen des Menschen. Der Mensch
nimmt dadurch wahr, daB eine AuBenwelt an ihn herantritt fiir
seine Sinne. Er gibt sich sozusagen dieser AuBenwelt hin. Diese
Wesenheiten, von denen wir hier zu sprechen haben, nehmen nicht
eine solche AuBenwelt wahr, wie der Mensch sie wahrnimmt mit
seinen Sinnen, sondern sie nehmen so wahr, wie der Mensch — das
ist aber vergleichsweise — , wenn er zum Beispiel selber spricht oder
eine Handbewegung macht und seine eigene Handbewegung wahr-
nimmt, oder wenn er, sagen wir, in irgendeiner Mimik sein Inneres
auBert, kurz, wenn er seine eigene Natur zum Ausdruck bringt.
Es ist also in einer gewissen Weise bei jenen Wesenheiten einer
hoheren Welt, von denen wir hier zu sprechen haben, alle Wahr-
nehmung zugleich eine Offenbarung ihres eignen Wesens. Das bitte
ich Sie zu beriicksichtigen, meine lieben Freunde, daB, indem wir
aufsteigen zu der hdheren Kategorie von Wesenheiten, die nicht
mehr auBerlich wahrnehmbar sind fiir den Menschen, wir solche
Wesenheiten vor uns haben, welche wahrnehmen, indem sie offen-
baren, indem sie zum Ausdruck bringen das, was sie selber sind.
Und sie nehmen ihr eigenes Wesen eigentlich nur so lange wahr,
solange sie offenbaren wollen, solange sie es in irgendeiner Weise
nach auBen zum Ausdruck bringen. Sie sind, wir konnten sagen,
nur wach, indem sie sich offenbaren. Und wenn sie sich nicht offen-
baren, wenn sie durch ihren Willen also nicht zu der Umwelt, zu
der auBeren Welt in eine Beziehung treten, dann tritt fiir sie ein
anderer BewuBtseinszustand ein, dann schlafen sie in einer gewis-
sen Weise. Nur ist ihr Schlaf kein bewuBtloser Schlaf wie beim
Menschen, sondern ihr Schlaf bedeutet fiir sie eine Art Herab-
minderung, eine Art Verlust ihres Selbstgefuhles. Sie haben ihr
Selbstgefuhl so lange, als sie nach auBen sich offenbaren, und sie
verlieren in einer gewissen Weise ihr Selbstgefuhl, wenn sie sich
nicht mehr offenbaren. Sie schlafen dann nicht wie die Menschen,
sondern dann tritt in ihr eigenes Wesen etwas herein wie die Offen-
barung von geistigen Welten, die hoher sind als sie selber. Sie sind
dann ausgefullt in ihrem Innern von hoheren geistigen Welten.
Also wohlgemerkt, wenn der Mensch den Blick nach auBen rich-
tet und wahrnimmt, dann lebt er mit der AuBenwelt, dann verliert
er sich an die AuBenwelt. Er verliert sich zum Beispiel auf unserem
Planeten an die verschiedenen Naturrekhe. Wenn er den Blick von
auBen ablenkt, dann kommt er in sein Inneres hinein und lebt ein
selbstandiges Innenleben, dann wird er frei von dieser AuBenwelt.
Wenn diejenigen Wesenheiten, von denen wir als einer nachsten
Kategorie tiber dem Menschen sprechen, nach auBen wirken, dann
offenbaren sie sich, und dann haben sie ihr Selbstgefuhl, ihr eigent-
liches Selbsterlebnis in diesem Offenbaren, und wenn sie in ihr
Inneres kommen, dann kommen sie nicht an ein selbstandiges
Innenleben wie der Mensch, sondern dann kommen sie dafur in
ein Leben mit anderen Welten. Wie der Mensch zu einem solchen
kommt, wenn er die AuBenwelt wahrnimmt, so nehmen sie andere
geistige Welten, die iiber ihnen stehen, wahr, wenn sie in sich
hineinblicken; dann kommen sie zu diesem anderen BewuBtseins-
zustand, wo sie sich erfiillt finden von anderen Wesenheiten, die
hoher sind als sie selbst. So daB wir sagen konnen, wenn wir den
Menschen ins Auge fassen: Der Mensch hat, indem er sich selbst
an die AuBenwelt verliert, sein Wahrnehmen, indem er sich von
der AuBenwelt zuriickzieht, sein selbstandiges Innenleben. Diejeni-
gen Wesenheiten, die zu der nachsthoheren Kategorie gehoren — wir
nennen sie im allgemeinen die Wesenheiten der sogenannten drit-
ten Hierarchie — , haben statt des Wahrnehmens die Offenbarung,
und im Offenbaren erleben sie sich. Statt des Innenlebens haben sie
das Erlebnis hoherer geistiger Welten, das heiBt, sie haben statt des
Innenlebens Geist-Erfiillung. Dies ist der wesentlichste Unterschied
zwischen dem Menschen und den Wesenheiten der nachsthoheren
Kategorie.
Dritte Hierarchie: Offenbarung, Geist-Erfiillung
Mensch: Wahrnehmen, Innenleben
Wir konnen an einem, ich mochte sagen, krassen Fall des Lebens
den Unterschied angeben zwischen dem Menschen und diesen
Wesenheiten der nachsthoheren Kategorie. Der krasse Fall ist der,
daB der Mensch in die Lage kommt, innerlich Erlebnisse zu haben,
welche mit dem, was er auBerlich wahrnimmt, nicht stimmen, und
wenn innere Erlebnisse des Menschen mit der Wahrnehmung der
AuBenwelt nicht zusammenstimmen, so haben wir als krassesten
Fall die Luge. Und wir konnen, um uns zu verstandigen, eine fur
den Menschen mogliche Eigentiimlichkeit dadurch ausdriicken, daB
wir sagen: Der Mensch ist fahig, etwas wahrzunehmen und andere
Vorstellungen in seinem Inneren zu erwecken, auch zu auBern, als
sie den Wahrnehmungen entsprechen. Der Mensch kann durch
diese seine Eigenschaft der AuBenwelt durch die Luge widerspre-
chen. Das ist eine Moglichkeit, welche, wie wir sp'ater horen werden
im Verlauf dieser Vortrage, dem Menschen gerade deshalb gegeben
werden mufite, damit er durch seinen freien Willen zur Wahrheit
kommen konne. Indem wir aber den Menschen so, wie er einmal ist
in der Welt, betrachten, miissen wir diese Eigenschaft ins Auge fas-
sen, daB der Mensch in seinem inneten Leben Vorstellungen aus-
bilden und auch auBern kann, welche mit den Wahrnehmungen,
mit den Tatsachen nicht ubereinstimmen. Dies ist als eine Moglich-
keit bei den Wesenheiten der hoheren Kategorie, die hier angefuhrt
worden sind, solange sie ihre Natur behalten, nicht gegeben. Die
Moglichkeit der Liige besteht bei den Wesenheiten der dritten Hier-
archie, wenn sie ihre Natur beibehalten, nicht. Denn was wiirde
erfolgen, wenn eine Wesenheit der dritten Hierarchie liigen wollte?
Dann miifite sie in ihrem Innern etwas erleben, was sie in einer
anderen Weise, als sie es erlebt, in die AuBenwelt ubertriige. Aber
dann wiirde diese Wesenheit der nachsthoheren Kategorie dies nicht
mehr wahrnehmen konnen, denn alles das, was diese Wesenheiten
in ihrem Innern erleben, ist Offenbarung, tritt sogleich in die
AuBenwelt iiber. Diese Wesenheiten miissen im Reich der absolu-
ten Wahrheit leben, wenn sie sich iiberhaupt erleben wollen. Neh-
men wir an, diese Wesenheiten wiirden liigen, das heiBt, etwas in
ihrem Innern haben, was sie so umsetzen wiirden in ihren Offen-
barungen, daB es mit den Offenbarungen nicht zusammenstimmt,
dann wiirden sie es nicht wahrnehmen konnen, denn sie konnen
nur ihre innere Natur wahrnehmen. Sie wiirden unter dem Ein-
druck einer Liige sogleich betaubt werden, sogleich in einen Be-
wuBtseinszustand versetzt werden, der eine Herabdammerung, eine
Herabstimmung ware ihres gewohnlichen BewuBtseins, das eben
nur in der Offenbarung ihres Innern leben kann. So haben wir iiber
uns eine Klasse von Wesenheiten, welche durch ihre eigene Natur
leben miissen im Reich der absoluten Wahrheit und Wahrhaftig-
keit, wenn sie diese Natur nicht verleugnen wollen. Und jede Ab-
weichung von der Wahrhaftigkeit wiirde diese Wesenheiten betau-
ben, ihr BewuBtsein herabstimmen. Wenn diese Wesenheiten von
uns mit dem okkulten Blick beobachtet werden sollen, dann han-
delt es sich darum, daB der Okkultist zunachst die richtigen Wege
findet, auf denen er diese Wesenheiten antreffen kann. Ich werde
versuchen, zu charakterisieren, wie der Okkultist diese Wesenheiten
finden kann.
Das erste, was derjenige, der eine okkulte Entwickelung durch-
macht, als inneres Erlebnis haben muB, das ist ja, daB er anstrebt,
in einer gewissen Weise gerade das Innenleben des gewohnlichen
normalen BewuBtseins zu iiberwinden. Wir bezeichnen ja dasjenige,
was wir in unserem Innern erleben als unser egoistisches Erleben,
als dasjenige, was wir von der Welt sozusagen nur fiir uns selbst
haben wollen. Je mehr es der sich okkult entwickelnde Mensch
dahin bringt, gelassen zu werden gegenuber dem, was sein egoisti-
sches Erleben ist, gegenuber demjenigen, was nur ihn angeht, desto
naher ist er der Eingangspf orte zu den hoheren Welten. Nehmen wir
einen naheliegenden Fall an. Wir wissen alle, daB uns gewisse
Wahrheiten, gewisse Dinge in der Welt rein um unser selbst willen
gefallen und nicht gefallen, daB uns dieses oder jenes um unser
selbst willen sympathisch oder antipathisch beruhrt. Solche Gefuhle
gegenuber der Welt, die wir nur um unser selbst willen hegen, muB
der, der sich okkult entwickeln will, zunachst aus seinem Herzen
herausreiBen. Er muB in einer gewissen Weise frei werden von alle
dem, was nur ihn angeht. Es ist dieses eine Wahrheit, die oftmals
betont wird, die aber im Grunde genommen schwieriger zu be-
obachten ist, als man gewohnlich denkt, denn im normalen Be-
wuBtsein hat der Mensch auBerordentlich wenige Anhaltspunkte,
um von sich selber frei zu werden, um dasjenige zu iiberwinden,
was nur ihn angeht. Bedenken wir nur einmal einen Augenblick,
was das eigentlich heiBen soli, von sich selber frei werden. Das Frei-
werden von dem, was man gewohnlich die egoistischen Regungen
nennt, das ist ja vielleicht nicht so schwierig. Aber wir miissen
bedenken, daB wir in der einen Inkarnation, in der wir leben, in
einer gewissen Zeit, an einem gewissen Orte geboren sind, daB,
wenn wir die Augen hinlenken auf das, was uns umgibt, diese
Augen auf ganz andere Dinge fallen als zum Beispiel bei einem
Menschen, der auf einem anderen Fleck der Erde lebt. Den miissen
ja ganz andere Dinge in seiner Umgebung interessieren. So sind
wir schon dadurch, daB wir als verkorperte, physisch verkorperte
Menschenwesen in einer Zeit und an einem Ort geboren sind, mit
allerlei Dingen umgeben, die unser Interesse, unsere Aufmerksam-
keit hervorrufen, die eigentlich uns speziell angehen und die bei
einem anderen Menschen anders sind. Dadurch, daB wir als Men-
schen differenziert iiber unseren Planeten hin verteilt sind, sind wir
in einer gewissen Weise in die Notwendigkeit versetzt, ein jeder
seine besonderen Interessen, gleichsam seine besondere Heimat auf
der Erde zu haben. Daher konnen wir niemals in dem, was wir von
unserer unmittelbaren Umgebung lernen konnen, im hochsten
Sinne dasjenige erleben, was uns frei macht von unseren speziell
menschlichen Interessen, von unseren speziell menschlichen Auf-
merksamkeiten. Also weil wir Menschen im physischen Leibe sind
und insofern wir es sind, konnen wir schon durch unsere auBere
Wahrnehmung iiberhaupt nicht das Tor erreichen, das uns in eine
hohere "Welt hineinfuhrt. Von all dem, was unsere Sinne auBen
sehen konnen, was unser Verstand kombinieren kann an Dingen
der AuBenwelt zunachst, von all dem miissen wir absehen, das
gehort zu unseren speziellen Interessen. Wenn wir aber nun blicken
auf das, was wir gewohnlich in unserm Inneren haben, unsere Lei-
den und Freuden, unsere Bekummernisse und Sorgen, unsere Hoff-
nungen und Ziele, dann werden wir sehr, sehr bald gewahr wer-
den, wie diese Innenwelt abhangig ist von dem, was wir drauBen
erleben, wie sie in einer gewissen Weise sich farbt nach dem, was
wir drauBen erleben. Aber ein gewisser Unterschied ist dennoch
vorhanden.
Wir werden allerdings ohne weiteres zugeben miissen, daB wir
ein jeder unsere Welt in unserem Innern tragen. DaB der eine an
einem Ort der Erde, in einer Zeit geboren ist, der andere an einem
anderen Ort, in einer anderen Zeit, das farbt in einer gewissen
Weise seine Innenwelt. Aber wir erfahren auch noch etwas anderes
gegeniiber dieser Innenwelt. Sie ist ja freilich unsere spezielle, ge-
wissermafien unsere differenzierte Innenwelt; sie tragt eine gewisse
Farbe, aber wir konnen noch etwas anderes erfahren. Wenn wir
einmal von dem Ort, an dem wir gewohnt sind, unsere Sinne tatig
sein zu lassen, nach einem ganz entfernten Ort kommen, mit einem
Menschen zusammentreffen, der ganz andere auBere Erfahrungen,
Wahrnehmungen gemacht hat, dann konnen wir uns mit ihm ver-
stehen, und deshalb verstehen wir uns mit ihm, weil er gewisse Lei-
den durchlebt hat, die wir selber in einer ahnlichen Weise durch-
lebt haben, weil er sich in einer gewissen Weise freuen kann iiber
ahnliche Dinge, iiber die wir uns selber freuen. Wer hatte es denn
nicht erlebt, dafi er sich vielleicht schwer verstandigen kann mit
einem Menschen, den er in einer fernen Gegend triflft, iiber die
Aufienwelt, die beide haben, dafi er sich aber leicht verstandigen
kann iiber dasjenige, was das Herz fiihlt und sehnt. Mit unserer
Innenwelt sind wir Menschen einander schon viel naher als mit
unserer Aufienwelt, und wahrhaftig, es wiirde wenig Hoffnung
sein, hiniiberzutragen die geisteswissenschaftliche Idee in die ganze
Menschheit, wenn wir nicht das Bewufitsein haben konnten, dafi
im Innern eines jeden Menschen, wo er auch auf der Erde sich
befindet, etwas lebt, das sich mit uns verstandigen kann. Um nun
aber zu etwas zu kommen, was ganz frei ist von dem speziellen,
egoistischen Innern, mufi der Mensch auch jene Farbung seines
inneren Erlebens ablegen, welche noch von der Aufienwelt be-
einflufit ist. Das kann nur sein, wenn der Mensch sich die Moglich-
keit verschafft, in seinem Innern etwas zu erleben, was ihm iiber-
haupt nicht von der Aufienwelt kommt, was dem entspricht, was
man nennen kann innere Eingebungen, Inspirationen, dasjenige,
was nur in der Seele innerlich selber wachst und gedeiht. Von dem
speziellen Innenleben kann der Mensch aufsteigen so, dafi er fiihlt,
dafi sich seinem Innern etwas offenbart, was unabhangig ist von
seiner speziellen, egoistischen Existenz. Das fiihlen ja die Menschen,
wenn sie immer wieder geltend machen, dafi iiber den ganzen Erd-
ball hin Verst'andnis sein kann fiir gewisse moralische Ideale, fur
gewisse logische Ideale, an denen kein Mensch zweifeln kann, die
jedem Menschen einleuchten konnen, weil sie sich nicht von der
Aufienwelt, sondern von der Innenwelt aus dem Menschen mit-
teilen.
Ein Gebiet — es ist freilich ein trockenes, niichternes Gebiet —
haben ja ganz zweifellos alle Menschen gemeinsam in bezug auf
solche Innenoffenbarungen. Das ist dasjenige, was sich bezieht auf
die Zahlen und ihre Verhaltnisse, kurz, auf das Mathematische, auf
Zahlen und Rechnen. DaB dreimal drei neun ist, konnen wir nie-
mals von der AuBenwelt erfahren, das miissen wir durch unser
Inneres uns offenbaren lassen. Daher gibt es auch keine Moglich-
keit, dariiber zu streiten iiber den Erdball hin. Ob irgend etwas
schon oder haBlich ist, dariiber kann man iiber den ganzen Erdball
hin viel streiten, wenn aber einer nur einmal in seinem Innern sich
hat offenbaren lassen, dafi dreimal drei neun ist, oder daB das Ganze
gleich ist der Summe seiner Teile, oder daB ein Dreieck als Summe
seiner Winkel 180 hat, so weiB er es, weil ihm das keine
AuBenwelt offenbaren kann, sondern nur sein Inneres. Es beginnt
schon bei der trockenen, niichternen Mathematik dasjenige, was
wir Inspiration nennen konnen. Nur merken die Menschen ge-
wohnlich nicht, daB die Inspiration bei der trockenen Mathematik
beginnt, weil die meisten Menschen diese trockene Mathematik
fur etwas ungeheuer Langweiliges halten und sich daher nicht
gerne etwas von ihr offenbaren lassen. Aber in bezug auf das innere
Offenbaren ist es im Grunde genommen auch mit den moralischen
Wahrheiten nicht anders. Wenn der Mensch etwas als recht erkannt
hat, so wird er sagen: Dies ist recht und das Gegenteil ist unrecht,
und keine auBere Macht der Welt auf dem physischen Plan kann
mir beibringen, daB das, was sich mir als das Rechte offenbart in
meinem Innern, unrichtig ware. — Auch die moralischen Wahrheiten
im hbchsten Sinne offenbaren sich durch das Innere. Man kann,
wenn man den geistigen Blick gefuhls- und empfindungsmaBig hin-
lenkt auf diese Moglichkeit der Innenoffenbarung, sich daran er-
ziehen. Es ist sogar die Erziehung durch die bloBe Mathematik
sehr gut. Wenn der Mensch zum Beispiel ofter einmal sich dem
Gedanken hingibt: Ob dieses oder jenes Essen gut ist, dariiber
kannst du deine Meinung haben und ein anderer kann einer ande-
ren Meinung sein. Das steht in der Willkiir des einzelnen. Die
Mathematik, die moralischen Verpflichtungen aber stehen nicht in
solcher Willkiir. Bei ihnen weiB ich, daB sie mir etwas offenbaren,
dem gegeniiber ich mich, wenn ich es nicht als wahr anerkennen
will, als unwurdig der Menschlichkeit erweise. — Diese Anerken-
nung einer Offenbarung durch das Innere, als Gefiihl, als innerer
Impuls gefaBt, ist eine machtige padagogische Kraft in dem Innern
des Menschen, wenn er sich ihm meditativ hingibt. Wenn er sich
zunachst sagt: In der Sinnenwelt ist vieles, woriiber meine Willkiir
bloB entscheidet, aber aus dem Geiste heraus offenbaren sich mir
Dinge, iiber die meine Willkiir nichts vermag und die mich doch
angehen, deren ich mich wiirdig erweisen muB als Mensch — , wenn
der Mensch diesen Gedanken immer starker und starker werden
laBt, so daB der Mensch bezwungen werden kann durch sein
eigenes Inneres, dann wachst er iiber den bloBen Egoismus hinaus,
dann iiberwindet, wie wir auch sagen, ein hoheres Selbst, das sich
eins weiB mit dem Geist der Welt, das gewohnliche willkiirliche
Selbst. So etwas miissen wir in uns als Stimmung entwickeln, wenn
wir dahin kommen wollen, das Tor zu erreichen, das hineinfiihrt
in die geistige Welt. Denn wenn wir oftmals uns solchen Stim-
mungen, wie sie charakterisiert worden sind, hingeben, dann erwei-
sen sie sich fruchtbar. Sie erweisen sich namentlich dann fruchtbar,
wenn wir sie so konkret wie moglich in die Gedanken hinein-
bringen, und namentlich, wenn wir solche Gedanken hegen, solche
Gedanken in uns aufnehmen, die als wahr uns einleuchten und die
doch der auBeren Sinnenwelt widersprechen. Solche Gedanken kon-
nen zunachst nur Bilder sein, aber solche Bilder sind auBerordent-
lich niitzlich fur die okkulte Entwickelung des Menschen.
Ich will Ihnen ein solches Bild sagen, will Ihnen an einem sol-
chen Bild zeigen, wie der Mensch seine Seele iiber sich selber hin-
aufriicken kann. Nehmen Sie zwei Glaser, in dem einen ist Wasser
und in dem anderen keines. Das Glas, in dem Wasser ist, soil nicht
ganz angefiillt sein, sondern nur zur Halfte. Nehmen wir jetzt an,
Sie beobachten in der AuBenwelt diese zwei Glaser. Wenn Sie aus
dem Glas mit Wasser nun etwas in das leere Glas heruberschenken,
so wird das leere Glas etwas mit Wasser gefullt sein, das andere
aber wird nachher weniger Wasser haben. Wenn Sie ein zweites
Mai aus diesem Glas, das zuerst halb mit Wasser gefullt war, in das
zuerst leere Glas Wasser heriibergieBen, wird das erste Glas noch
weniger Wasser haben, kurz, durch das HeriibergieBen wird immer
weniger und weniger in dem Glas sein, das zuerst halb mit Wasser
gefiilk war. Das ist fur die auBere physisch-sinnliche Welt eine
wahre Vorstellung.
Jetzt bilden wir uns eine Vorstellung, die ganz anders ist.
Denken Sie sich einmal, Sie wiirden probeweise sich die umge-
kehrte Vorstellung bilden, Sie wiirden sich vorstellen, Sie giefien
aus dem halbgefiillten Glas Wasser in das leere Glas ein. Da
kommt in das letztere Glas Wasser hinein, in dem halbvollen
Glas aber, da, stellen Sie sich vor, wiirde durch das HeriibergieBen
das Wasser mehr, und wenn Sie ein zweites Mai ausgiefien wiirden,
so wiirde wieder etwas hiniibergehen in das frtiher leere Glas, aber
das zuerst halbgefullte Glas wiirde dadurch noch mehr Wasser
haben. Durch das AusgieBen wiirde immer mehr und mehr Wasser
in dem ersten Glas sein. Denken Sie sich, Sie bilden sich diese Vor-
stellung. Selbstverstandlich wird jeder Mensch, der sich in unserer
Gegenwart zu den absolut verniinftigen Menschen rechnet, sagen:
Nun, das ist ein rechter Wahnsinn, den du dir da vorstellst. Du
stellst dir vor, daB du Wasser ausgieBest und daB dadurch immer
mehr Wasser in das Glas kommt, aus dem du herausgieBest. — Ja,
wenn man diese Vorstellung anwendet auf die physische Welt, dann
ist sie natiirlich eine wahnsinnige Vorstellung, aber merkwiirdiger-
weise laBt sie sich auf die geistige Welt anwenden. In einer sonder-
baren Weise laBt sie sich anwenden. Nehmen wir einmal an, ein
Mensch habe ein liebevolles Herz, und er erweist aus seinem liebe-
vollen Herzen einem anderen Menschen, der der Liebe bedarf, eine
liebende Tat, so gibt er etwas dem anderen Menschen ab, aber er
wird dadurch nicht leerer, sondern indem er Liebestaten dem ande-
ren Menschen hiniibergibt, erhalt er mehr, er wird voller, und
wenn er ein zweites Mai eine Liebestat verrichtet, wird er noch
voller, hat er noch mehr. Man wird nicht arm, nicht leer dadurch,
daB man Liebestaten verrichtet, sondern man wird reicher, man
wird voller. Man gieRt in den anderen Menschen etwas hinuber,
was einen selbst voller macht.
Wenden wir nun unser Bild, das fur die gewohnliche physische
Welt unmoglich, wahnsinnig ist, auf das AusgieBen der Liebe an,
dann ist es anwendbar, dann konnen wir es als ein Sinnbild, als ein
Symbolum fur geistige Tatsachen auffassen. Was Liebe ist, ist etwas
so Kompliziertes, daB kein Mensch den Hochmut besitzen sollte,
Liebe zu definieren, Liebe ihrem Wesen nach ohne weiteres zu
durchschauen. Liebe ist kompliziert. Wir nehmen sie wahr, aber
keine Definition kann die Liebe ausdriicken. Aber ein Sinnbild, ein
einfaches Sinnbild, ein Glas Wasser, das, indem es ausgegossen wird,
voller wird, das gibt uns eine Eigenschaft des Liebeswirkens wieder.
Wir tun im Grunde genommen, wenn wir uns so das Komplizierte
der Liebestaten vorstellen, nichts anderes, als was der Mathematiker
in seiner trockenen Wissenschaft tut. Nirgends ist ein wirklicher
Kreis, nirgends ein wirkliches Dreieck; die miissen wir uns nur den-
ken. Wenn wir einen Kreis aufzeichnen und ihn nur ein wenig durch
ein Mikroskop besehen, so sehen wir lauter Kreide- oder andere
Punkte; solcher Kreis wird nie die RegelmaBigkeit eines wirk-
lichen Kreises haben. Wir miissen zu unserer Vorstellung, zu unse-
rem Innenleben gehen, wenn wir den Kreis oder das Dreieck oder
sonst etwas vorstellen wollen. So miissen wir, urn uns so etwas wie
eine geistige Tat vorzustellen — die Liebe zum Beispiel — , auch zum
Bilde greifen und an eine Eigenschaft uns halten.
Solche Bilder sind niitzlich fur die okkulte Entwickelung. An
ihnen merken wir, daB wir iiber die gewohnliche Vorstellung hin-
ausgehoben werden, daB wir, wenn wir zum Geiste aufsteigen wol-
len, uns geradezu entgegengesetzte Vorstellungen bilden miissen zu
denen, die auf die Sinnenwelt anwendbar sind. Daher finden Sie,
daB die Ausgestaltung solcher symbolischer Vorstellungen ein wich-
tiges Mittel ist, um in die geistige Welt hinaufzusteigen. Sie finden
das ausgefiihrt in meinem Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse
der hoheren Welten?» Dadurch kommt der Mensch dazu, etwas
anzuerkennen, was als eine Welt iiber ihm steht, die ihn inspiriert,
die er nicht in der AuBenwelt wahrnehmen kann, die aber in ihn
hereindringt. Wenn er immer mehr und mehr dieser Vorstellungs-
welt sich hingibt, dann kommt er dazu, anzuerkennen, daB durch
ihn, durch jeden Menschen etwas geistig Wesenhaftes lebt, das
hoher ist als er selbst, der Mensch, in dieser einen Inkarnation mit
seinem Egoismus.
Wenn man anzuerkennen beginnt, daB so etwas iiber uns ist wie
ein uns gewohnliche Menschen leitendes Wesen, dann hat man in der
Reihe der Wesenheiten der dritten Hierarchie die erste Form, diejeni-
gen Wesenheiten, die man da nennt Engel oder Angeloi. Der Mensch
erlebt zunachst, indem er iiber sich selber in der geschilderten Weise
hinausgeht, das Hereinwirken eines Engelwesens in seine eigene We-
senheit. Wenn man sich nun dieses Wesen, das uns inspiriert, verselb-
standigt denkt, so daB es die Eigenschaften hat, die geschildert wor-
den sind als Offenbarung und als Geist-Erfiillung, dann kommt man
zu dem Begriff der unmittelbar iiber dem Menschen stehenden nach-
sten Wesen der dritten Hierarchie. So daB man die ersten Wesen-
heiten iiber dem Menschen ansprechen kann als diejenigen, die jeden
einzelnen, individuellen Menschen fiihren, leiten und lenken.
Auf diese Weise habe ich Ihnen ein wenig den Weg geschildert,
wie der Mensch sich zunachst zu den ersten Wesen, die iiber ihm
stehen, hinauferheben kann, so daB er eine Vbrstellung von ihnen
bekommt. So wie nun der einzelne auf diese Weise seinen Fiihrer
hat und der okkulte Blick, wenn wir iiber uns selber hinauskommen,
iiber unsere egoistischen Interessen, uns darauf aufmerksam macht:
Du hast deinen Fiihrer — , so gibt es nun auch die Moglichkeit, daB
sich der okkulte Blick hinrichtet auf Menschengruppen, Stamme,
Volker und so weiter. Solche zusammengehorigen Menschen-
gruppen haben ebenso eine Fiihrerschaft, wie der einzelne Mensch
sie in der geschilderten Weise hat. Nur sind diejenigen Wesen,
welche ganze Volker oder ganze Stamme fiihren, eben machtiger
als die Fiihrer des einzelnen Menschen. In der abendlandischen
Esoterik nennt man solche Volker- oder Stammesfiihrer, die in der
geistigen Welt leben und Offenbarungen als ihre Wahrnehmungen,
Geist-Erlebnisse als ihr Inneres haben und deren Taten zum Aus-
druck kommen in dem, was ein ganzes Volk oder ein ganzer Stamm
tut, Erzengel oder Archangeloi. Wenn der Mensch in seiner okkul-
ten Entwickelung immer weiterschreitet, dann kann er dazu kom-
men, daB sich ihm nicht nur enthiillt, was ihn selbst speziell fiihrt,
sondern dann enthiillt sich ihm das, was die Gruppe von Menschen,
zu der er zunachst gehort, fiihrt.
Und dann, wenn unsere okkulte Entwickelung noch weiter geht,
dann finden wir Wesenheiten als Fiihrer der Menschen, welche
nichts mehr zu tun haben mit einzelnen Stammen, mit einzelnen
Vblkern, sondern welche Fiihrer sind in den aufeinanderfolgenden
Zeiten. Wenn der okkult geschulte Mensch verfolgt zum Beispiel
jenes Zeitalter, in dem die alten Agypter oder die alten Chaldaer
gelebt haben, dann erscheint ihm das ganze Geprage, der ganze
Charakter der Zeit unter einer gewissen Fuhrerschaft. Diese Fiihrer-
schaft andert sich. Wenn der okkulte Blick hinschaut auf das, was
zum Beispiel auf die agyptische, auf die chaldaische Zeit folgte,
wenn der okkulte Blick sich hinrichtet auf das Zeitalter, in wel-
chem die Griechen, die Romer den Ton angegeben haben in der
abendlandischen Geisteswelt, da zeigt sich, daB iiber einzelne Volker
hinaus, machtiger als die Erzengel, die Volkerfuhrer, Geister
walten, die ganze zusammengehorige Volkergruppen gleichzeitig
leiten und die dann abgelost werden nach einer bestimmten Zeit
von anderen Zeitienkern. So wie wir also im Raum verteilt finden
die einzelnen Gebiete der Archangeloi, der Erzengel, die gleich-
zeitig Menschengruppen leiten, aber einzelne Menschengruppen,
so finden wir, wenn wir den okkulten Blick hinschweifen lassen
iiber die laufende Zeit, dafl die einzelnen Zeitalter von ihren realen
Zeitgeistern, die machtiger sind als die Erzengel, geleitet werden
und dafi unter ihnen die verschiedensten Volker zugleich stehen.
Diese dritte Kategorie der dritten Hierarchie nennen wir Zeitgeister
oder Archai mit einem Ausdruck der abendlandischen Esoterik.
All die Wesenheiten, die zu diesen drei Klassen der dritten
Hierarchie gehoren, haben die Eigenschaften, die Ihnen heute
charakterisiert worden sind, sie alle haben das, was hier genannt
worden ist als Offenbarung und als innere Geist-Erfiillung. Das
nimmt der okkulte Blick wahr, wenn er sich zu diesen Wesenheiten
erheben kann. Wir konnen also sagen: Wenn wir dasjenige, was
in der geistigen Welt den Menschen umgibt, was gleichsam urn
den Menschen herum als sein eigener individueller Fiihrer ist, wenn
wir das, was da geistig lebt, unsichtbar waltet und uns eigentlich
anstiftet zu unseren unpersonlichen Handlungen und zu unserem
unpersonlichen Denken und Fiihlen, wenn wir das beobachten, so
haben wir darin zunachst die Wesenheiten der dritten Hierarchie.
Der okkulte Blick nimmt diese Wesenheiten wahr. Fur ihn sind sie
Realitaten. Aber auch das normaie BewuBtsein lebt unter ihrer
Gewalt, wenn auch dieses BewuBtsein den Engel nicht wahrnimmt,
denn es steht unter seiner Fuhrerschaft, wenn auch unbewuBt. Und
so stehen unter ihrem Erzengel die Menschengruppen und in der
Fuhrerschaft der Zeitgeister die Zeiten und die Menschen ihrer
Zeiten.
Diese Wesenheiten nun der dritten Hierarchie, wir finden sie so,
wie sie heute geschildert worden sind, in unserer geistigen Um-
gebung, in der allernachsten geistigen Umgebung. Wenn wir aber
zuriickgehen wiirden in der Entwickelung unseres Planeten bis zu
einem bestimmten Zeitpunkt, den wir in den nachfolgenden Vor-
tragen kennenlernen werden, dann wiirden wir immer mehr und
mehr finden, daB diese Wesenheiten, die so eigentlich nur in dem
KulturprozeB des Menschen leben, fortwahrend aus sich selber
andere Wesenheiten hervorbringen. Geradeso, wie eine Pflanze
einen Keim von sich abstbRt y so bringen die Wesenheiten der drit-
ten Hierarchie, die ich Ihnen geschildert habe, andere Wesenheiten
hervor. Es ist nun nur ein gewisser Unterschied zwischen dem,
was die Pflanze als Keim hervorbringt, wenn wir das als Vergleich
heranziehen, und zwischen diesen Wesenheiten, die sich absondern
von den Wesenheiten der dritten Hierarchie. Wenn die Pflanze
einen Keim hervorbringt, so ist dieser gewissermaBen gerade so
viel wert wie die ganze Pflanze, denn aus ihm kann wiederum eine
ganze Pflanze gleicher Art werden. Diese Wesenheiten sondern
gleichfalls andere ab, die sich gleichsam abschnuren, wie sich die
Keime von den Pflanzen abschnuren: sie bekommen gleichsam
Nachkommen, die aber jetzt in gewisser Beziehung von niedrigerer
Sorte sind als sie selbst. Sie miissen von einer niedrigeren Sorte sein,
weil sie andere Aufgaben bekommen, die sie nur verrichten kon-
nen, wenn sie von einer niedrigeren Art sind. Das, was wir, wie
es geschildert worden ist, geistig in unserem Umkreis haben als
Engel, Erzengel und Zeitgeister, das sondert von sich ab gewisse
Wesenheiten, welche aus der Umgebung des Menschen hinunter-
steigen in die Naturreiche, und der okkulte Blick belehrt uns dar-
uber, daB die Wesenheiten, welche wir gestern und vorgestern
kennengelernt haben als Naturgeister, solche von den Wesenheiten
der dritten Hierarchie, die wir heute kennengelernt haben, abge-
schniirte Wesenheiten sind. Sie sind Nachkommen, die 2u anderem
Dienst als zum Menschheitsdienst, namlich zum Naturdienst be-
stimmt worden sind. Und zwar sind gewisse Nachkommen der
Archai diejenigen Wesenheiten, welche wir kennengelernt haben
als die Naturgeister der Erde. Diejenigen, welche sich abschniiren
von den Erzengeln und hinuntergesendet werden in die Natur, das
sind die Naturgeister des Wassers, und solche, die sich von den
Engeln abschniiren, haben wir als die Naturgeister der Luft anzu-
sehen. Die des Feuers oder der Warme werden wir noch kennen-
lernen. So sehen wir, daB gewissermaBen durch eine Spaltung der
Wesenheiten, welche als dritte Hierarchie unsere Verbindung mit
der nachsthoheren Welt darstellen, gewisse Wesenheiten hinunter-
geschkkt werden in die Reiche der Elemente, in Luft, Wasser, Erde,
in das Gasformige, Fliissige und Feste, um da unten Dienste zu
leisten, um innerhalb der Elemente zu arbeiten und gewissermaBen
als niedrigere Abkommlinge der Wesenheiten der dritten Hierarchie,
als Naturgeister zu fungieren. Wir konnen also sprechen von einer
Verwandtschaft der Naturgeister mit den Wesenheiten der dritten
Hierarchie.
VIERTER VORTRAG
Helsingfors, 6. April 1912
Wenn wk das Wesen der geistigen Krafte und Machte kennen-
lernen wollen, welche in den verschiedenen Naturreichen und in
den Himmelskorpern wirksam sind, so miissen wir ja zuerst diese
geistigen Wesenheken selber kennenlernen, und wir haben damit
den Anfang bereits gemacht in den drei Vortragen, die gehalten
worden sind. Wir haben versucht, die sogenannten Naturgeister
zu charakterisieren, und sind dann aufgestiegen zu den Wesen-
heken, welche unmittelbar iiber dem Menschen stehen in der
nachsthoheren Welt, die wir von der unsrigen ausgehend finden
konnen. Wk werden heute diese Betrachtung fortsetzen und miissen
deshalb ankniipfen an dasjenige, was sich uns erwiesen hat als der
Weg, auf dem wir uns zunachst erheben konnen zu den Wesen-
heken der dritten Hierarchie. Es ist im vorigen Vortrag gezeigt
worden, daB es dem Menschen moglich ist, iiber sich selber hinaus-
zukommen, alles, was an ihm an speziellen egoistischen Interessen
und Aufmerksamkeiten ist, zu iiberwinden, um dadurch sich in
eine Sphare zu erheben, in welcher er zunachst seinen eigenen
Fuhrer findet, der ihm schon eine Vorstellung geben kann von
jenen Wesenheken, die wir im Sinne der abendlandischen Esoterik
Engel, Angeloi, nennen. Und wir haben dann gezeigt, wie ein
Weiterschreiten auf diesem Wege dazu fiihrt, die Stammes-, die
Volkergeister kennenzulernen, die wk als Erzengel, Archangeloi,
angesprochen haben, und wie man dann als tatig im Verlaufe des
Kulturprozesses die sogenannten Zekgeister, die Archai, findet. Es
wird der Mensch, wenn er den Weg beschreitet, der gestern skizzen-
haft angedeutet worden ist, ein gewisses Gefuhl davon erhalten,
was mit diesen Wesenheken der dritten Hierarchie gemeint ist. Es
wird lange Zeit, auch wenn man eine okkulte Entwickelung durch-
macht, durchaus so bleiben, daB man bloB eine Art von Gefuhl hat.
Erst wenn man lange in Geduld und Ausdauer alle die Gefiihle
und Empfindungen durchmacht, welche gestern angedeutet worden
sind, dann wird man iibergehen konnen zu dem, was genannt
werden darf hellsichtiges Erblicken dieser Wesenheiten der dritten
Hierarchic
Wenn man diesen Weg also weiter beschreitet, dann wird man
finden, daB man allmahlich zu einem anderen BewuBtseinszustand
sich selber erzieht, sich selber entwickelt, und dann kann das hell-
sichtige Anschauen der Wesenheiten der dritten Hierarchie be-
ginnen. Dieser andere BewuBtseinszustand laBt sich vergleichen
mit dem Schlaf des Menschen, und zwar zunachst dadurch, daB der
Mensch in diesem Zustand mit seinem Ich und seinem astralischen
Leib sich befreit fiihlt von dem physischen und atherischen Leib.
Dies Befreitfuhlen muB man als eine Empfindung haben. Man mufi
allmahlich lernen, was es heiBt, nicht durch seine Augen zu
schauen, durch seine Ohren zu hbren, durch den Verstand, der an
das Gehirn gebunden ist, zu denken. Unterscheiden wiederum von
dem gewohnlichen Schlaf miissen wir diesen Zustand dadurch, daB
wir bei ihm eben nicht bewuBtlos sind, sondern daB wir Wahr-
nehmungen von geistigen Wesenheiten in unserer Umgebung
haben; zuerst ein dunkles Gefuhl, daB solche Wesenheiten in un-
serer Umgebung sind, dann aber, wie gesagt, das Aufleuchten hell-
sichtigen BewuBtseins und das lebendige Anschauen von den
Wesenheiten der dritten Hierarchie und ihrer Nachkommen, der
Naturgeister. Wenn man noch genauer diesen Zustand charakteri-
sieren will, so kann man nun sagen, daB derjenige, welcher sich
in der okkulten Entwickelung bis zu diesem Zustand erhebt, zu-
nachst wirklich eine Art von Scheidung erblickt zwischen seinem
gewohnlichen BewuBtsein und diesem neuen BewuBtseinszustand.
Wie eine Scheidung zwischen Wachen und Schlafen, so ist zunachst
fur den, der eine okkulte Entwickelung durchmacht, eine Scheidung
zwischen dem BewuBtsein, wo der Mensch mit seinen gewohn-
lichen Augen sieht, mit seinen gewohnlichen Ohren hort, mit
seinem gewohnlichen Verstande denkt, und jenem hellseherischen
Zustand, in dem er nichts von all dem um sich herum hat, was er
im gewohnlichen normalen BewuBtseinszustand wahrnimmt, dafiir
aber eben eine andere Welt urn sich hat, die Welt der dritten
Hierarchie und ihrer Nachkommen. Wozu man es zunachst bringt,
ist, daB man lernt, im gewohnlichen BewuBtsein sich dessen zu
erinnern, was man erlebt hat in diesem anderen BewuBtseins-
zustand.
Wir konnen also genau eine Stufe der okkulten Entwickelung
des Menschen unterscheiden, auf welcher der Mensch abwechselnd
leben kann in seinem gewohnlichen BewuBtsein, wo er sieht und
hort und denkt wie andere Menschen mit normalem BewuBtsein,
und in dem anderen BewuBtseinszustand, den er in gewisser Weise
auch willkurlich herbeifuhren kann, in welchem er wahrnimmt,
was in der geistigen Welt der dritten Hierarchie um ihn herum
ist. Und dann kann er, wie man sich an einen Traum erinnert, sich,
wenn er in seinem gewohnlichen BewuBtseinszustand ist, an das
erinnern, was er in dem anderen, in dem hellseherischen Zustand
erlebt hat, und er kann davon erzahlen, er kann das umsetzen in
gewohnliche Begriffe und Ideen, was er im hellseherischen Zu-
stand erlebt. Wenn also ein solcher Hellseher in seinem gewohn-
lichen BewuBtseinszustand ist und selber etwas wissen will von
der geistigen Welt oder aber erzahlen will von ihr, dann muB er
sich erinnern an das, was er in seinem anderen, hellseherischen
BewuBtseinszustand erlebt hat. Ein Hellseher, der auf dieser Stufe
der Entwickelung steht, kann nur etwas wissen von jenen geistigen
Wesenheiten, die wir bisher beschrieben haben als die Wesenheiten
der dritten Hierarchie und ihre Nachkommen. Er weiB zunachst
nichts von noch hoheren Welten. Wenn er etwas wissen will von
noch hoheren Welten, dann muB er auch eine hohere Stufe der
Hellsichtigkeit erreichen.
Diese hohere Stufe kommt dadurch zustande, daB der Mensch
jene Ubungen, die beschrieben sind in dem Buche «Wie erlangt
man Erkenntnisse der hoheren Welten? », immer weiter fortsetzt,
daB er namentlich diejenigen Ubungen macht, welche dort be-
schrieben sind als das Beobachten, sagen wir, der Pflanzen, der
Tiere und so weiter. Wenn der Mensch also seine Ubungen fort-
setzt, dann kommt er zu einer hoheren Stufe der Hellsichtigkeit.
Sie besteht darin, daB der Mensch dann nicht nur zwei wechselnde
Zustande hat, einen gewohnlichen normalen BewuBtseinszustand
und einen hellsichtigen, und sich also an die hellseherischen Er-
lebnisse in dem gewohnlichen BewuBtseinszustand erinnern kann,
sondern es kann dann der Mensch, wenn er diese hohere Stufe der
Hellsichtigkeit erreicht hat, geistige Welten, geistige Wesenheiten
und geistige Tatsachen auch wahrnehmen, wenn er in seinem ge-
wohnlichen BewuBtseinszustand ist und durch seine Augen auf die
Dinge der AuBenwelt schaut. Er kann sozusagen dann die Hell-
sichtigkeit hereintragen in seinen gewohnlichen BewuBtseinszu-
stand und er kann hinter den Wesenheiten, die ihn in der AuBen-
welt umgeben, iiberall die wie hinter einem Schleier verborgenen
tieferen geistigen Wesenheiten und Krafte sehen.
Wir fragen uns: Was ist denn da geschehen mit einem solchen
Hellseher, welcher in die Lage gekommen ist, nun nicht mehr bloB
sich erinnern zu miissen an die Erlebnisse eines anderen BewuBt-
seinszustandes, sondern der in seinem alltaglichen BewuBtseins-
zustand hellseherische Erfahrungen machen kann? Wenn der
Mensch erst zu der ersten Stufe des Hellsehens aufgestiegen ist,
kann er nur seinen astralischen Leib beniitzen, um in die geistige
Welt hineinzuschauen. Der Leib also, dessen sich der Mensch be-
dient, um in die geistige Welt hineinzuschauen auf der ersten Stufe
der Hellsichtigkeit, das ist der astralische Leib. Auf der zweiten
Stufe der Hellsichtigkeit, welche eben jetzt beschrieben worden
ist, kann sich der Mensch bedienen lernen seines atherischen Leibes.
Dadurch kann er auch in dem gewohnlichen normalen BewuBtsein
hineinschauen in eine geistige Welt. Wenn der Mensch so lernt,
seinen atherischen Leib als ein Werkzeug fur seine Hellsichtigkeit
zu benutzen, dann lernt er allmahlich alles das in der geistigen
Welt erkennen, was zu den Wesenheiten der zweiten Hierarchie
gehort.
Nun aber darf der Mensch nicht stehenbleiben dabei, nur so-
zusagen seinen eigenen atherischen Leib wahrzunehmen, sondern
wenn er zu dieser zweiten Stufe der Hellsichtigkeit aufsteigt, macht
er eine ganz bestimmte Erfahrung. Er macht namlich die Erf ahrung,
daB er wie aus sich selber herausgeht, daB er sich gleichsam nicht
mehr in seiner Haut eingeschlossen fiihlt. Wenn er, sagen wir, einer
Pflanze, einem Tiere gegeniibersteht oder auch einem anderen
Menschen, dann fiihlt er, wie wenn ein Stuck von ihm selber in
dieser anderen Wesenheit drinnen ware. Wie untergetaucht in die
andere Wesenheit fiihlt er sich. Im normalen BewuBtsein und
wenn wir auf der ersten Stufe des Hellsehens stehen, dann konnen
wir noch in einer gewissen Weise sagen: Ich bin hier, das Wesen,
welches ich sehe, ist dort. — So konnen wir auf der zweiten Stufe
des Hellsehens nicht mehr sagen, sondern da konnen wir nur sagen:
Wo das Wesen ist, das wir wahrnehmen, da sind wir selber. — Wir
sind gleichsam so, daB wir unseren eigenen Atherleib wie Fang-
arme nach alien Seiten ausstrecken und uns hineinsaugen in die
Wesenheiten, in die wir, also wahrnehmend, unser eigenes Wesen
untertauchen.
Es gibt im gewohnlichen normalen BewuBtsein ein Gefuhl,
welches uns eine Vorstellung davon geben kann, was der Hellseher
auf dieser zweiten Stufe der Hellsichtigkeit erlebt, nur ist das, was
der Hellseher da erlebt, unendlich viel intensiver und nicht nur ein
Gefuhl, sondern steigert sich bis zur Wahrnehmung, bis zum Ver-
stehen, bis zum Untertauchen. Das Gefuhl des normalen BewuBt-
seins, das sich mit diesem Erlebnis des Hellsehers auf der zweiten
Stufe der Hellsichtigkeit vergleichen lafit, ist namlich das Mitleid,
ist die Liebe. Was bedeutet es denn, wenn wir im gewohnlichen
Leben Mitleid und Liebe empfinden? Wenn man genauer nach-
denkt iiber das Wesen von Mitleid und Liebe — es ist einiges schon
gestern angedeutet worden — , dann findet man, daB Mitleid und
Liebe uns dahin bringen, von uns selber loszukommen und uns
in das andere Wesen hiniiberzuleben. Es ist eigentlich ein wunder-
bares Mysterium des Menschenlebens, daB wir imstande sind, Mit-
leid, Liebe zu empfinden. Und unter den gewohnlichen Erschei-
nungen des normalen BewuBtseins gibt es wohl kaum etwas, was
den Menschen so sehr iiberzeugen kann von der Gottlichkeit des
Daseins als die Moglichkeit, daB er Liebe, daB er Mitleid ent-
wickeln kann. Man erlebt als Mensch sonst sein eigenes Dasein
in sich selber, oder man erlebt die Welt, indem man sie wahr-
nimmt dutch die Sinne oder indem man sie versteht durch den
Verstand. Hineinzuschauen in ein menschliches Herz, hineinzu-
blicken in eine menschliche Seele ist keinem Verstand, ist keinem
Auge moglich, denn verschlossen in innersten Kammern halt die
andere Seele das, was sie in sich selbst an Leiden, an Freuden hat.
Und wunderbar eigentlich, mysterios sollte es jedem Menschen er-
scheinen, daB er gleichsam sich selber ergieBen kann in das Wesen
der anderen Seele, in ihr Leben mit ihren Freuden, mit ihren Lei-
den. So wie wir untertauchen konnen mit dem normalen BewuBt-
sein durch Mitleid und Liebe in Leiden und Freuden bewuBter
Wesen, so lernt der Hellseher auf der zweiten Stufe der Hellsichtig-
keit unterzutauchen nicht nur in alles BewuBte, das leiden und sich
freuen kann auf eine menschliche oder menschenahnliche Art, son-
dern ein soldier Hellseher lernt unterzutauchen in alles Lebendige.
Wohlgemerkt, ich sage: in alles Lebendige. Denn auf dieser zweiten
Stufe der Hellsichtigkeit lernt man nur unterzutauchen in alles
Lebendige, noch nicht in das, was uns unlebendig, tot erscheint, was
uns als ein Mineralisches umgibt. Aber mit diesem Untertauchen
in das Lebendige ist verbunden ein Anschauen dessen, was im
Innern der Wesenheiten vorgeht. Wir selbst fiihlen uns da drinnen
in den lebendigen Wesenheiten, wir lernen leben mit den Pflanzen,
mit den Tieren, leben mit den anderen Menschen auf dieser zweiten
Stufe der Hellsichtigkeit. Aber nicht nur das. Wir lernen auch
hinter all dem, was da lebt, eine hohere geistige Welt kennen,
eben mit den Wesenheiten der zweiten Hierarchic Es ist notwendig,
daB wir uns diese Begriffe klarmachen, denn es erscheint wie eine
trockene Theorie, wenn man nur aufzahlt, was fiir Wesenheiten
zu den verschiedenen Hierarchien gehoren. Eine lebendige Vor-
stellung kann sich der Mensch zunachst von dem, was da hinter
der Sinneswelt webt und lebt, nur dann verschaffen, wenn er den
Weg kennt, auf dem das hellsichtige BewuBtsein dorthin dringt.
Nun wollen wir, ebenso wie wir gestern versuchten, die Wesen-
heiten der dritten Hierarchie zu charakterisieren, wiederum vom
Menschen ausgehend diese Wesenheiten der zweiten Hierarchie
schildern. Wir haben gestern gesagt, daB die Wesenheiten der
dritten Hierarchie dadurch charakterisiert sind, daB sie an der Stelle
der menschlichen Wahrnehmung die Offenbarung ihres eigenen
Wesens haben und an der Stelle der menschlichen Innerlichkek
dasjenige, was wir nennen konnen Geist-Erfullung. Bei den Wesen-
heiten der zweiten Hierarchie, da erfahren wir, indem wir in sie
untertauchen, daB nicht nur ihre Wahrnehmung eine Offenbarung
ihres Wesens ist, daB sie nicht nur ihr eigenes Wesen offenbaren,
sondern daB diese Offenbarung ihres eigenen Wesens erhalten
bleibt als etwas Selbstandiges, was sich absondert von diesen
Wesenheiten selbst. Eine Vorstellung von dem, was wir da wahr-
nehmen, konnen wir uns verschaffen, wenn wir etwa denken an
eine Schnecke, welche ihr eigenes Haus absondert. Das Haus, so
stellen wir uns vor, besteht aus einer Substanz, die zuerst in dem
Leib der Schnecke enthalten ist. Dann sondert die Schnecke ihr
Haus ab. Sie hat nicht nur ihr eigenes Wesen nach auBen fiir den An-
blick gezeigt, sondern sie hat etwas abgesondert, was dann objektiv
wird, was bleibt So ist es mit dem eigenen Wesen, mit der Selbst-
heit der Wesenheiten der zweiten Hierarchie. Sie offenbaren nicht
nur ihr Selbst, wie die Wesenheiten der dritten Hierarchie, sondern
sie sondern dieses Wesen von sich ab, so daB es erhalten bleibt als
eine selbstandige Wesenheit.
Dies wird uns klarer werden, wenn wir uns etwa auf der einen
Seite ein Wesen der dritten Hierarchie, auf der andern Seite ein
Wesen der zweiten Hierarchie vorstellen. Wir richten den okkulten
Blick auf ein Wesen der dritten Hierarchie. Dieses Wesen wird fiir
uns dadurch erkennbar, daB es seine Selbstheit, seine Innenheit
nach auBen offenbart und in seiner Offenbarung seine Wahr-
nehmung hat; wenn es aber seine innere Vorstellung, sein Innen-
erlebnis andert, dann ist auch eine andere Offenbarung da. So wie
also dieses Wesen der dritten Hierarchie innerlich seine Zustande
andert, seine Erlebnisse variiert, so andert sich fortwahrend die
auBere Offenbarung. Wenn wir ein Wesen der zweiten Hierarchie
anschauen mit dem okkulten Blick, so ist das anders. Da, sagen
wir, stellt das Wesen auch vor, erlebt auch innerlich, aber das, was
es innerlich erlebt, das sondert es von sich ab wie eine Art Schale,
wie eine Art Haut: es bekommt eine selbstandige Wesenheit. Und
wenn das Wesen dann zu einem andern Innenzustand iibergeht,
wenn das Wesen etwas anderes vorstellt und sich also auf eine
neue Art offenbart, dann ist die alte Offenbarung des Wesens noch
vorhanden, bleibt bestehen und geht nicht voriiber wie bei der
Wesenheit der dritten Hierarchie. So daB wir dasjenige, was an die
Stelle der Offenbarung tritt bei den Wesenheiten der zweiten Hier-
archie, nennen konnen ein sich selbst Schaffen einer Art von Schale
oder Haut. Wie einen Abdruck seiner selbst schaffen, sich selber in
einer Art von Bild objektiv machen, das ist es, was die Wesenheiten
der zweiten Hierarchie auszeichnet. Und wenn wir uns fragen: Was
tritt an die Stelle der Geist-Erfiillung der Wesenheiten der dritten
Hierarchie bei den Wesenheiten der zweiten Hierarchie? — dann zeigt
sich fur den okkulten Blick, daB jedesmal, wenn das Wesen ein
solches Bild seiner selbst absondert, solch eine Art von Schale
seiner selbst, die das Geprage seiner selbst tragt, daB dann im
Innern des Wesens Leben erregt wird. Immer ist das Erregen von
Leben die Folge eines solchen Sich-selber-Schaffens.
So miissen wir unterscheiden bei den Wesen der dritten Hier-
archie ihre AuBerlichkeit in ihrer Offenbarung und ihre Innerlich-
keit in dem Erfulltsein vom Geiste, wir miissen unterscheiden bei
den Wesen der zweiten Hierarchie ihre AuBenseite als «sich selber
im Abdruck, im Bilde schaffen, objektivieren» und ihre Innerlich-
keit als Lebenserregung, wie wenn Fliissigkeit fortwahrend in sich
selber rieselte, indem sie gefrierend ihr Bild nach auBen absondert.
So ungefahr stellt sich fur den okkulten Blick dar, was die Wesen-
heiten der zweiten Hierarchie auBerlich und innerlich erfullt. Wah-
rend dem okkulten Blick die Geist-Erfiillung der Wesenheiten der
dritten Hierarchie im Bilde, in der Imagination wie eine Art von
geistigem Licht erscheint, so erscheint dieses Lebenrieseln, diese
Lebenserregung, die mit Absonderung nach auBen verkniipft ist,
so, daB die okkulte Wahrnehmung etwas wie geistiges Tonen,
Spharenmusik vernimmt. Es ist wie geistiges Tonen, nicht wie
geistiges Licht wie bei den Wesenheiten der dritten Hierarchie.
Wir konnen nun wiederum bei diesen Wesenheiten der zweiten
Hierarchie mehrere Kategorien unterscheiden, wie wir auch bei den
Wesenheiten der dritten Hierarchie mehrereKategorien unterscheiden
konnten. Wenn wir allerdings die Unterschiede dieser Kategorien
ins Auge fassen wollen, so wird das schwieriger, weil ja die Dinge
immer schwieriger werden, je mehr wir zu den hoheren Hierarchien
aufsteigen. Wir haben, wenn wir da aufsteigen, zunachst eine Vor-
stellung zu gewinnen von all dem, was der uns umgebenden Welt
zugrunde liegt, insofern diese uns umgebende Welt Formen hat.
Es kommt, wie ich schon gesagt habe, fiir diese zweite Stufe der
Hellsichtigkeit nur das in Betracht, was lebt, nicht das, was uns
zunachst als Lebloses erscheint. Das, was lebt, kommt in Betracht,
aber das, was lebt, ist zunachst geformt. Formen haben die Pflanzen,
Formen haben die Tiere, eine Form hat der Mensch. Wenn der
hellsichtige Blick mit all den Eigenschaften, die wir heute be-
schrieben haben, sich richtet auf alles, was um uns herum in der
Natur geformt ist, und wenn er absieht von allem iibrigen bei den
Wesenheiten und nur auf die Formen sieht, bei den Pflanzen also
die Mannigfaltigkeit der Formen betrachtet, ebenso bei den Tieren
und bei den Menschen, dann nimmt dieser hellsichtige Blick aus
der Gesamtheit der Wesenheiten der zweiten Hierarchie diejenigen
wahr, welche wir nennen die Geister der Form, Exusiai.
Wir konnen aber auch etwas anderes an den Wesenheiten der
uns umgebenden Natur ins Auge fassen als die Form. Wir wissen
ja, daB alles, was lebt, seine Form in einer gewissen Beziehung
andert, indem es wachst. Am meisten fallt uns diese Anderung,
dieser Wechsel der Form, diese Metamorphose bei der Pflanzenwelt
auf. Wir betrachten nunmehr, indem wir nicht den gewohnlichen
Blick, sondern den hellsichtigen Blick der zweiten Stufe auf die
wachsende Pflanzenwelt richten, wie die Pflanze ihre Form nach
und nach gewinnt, wie sie von der Form der Wurzel ubergeht zu
der Form des Blattes, zu der Form der Bliite, zu der Form der
Frucht. Wir betrachten das wachsende Tier, den wachsenden Men-
schen, kurz, wir betrachten nicht blofi eine Form, wie sie in einem
Augenblick da ist, sondern wir betrachten das Werden der Lebe-
wesen. Wenn wir uns anregen lassen von dieser Betrachtung des
Werdens der Lebewesen: wie die Formen wechseln, wie sie in
lebendiger Metamorphose sind, dann tritt uns fur den hellsehe-
rischen Blick der zweiten Stufe das entgegen, was wir die Kategorie
der Geister der Bewegung nennen, Dynamis.
Schwieriger ist nun, eine dritte Kategorie von solchen Wesen-
heiten der zweiten Hierarchie zu betrachten. Da miissen wir weder die
Form als solche noch auch die Bewegung, die Veranderung der Form,
sondern dasjenige betrachten, was in der Form sich ausdriickt. Wir
konnen charakterisieren, wie der Mensch zu einer solchen Betrach-
tung sich erziehen kann. Natiirlich geniigt nicht, daB man das
gewohnliche normale BewuBtsein in solcher Weise erzieht, wie es
jetzt geschildert wird, sondern es miissen die anderen Ubungen,
welche dem Menschen zu dem okkulten Blkk verhalfen, dabei sein.
Der Mensch muB die anderen Ubungen machen und nicht mit
dem gewohnlichen BewuBtsein gleichsam sich erziehen an dem,
was jetzt geschildert wird, sondern sich schon mit dem hellsehe-
rischen BewuBtsein erziehen. Das hellseherische BewuBtsein muB
sich zuerst erziehen an der Art und Weise, wie der Mensch selber
in seiner auBeren Form zum Ausdruck wird fiir sein Inneres. Wie
gesagt, es kann das auch das normale BewuBtsein. Da wird man
aber nichts erreichen als ein Ahnen, als ein Vermuten dessen, was
hinter der Miene, hinter der Geste, hinter dem Gesichtsausdruck,
hinter der Physiognomie des Menschen ist. Wenn aber der hell-
seherische Blick, der sich schon bis zur zweiten Stufe des Hellsehers
geschult hat, wenn der die Physiognomie, die Geste, den mimischen
Ausdruck beim Menschen auf sich wirken laBt, dann ruft er in
sich Anregungen hervor, durch die er sich allmahlich erziehen
kann, die Wesenheiten der dritten Kategorie der zweiten Hierarchie
zu beobachten.
Aber das kann nicht geschehen — ich bitte wohl zu beachten,
was ich jetzt sagen werde — , wenn man dabei stehenbleibt, nur die
Gesten, den mimischen Ausdruck, die Physiognomie des Menschen
zu betrachten. Da erreicht man eigentlich noch wenig. Man muB
dann, so ist die okkulte Schulung auf diesem Gebiete am ratio-
nellsten, zu den Pflanzen ubergehen. Die Tiere kann man iiber-
springen, das ist nicht besonders wichtig, daB man sich an den
Tieren heranschult. Aber wichtig ist, daB, nachdem man sich hell-
seherisch ein wenig dazu erzogen hat, aus det Mimik, aus der
Physiognomie, aus dem Gestus eines Menschen in das Innere seiner
Seele sich hineinzuleben, nachdem man sich so erzogen hat am
Menschen, man dann sich zu der Pflanzenwelt wendet und an der
Pflanzenwelt sich weiter erzieht. Da wird der hellseherisch geschulte
Mensch sehr merkwiirdige Erlebnisse haben konnen, da wird der
hellseherisch geschulte Mensch tief empfinden konnen einen Unter-
schied zwischen einem Pflanzenblatt, das, sagen wir, spitz zulauft
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(a), und einem Pflanzenblatt, welches diese Form (b) hat; zwischen
einer Bliite, welche in dieser Weise (c) nach aufwarts wachst, und
einer Bliite, welche etwa so (d) nach aufien sich offnet. Ganze
Welten von Unterschieden in den inneren Erlebnissen stellen sich
ein, wenn man den okkulten Blick der zweiten Stufe nach einer
Iilienblute oder nach einer Tulpenbliite hinwendet, wenn man die
Rispe eines Hafers oder den Halm der Gerste oder des Weizens
auf sich wirken laBt. Alles das wird so lebendig sprechend wie die
Physiognomie eines Menschen. Und wenn das so lebendig spre-
chend wird, wie die Physiognomie eines Menschen spricht, wie
sogar der Gestus eines Menschen spricht, wenn wir empfinden, wie
eine Bliite, die nach aufien sich offnet, etwas hat wie eine Hand,
die sich etwa, mit der Innenflache nach unten, mit der AuBenflache
nach oben, auswarts wendet, wenn wir dann wiederum eine Bliite
finden, welche die Blatter nach oben zusammenschlieBt wie eine
Handbewegung, wo die zwei H'ande sich zusammenfalten — wenn
wir so den Gestus, die Physiognomie der Pflanzenwelt und in der
Farbe der Bliite etwas wie Physiognomik empfinden, dann belebt
sich der okkulte innere Blick, die okkulte Wahrnehmung und das
okkulte Verstandnis, und wir erkennen dann eine dritte Kategorie
von Wesenheiten der zweiten Hierarchie, die wir nennen die Geister
der Weisheit. Dieser Name ist vergleichsweise gewahlt aus dem
Grunde, weil, wenn wir einen Menschen betrachten in seiner
Mimik, in seiner Physiognomie, in seinen Gesten, wir sein Geistiges,
sein Weisheitsvolles nach auBen sprieBen sehen, sich darleben
sehen. So fuhlen wir, wie geisuge Wesenheiten der zweiten Hier-
archie alle Natur durchdringen und sich in der Gesamtphysio-
gnomie, in dem Gesamtgestus, in der gesamten Mimik der Natur
zum Ausdruck bringen. Flutende Weisheit geht lebensvoll durch
alle Wesen, alle Reiche der Natur, und nicht bloB eine allgemein
flutende Weisheit, sondern differenziert ist diese flutende Weisheit
in eine Fiille von geistigen Wesenheiten, in die Fiille der Geister
der Weisheit. Es ist, wenn das okkulte BewuBtsein sich hinauferhebt
zu diesen Geistern, zunachst die hochste Stufe dieser geistigen
Wesenheiten, die wir auf diese Art erreichen.
Aber so, wie wir sagen konnten, daB die Wesenheiten der dritten
Hierarchie, die Engel, Erzengel und Zeitgeister, Nachkommen
haben, die sich von ihnen abspalten, so haben auch die Wesen-
heiten dieser zweiten Hierarchie Nachkommen. Im Laufe der Zeit
spalten sich in ahnlicher Art, wie wir das gestern fur die Wesen der
dritten Hierarchie beschreiben konnten, von diesen Wesenheiten
der zweiten Hierarchie andere ab, die dann von niedrigerer Kate-
gorie werden, die geradeso in die Reiche der Natur heruntergesandt
werden wie die Naturgeister aus den Wesenheiten der dritten Hier-
archie, welche gleichsam die Baumeister und Werkmeister im klei-
nen in den Naturreichen sind. Die geistigen Wesenheiten nun,
welche da von der zweiten Hierarchie abgespalten werden und sich
heruntersenken in die Reiche der Natur, das sind diejenigen Wesen-
heiten, welche wir im Okkultismus bezeichnen als die Gruppen-
seelen der Pflanzen, der Tiere, die Gruppenseelen in den einzelnen
Wesenheiten. So daB der okkulte Blick auf der zweiten Stufe in
den Wesenheiten, die zum Pflanzen-, zum Tierreich gehoren, gei-
stige Wesenheiten findet, welche nicht so wie beim Menschen als
individuelle Geister in den einzelnen menschlichen Personlich-
keiten sind, sondern wir linden Gruppen von Tieren und Pflanzen,
die ahnlich gestaltet sind, beseelt von einer gemeinsamen geistigen
Wesenheit. Sagen wir, wir finden die Form der Lowen, die Form
der Tiger, andere Formen beseelt von gemeinsamen Seelenwesen.
Die gemeinsamen Seelenwesen, wir nennen sie die Gruppenseelen,
und diese Gruppenseelen sind abgespaltene Nachkommen der We-
senheiten der zweiten Hierarchie, wie die Naturgeister Nachkom-
men der Wesenheiten der dritten Hierarchie sind.
So dringen wir von unten hinauf in die hoheren Welten, finden,
wenn wir die Elemente iiberblicken, die wichtig sind fur alle Wesen-
heiten des Pflanzen-, des Tierreichs, des Menschenreichs, daB in die-
sen Elementen, im Festen, im Fliissigen, im Gasformigen, die
Naturgeister waken, die da Nachkommen sind der Wesenheiten der
dritten Hierarchie. Wir finden, wenn wir von den Elementen Erde,
Wasser, Luft aufsteigen zu dem, was mit Hilfe dieser Elemente lebt
in den Naturreichen, geistige Wesenheiten, die belebend durchdrin-
gen die Wesenheiten dieser Naturreiche, Gruppenseelen, und diese
Gruppenseelen sind abgespaltene geistige Wesenheiten derjenigen,
die wir als die Wesenheiten der zweiten Hierarchie kennen.
Sie konnen daraus ersehen, daB auch nur fur den okkulten Blick
der zweiten Stufe diese Wesenheiten, die wir als Gruppenseelen
bezeichnen, wirklich wahrnehmbar sind. Nur fur denjenigen okkult
entwickelten Menschen, der das Wesen seines eigenen Atherleibes
wie in Fangarmen ausdehnen kann, ist es moglich, daB er die We-
senheiten der zweiten Hierarchie kennenlernt und auch die Wesen-
heiten der Gruppenseelen, die in den verschiedenen Reichen der
Natur vorhanden sind. Noch schwieriger ist das Aufsteigen zu den
Wesenheiten der ersten Hierarchie und zu denjenigen Wesenheiten,
welche in den Naturreichen wiederum die Abkommlinge sind
dieser Wesenheiten der ersten Hierarchie. Davon wollen wir dann
morgen weitersprechen.
FUNFTER VORTRAG
Helsingfors, 7. April 1912
Wir sind in unseren Betrachtungen bis zu der sogenannten zweiten
Hierarchie der geistigen Wesenheiten gelangt, und wir haben
gestern charakterisiert, wie die menschliche Seele sich verhalten
muJ3, wenn sie eindringen will in das Wesen der zweiten Hier-
archie. Ein noch schwierigerer Weg fiihrt zu einer noch hoheren
Reihe von geistigen Wesenheiten, zu jenen Wesenheiten, welche
der ersten, der obersten uns zunachst erreichbaren Hierarchie an-
gehoren. Es ist hervorgehoben worden, daB durch eine besondere
Steigerung jener Erlebnisse, die wir schon im gewohnlichen Leben
in dem Mitleid und in der Liebe haben, dadurch daB diese Erleb-
nisse gesteigert werden bis zum okkulten Pfad, man dahin gelangt,
das eigene Wesen gleichsam aus sich herauszuergieBen und unter-
zutauchen in die Wesenheiten, die man dann betrachten will. Be-
achten Sie wohl, daB das Charakteristische dieses Untertauchens
darin besteht, daB wir unser eigenes Wesen wie in Fangarmen aus-
strecken und es hineinergieBen in die fremde Wesenheit. Dabei
aber bleiben wir immer neben den fremden Wesenheiten in unse-
rem Bewufitsein, in unserem Innenleben noch bestehen. Das ist das
Charakteristische der zweiten Stufe der Hellsichtigkeit, von der
gesprochen worden ist. Wir wissen auf dieser zweiten Stufe der
Hellsichtigkeit in jedem Augenblick, in dem wir uns eins wissen
mit den anderen Wesenheiten noch, daB wir auch da sind, daB wir
gleichsam neben den anderen Wesen da sind. Auch dieser letzte
Rest von egoistischem Erleben muB aufhoren, wenn die dritte Stufe
der Hellsichtigkeit erstiegen werden soil.
Da mussen wir ganz die Empfindung verlieren, als ob wir an
irgendeinem Punkt der Welt als besondere Wesen vorhanden
waxen. Wir mussen dahin kommen, daB wir nicht nur uns aus-
giefien in die fremden Wesenheiten und nebenbei stehen mit unse-
rem eigenen Erleben, sondern wir mussen die fremden Wesenheiten
eigentlich als unser Selbst empfinden, miissen ganz aus uns heraus-
gehen und das Gefiihl verlieren, daB wir neben den fremden We-
senheiten stehen. Wenn wir dann so untertauchen in die fremden
Wesenheiten, dann kommen wir dazu, uns selbst, wie wir vorher
waren, wie wir im gewohnlichen Leben sind, als fremde Wesenheit
anzuschauen. Sagen wir zum Beispiel, wir tauchen so auf der drit-
ten Stufe der Hellsichtigkek in irgendein Wesen der Naturreiche
unter, dann schauen wir nicht von uns aus auf dieses Wesen, wir
tauchen nicht bloB unter wie auf der zweiten Stufe der Hellsichtig-
kek, sondern wir wissen uns eins mit diesem Wesen und schauen
zuriick von diesem Wesen auf uns selbst. Wie wir sonst das fremde
Wesen auBer uns anschauen, so schauen wir jetzt auf der dritten
Stufe der Hellsichtigkek von dem fremden Wesen aus uns selber
als ein fremdes Wesen an. Das ist der Unterschied zwischen der
dritten Stufe und der zweiten Stufe. Erst wenn diese dritte Stufe
erreicht ist, dann kommen wir dahin, auBer den schon charak-
terisierten Wesenheiten der dritten und der zweiten Hierarchie
noch andere Wesenheiten in unserer geistigen Umgebung wahrzu-
nehmen.
Die geistigen Wesenheiten, die wir dann wahrnehmen, gehoren
wiederum drei Kategorien an. Die erste Kategorie nehmen wir vor-
zugsweise wahr, wenn wir so, wie es jetzt geschildert worden ist,
untertauchen in das Wesen anderer Menschen oder der hoheren
Tiere und uns dadurch erziehen. Nicht, was wir in anderen Men-
schen oder in den hoheren Tieren wahrnehmen, ist das Wesent-
liche, sondern daB wir uns dadurch erziehen und hinter Menschen
und Tieren die Geister wahrnehmen, welche der einen Kategorie
der ersten Hierarchie angehoren: die Geister des Willens oder, wie
die abendlandische Esoterik sagt, die Throne. Wir nehmen dann
Wesenheiten wahr, die wir nicht anders charakterisieren konnen,
als indem wir sagen: Sie bestehen nicht aus Fleisch und Blut, auch
nicht aus Licht oder Luft, sondern sie bestehen aus dem, was wir
nur in uns selber wahrnehmen konnen, wenn wir uns bewuBt wer-
den, daB wir einen Willen haben. Sie bestehen in bezug auf ihre
niedrigste Substanz nur aus Wille.
Dann, wenn wir uns dadurch erziehen, daB wir auf die geschil-
derte Weise untertauchen nun auch in niedrigere Tiere und deren
Leben ins Auge fassen mit dem okkulten Blicke, oder auch wenn
wir untertauchen in das Pflanzenleben, aber es nicht bloB so be-
trachten, wie wir das gestern schon charakterisiert haben, durch die
Geste, durch die Mimik, sondern wenn wir eins werden mit den
Pflanzen und von den Pflanzen aus uns selber anschauen, ja, dann
werden wir zu einer Erfahrung, zu einem Erlebnis gebracht, fur das
es eigentlich keinen rechten Vergleich mehr gibt innerhalb der
Welt, die wir sonst haben. Wir gewinnen hochstens einen Ver-
gleich fur die Eigenschaften jener Wesenheiten, zu denen wir uns
dann als den Wesenheiten der zweiten Kategorie der ersten Hier-
archie aufschwingen, wir gewinnen eine Moglichkeit, sie zu charak-
terisieren, wenn wir so recht auf unser Gemiit dasjenige wirken
lassen, wozu es ernste, wiirdige Menschen gebracht haben, welche
viele Schritte ihres Lebens dazu verwendet haben, Weisheit in sich
anzusammeln, welche nach vielen Jahren reichen Erlebens so viel
Weisheit angesammelt haben, daB wir uns sagen: Wenn solche
Menschen ein Urteil aussprechen, so spricht nicht ein personlicher
Wille zu uns, sondern es spricht das Leben zu uns, das durch Jahre,
durch Jahrzehnte in diesen Menschen sich angehauft hat und durch
das sie in einer gewissen Weise unpersonlich geworden sind. Men-
schen, welche auf uns einen solchen Eindruck machen, daB ihre
Weisheit unpersonlich wirkt, daB ihre Weisheit wie die Bliite und
Frucht eines reifen Lebens erscheint, die rufen in uns ein wenn
auch nur ahnendes Empfinden von dem hervor, was aus unserer
geistigen, aus unserer spirituellen Umgebung auf uns wirkt, wenn
wir zu dieser Stufe des Hellsehens emporriicken, von der hier jetzt
die Rede sein muB. Man nennt diese Kategorie in der abendlan-
dischen Esoterik die Cherubim. Es ist auBerordentlich schwierig, die
Wesenheiten dieser hoheren Kategorien zu charakterisieren, denn je
weiter wir hinaufsteigen, desto unmoglicher wird es, Eigenschaften
des gewohnlichen Lebens heranzuziehen, um eine Charakteristik
von der Hone und GroBe und Erhabenheit der Wesenheiten dieser
Hierarchien zu erwecken. Die Geister des Willens, die niederste
Kategorie also der ersten Hierarchie, sie konnen wir noch dadurch
charakterisieren, daB wir sagen, wir machen uns klar, was Wille ist,
denn Wille ist die niederste Substanz, aus der sie bestehen. Aber es
wiirde unmoglich sein, wenn wir nur auf den Willen, wie er uns beim
Menschen oder bei denTieren im normalenLeben entgegentritt, wenn
wir nur auf die gewohnlichen Gef iihle und Gedanken des Menschen
sehen wiirden, es wiirde unmoglich sein mit dem, was dem ge-
wohnlichen menschlichen Denken, Fiihlen und Wollen entnommen
ist, die Wesenheiten der zweiten Kategorie der ersten Hierarchie zu
charakterisieren. Da miissen wir schon zu besonderen Menschen des
Lebens gehen, die eben in der charakterisierten Weise iiberwalti-
gende Macht der Weisheit in ihrer Seele aufgehauft haben. Wenn
wir diese Weisheit fiihlen, dann fiihlen wir ahnlich, wie der Okkui-
tist fiihlt, wenn er den Wesenheiten, die wir Cherubim nennen,
gegeniibersteht. Solche Weisheit, die nun nicht gesammelt ist in
Jahrzehnten, wie die Weisheit hervorragender Menschen, sondern
solche Weisheit, die in Jahrtausenden, in Jahrmillionen des Welten-
werdens gesammelt ist, die stromt uns entgegen in erhabener Macht
aus den Wesenheiten, die wir Cherubim nennen.
Und noch schwieriger sind zu charakterisieren diejenigen Wesen-
heiten, die nun die erste, die hochste Kategorie der ersten Hierarchie
ausmachen und die man Seraphim nennt. Es wiirde nur moglich
sein, sich eine Vorstellung von dem Eindruck, von der Impression,
welche die Seraphim auf den okkulten Blick machen, zu verschaf-
fen, wenn wir etwa folgenden Vergleich aus dem Leben nehmen.
Wir setzen den Vergleich fort, den wir eben gebraucht haben. Wir
betrachten einen Menschen, der durch Jahrzehnte Erlebnisse auf-
gehauft hat, die ihn zu iiberwaltigender Weisheit gebracht haben,
und wir stellen uns vor, daJ3 ein solcher weiser Mensch, aus dem
unpersonlichste Lebensweisheit spricht, aus seiner unpersonlichsten
Lebensweisheit heraus wie mit innerem Feuer sein ganzes Wesen
derart durchdringt, daB er uns nichts zu sagen braucht, sondern
sich nur vor uns hinzustellen braucht und das, was Jahrzehnte ihm
an Lebensweisheit gegeben haben, in seinen Blick hineinlegt, so
daB der Blick uns erzahlen kann Leiden und Erfahrungen von Jahr-
zehnten und wir aus dem Blicke einen Eindruck davon haben kon-
nen, daB dieser Blick spricht wie die Welt selber, die wir erleben.
Wenn wir uns einen solchen Blick vorstellen, oder wenn wir uns
vorstellen, daB ein solcher weiser Mensch dahin gekommen ist, uns
nicht nur Worte zu sagen, sondern in dem Klang und in der eigen-
tiimlichen Farbung seiner Worte den Abdruck zu geben von rei-
chen Lebenserfahrungen, so daB wir etwas wie einen Unterton
horen in dem, was er sagt, weil er es mit einem gewissen Wie aus-
stattet und wir aus diesem Wie eine Welt von Lebenserfahrungen
vernehmen, dann bekommen wir wiederum ein Gefuhl, wie es der
Okkultist hat, wenn er zu den Seraphim aufsteigt. Wie ein Blick, der
am Leben herangereift ist, und aus dem Jahrzehnte von Erfahrun-
gen sprechen oder wie ein Satz, der so ausgesprochen wird, daB wir
nicht bloB seine Gedanken horen, sondern daB wir horen: der Satz
ist, indem er mit solchem Klange ausgesprochen wird, in Schmer-
zen und in Erfahrungen des Lebens errungen, er ist keine Theorie,
er ist erkampft, er ist erlitten, er ist durch Lebensschlachten und
Siege in das Herz gegangen — wenn wir all das durch einen Unter-
ton horen, dann bekommen wir einen Begriff von der Impression,
welche der geschulte Okkultist hat, wenn er sich aufschwingt zu
den Wesenheiten, die wir Seraphim nennen.
Wir konnten die Wesenheiten der dritten Hierarchie charakteri-
sieren, indem wir sagten: Was bei den Menschen Wahrnehmung
ist, das ist bei ihnen Offenbarung ihres Selbst, was bei den Men-
schen Innenleben, waches BewuBtsein ist, das ist bei ihnen Geist-
Erfullung. Wir konnten die Wesenheiten der zweiten Hierarchie
charakterisieren, indem wir sagten: Was bei den Wesenheiten der
dritten Hierarchie Offenbarung ihres Selbst ist, ist bei ihnen Selbst-
verwirklichung, Selbstschaffen, Abdriickepragen von ihrem eige-
nen Wesen, und was bei den Wesenheiten der dritten Hierarchie
Geist-Erfiillung ist, das ist bei ihnen Lebenserregung, so daB innere
Lebenserregung entsteht in dem Absondern, in dem Selbstobjekti-
vieren. Was nun bei den Wesenheiten der zweiten Hierarchie
Selbstschaffen ist, das tritt uns auch noch bei den Wesenheiten der
ersten Hierarchie entgegen, wenn wir sie mit dem okkulten Blick
betrachten, aber es ist doch ein Unterschied. Der Unterschied
besteht namlich darin, daB das, was die "Wesenheiten der zweiten
Hierarchie objektivieren, was sie aus sich heraus schaffen, so lange
vorhanden bleibt, als diese Wesenheiten mit dem Geschaffenen ver-
bunden bleiben. Also wohlgemerkt, diese Wesenheiten der zweiten
Hierarchie konnen so etwas wie ein Abbild von sich schaffen, das
aber bleibt mit ihnen verbunden, und es kann sich nicht von ihnen
trennen. Es bleibt in einer gewissen Weise mit ihnen verbunden.
Bei den Wesenheiten der ersten Hierarchie ist es so, daB sie sich
audi selbst objektivieren, dafi sie ihr eigenes Wesen abpragen, ab-
sondern wie in einer Haut, in einer Schale, die aber ein Abdruck
ihres eigenen Wesens ist. Das sondert sich jetzt von ihnen ab und
bleibt in der Welt vorhanden, auch wenn sie sich davon trennen.
Sie tragen also ihre Schopfung nicht mit sich herum, sondern
diese Schopfung bleibt, auch wenn sie von ihr weggehen. Da-
durch ist ein hoherer Grad von Objektivitat erreicht als der durch
die zweite Hierarchie erreichte. Wo die Wesen der zweiten Hier-
archie schaffen, da mussen sie, damit ihr Geschaffenes nicht zu-
grunde gehe, bei dem Geschaffenen bleiben. Das Geschaffene wurde
tot sein und zerfallen, wenn sie nicht selber damit verbunden
blieben. Es hat eine selbstandige, objektive Wesenheit, aber nur
so lange, als das Wesen damit verbunden bleibt. Dasjenige, was
abgesondert wird aus den Wesenheiten der ersten Hierarchie
heraus, davon konnen diese Wesenheiten der ersten Hierarchie
weggehen, und dennoch bleibt es als etwas Selbsttatiges, Objek-
tives vorhanden,
Bei der dritten Hierarchie haben wir Offenbarung und Geist-
Erfullung, bei der zweiten Hierarchie Selbsterschaffen und Lebens-
erregung. Bei der ersten Hierarchie, die da besteht aus den Thro-
nen, Cherubim und Seraphim, da haben wir ein solches Schaffen,
daB das Geschaffene abgesondert wird, da haben wir statt des
Selbstschaffens Weltschaffen: Eine abgesonderte Welt wird das, was
hervorgeht aus den Wesenheiten der ersten Hierarchie, eine solche
selbstandige Welt, daB diese Welt Erscheinungen, Tatsachen zeigt,
auch wenn die Wesenheiten nicht mehr dabei sind.
Wir konnen uns jetzt noch fragen: Und wie ist denn das eigene
Leben dieser ersten Hierarchie? Das eigene Leben der Wesenheiten
der ersten Hierarchie ist so, daB es sich selber wahrnimmt, indem
es solche objektive, selbstandige, sich absondernde Wesen aus sich
hervorgehen laBt. Im Schaffen, im Selbstandigmachen von Wesen-
heiten liegt fiir diese Wesenheiten der ersten Hierarchie ihr innerer
BewuBtseinszustand, ihr inneres Erleben. Wir konnen sagen, sie
schauen hin auf das, was sie schaffen und was die Welt wird, und
nicht indem sie in sich hineinschauen, sondern indem sie hinaus-
schauen auf die Welt, auf ihre Geschopfe, haben sie sich. Wesen
schafTen, das ist ihr Innenleben. Andere Wesen schaffen, in anderen
Wesen leben, das ist das innere Erleben dieser Wesenheiten der
ersten Hierarchie. Weltschaffen ist ihr AuBenleben, Wesenschaffen
ihr Innenleben.
Wir haben nun im Laufe dieser Tage darauf aufmerksam ge-
macht, wie die verschiedenen Wesenheiten der einzelnen Hier-
archien Nachkommen, sich abspaltende Wesenheiten haben, die sie
herunterschicken in die Reiche der Natur, und wir haben kennen-
gelernt, daB die Nachkommen der dritten Hierarchie die Natur-
geister sind, daB die Nachkommen der zweiten Hierarchie die
Gruppenseelen sind. Auch die Wesenheiten der ersten Hierarchie
haben solche sich abspaltenden Nachkommen, und im Grunde
genommen habe ich Ihnen bereits von einer anderen Seite her
diese Wesenheiten beschrieben, welche die Nachkommen der ersten
Hierarchie sind. Ich habe es Ihnen beschrieben in den allerersten
Betrachtungen, als wir aufgestiegen sind zu den sogenannten Gei-
stern der Umlaufszeiten, zu denjenigen Geistern, welche anordnen
und dirigieren, was in den Naturreichen in rhythmischer Folge und
Wiederholung geschieht. Die Wesenheiten der ersten Hierarchie
spalten von sich ab diejenigen Wesenheiten, welche anordnen den
Wechsel von Winter und Sommer, so daB die Pflanzen sprieBen
und wiederum verwelken; jene rhythmische Folge, wodurch zum
Beispiel die Angehorigen einer gewissen tierischen Art eine be-
stimmte Lebenszeit haben, innerhalb welcher sie sich entwickeln
von der Geburt bis zum Tod. Aber auch alles, was in den Natur-
reichen rhythmisch und sich wiederholend folgt, wie Tag und
Nacht, wie Jahreswechsel, wie die vier Jahreszeiten — alles, was so
rhythmisch folgt, alles, was auf sich wiederholendem Geschehen
beruht, das wird geregelt von den Geistern der Umlaufszeiten, von
den Nachkommen der Wesenheiten der ersten Hierarchie. Man
kann diese Geister der Umlaufszeiten von der einen Seite charak-
terisieren, wie wir das vor einigen Tagen gemacht haben, und man
kann sie jetzt ihrer eigenen Abstammung nach charakterisieren, wie
wir das heute taten. So konnen wir zusammenfassend das Wesen
dieser drei Hierarchien wie folgt darstellen:
Erste Hierarchie
Weltschaffen Wesenschaffen Geister der Umlaufszeiten
Zweite Hierarchie
Selbsterschaffen Lebenserregung Gruppenseelen
Dritte Hierarchie
Offenbarung Geist-Erfiillung Naturgeister
Wenn wir nun in der mir gestellten Aufgabe weiterschreiten
wollen, da miissen wir uns bekannt machen mit Vorstellungen, zu
denen sich der geschulte Blick des Okkultisten allmahlich erhebt
und die ja fiir den Anfang, wenn man zuerst mit ihnen bekannt
wird, etwas schwierig sind. Aber wir werden sie schon heute vor
unsere Seele hinstellen, diese Vorstellungen und Ideen, und indem
wir das tun, bekommen wir die Moglichkeit, uns in den nachsten
Vortragen, wo uns das ganze Leben und die ganze Wesenheit der
Naturreiche und der Himmelskorper vor Augen treten soil, immer
mehr und mehr hineinzugewohnen in die Art und Weise, wie die
charakterisierten Wesenheiten mit den Naturreichen und mit den
Himmelskorpern zusammenhangen. So werden wir immer bestimm-
tere Vorstellungen nach dieser Richtung hin erhalten konnen.
Wenn wir von dem Menschen sprechen, dann sprechen wir so,
daB wir diesen Menschen charakterisieren, wie er sich dem okkulten
Blick darbietet; Sie konnen das ja verfolgen in theosophischen
Schriften, zum Beispiel in meiner «Theosophie» und in meiner
«Geheimwissenschaft». Wenn wir den Menschen mit dem okkulten
Blick betrachten, so sagen wir: Dasjenige, was zunachst das auBerste
fur Augen und Sinne uberhaupt Wahrnehmbare am Menschen ist,
das ist sein physischer Leib. Also den physischen Leib des Menschen
betrachten wir als das erste menschliche Glied. Als das zweite
menschliche Glied betrachten wir dann schon etwas Ubersinnliches,
schon etwas fur das normale BewuBtsein Unsichtbares, den atheri-
schen Leib. Als drittes Glied betrachten wir den astralischen Leib.
Wenn wir diese drei Glieder haben, dann haben wir ungefahr die
Hiillennatur des Menschen. Wir kommen dann zu noch hoheren
Gliedern. Die sind dann seelenartiger Natur. Die nimmt man im
gewohnlichen Leben wahr als inneres Seelenleben, und ebenso wie
wir von einer dreifachen auBeren Hiille sprechen, so konnen wir
sprechen von einer dreifachen Seele: von der Empfindungsseele,
Verstandes- oder Gemiitsseele und BewuBtseinsseele. Diese Glieder
der menschlichen Natur, von dem physischen Leib bis zur BewuBt-
seinsseele herauf, sind im Grunde genommen heute bei jedem Men-
schen schon vorhanden. Dazu kommt noch ein Hereinleuchten des
nachsten Gliedes, das wir bezeichnen als Geistselbst oder, wie viel-
lekht viele von Ihnen gewohnt sind, es zu nennen, Manas. Dann
haben wir das nachste Glied, das in der Zukunft fur den Menschen
eigentlich erst ausgebildet werden wird im rechten MaBe; wir nen-
nen das den Lebensgeist oder die Buddhi. Und dann haben wir das,
was wir als den eigentlichen Geistesmenschen oder Atma bezeich-
nen, was zwar die innerste menschliche Natur ist, was aber in dem
Menschen fur sein BewuBtsein heute noch schlummert und erst in
zukiinftigen Erdentagen innerhalb des BewuBtseins als der eigent-
liche Mittelpunkt des BewuBtseins aufleuchten wird. Diese Glieder
der menschlichen Natur sind so, daB wir von ihnen sprechen als
Einheiten. In einer gewissen Weise haben wir in dem physischen
Leib des Menschen eine Einheit, wir haben in dem atherischen
Leib des Menschen eine Einheit und so in den anderen Gliedern
der menschlichen Natur. Der ganze Mensch ist eine Einheit, welche
aus der Zusammenfiigung und dem Ineinanderwirken dieser ver-
schiedenen Glieder besteht.
Sie miissen sich nun vorstellen, wenn wir weiterkommen wollen
in unseren Betrachtungen, daB es iiber dem Menschen stehende
Wesenheiten gibt, welche so erhaben sind iiber die menschliche
Natur, daB sie nicht bestehen aus Gliedern, die wir bezeichnen
konnen als physischen Leib, Atherleib und so weiter, sondern daB
die Glieder dieser Wesenheiten selbst wiederum Wesenheiten sind.
Wahrend der Mensch also zu seinen einzelnen Gliedern das hat,
was wir nicht als Wesenheit, sondern eben nur als einheitliche Glie-
der ansehen konnen, miissen wir aufsteigen zu solchen Wesen-
heiten, die nicht einen physischen Leib haben als ihren Teil, son-
dern welche ebenso, wie der Mensch seinen physischen Leib als
einen Teil hat, zu ihrem Teil etwas haben, was wir jetzt genannt
haben in unseren Betrachtungen die Geister der Form. Wenn wir
sagen: Es gibt eine Wesenheit hoherer Kategorie, welche nicht wie
der Mensch zu seinem Gliede einen physischen Leib hat, son-
dern welche zu ihrem Glied eine Wesenheit selbst hat, einen
Geist der Form, dann bekommen wir eine Vorstellung von einer
Wesenheit, die wir bisher noch nicht charakterisiert haben, aber
die wir jetzt charakterisieren wollen. Wollen wir sie charakterisie-
ren, so miissen wir uns schon derjenigen Vorstellungen bedienen,
zu denen wir uns aufgeschwungen haben im Laufe unserer Be-
trachtungen.
Ich sagte schon, es ist schwierig, zu diesen Vorstellungen zu kom-
men, aber Sie werden durch eine Analogie sich erheben konnen zu
solchen Vorstellungen, wie wir sie hier brauchen. Betrachten Sie
einen Bienenstock oder einen Ameisenhaufen und nehmen Sie die
einzelnen Wesenheiten, die einzelnen Bienen des Bienenstockes und
seien Sie sich klar dariiber, daB der Bienenstock einen realen Ge-
samtgeist hat, eine reale Gesamtwesenheit, und daB er in den ein-
zelnen Bienen seine Teile hat, wie Sie Ihre Teile haben in Ihren
einzelnen Gliedern. Da haben Sie eine Analogie fiir noch hohere
Wesenheiten, als diejenigen sind, die wir bisher betrachtet haben,
die zu ihrem Glied nicht so etwas haben, was wir nur als phy-
sischen Leib wie beim Menschen bezeichnen, sondern was wir sel-
ber als eine Wesenheit bezeichnen miissen, als Geist der Form. Wie
wir in unserem physischen Leibe leben, so leben Wesenheiten von
hoherer Erhabenheit so, daB sie die Geister der Form, oder einen
Geist der Form meinetwillen, zu ihrem untersten Gliede haben.
Wir Menschen haben dann den atherischen Leib, statt dessen haben
diese Wesenheiten als zweites GHed Geister der Bewegung; statt
des astralischen Leibes des Menschen haben diese Wesenheiten Gei-
ster der Weisheit; statt dessen, was wir Menschen als Empfindungs-
seele haben, haben diese Wesenheiten als ihr viertes Glied Throne
oder Geister des Willens; statt unserer Verstandesseele haben diese
Wesenheiten als funftes Glied Cherubim; als sechstes haben sie,
wie wir die BewuBtseinsseele haben, Seraphim. Und wie wir hinauf-
schauen zu demjenigen, was wir uns allmahlich erst aneignen in
zukiinftigen Erdentagen, so schauen diese Wesenheiten hinauf zu
dem, was uberragt das Wesen der Hierarchien. Wie wir von unse-
rem Manas, Buddhi, Atma oder Geistselbst, Lebensgeist, Geistes-
menschen sprechen, so schaut gleichsam aus seinem seraphischen
Glied, wie wir aus unserer BewuBtseinsseele, diese Wesenheit hin-
auf zu einer Urgeistigkeit. Da erst haben diese Wesenheiten dann
etwas dem Analoges, was wir unser geistiges Innenleben nennen.
Es ist auBerordentlich schwierig, von dem, was da oben iiber den
Hierarchien gleichsam als die geistige Wesenheit hochster Geister
selber vorhanden ist, Vorstellungen zu erwecken. Im Laufe der
Menschheitsevolution haben die verschiedenen Religionen und
Weltanschauungen daher auch, man mochte sagen, mit einer ge-
wissen ehrfiirchtigen Vorsicht unterlassen, in deutlichen, an die
Sinneswelt erinnernden Vorstellungen von dem zu sprechen, was
da oben noch vorhanden ist iiber den Hierarchien. MuBten wir
schon, um eine Vorstellung hervorzurufen, wie sie in der Seele des
Okkultisten lebt, wenn er auf die Seraphim blickt, zu solchen Mit-
teln greifen, die uns nur in Analogien entgegentreten bei Men-
schen mit reicher Lebenserfahrung, so reicht auch alles das, was
uns selbst bei solchen Menschen als reine AuBerung ihres Lebens
entgegentritt, nicht mehr aus, um die Dreiheit zu charakterisieren,
die gleichsam iiber den Seraphim als hochstes Wesen, als ihr Manas,
Buddhi, Atma, figuriert.
Im Laufe der Menschheitsevolution ist iiber die vorsichtigen
Ahnungen, mk denen der Menschengeist von dem, was da oben ist
in den geistigen Regionen, gesprochen hat, sogar, man darf sagen
leider, viel gestritten worden. Leider! darf man sagen, weil es dem
Menschengeist viel angemessener ware, nicht mit Vorstellungen,
die er sich nun einmal aus dem gewohnlichen Leben durch allerlei
Analogien und Vergleiche gezimmert hat, Wesenhaftes von so
hoher Gattung charakterisieren zu wollen; viel mehr geziemend
ware es fur den Menschen, in tiefer Ehrfurcht immer mehr und
mehr lernen zu wollen, um annahernde Vorstellungen von dem zu
bekommen, was da oben ist. Annahernde Vorstellungen versuchten
die Religionen und Weltanschauungen von dem, was da oben ist,
zu geben, indem sie heranzogen vieldeutige und vielsagende Be-
griffe, BegrifTe, welche gewissermaBen dadurch etwas Besonderes
gewinnen, daB sie iiber das einzelne Leben des Menschen schon in
der auBeren Sinneswelt hinausgehen. Mk solchen Begriffen kann
man natiirlich das erhabene Wesen, um das es sich hier handelt,
auch nicht einmal annahernd charakterisieren, aber man kann
gewissermaBen eine Vorstellung hervorrufen von dem, was man
nicht zu sagen vermag, sondern was sich hullen soli in ein heiliges
Geheimnis, in ein heiliges Mysterium. Denn nicht sollte man mit
menschlichen Verstandesbegriffen, die an der AuBenwelt gewonnen
sind, so ohne weiteres herankommen an diese Dinge. Daher ver-
suchte man in den aufeinanderfolgenden Religionen und Welt-
anschauungen annahernd, ahnungsvoll diese Dinge dadurch zu
charakterisieren, daB man das, was iiber den Menschen hinausragt
und schon in der Natur mysterios ist, zur Charakteristik oder, sagen
wir besser, zur Namengebung heranzog.
Die alten Agypter haben zur Namengebung herangezogen die
Begriffe von Kind oder Sohn, von Mutter und Vater, also das, was
iiber den einzelnen Menschen hinausragt. Das Christentum hat ver-
sucht, in der Aufeinanderfolge von Heiligem Geist, Sohn und Vater
fur diese Dreiheit eine Namengebung zu finden. So daB wir sagen
konnen: Wir wiirden an die siebente Stelle zu setzen haben den
Heiligen Geist, an die achte den Sohn und an die neunte den Vater.
Wenn wir also ein Wesen, zu dem wir hinaufschauen und dessen
oberster Inhalt uns wie in ein geistiges Mysterium verschwindet
und wir andeutungsvoll dazu sagen: Geist, Sohn und Vater — , wenn
wir ein solches Wesen mit dem okkulten Blick betrachten, so sagen
wir uns: Wie wir uns zum Menschen verhalten, indem wir ihn
auBerlich anschauen, wie wir seinen physischen Leib als sein unter-
stes Glied betrachten, so haben wir bei einem solchen Wesen, wenn
wir es so betrachten, daft diese Betrachtung analog ist der Men-
schenbetrachtung, den Geist der Form vor uns, das heiBt, einen
Geist, der sich eine Form gibt, einen geformten Geist. Wir miiBten
also hinschauen konnen auf dasjenige, was von diesen Wesenheiten
analog, ahnlich ist dem physischen Leib des Menschen, auf etwas
Geformtes.
Wie wir etwas Geformtes im physischen Leib des Menschen
als sein unterstes Glied haben, und wie in diesem Geformten, das in
Wahrheit, so wie es uns entgegentritt, selbstverstandlich eine Maja ist,
aber eben das lebt, was Geist der Form ist, so ist das, was uns erscheint,
wenn wir den Blick hinausrichten in den Weltenraum und im Welten-
raum einen Planeten erblicken — Merkur, Venus, Mars, Jupiter — ,
die auBere Form des Geistes der Form, das, was zu diesem Wesen,
von dem wir jetzt gesprochen haben, gehort, wie der physische Leib
des Menschen zu dem Menschen gehort. Wenn ein Mensch vor uns
steht, dann driickt uns diese Form aus, was als hohere Glieder, als
atherischer Leib, astralischer Leib, Empfindungsseele und so weiter,
in dem Menschen lebt; wenn wir einen Planeten sehen, driickt uns
diese Form aus, was die Form der Geister der Form ausmacht. Und
wie hinter der menschlichen Form, hinter dem physischen Leib der
atherische Leib, der astralische Leib, die Empfindungsseele und so
weiter sind, so ist hinter dem Planeten als zu ihm gehorig dasjenige,
was wir ansprechen als Geister der Bewegung, der Weisheit, des
Willens, Seraphim, Cherubim und so weiter. Wenn wir also im
Sinne der Geisteswissenschaft das vollstandige Wesen eines Plane-
ten uns vorhalten wollen, dann mussen wir sagen: Uns begegnet
im Weltenraum fur unsere Wahrnehmung der Planet, indem er
uns sein Physisches, das der Geist der Form ihm gegeben hat, ent-
gegenleuchtet, und er verbirgt, wie der Mensch seine hoheren Glie-
der dem physisehen Blick verbirgt, dasjenige, was als Wesenheiten
der hoheren Hierarchien in dem Planeten und um ihn waltet. Wir
stellen uns also einen solchen Planeten wie den Mars oder den Mer-
kur richtig vor, wenn wir ihn uns zunachst seiner physisehen Form
nach vorstellen und ihn umgeben und durchdrungen denken von
einer geistigen Atmosphare, die ins Endlose ausgreift, die in dem
physisehen Planeten eben ihre physische Form, die Schopfung der
Geister der Form, hat und die in ihrem geistigen Umkreis die
Wesenheiten der anderen Hierarchien hat. Dann erst haben wir den
vollstandigen Planeten, wenn wir ihn so betrachten, daB er in der
Mitte das Physische als einen Kern hat und um ihn herum geistige
Umhiillungen, die aus den Wesenheiten der Hierarchien bestehen.
Es soil das in den nachsten Vortragen noch eingehender betrachtet
werden. Damit wir aber gewissermaBen heute noch die Richtung
unserer Betrachtung andeuten konnen, sei noch folgendes zunachst
als Mitteilung, wie es die okkulte Forschung ergibt, gesagt.
Wir haben schon angedeutet: Wenn wir das, was physische
Planetenform ist, betrachten, so ist das ein Geschopf des Geistes
der Form. Auch unsere Erdenform ist Geschopf des Geistes der
Form. Nun aber wissen Sie von unserer Erde zunachst, daB sie in
sich kein Ruhendes ist, daB diese Erde einer fortdauernden inneren
Veranderung und Beweglichkeit unterliegt. Sie alle werden sich aus
den Schilderungen der Akasha-Chronik erinnern, daB das auBere
Antlitz unserer Erde heute anders aussieht, als es zum Beispiel aus-
gesehen hat wahrend der Periode der Erdenentwickelung, die wir
als die atlantische Zeit bezeichnen. In dieser uralten atlantischen
Zeit war die Flache unseres Erdballs, welche heute vom Atlanti-
schen Ozean uberflutet ist, mit einem machtigen Kontinente be-
deckt, wahrend an der Stelle, wo heute Europa, Asien, Afrika sind,
kaum erst Kontinente sich bildeten. So hat sich die Masse, die
Substanz der Erde umgesetzt durch innere Beweglichkeit. Der Pla-
net ist in einer fortwahrenden inneren Beweglichkeit. Bedenken Sie
nur, daB zum Beispiel das, was heute bekannt ist als die Insel Helgo-
land, nur ein kleiner Teil dessen ist, was noch im neunten, zehnten
Jahrhundert von dieser Insel Helgoland ins Meer hinausragte.
Wenn auch die Zeiten, in denen Umlagerungen, innere Verande-
rungen des Antlitzes der Erde stattfinden, verhaltnismaBig groB
sind, ohne viel auf diese Dinge einzugehen, kann jeder sich sagen,
der Planet ist in einer fortw'ahrenden inneren Beweglichkeit. Und
gar, wenn der Mensch nicht nur zum Planeten das Feste der Erde
rechnet, sondern auch Wasser und Luft, dann lehrt ja das alltag-
liche Leben, daB der Planet in innerer Beweglichkeit ist. In Wolken-
bildung, in Regenbildung, in all den Witterungserscheinungen, im
auf- und absteigenden Wasser, in alledem zeigt die planetarische
Substanz die innere Beweglichkeit. Das ist ein Leben des Planeten.
Innerhalb dieses Lebens des Planeten wirkt, wie im Leben des ein-
zelnen Menschen der Atherleib, dasjenige, was wir bezeichnen als
die Geister der Bewegung. So daB wir sagen konnen: AuBere Ge-
stalt des Planeten — Geister der Form als Schopfer. Die innere
Lebendigkeit, sie wird geregelt durch die Wesenheiten, die wir die
Geister der Bewegung nennen.
Nun ist aber ein solcher Planet fur den Okkultisten durchaus
eine wirkliche Wesenheit, eine Wesenheit, welche das, was in ihr
vorgeht, nach Gedanken regelt. Nicht nur, daB innere Lebendig-
keit, wie sie eben geschildert worden ist, im Planeten vorhanden ist,
sondern auch BewuBtsein hat der Planet als ganzer Planet, denn er
ist ja eine "Wesenheit. Und dieses BewuBtsein, welches dem mensch-
lichen BewuBtsein entspricht, insofern die niedere BewuBtseins-
form, das UnterbewuBtsein, im astralischen Leib ist, das wird ge-
regelt beim Planeten durch die Geister der Weisheit. So daB wir
sagen konnen: Das niederste BewuBtsein des Planeten wird geregelt
durch die Geister der Weisheit. Wenn wir so den Planeten charak-
terisieren, dann bleiben wir noch immer innerhalb des Planeten.
Wir schauen hinauf zum Planeten und sagen uns: Er hat eine
gewisse Form, das entspricht den Geistern der Form; er hat eine
innere Beweglichkeit, das entspricht den Geistern der Bewegung;
das alles ist von BewuBtsein durchdrungen, das entspricht den Gei-
stern der Weisheit. Aber nun verfolgen wir den Planeten weiter:
Er geht durch den Raum, er hat einen inneren Impuls, der ihn
treibt durch den Raum, wie der Mensch einen inneren Willens-
impuls hat, der ihn treibt, seine Schritte zu machen, durch den
Raum zu gehen. Das, was den Planeten durch den Raum fiihrt,
was seine Bewegung im Raum regelt, was da macht, daB er zum
Beispiel um den Fixstern sich bewegt, das entspricht den Geistern
des Willens. Sie geben dem Planeten den Impuls, hinzufliegen
durch den Raum. Also, die Bewegung des Planeten im Raum ent-
spricht den Geistern des Willens oder den Thronen. Wenn nun
diese Geister des Willens nur die Bewegungsimpulse dem Planeten
geben wiirden, so wiirde jeder Planet in der Welt seine eigenen
Wege gehen. Das ist aber nicht der Fall, sondern ein jeder Planet
richtet sich nach dem ganzen System. Es wird die Bewegung nicht
nur so geregelt, daB der Planet sich bewegt, sondern es wird Ord-
nung hineingebracht in das ganze planetarische System. Wie Ord-
nung hineingebracht wird, wenn, sagen wir, eine Gruppe von Men-
schen, von denen der eine dahin, der andere dorthin ging, einem
gemeinsamen Ziele zuzustreben beginnt, so werden die Bewegun-
gen der Planeten geordnet, bis sie zusammenstimmen. Dieses Zu-
sammenstimmen der Bewegungen des einen Planeten mit dem
anderen, diese Tatsache, daB in der Bewegung des einen Planeten
Riicksicht genommen wird auf die der anderen, das entspricht der
Tatigkeit der Cherubim. Also die Regelung der gemeinsamen Be-
wegung des Systems entspricht der Tatigkeit der Cherubim. Und
jedes Planetensystem mit seinem Fixstern, der gewissermaBen als
der Hauptanfiihrer dasteht unter der Leitung der Cherubim, hat
seine Beziehung wiederum zu den anderen Planetensystemen, die
anderen Fixsternen zugehoren, verstandigt sich iiber seinen Ort im
Raum und iiber seine Bedeutung mit seinen Nachbarsystemen, wie
die einzelnen Menschen sich untereinander verstandigen, mit-
einander sich besprechen zu ihren gemeinsamen Taten. Wie die
Menschen ein soziales System begriinden dadurch, daB sie Gegen-
seitigkeit haben, so gibt es auch eine Gegenseitigkeit der Planeten-
systeme. Von Fixstern zu Fixstern waltet gegenseitige Verstandi-
gang. Dadurch kommt allein der Kosmos zustande. Das, was sozu-
sagen die Planetensysteme durch den Weltenraum miteinander
sprechen, um zum Kosmos zu werden, das wird geregelt durch die-
jenigen Geister, welche wir Seraphim nennen.
Und nun haben wir gleichsam das erschopft, was wir beim
Menschen finden bis herauf in die BewuBtseinsseele. Wie wir dann
beim Menschen kommen zu seinem hoheren Geistesleben, zu dem,
was dem ganzen System bis zur BewuBtseinsseele herauf erst Sinn
gibt, so kommen wir, wenn wir iiber die Seraphim heraufkommen,
zu dem, was wir vorhin versuchten, heute zunachst andeutungs-
weise als oberste Dreiheit der Weltenwesenheit zu charakterisieren:
Wir kommen da zu dem, was im Weltenall waltet als das alldurch-
ziehende, gottliche, dreifach gottliche Leben, das sich in den ein-
zelnen Planetensystemen Hiillen schafft. Wie sich das, was im
Menschen lebt als Geistselbst, Lebensgeist, Geistesmensch — Manas,
Buddhi, Atma — Hiillen schafft in BewuBtseinsseele, Verstandesseele,
Empfindungsseele, astralischem, atherischem und physischem Leibe,
so wandeln durch den Raum die Fixsterne der Planetensysteme als
die Korper der gottlichen Wesenheiten. Und indem wir das Leben
der Sternenwelt betrachten, betrachten wir die Leiber der Gotter
und zuletzt des Gottlichen iiberhaupt.
SECHSTER VORTRAG
Helsingfors, 8. April 1912
Gestern haben wir versucht, ein Planetensystem zu betrachten, wie
es abhangig ist von den verschiedenen geistigen Wesenheiten der
drei gleichsam ubereinandergeschichteten Hierarchien, die wir im
Lauf der bisherigen Vortrage zu beschreiben suchten. Wir haben
eine Vorstellung davon gewonnen, was alles an einem Planeten
beteiligt ist, und wir haben gesehen, wie der Planet seine Form
erhalt, also seine abgeschlossene Gestalt, dadurch, daB da wirken
die Geister der Form. Wir haben ferner gesehen, daB das innere
Leben, die innere Beweglichkeit des Planeten eine Wirkung ist der
Tatigkeit der Geister der Bewegung. Dasjenige, was wir das nie-
derste BewuBtsein des Planeten nennen konnen, das wir vergleichen
konnen mit dem BewuBtsein, das beim Menschen in seinem astra-
lischen Leibe vorhanden ist, das haben wir zuzuteilen den Geistern
der Weisheit. Jene Impulse, durch die der Planet nicht feststehend
im Raum ist, sondern im Raum seinen Ort andert, wir haben sie
zuzuteilen den Geistern des Willens oder den Thronen. Dasjenige,
was den Planeten eingliedert in sein ganzes System, wodurch er
sozusagen nicht seinen eigenen Weg im Raume geht, sondern so
schreitet, daB seine Bewegungsimpulse im Einklang sind mit den
Bewegungsimpulsen seines ganzen Planetensystems, zu dem er ge-
hort, das, was also die Einzelbewegung eines Planeten im Zu-
sammenhang mit dem ganzen Planetensystem regelt, das ist eine
Wirkung der Cherubim. Und endlich dasjenige, was wir nennen
konnen das innere seelische Leben des Planeten, wodurch der Planet
gleichsam in Verbindung tritt mit den anderen Himmelskorpern,
wie der Mensch durch seine Sprache etwa mit anderen Menschen
in Verbindung tritt, das schreiben wir den Seraphim zu. So daB
wir im Planeten einen Zusammenhang zu betrachten haben, inner-
halb dessen dasjenige, was von den Geistern der Form kommt, nur
wie eine Art von Kern vorhanden ist; dagegen ergibt sich etwas
fur jeden Planeten wie eine Art von geistiger Atmosphare, wir
konnten auch sagen etwas wie eine Aura, in welcher die Geister
der beiden hoheren Hierarchien leben, die oberhalb der Geister
der Form sind.
Nun aber mussen wir, wenn wir alles das richtig verstehen
wollen, was wir im letzten Vortrag angefiihrt haben und was ich
soeben versuchte, in ein paar Satzen zu wiederholen, uns noch mit
anderen Vorstellungen bekannt machen, mit Vorstellungen, welche
wir am leichtesten gewinnen werden, wenn wir von den Wesen-
heiten jener Hierarchie ausgehen, die unmittelbar sozusagen nach
oben, nach der geistigen Welt zu, an den Menschen angrenzt,
wenn wir also ausgehen von den Wesenheiten der dritten Hier-
archie. Wir haben gesagt, daB diese Wesenheiten der dritten Hier-
archie dadurch charakterisiert werden, daB das, was beim Men-
schen Wahrnehmung ist, bei ihnen Offenbarung ist, und dasjenige,
was beim Menschen Innenleben ist, ist bei ihnen Geist-Erfullung.
Schon in jenen Wesenheiten, die wir um eine Stufe hoher stehen
haben in der Rangordnung der Welt als die Menschen selber, bei
den Engeln, Angeloi, finden wir diese Eigentumlichkeit, daB sie
eigentlich dasjenige wahrnehmen, was sie aus sich selber heraus
offenbaren, und daB sie, wenn sie in ihr Inneres einkehren, nicht
etwas so Selbstandiges, in sich Abgeschlossenes haben wie der
Mensch, sondern daB sie in ihrem Innern dann aufleuchten und
aufsprieBen fuhlen die Krafte und Wesenheiten der hoheren Hier-
archien, die iiber ihnen sind, kurz, daB sie sich erfullt, inspiriert
fuhlen von dem Geist der hoheren Hierarchien, von den Wesen-
heiten, die iiber ihnen sind. So ist das, was wir beim Menschen
selbstandiges Innenleben nennen, eigentlich bei diesen Wesenheiten
nicht vorhanden. Wollen sie ihr eigenes Wesen entwickeln, wollen
sie das, was sie sind, gleichsam wie der Mensch denken, fuhlen und
wollen, so offenbart sich alles gleich nach auBen; nicht wie beim
Menschen, der da in sich selber verschlieBen kann seine Gedanken
und seine Gefiihle und der seine Willensimpulse ungetan lassen
kann. Was als Gedanken in diesen Wesen lebt, insofern sie diese
Gedanken selber hervorbringen, das ist zugleich auch ihre Offen-
barung nach auBen. Und wenn sie sich nicht offenbaren wollen,
dann konnen sie nicht anders in ihr Inneres einkehren, als sich
wiederum im Innern erfullen mit der uber ihnen stehenden Welt.
So lebt im Innern dieser Wesenheiten die iiber ihnen stehende Welt,
oder, wenn sie sich selber leben, leben sie sich nach auBen hin
objektiv dar.
Diese Wesenheiten konnen also nichts in sich verbergen, was
Produkt ihres eigenen Denkens oder Fiihlens ware, denn es wiirde
sich alles, was sie in ihrem Innern sich erarbeiten, nach auBen
zeigen. Sie konnen, wie wir in einem der vorigen Vortrage erwahnt
haben, nicht liigen, so daB das, was sie vorstellen, was sie fuhlen,
nicht stimmen wiirde mit der AuBenwelt. Sie konnen nicht irgend-
eine Vorstellung in sich haben, die mit irgendeiner AuBenwelt nicht
stimmen wiirde, denn jene Vorstellungen, die sie in ihrem Innern
haben, nehmen sie eben wahr in ihrer Offenbarung. Nun aber
wollen wir einmal annehmen, diese Wesenheiten bekamen das
Geliiste, ihre eigene Natur zu verleugnen; was wiirde sich da
zeigen? Nun, bei den Wesenheiten, die wir als Engel, Erzengel und
Geister der Zeiten oder Archai bezeichnet haben, finden wir durch-
aus, daB alles das, was sich ihnen offenbart, was sie wahrnehmen
konnen, sozusagen ihr eigenes Wesen ist. Wiirden sie liigen wollen,
dann wiirden sie in ihrem Innern etwas entwickeln miissen, was
zu ihrem eigenen Wesen nicht stimmt. Jede Luge ware eine Ver-
leugnung ihrer Natur, das heiBt aber nichts anderes als eine Be-
taubung, eine Vernichtung der eigenen Wesenheit. Nehmen wir
aber an, dennoch wiirden diese Wesenheiten das Geliiste bekommen,
in ihrem Innern etwas zu erleben, was sie nicht unmittelbar nach
auBen hin offenbaren — dann wiirden sie eben eine andere Natur
annehmen miissen.
Das, was ich Ihnen jetzt geschildert habe, die Verleugnung der
Natur der Wesenheiten der dritten Hierarchic, das Annehmen einer
anderen Natur, das ist wirklich geschehen, es ist im Lauf e der Zeiten
geschehen. Wir werden noch sehen im Laufe der Vortrage, warum
es geschehen muBte, aber wir wollen zunachst einmal darauf auf-
merksam machen, daB es geschehen ist, daB tatsachlich unter den
Wesen der dritten Hierarchie sich solche gefunden haben, welche
das Geliiste bekamen, in ihrem Innern Erlebnisse zu haben, die sie
nicht nach auBen hin zu zeigen brauchten, das heiBt, sie bekamen
das Geliiste, ihre Natur zu verleugnen. Was ist fur diese Wesen-
heiten dadurch eingetreten? Es ist dadurch etwas eingetreten, was
die anderen Wesenheiten, die ihre Natur beibehalten innerhalb der
dritten Hierarchie, nicht haben konnen: die Wesenheiten der dritten
Hierarchie konnen keine innere Selbstandigkeit haben, wie sie der
Mensch etwa hat. Wollen sie in ihrem Innern leben, so mussen sie
sich gleich erfiillen mit der geistigen Welt, die iiber ihnen steht.
Das war das Geliiste einer gewissen Anzahl von Wesenheiten dieser
dritten Hierarchie, in ihrem Innern etwas zu entwickeln, was ihnen
nicht gleich in der AuBenwelt als Wahrnehmung, das heiBt als
Oflenbarung ihres eigenen Wesens entgegentrete. Damit war die
Notwendigkeit gegeben, ihre eigene Natur zu verleugnen, eine
andere Natur anzunehmen. Um eigenes Leben, innere Selbstandig-
keit entwickeln zu konnen, mufite eine Anzahl von Wesenheiten
der dritten Hierarchie ihre Natur aufgeben, verleugnen. Sie muB-
ten sozusagen an sich selber bewirken, daB gewisse innere Erleb-
nisse sich nicht nach auBen offenbarten. Fragen wir uns jetzt: Was
waren denn die Griinde, die diese Wesenheiten bewogen haben
konnen, soldi ein Geliiste in sich zu entwickeln? Wenn wir die
Natur der Wesenheiten der dritten Hierarchie mit der Oflenbarung
und Geist-Erfullung ins Auge fassen, dann merken wir, daB eigent-
lich diese Wesenheiten ganz und gar in den Dienst der Wesen-
heiten der hoheren Hierarchien gestellt sind, daB sie eigentlich kein
Eigenleben haben. Angeloi haben kein Eigenleben, ihr Eigenleben
ist Offenbarung, ist da fur alle Welt, und sobald sie nicht sich selber
offenbaren, ist in ihrem Innern das in sie hineinleuchtende Leben
der hoheren Hierarchien. Das, was eine Anzahl von ihnen bewog,
ihre Natur zu verleugnen, war Kraftgefuhl, Selbstandigkeitsgefuhl,
Freiheitsgefiihl. In einer gewissen Zeit kam iiber eine Anzahl von
Wesenheiten der dritten Hierarchie der Trieb, der Drang, nicht
bloB abhangig zu sein von den Wesenheiten der hoheren Hier-
archien, sondern in sich selbst Eigenleben zu entwickeln. Damit
war fur die gesamte Evolution des Planetensystems, dem wir
zunachst angehoren, auBerordentlich viel getan. Denn nichts
Geringeres haben diese Wesenheiten, die wir da nennen kon-
nen die Rebellen der dritten Hierarchie, angerichtet, als daB sie
vorbereitet haben die eigene Selbstandigkeit des Menschen, die
Moglichkeit, daB der Mensch nun fur sich selbstandiges Leben
entwkkelt, das sich nicht unmittelbar nach auBen offenbart, son-
dern das von der auBeren Offenbarung unabhangiges Innenleben
sein kann.
Ganz absichtlich mache ich, um dieses Verhaltnis, urn das es
sich hier handelt, zu charakterisieren, so viele Wbrte. Aus dem
Grund mache ich so viele Wbrte, weil es auBerordentlich wichtig
ist, ganz genau zu fassen, um was es sich hier handelt. Es handelt
sich darum, daB der Trieb entstand in einer Anzahl von Wesen-
heiten der dritten Hierarchie, selbstandige innere Lebendigkeit zu
entwickeln. Alles ubrige war nur Folge, war nur Konsequenz dieses
Triebes. Aber was war diese Folge? Diese Folge war im Grunde
genommen etwas Furchtbares: die Verleugnung des eigenen Wesens,
die Unwahrheit, die Luge.
Sehen Sie, darum handelt es skh, daB Sie verstehen, daB die
Geister der dritten Hierarchie, welche diesen Trieb erlangt hatten,
das, was sie dann taten, nicht etwa getan haben, um zu liigen, son-
dern um der Entwickelung eines eigenen Lebens willen, aber mit
dieser Entwickelung eines Eigenlebens muBten sie die Konsequenz
auf sich nehmen, Geister der Unwahrheit, Geister der Verleugnung
der eigenen "Wesenheiten, Geister der Luge mit anderen Worten,
zu werden. Geradeso wie wenn jemand, sagen wir, eine Reise zu
FuB zu machen hat, die uber einen Regentag hin dauert, er not-
wendigerweise in den Kauf nehmen muB, den Regen auszuhalten
und naB zu werden, wahrend er das gar nicht beabsichtigt hat,
geradeso haben die Geister, von denen hier die Rede ist, keineswegs
irgendeine Tat unternommen, um in Unwahrheit zu versinken.
Ihre Tat entspringt aus der Absicht, inneres Leben, innere Regsam-
keit zu entwickeln, und die Folge, die Konsequenz davon war, daB
sie zugleich Geister der Unwahrheit wurden.
Alle die geistigen Wesenheiten nun, welche in dieser Art wie
eine zweite Kategorie neben den Geistern der dritten Hierarchie
durch die Verleugnung ihrer inneren Natur entstanden sind, nen-
nen wir im Okkultismus die luziferischen Geister. Der Begriff der
luziferischen Geister besteht im wesentlichen darin, daB diese
Geister ein selbstandiges inneres Leben entwickeln wollen. Es fragt
sich jetzt nur, was haben sie tun miissen, diese Geister, um zu
ihrem Ziel zu gelangen? Was sie als Konsequenz entwickeln muJ3-
ten, das haben wir eben gesehen. Was sie tun muBten, um zu ihrem
Ziel zu kommen, selbstandiges inneres Leben zu entwickeln, das
wird sich uns durch eine andere Betrachtung ergeben. Was wollten
sie denn iiberwinden, diese Geister? Sie wollten uberwinden die
Geist-Erfullung mit der Substanz der hoheren Hierarchien. Sie
wollten nicht nur mit diesen Wesenheiten der hoheren Hierarchien
erfiillt sein, sondern mit ihrem eigenen Wesen. Das konnten sie
nicht anders machen, als indem sie, statt sich zu erfiillen mit dem
Geist der hoheren Hierarchien und gleichsam sich den freien Aus-
blick nach den hoheren Hierarchien offenzulassen, sich abschnur-
ten, abspalteten von den Wesenheiten der hoheren Hierarchien,
um sich auf diese Weise Eigensubstanz aus der Substanz der hoheren
Hierarchien zu verschaffen.
Wir konnen uns iiber das, urn was es sich handelt, eine genaue
Vorstellung machen, wenn wir uns das Folgende denken. Wir
denken uns symbolisch graphisch dargestellt die Wesenheiten der
dritten Hierarchie so, daB sie ihr eigenes Wesen glekhsam wie
ihre Haut nach auBen oflFenbaren, daB jedesmal eine Qflfenbarung
wie ein Aufleuchten ihres Wesens entsteht, wenn sie inneres Den-
ken oder Fuhlen entwickeln. In dem Augenblick, wo sie sich nicht
selbst oflFenbaren, da nehmen sie dasjenige auf, was als Licht der
hoheren Hierarchien in sie hereinnieBt; da erfullen sie sich mit dem
Geiste der hoheren Hierarchien und oflfnen glekhsam ihre ganze
Wesenheit nach diesen hoheren Hierarchien. Die geistigen Wesen-
heiten der dritten Hierarchie, von denen ich Ihnen jetzt erzahlt
habe, wollen nicht geist-erfullt sein, nicht zusammenhangen mit
der geistigen Substanz der Hierarchien. Sie wollen selbstandiges
geistiges Leben. Sie schniiren sich daher ab, sie spalten sich ab, so
daB tiber ihnen ist das Wesen der hoheren Hierarchien. Da heben
sie den Zusammenhang auf und spalten sich als selbstandige Wesen-
heiten ab, in ihrem Inneren das eigene Licht dadurch erhaltend, daB
sie dasjenige glekhsam rauben, was sie nur erfullen sollte und hin-
aufgehen sollte nach den hoheren Hierarchien. Das rauben sie fur
sich, fiillen sich in ihrem Inneren damit aus und entwickeln da-
durch eine selbstandige Seite. Dies ist nun eine Vorstellung, die
uns Aufklarung verschaffen kann iiber Vorgange im Kosmos, ohne
welche wir ein Sternensystem, iiberhaupt den Bestand der Sterne,
wie wir sie als Menschen mit dem physischen BewuBtsein kennen,
gar nicht zu begreifen in der Lage waren. Ohne diese Vorstellungen
begreift man gar nicht das Leben der Sterne, das Leben der Him-
melskdrper.
Sehen Sie, ich habe jetzt versucht, Ihnen anzudeuten, wie ge-
wisse Wesenheiten der dritten Hierarchie zu ganz anderen Wesen-
heiten werden: zu luziferischen Geistern. Dasjenige, was mit den
Wesenheiten der dritten Hierarchie vorgeht, das kann allerdings
nicht in derselben Weise geschehen bei den Wesenheiten der
anderen Hierarchien, aber etwas Ahnlkhes geht auch mit ihnen vor
sich. Es wird uns das, was mit den Wesenheiten der anderen Hier-
archien vor sich geht, insbesondere wenn wir es anwenden auf die
Betrachtung der Geister der Form, eine Vorstellung davon geben,
wie eigentlich ein Planetensystem sich bildet.
Wir haben am Schlusse der gestrigen Betrachtung gesehen, daB
das, was unser Blick zunachst wahrnimmt am Planeten, von den
Geistern der Form herriihrt. Aber es ist dies, wenn man es so dar-
stellt, noch nicht ganz genau gesprochen. Wenn Sie namlich den
Planeten, sagen wir den Mars oder den Saturn oder Jupiter, der
drauBen im Weltenraum steht, so betrachten, wie Sie ihn mit den
physischen Augen oder mit einem Fernrohr als Planeten sehen,
so haben Sie in dem, was er Ihnen als solche Form zeigt, nicht
ohne weiteres die Geister der Form. Betrachten wir zum Beispiel
einmal den auBersten Planeten, der eine lange Zeit hindurch als
der auBerste auch unseres Sonnensystems gegolten hat. Spater kam
ja, wie wir noch sehen werden, Uranus und Neptun dazu, wir
wollen aber zunachst als auBersten den Saturn betrachten. Be-
trachten wir den Saturn mit dem physischen Blick, dann haben
wir drauBen im Weltenraum — ich will absehen von dem Ring —
eine Art leuchtender Kugel. Fur den Okkultisten, fur denjenigen,
der die geistigen Vorgange im Kosmos verfolgt, ist diese Kugel,
die da drauBen gesehen wird, nicht dasjenige, was der Okkultist
den Saturn nennt, wohlgemerkt, sondern fur den Okkultisten heifit
etwas ganz anderes Saturn. Fur den Okkultisten heiBt Saturn das-
jenige, was den ganzen Raum erfiillt, der begrenzt ist von der
scheinbaren elliptischen Bahn des Saturn. Sie wissen, dafi die Astro-
nomie einen Weg des Saturn beschreibt, den sie auffaBt als einen
Weg des Saturn um die Sonne. Wie es damit sein mag, wollen
wir jetzt nicht weiter beriihren, aber wenn Sie diese gewdhnliche
Vorstellung zu Hilfe nehmen, sich hier in der Mitte die Sonne vor-
stellen und den auBeren Kreis als den Weg des Saturn, wie ihn die
Astronomie annimmt, beschreiben, so ist alles das, was innerhalb
der Saturnbahn, innerhalb der Saturnellipse ist, fur den Okkultisten
der Saturn. Denn fiir den Okkultisten ist nicht nur das, was das
physische Auge als die auBerste physische Materie des Saturn sieht,
nicht nur das, was da glanzt am Himmel, der Saturn, sondern der
Okkultist weiB, der okkulte Blick lehrt es uns, dai3 tatsachlich eine
Art von Substanzanhaufung besteht, welche von der Sonne bis zu
der Saturnbahn hingeht, so daB, wenn wir alles das mit dem okkul-
ten Blick ins Auge fassen bis zu dieser Saturnbahn hin, wir eine
Art atherischer Erfullung in dem ganzen Raum haben (weite
Schraffierung). Sie miissen sich das, was innerhalb dieser Bahn liegt,
erfullt denken von atherischer Substanz, allerdings nicht kugel-
formig, sondern so, daB wir es mit einer Art stark abgeplatteter
Kugel, mit einer Linse zu tun haben. Wenn wir also das von der
Seite her ansehen wiirden, so wiirden wir, wenn wir hier die Sonne
hatten, den Saturn des Okkultisten so zu zeichnen haben: eine ganz
abgeplattete Kugel, und hier wiirde das sein, was als physischer
Saturn zu bezeichnen ist.
Wir werden noch besser verstehen, urn was es sich da handelt,
wenn wir gleich eine Vorstellung anschlieBen, die wir in ahnlicher
Weise aus der okkulten Wissenschaft heraus iiber den Jupiter ge-
winnen konnen. Nicht wahr, die auBere physische Astronomie
nennt den Jupiter jenen leuchtenden Korper, den sie, sagen wir,
als zweiten urn die Sonne kreisen laBt (innerer Kreis). Fiir den
Okkultisten ist nicht das der Jupiter, sondern alles das, was inner-
halb der Jupiterbahn liegt (engere Schraffierung). Von der Seite
gesehen hatten wir den Jupiter so zu zeichnen, daB, wenn wir den
Saturn so weit schraffieren, wir etwas enger schraffieren konnten
den Jupiter. Und das, was der Astronom beschreibt, das ist nur ein
Korper, der sozusagen an dem auBersten Rand des wahren okkulten
Jupiter ist. Das, was ich hier sage, sind nicht bloBe theoretische
Begriffe oder Phantastereien, sondern die Sache ist wirklich so, daB
zwar nicht grobphysische Materie, aber feine atherische Substanz
den Raum innerhalb der Saturnbahn ausfiillt in seiner linsenformig
abgeplatteten kugeligen Gestalt, wie es hier gezeichnet ist. Und
ebenso ist es eine Tatsache, dai3 dieser zweite kleinere Raum fur
den Jupiter wirklich von einer anderen atherischen Substanz aus-
gefiillt ist, welche die erste durchdringt, so daB nur hier zwischen
den beiden Bahnen einfache Athersubstanz ist, da drinnen aber
zwei Athersubstanzen ineinander stecken, sich gegenseitig durch-
dringen. Und nun fragen wir: Was tun bei dieser ganzen Anord-
nung die Geister der Form? Nun, jener Geist der Form, welcher
zugrunde liegt dem Saturn, der begrenzt eben, gibt Form dieser
Athersubstanz hier, welche wir im okkulten Sinn den Saturn nen-
nen. Diese auBerste Linse also ist in ihrer Formung so gestaltet
worden durch den Geist des Saturn, der ein Geist der Form ist.
Ebenso ist die Linse des Jupiter durch den Geist der Form, der dem
Jupiter zugeteilt ist, gestaltet, die Linse des Mars durch den Geist
des Mars, der ein Geist der Form ist.
Nun fragen wir aber: Wo ist denn eigentlich der Geist der Form,
der dem Saturn, oder der, der dem Jupiter, der dem Mars ent-
spricht? Wenn wir von einem Ort, an dem diese Geister sind,
sprechen wollen, wo ist dieser Ort? Ja, im gewohnlichen Sinn des
Wortes laBt sich dariiber nicht sprechen, sondern man kann nur
sagen: Diese geistigen Wesenheiten, die wir die Geister der Form
nennen, die wirken als Krafte innerhalb der atherischen Substanz,
die ich eben erwahnt habe, aber sie haben alle einen gemein-
samen Mittelpunkt, und dieser gemeinsame Mittelpunkt ist nichts
anderes als die Sonne. Wenn wir also den eigentlichen Ort, von
dem aus die Geister der Form wirken, sowohl der Geist des Saturn
wie der des Jupiter wie der des Mars und so weiter, auch der Geist
der Form, der der Erde entspricht, wenn wir den Angriffspunkt,
den Ausgangspunkt, von dem aus diese Geister der Form wirken,
aufsuchen, so finden wir ihn in der Sonne. Das heiBt, diese Geister
der Form, die unseren Planeten entsprechen, sie sind gleichsam
ein Kollegium, ein Komitee von Geistern, das seinen Sitz in der
Sonne hat und von der Sonne aus gewisse Athersubstanzen, Ather-
massen, begrenzt, so daB das entsteht, was wir nun genannt haben
«okkulter Saturn», «okkulter Jupiter » und so weiter. Jetzt fragen
wir uns: Wie ware es, wenn nur diese Geister der Form wirken
wiirden?
Nun, der ganze Sinn der Betrachtungen, die wir angestellt haben,
kann Ihnen zeigen, daB im Grunde genommen diese physischen
Planeten nicht da waren, wenn diese Geister der Form allein wir-
ken wiirden. Sie hatten ja gleichsam ihren Sitz da, wo sie ein
Kollegium bilden, in der Sonne, und wir hatten rings herum die
planetarischen Spharen bis zur Saturnsph'are, denn es wiirden sozu-
sagen konzentrische Kugeln, abgeplattete Kugelschalen da sein als
okkulte Planeten: die auBerste Kugelschale von diinnster Ather-
substanz, die nachste von etwas dichterer und die innerste von
dichtester Athersubstanz. Nicht wiirden also, wenn diese Geister
der Form allein wirken wiirden, die physischen Planeten da sein,
sondern kugelformige Athermassen-Anhaufungen, welche begrenzt
wiirden durch das, was die physische Astronomie heute die Planeten-
bahnen nennt. Nun aber entsprechen innerhalb des Kosmos auch
den Geistern der Form solche geistige Wesenheiten, welche gleich-
sam eine Art Rebellen bilden gegen ihre gleiche Klasse. Wie wir
bei den Wesenheiten der dritten Hierarchie die luziferischen Geister
finden, die zur Herstellung jenes selbstandigen Innenlebens sich
abschniiren von der geistigen t von der spirituellen Substanz der
hoheren Hierarchien, so finden wir auch, daB innerhalb der Kate-
gorie der Geister der Form solche da sind, welche sich abschniiren,
welche die iibrige Entwickelung der Geister der Form nicht mit-
machen, sondern welche eine eigene Entwickelung durchmachen.
Diese Geister der Form widersetzen sich den normalen Geistern
der Form, stellen sich ihnen entgegen. Und nun geschieht folgendes:
Nehmen wir einmal an, wir hatten hier an diesem Punkt den
Mittelpunkt des geistigen Kollegiums der Geister der Form; es
wiirde derjenige Geist der Form, welcher auf den Saturn hin wirkt,
hervorrufen diese Atherkugel, so dafi durch diesen Geist der Form
eine solche abgeplattete Atherkugel entstiinde. An einem auBersten
Punkt dieser Atherkugel wirkt nun entgegen diesem Geist der
Form, der aus dem Mittelpunkt der Sonne heraus wirkt, der Rebell,
derjenige, der eine Art iuziferischer Geist der Form ist. Der wirkt
ihm von auBen herein entgegen. So daB wir den normalen Geist
der Form von der Sonne nach auBen, zentrifugal, wirksam haben;
X *
V V
'<<*,
der bewirkt den okkulten Saturn, welcher da als eine machtige
Atherkugel mit dem Mittelpunkt in der Sonne anzusehen ist. An
der Peripherie wirkt aus dem Weltenraum herein ein abnormer
Geist der Form, welcher sich abgeschniirt hat von den Wesen der
normalen Geister der Form, und durch das Zusammenwirken des-
sen, was aus dem Weltenraum hereinwirkt, und dessen, was von
der Sonne hinauswirkt, entsteht hier eine Einstiilpung, die zuletzt
zu einer wirklichen Abschniirung wird, und das ist der physische
Planet Saturn. So daB wir uns vorzustellen haben, daB da, wo das
Auge den physischen Planeten Saturn sieht, zwei Krafte zusammen-
wirken: die eine, normale Kraft des Geistes der Form, die von der
Sonne nach auswarts wirkt, und ihr entgegen in einem bestimmten
Punkt der abgespaltene Geist der Form. Dadurch entsteht dort eine
Einstiilpung, der Ather wird eingestulpt, und diese Einstiilpung, die
sieht das physische Auge als den physischen Saturn. Und ebenso
verhalt es sich mit dem physischen Jupiter, dem physischen Mars.
Sie sehen hier an diesem besonderen Beispiel, wie eigentlich in
den einzelnen Fallen das zustande kommt, was wir die Maja nen-
nen, die groBe Illusion. In Wahrheit ist an der Stelle, wohin man
in der physischen Astronomie einen Planeten versetzt, ein Zusam-
menwirken von zwei Kraften, und nur dadurch, daB in Wahrheit
eigentlich ein groBer, machtiger atherischer Himmelskorper da ist,
der durch eine entgegenwirkende Kraft ein Loch bekommt, an
einer Seite eingesoilpt wird, dadurch entsteht der Schein des physi-
schen Planeten. Denn in Wahrheit haben wir es hier eigentlich mit
einer Einstiilpung zu tun, und ganz genau miifite zunachst die Sache
so geschildert werden: Die Geister der Form dehnten die atherische
Substanz von der Sonne her aus bis zu einer gewissen Grenze; hier
wirken entgegen die abnormen Geister der Form und stiilpen die
Materie ein, so daB eigentlich ein Loch entsteht in der Ather-
substanz. In bezug auf die urspriingliche atherische Substanz des
Planeten ist namlich dort gerade nichts, wo das physische Auge den
Planeten zu sehen glaubt, und der wirkliche Planet ist dort, wo das
physische Auge nichts sieht. Das ist das Eigenartige der Maja: an
der Stelle, wo der physische Planet gesehen wird, ist ein Loch. Sie
werden vielleicht sagen, das sei eine kuriose Vorstellung, daB
eigentlich da, wo der physische Planet gesehen wird, ein Loch sein
soil, denn Sie werden sich berufen auf unsere Erde. Unsere Erde
miiBte ja im Sinne dessen, was auseinandergesetzt worden ist, nun
eigentlich auch eine Art abgeplatteter Kugel sein, die ihren Mittel-
punkt in der Sonne hat, und sie miiBte auch am auBersten Rande
solch eine Einstiilpung, solch eine Art Loch sein. Sie konnen sagen:
Schone Sache das, wir wissen doch ganz genau, daB wir auf der
festen, massiven Erde herumgehen! — Ebenso konnten wir anneh-
men, daB da, wo der Saturn, der Jupiter, der Mars ist, daB da
selbstverstandlich massive Ausfiillungen sein muBten, nicht Locher.
Und dennoch, auch da, wo Sie herumgehen auf unserer Erde, wo
Sie glauben im Sinne der Majawahrnehmung auf festem, massivem
Boden zu gehen, auch da gehen Sie in Wahrheit auf einem Loch
herum. Unsere Erde selber, insofern sie physische Massenanhau-
fung ist, ist ein Loch im Weltenraum, eine Einbohrung im Welten-
raum. Alle physische Materie kommt namlich dadurch zustande,
daB skh Krafte begegnen, die von den Geistern der Form herriih-
ren. So haben wir hier die Begegnung von Kraften der normalen
Geister der Form und von Kraften der abnormen Geister der Form.
Die prallen aufeinander. Es entsteht in Wahrheit eine Einstiilpung,
und damit zugleich an dieser Stelle ein Zerbrechen der Form, aber
eben nur der Form. Die Form zerbricht, und es entsteht diese Ein-
bohrung. Und zerbrochene Form, zersplitterte Form, das ist in
Wahrheit Materie. Materie im physischen Sinne gibt es nur da, wo
Formen zersplittert werden. So sind auch die Planeten drauBen zer-
splitterte Formen.
In unserem Planetensystem haben die Geister der Form, wie ja
aus dem ganzen Geist der bisherigen Betrachtungen hervorgeht,
Hilfen. Sie stellen die Grenzen her, wie wir das eben beschrieben
haben. Aber iiber den Geistern der Form stehen die Geister der
Bewegung, iiber diesen die Geister der Weisheit, iiber diesen die
Geister des Willens, iiber ihnen die Cherubim und iiber den Cheru-
bim die Seraphim. Fur alle diese geistigen Wesenheiten gibt es auch
solche, welche sich vergleichen lassen mit dem, was wir beschrie-
ben haben als die luziferischen Geister. So daB wir je am aufiersten
Rande, da, wo ein Planet sich bildet, nicht bloJ3 die Geister der
Form zusammenwirkend haben, sondern daB sich da immer etwas
so abspielt, daB von der Sonne aus die Wirksamkeit der normalen
Hierarchien geht und von auBen nach innen die der abnormen,
der rebellischen Hierarchien.
Die Seraphim und die Cherubim, das sind diejenigen Hier-
archien, die ebenso zu dem ganzen Spiel der Krafte hier gehoren
wie die Geister der Form. Die haben die Aufgabe, aus dem Mittel-
punkt des Planetensystems, aus dem Sonnenmittelpunkt her nach
auBen zu tragen die Kraft des Lichtes. Indem die Wesenheiten der
hoheren Hierarchien, Cherubim und Seraphim, Trager des Lichtes
werden, haben sie nun dasselbe Verh'altnis zu dem Licht, wie die
Krafte der Geister der Form es zu der Athersubstanz haben. Wie
die Krafte der normalen Geister der Form nach auBen gehen und
ihnen die abnormen entgegenwirken und dadurch eine Einbohrung
entsteht, so wirken auch die Krafte, welche das Licht tragen, aus-
fiillend den ganzen Atherraum, aber da wirken ihnen die abnormen
entgegen, so dafi der Planet das Licht aufhalt. Ebenso wie er auf-
halt die Krafte der Geister der Form, so halt er das Licht auf, wirft
es zuriick und erscheint damit als ein Reflektor, als ein Zuriick-
werfer des Lichtes, das ihm die Geister, die wir als Cherubim und
Seraphim bezeichnen, von der Sonne aus zutragen. Daher haben
die Planeten auch kein Eigenlicht, weil sie die Kraft des Lichtes,
die ihnen als Wesenheiten zukommen wiirde, wenn sie sich gegen-
iiber den normalen Cherubim und Seraphim offnen wurden, fiir
sich in Anspruch nehmen, weil sie sich einhiillen, abschniiren von
dem Ganzen. Jeder Planet hat auch solch eingeschnurtes, abgeson-
dertes Licht. Es ist nicht richtig, daB die Planeten nur erborgtes
Licht von der Sonne haben. Jeder Planet hat sein Eigenlicht, nur
hat er dieses Licht abgeschniirt, halt es in sich selber verborgen,
entwickelt es zu einem selbstandigen inneren Lichtleben. Wir wer-
den sehen, daB sie es nur ihren eigenen Wesenheiten der Natur-
reiche mitteilen, die auf dem betreffenden Planeten sind. Dasjenige
Licht aber, dem sie sich offnen sollen, das sie aufnehmen sollen
von auBen, das ihnen von der Sonne durch die Cherubim und
Seraphim zugetragen wird, dem verschlieBen sie sich, das werfen
sie zuriick. Daher sind sie fur den Weltenraum Sterne, die nicht
mit eigenem Licht ausgestattet sind. Also in dem Licht, das von
der Sonne hinflieBt, wird gleichsam eine Einstiilpung gemacht, und
der Planet wirft sich entgegen dem von der Sonne hinflutenden
Licht, halt es auf, wirft es zuriick.
Es ist eben dasjenige, was wir in der Sternenwelt zu beobachten
haben, vor dem okkulten Blick etwas durchaus anderes, als es sich
fur die physische Astronomie ausnimmt. Was fur diese vorhanden
ist, ist eben nichts anderes als die Beschreibung einer Maja, und
erst hinter dieser Maja liegt die Wahrheit; denn die Wahrheit hin-
ter der materiellen Welt ist die geistige Welt. Die materielle Welt
existiert gar nicht einmal in Wirklichkeit. Das, was man materielle
Welt nennt, ist das Zusammenspielen der Krafte der geistigen Welt.
Damit haben wir heute versucht zu beschreiben, wie eigentlich
ein solches Planetensystem entsteht. Es ist von der Entstehung eines
solchen Planetensystems eigentlich recht wenig bekannt in der
auBeren Welt, in der Welt der physischen Wissenschaft, denn diese
physische Wissenschaft laBt ein Planetensystem wohl auch aus
einer Art atherischer Anhaufung von Substanz entstehen, aber nun
wird sonderbarerweise der allererste Grundsatz versaumt, der in
aller Naturwissenschaft gelten sollte. Wie oft wird es den Kindern
in der Schule erzahlt — ich weiB nicht, ob es auch hier geschieht,
aber in Mitteleuropa wird ihnen erzahlt — , wie im Sinne des
Kant-Laplaceschen Weltentstehungssystems — heute sind ja diese
Dinge etwas reformiert, aber bei Betrachtung des Prinzips kommt
es darauf nicht an — eine Urmaterie in Rotation gewesen ware und
sich dann abgetrennt hatten die einzelnen Planetenkugeln. Und
damit dies recht anschaulich, recht begreiflich wird, wird den Kin-
dern gezeigt in einem kleinen Experiment, wie leicht ein Planeten-
system entstehen kann. Man bildet einen groBen Tropfen aus einer
oligen Substanz, die auf Wasser schwimmt, und macht kunstvoll in
der Aquatorrichtung einen Kreis und durchsteckt ihn mit einem
Kartenblatt: Oben steckt man dann eine Nadel hinein von Pol zu
Pol, dann beginnt man zu drehen und siehe da: kiinstlich entsteht
aus diesem Oltropfen ein kleines, niedliches Planetensystem. Ganz
im Sinne der Kant-Laplaceschen Weltentstehungstheorie spalten
sich da kleine Tropfen ab, die dann rotieren, und in der Mitte bleibt
der groBere Tropfen, die Sonne. Was ist natiirlicher, als daB man
das der Jugend hinstellt als anschaulichen Beweis, daB das auch
einmal im groBen Weltenraum sich habe abspielen konnen. Man
macht dabei aber einen gewaltigen Fehler, den man in der Natur-
wissenschaft niemals machen sollte. Man darf bei keinem Experi-
ment, das man macht, gewisse Bedingungen vergessen. Derjenige,
welcher Bedingungen vergiBt, ohne welche ein Experiment nicht
zustande kommen kann, der beschreibt naturwissenschaftlich nicht
richtig. Wenn Sie irgendeine wesentliche Bedingung auslassen, so
beschreiben Sie naturwissenschaftlich nicht richtig. Die wesentliche
Bedingung bei der Entstehung dieses Planetensystems ist aber, daB
der Herr Lehrer dasteht und dreht, sonst wiirde das Ganze nicht zu-
stande kommen. So daB die Kant-Laplacesche Theorie nur moglich
ware, wenn zugleich von denen, die sie vertreten, ein riesiger Lehrer
in den Weltenraum hinausversetzt wiirde, der die ganze atherische
Masse drehen wiirde. Kleine logische Fehler bemerken die Leute viel-
leicht auch nicht immer. Solche Kapitalfehler aber, solche logischen
Fehler, welche sich in ihrer Wirkungsweise iiber den ganzen Welt-
gedanken ausdehnen, merken die Leute oftmals nicht. Nun, ein
groBer Herr Lehrer ist nicht da, der drauBen die Weltenachse drehte,
aber es sind vorhanden die einzelnen geistigen Wesenheiten der ver-
schiedenen Hierarchien, die durch das Zusammenspiel ihrer Krafte
hervorbringen die Verteilung und auch die Anordnung der Be-
wegung der einzelnen Himmelskorper. Das ist denjenigen zu er-
widern, welche etwa glauben sollten, daB die gewohnliche materia-
listische Theorie, wie sie sich in der Kant-Laplaceschen oder in den
spateren Hypothesen ausspricht, gentige, um das Weltensystem zu
erklaren, und man hatte nicht notig, auf etwas anderes zu reflek-
tieren, wie die Okkultisten es tun. Solchen, die vom materialisti-
schen Standpunkt etwas einwenden gegen dieses lebendige Zusam-
menspiel der Hierarchien, muB erwidert werden: Mit dem kapital-
logischen Fehler, der von alien kosmisch-materialistischen Hypo-
thesen gemacht werden muB, kommt man nicht durch, denn es gibt
keine Moglichkeit, ein Planetensystem zu erklaren, ohne zu Hilfe
zu rufen das, was der okkulte Blick wirklich schaut. Allerdings zeigt
sich fiir diesen okkulten Blick dann vielfach, daB das, was man mit
physischen Sinnen beschreiben muB, eigentlich, in seiner Wahrheit
betrachtet, etwas ganz anderes ist. So ist das, was das Auge sieht,
eigentlich nichts anderes als das zuriickgeworfene Licht, das da-
durch zuriickgeworfen wird, daB die Seraphim und Cherubim in
den Weltenraum das Licht der Sonne hinaustragen und daB sich
diesen Wesenheiten sozusagen luziferische Cherubim und Seraphim
entgegenwerfen, die einstiilpen in die Sonnenlichtsubstanz Finster-
nis nach auBen, weil sie das Licht im Inneren abschniiren und ein
eigenes Licht in Anspruch nehmen fiir den Planeten.
Diese Gedanken, die jetzt geauBert worden sind auf Grundlage
okkulter Beobachtungen und okkulter Forschungen, in einer gran-
diosen Weise trug sie in der nachatlantischen Zeit zuerst der groBe
Zarathustra seinen Schiilern vor. Alles das, was von der Sonne hin-
ausstrahlt in den Weltenraum, in ahnlicher Weise, wie wir das
heute beschrieben haben von den in der Sonne zentrierten Wesen-
heiten der hoheren Hierarchien, das schrieb Zarathustra jenem
Geist zu, den er Ahura Mazdao oder Ormuzd nannte. Jedem Geist,
der von dem Sonnenmittelpunkt in den Umfang die Krafte seiner
Wesenheit hinaustragt, ihm werfen sich iiberall die abnormen Gei-
ster der einzelnen Hierarchien entgegen, die in ihrer Gesamtheit
das Reich des Ahriman bilden. Wir werden allerdings sehen, daB
wir noch trennen miissen das Reich des Ahriman von dem des
Luzifer — davon werden wir noch genauer sprechen — auch in
bezug auf das Planetensystem. Es sollte nur aufmerksam gemacht
werden am SchluB dieser Betrachtung, daB Zarathustra seinen
Schiilern diesen Zusammenhang von einem von der Sonne aus-
strahlenden Licht des Ahura Mazdao oder Ormuzd, in das sich ein-
bettet das Reich des Ahriman, symbolisch angedeutet hat in seiner
Art, indem er, Zarathustra, sagte: Was von der Sonne ausgeht, stel-
len wir wis symbolisch vor als das, was die Cherubim und Seraphim
hinaustragen durch das Licht. Das, was sich entgegenwirft von alien
abnormen Geistern der hoheren Hierarcruen, was die einstulpen,
das stellen wir uns vor als das, was von Finsternis, das heiBt von
innen gefangengenommenem Eigenlicht, das nach auBen als Fin-
sternis sich offenbart, eingenommen wird. — Das stellte Zarathustra
als ein Reich des Angramainyu, des Ahriman dar. So sehen wir, wie
von Vorderasien ausgehend gerade diese Lehre, die uns auch heute
in einer gewissen Weise wieder gegeben wird, wie diese Anschau-
ung uns in der Zarathustra-Kultur zuerst entgegentritt. Das ist es,
was uns immer gegeniiber der Entwickelung der Menschheit mit
so bedeutsamen Empfindungen erfiillt: daB wir selber auf gewisse
Dinge kommen, die einfach, wenn gar nichts iiberliefert und in der
Akasha-Chronik nichts zu beobachten ware, die heutige okkulte
Forschung lieferte und die wir dann wiederentdecken bei den
groBen Lehrern in der Vorzeit. Das macht uns dann erst richtig
bekannt mit diesen groBen Lehrern der Vorzeit. Und wenn wir uns
durchdringen mit der Wahrheit, die gegenwartig gefunden werden
kann in der okkulten Forschung, und wenn uns dann dieselbe
Wahrheit entgegenleuchtet von alten Lehrern und Fiihrern der
Menschheit, dann bekommen wir erst ein richtiges Verhaltnis zu
diesen Fiihrern der Menschheit. Dann werden uns diese erst leben-
dig, dann verstehen wir sie erst in richtiger Art. Dann wird uns
auch die Menschheitsevolution zu einem gewaltigen Gesprach, das
die Geister fuhren, nur jetzt nicht im Raum zueinander tonend,
sondern in den aufeinanderfolgenden Zeitperioden einander auf-
kl'arend, einander erganzend und die Kultur im Strome weiter-
fuhrend.
SIEBENTER VORTRAG
Helsingfors, 10. April 1912
Sie werden aus den bisher gehaltenen Vortragen entnommen haben,
daB wir, wenn wir in das Planetensystem, wenn wir iiberhaupt in
den gestirnten Himmel hinausblicken, fur den physischen Blick
wahrhaftig nur eine Maja, nur eine groBe Illusion vor uns haben,
daB wir zur Realitat, zur Wirklichkeit erst dann kommen, wenn
wir allmahlich uns Erkenntnisse davon verschaffen, was in diesen
verschiedenen Himmelskorpern eigentlich an geistigen Wesen-
heiten wirkt. Wir muBten in unserer Betrachtung bisher den Ver-
such machen, die einzelnen geistigen Wesenheiten, welche im
Weltenraum, in den Sternensystemen wirken, als solche geistige
Wesenheiten kennenzulernen, mit anderen Worten, wir muBten
den Versuch machen, die verschiedenen Wesenheiten der drei iiber
den Menschen stehenden Hierarchien kennenzulernen. Sie haben
bemerkt, meine lieben Freunde, daB wir uns bisher den Wesen-
heiten dieser Hierarchien genahert haben, indem wir iiberall auf
die Wege hingewiesen haben, auf denen das okkulte BewuBtsein
wirklich zu einer Art Wahrnehmung, zu einer Art Auff assung jener
Wesenheiten hindringt, die in der iibersinnlichen Welt iiber dem
Menschen unmittelbar oder auch mittelbar erhaben sind. So haben
wir versucht, einen inneren, gleichsam einen mystisch-esoterischen
Weg zu gehen, um eine Art von Vorsteliung, von rein geistig-see-
lischer Vorsteliung zu gewmnen iiber den Charakter der Wesen-
heiten hoherer Hierarchien. Nur in der letzten Stunde haben wir
versucht, sozusagen ein wenig von dem Inneren ins AuBere zu
kommen und zu zeigen, wie durch das Zusammenwirken einer
Zweiheit in den Hierarchien, der eigentlich normalen Wesen der
Hierarchien und der luziferischen Wesen der Hierarchien, die
eigentlich auBeren, fur die Sinne sichtbaren Formen der Sterne
zustande kommen. Im heutigen Vortrag mochte ich, bevor wir in
der okkult-esoterischen Betrachtung vorwartsschreiten, von einer
anderen Seite her, namlich von der Seite her, die dem gewohn-
lichen BewuBtsein gegeben ist, den Weg suchen, der sich dann
wiederum zusammenschlieBt mit den Wegen, die wir in den friihe-
ren Stunden genommen haben. Allerdings werden wir uns auf
mancherlei in den friiheren Stunden beziehen miissen, wenn wir
diesen mehr auBerlichen Weg betreten, der ausgeht von den fiir
das gewohnliche BewuBtsein vorhandenen Tatsachen.
Wenn das gewohnliche normale BewuBtsein hinaussieht in den
Weltenraum, so findet es zunachst schon als solches Himmelskor-
per verschiedener Art. Diese Himmelskorper verschiedener Art sind
ja auch von der auBeren materialistischen Astronomie unterschie-
den und beschrieben worden. Wir wollen heute dasjenige ins Auge
fassen, was gewissermaBen innerhalb eines Planetensystems schon
fiir das auBere BewuBtsein, fiir die materialistische Astronomie zu-
tage tritt. Wir haben da die Planeten selber, haben wie ein sie Be-
herrschendes den Planeten gegeniibergestellt den Fixstern, die
Sonne und, um die Planeten herumkreisend, die Monde — wenn
wir also von unserer Erde sprechen, unseren Mond — , und wir
haben innerhalb des Planetensystems jene merkwurdigen Sterne,
die sich so schwer fiir das auBere BewuBtsein einreihen lassen in
das Gesamtbild des Planetensystems, wir haben die meteorischen
und kometenartigen Korper. Wir wollen zunachst von allem iibri-
gen in den Sternensystemen absehen und wollen diese Vierheit
innerhalb eines Planetensystems ins Auge fassen: den Planeten, den
Fixstern, den Mond und den Kometen. Wir wollen nun einmal uns
liber die selbstverstandliche Tatsache klarsein, daB fiir das auBere
normale BewuBtsein eigentlich nur die Beobachtung des Planeten
selber, und zwar jenes Planeten, auf dem sich dieses normale Be-
wuBtsein wahrnehmend befindet, moglich ist, also fiir die Erden-
bewohner die Erde als Planeten. Alles iibrige ist ja fiir das normale
auBere BewuBtsein zunachst nur, man mochte sagen, seiner aller-
auBersten Seite nach beobachtbar. Wir wollen mit den Voraus-
setzungen, die uns der esoterisch-okkulte Weg gegeben hat, an diese
"auBerliche Einteilung, die das normale BewuBtsein gibt, heran-
treten.
Wir haben bisher in der Reihe der Wesenheiten, die in Betracht
kommen, unterschieden den Menschen selber als gleichsam zu-
nachst auf der untersten Stufe der hierarchischen Leiter stehend,
sind dann aufgestiegen zunachst durch die drei Kategorien der
dritten Hierarchie und haben die entsprechenden Wesenheiten
charakterisiert, die wir nach der abendlandischen Esoterik Engel
oder Angeloi, Erzengel oder Archangeloi und Archai nennen. Wir
haben dann iiber diesen stehend als nachste Hierarchie diejenigen
Wesenheiten, die wir bezeichnet haben als Geister der Form, als
Geister der Bewegung, als Geister der Weisheit und dariiber die
Geister des Willens oder Throne, Cherubim und Seraphim. Wenn
wir so die Reihe der einzelnen Wesenheiten, gleichsam die Rang-
stufenleiter der einzelnen Wesenheiten der Hierarchien ins Auge
fassen, dann haben wir zunachst vor dem esoterischen BewuBtsein
Erdenverhaltnisse im Auge. Mit alien diesen Wesenheiten haben
wir es ja zu tun, wie wir gesehen haben, wenn wir den Menschen
und alles das, was auf seinem Planeten zu ihm gehort, vollstandig
betrachten wollen. Wir sahen in den letzten Stunden, daB die Er-
scheinungen am Menschen und an seinem Planeten geistig nicht zu
erklaren sind, wenn wir nicht diese Wesenheiten ins Auge fassen.
Wir haben gesehen, daB wir es von dem Menschen bis zu den Zeit-
geistern mit Wesenheiten zu tun haben, die zunachst im mensch-
lichen geschichtlichen KulturprozeB ihre Rolle spielen, so daB wir
in diesen Wesenheiten der dritten Hierarchie dasjenige zu sehen
haben, was den Menschen im Laufe der Erdenentwickelung selber
Schritt fur Schritt vorwartsbringt, was die Kulturentwickelung lei-
tet. Wir haben ferner gesehen, daB, wahrend diese Wesenheiten der
dritten Hierarchie selber im KulturprozeB oben bleiben, gewisse
Nachkommen von ihnen, die wir die Naturgeister genannt haben,
hinuntersteigen in die Welt des natiirlichen Daseins und als Natur-
geister wirken. Wir haben ferner gesehen, daB, wenn wir den
Planeten selber ins Auge fassen, dasjenige, was zu dem Planeten
gehort, nicht erklart werden kann, wenn wir nicht seine Form
bestimmt denken durch die Geister der Form, seine innere Beweg-
lichkeit und Regsamkeit durch die Geister der Bewegung, das
PlanetenbewuBtsein dutch die Geister der Weisheit. Damit sind wir
innerhalb des Planeten stehengeblieben, also innerhalb dessen, was
von der Erde zum Beispiel zum Menschen gehort. Wir haben fer-
*"<„,„ Cherubim
Throne
9*i 5 t*er <J«Y ft€u/€jva9
ner gesehen, daB der Planet, wenn nur diese hoheren Wesenheiten
bis zu den Geistern der Weisheit wirksam waren, stillestehen wiirde.
DaB er sich nach auBen bewegt, daB er einen Bewegungsimpuls
hat, das muBten wir den Geistern des Willens zuschreiben, und
daB die Bewegung in dem Plan des ganzen Planetensystems ge-
regelt ist, das mufiten wir den Cherubim zuschreiben. Damit aber
haben wir schon das Planetensystem zusammengefiigt, denn indem
die einzelnen Bewegungen der Planeten so geregelt werden, daB
sie das System zusammen bilden, ist die Voraussetzung gegeben,
daB das Ganze dirigiert wird von den Fixsternen aus. Und in den
Seraphim haben wir dann das, was vom Planetensystem nach dem
Weltenraum, nach den Nachbarpianetensystemen hinausspricht. Wir
konnten es damit vergleichen, daB die Menschen ja im sozialen
Zusammenhang auch nicht nur einzeln fiir sich gehen — was sich
vergleichen lieBe mit der Direktion von den Geistern des Wil-
lens — , sondern daB sich die Menschen durch ihre Sprache verstan-
digen. So findet Verstandigung von einem Planetensystem zum an-
deren statt durch die Seraphim. Sie sind gleichsam fiir das Planeten-
system, was auf Erden die Sprache zum Ausdruck bringt, die ja die
Menschen zusammenfuhrt, zusammenhalt, zur Verstandigung fiihrt.
Die Seraphim tragen die Botschaften von einem Planetensystem
zum anderen, geben von dem, was in einem Planetensystem ge-
schieht, Kunde an das andere Planetensystem. Dadurch schlieBt
skh die Welt der Planetensysteme zusammen und bildet ein Ganzes.
Im Grunde also muBten wir diese Stufenfolge von Wesenheiten
der Hierarchien anfiihren, weil all das, was an Kraften, was an
Wirkungsweisen ausgeht von diesen Hierarchien, wahrnehmbar ist
an der gesamten Erscheinung des Menschen auf seinem Planeten.
So wie der okkulte Blick uns lehrt, daB dieses ganze System von
Wesenheiten mit dem Erdenplaneten zu tun hat, so hat in ahnlicher
Weise ein ahnliches System mit anderen Planeten zu tun. Wenn
mit alien ihm zu Gebote stehenden Mitteln der Mensch den okkul-
ten Blick hinrichtet zu den anderen Planeten unseres Planeten-
systems, dann findet er, daB wir dieselben Erfahrungen, die wir
machen, wenn wir da als Menschen uns den Seraphim oder den
Cherubim oder Thronen nahern, auch in bezug auf andere Plane-
ten machen. Mit anderen Worten, alles, was ich Ihnen geschildert
habe als notwendig, um sich zu erheben zu einer seraphischen,
einer cherubinischen Wesenheit, zu einer Wesenheit, die in die
Reihe der Throne gehort, alles das, was man tun muB, um sich zu
diesen Geistern zu erheben, insofern diese mitwirken an den Ge-
schehnissen des Erdenplaneten, alles das findet man, wenn man den
okkulten Blick beobachtend, sagen wir, auf den Saturn oder auf
andere Planeten unseres Systems richtet, auch. Genau in derselben
Weise muB man vorgehen bis zu den Geistern der Bewegung her-
unter. Seraphim, Cherubim, Throne, Geister der Weisheit, bis hier-
her ist fiir alle einzelnen Planeten unseres Planetensystems das Er-
gebnis fiir den okkulten Blick ganz das gleiche, ob Sie die Be-
obachtung anstellen fiir den Mars, fiir den Jupiter, fiir den Merkur
oder die Venus. Uberall finden Sie, wenn Sie die Arbeiten der
Seraphim, Cherubim, Throne und Geister der Weisheit ins Auge
fassen, dieselben Ergebnisse. Dagegen finden wir nicht mehr die-
selben Ergebnisse, wenn wir fur die anderen Planeten unseres
Systems ins Auge fassen, was an Wirkungsweisen herriihrt von den
Geistern der Bewegung und von den Geistern der Form. Mit ande-
ren Worten, wenn wir versuchen, den okkulten Blick einzustellen
auf einen anderen Planeten, sagen wir auf den Mars, und uns fra-
gen: Wie wirken die Seraphim, Cherubim, Throne, Geister der
Weisheit auf dem Mars? — dann bekommen wir zur Antwort: Sie
wirken da geradeso wie auf unserer Erde. — Wenn wir dasselbe fra-
gen fiir die Geister der Bewegung und Form, so ist das nicht der
Fall, so unterscheiden sich die Tatigkeiten dieser zwei Kategorien
der hoheren Hierarchien fur die einzelnen Planeten unterein-
ander. So dafi wir eigene Geister der Form, eigene Geister der Be-
wegung unterscheiden mussen fiir einen jeden einzelnen Planeten
unseres Planetensystems.
Wir konnen nun auch den okkult geschulten Blick auf die Sonne
selbst richten, auf den Fixstern. Wenn wir den Fixstern selber in
seiner Wesenheit kennenlernen wollen, so mussen wir achtgeben,
daB wir in die Beobachtung des Fixsterns nicht dasjenige hinein-
mischen, was im Grunde genommen nicht fiir den Fixstern, son-
dern fiir die umgebenden Planeten Bedeutung hat. Verstehen wir
uns recht. Wir haben vorgestern ausgefuhrt, wie alle diese Wesen-
heiten der hoheren Hierarchien bis zu den Geistern der Form hin,
also von den Seraphim herunter bis zu diesen Geistern der Form,
eigentlich wie eine Art von Kollegium im Weltensystem wirken,
das seinen Sitz in der Sonne hat, so daB der Ausgangspunkt fiir die
Wirkungen dieser Geister in der Tat in der Sonne liegt. Wenn wir
also heute angefuhrt haben, daB zum Beispiel der Mars seine eige-
nen Geister der Form hat, ebenso der Jupiter, ebenso die Erde, so
miissen wir uns, wenn wir bildlich sprechen wollen — in bezug auf
diese erhabenen Verhaltnisse ist alles mehr oder weniger Bild — ,
vorstellen, daB zwar der Sitz, der Angriffspunkt der Wirkungen fiir
die Geister der Form des Mars, fiir die Geister der Form des Jupiter
und so weiter immer in der Sonne, im Fixstern ist, daB sie von dort
aus wirken, — aber den Geistern der Form, die auf den Mars wir-
ken, ist sozusagen dieses Ressort von der Sonne aus zugeteilt, sie
wirken von der Sonne aus auf den Mars, andere auf die Erde,
andere auf den Jupiter als Geister der Form. Dasjenige, was sie so
tun, ist eine Tatigkeit, die dem System zugute kommt. Jetzt fragen
wir aber nicht: Was geschieht von der Sonne, von dem Fixstern
aus fur die Planeten? — sondern: Was geschieht innerhalb des Be-
reiches des Fixsternes fur seine eigenen Wesen, fur die eigene Ent-
wickelung der Wesenheiten auf dem Fixstern? — Nicht wahr, wir
konnen da die Sache geradeso auffassen wie vergleichsweise das-
jenige, was ein Mensch fur den anderen tut. Wir konnen zunachst
die Tatigkeit, die ein Mensch fur den anderen tut, nicht so auf-
fassen, daB diese Tatigkeit unmittelbar etwas bedeuten muB fur
seine eigene Entwickelung. Sie kommt dem anderen zugute. So
kommt die Tatigkeit der Geister der Bewegung und der Geister der
Form, die hier gemeint ist, dem Planetensystem zugute. Jetzt aber
fragen wir: Wie geschieht, wenn wir absehen davon, daB der Fix-
stern von Planeten umgeben ist, auf dem Fixstern als solchem, als
einem Einzelwesen, die Entwickelung? Was beteiligt sich auf dem
Fixstern selber an der Entwickelung der Wesenheiten? Und da
bekommen wir in der Tat dieselbe Grenze. Wenn wir namlich den
okkulten Blick richten nach dem Fixstern, also zunachst in unse-
rem Planetensystem nach der Sonne hin, da miissen wir sagen:
Eine gewisse Macht iiber die Wesen der Sonne haben nur diejeni-
gen geistigen Wesenheiten der hoheren Hierarchien, welche von
den Seraphim heruntergehen bis zu den Geistern der Weisheit. Die
sind aktiv fur die Entwickelung des Fixsterns selber und seiner
Wesenheiten, wahrend die Geister der Bewegung und der Form
sozusagen nichts tun konnen fur die Entwickelung der Wesen auf
dem Fixstern selber, sondern eben das zugeteilt haben, was den
Fixstern umgibt im Planetensystem.
Wenn wir also den Blick zum Fixstern hinauf richten, dann
konnen wir sagen: Das Leben auf dem Fixstern ist ein so erhabenes,
so groBartiges, so gewaltiges, daB die Wesenheiten, die auf dem Fix-
stern sich entwickeln, nur zu tun haben konnen mit Wesenheiten
von solcher Erhabenheit, wie die Seraphim, Cherubim, Throne und
Geister der Weisheit sind, wahrend jene Wesen, die auf dem Fix-
stern selber ihre Evolution durchmachen, eben die Geister der Be-
wegung und der Form, ohnmachtig sind, zu seiner Entwickelung
irgend etwas zu tun. Sie sind nicht von so hohem Rang, Sie, die
noch etwas Ungeheures fur die Menschheit des Planeten bedeuten,
sie sind fur die Wesenheiten des Fixsterns von keiner Bedeutung.
Sie sind ohnmachtig, einzugreifen in die Entwickelung, in die Evo-
lution des Fixsterns. Wenn wir also ins Auge fassen auf der einen
Seite das Wesen des Planeten und absehen zunachst vom Menschen,
der auf dem Planeten, auf unserer Erde, wohnt, so konnen wir
sagen: Fur den Planeten, insofern dieser Planet seine Stellung im
Sonnensystem hat, haben EinfluB auf die Entwickelung die Wesen-
heiten bis zu den Geistern der Form herunter. So daB wir bis zu
den Geistern der Weisheit zu zahlen haben die EinfluBsphare der
Fixsterne, bis zu den Geistern der Form herunter die EinfluBsphare
der Planeten.
Nun bleiben uns innerhalb des Planetensystems noch zwei
Weltenkorper, die Monde und die Kometen. Und die Frage ist nun:
Wie stellen sich dem okkulten Blick gegeniiber diese Weltenkorper
dar? Wenn der okkulte Blick sich einstellt auf den Mond, der
unsere Erde umgibt, welche Wirkungsarten findet er da?
Von dem, was auf der Erde als menschliches Leben sich ent-
wickelt, findet man mit dem okkulten Blick auf dem Monde nichts.
Eine der menschlichen ahnliche Evolution ist auf dem Monde nicht
aufzufinden. Ebensowenig ist auf ihm etwas aufzufinden, was in
bezug auf seine Evolution unserem Tierreiche gleichen wiirde. Das
ist beides auf unserem Mond fur die okkulte Forschung nicht auf-
zufinden. Ich will durchaus nicht, was ja wirklich eine Trivialitat
ware, etwa damit bloB die AuBerlichkeit sagen, daB keine im
Fleisch verkorperten Menschen auf dem Monde herumlaufen oder
solche Tiere, wie sie auf der Erde vorkommen, sondern der Okkul-
tist meint, wenn er einen solchen Ausspruch tut, etwas wesentlich
anderes. Es konnte ja durchaus sein, daB so etwas wie die hoheren
Glieder der Menschennatur, das Menschen-Ich oder der mensch-
liche Astralleib, unter anderen Bedingungen auf irgendeinem
Weltenkorper vorhanden waren und dort eine Entwickelung durch-
machten, ohne im menschlichen fleischlichen oder menschlichen
Atherleibe verkdrpert zu sein. Es ware denkbar, und solche Verhalt-
nisse gibt es durchaus, daJ3 also eine Evolution im geistigen Sinn
stattfinden konnte, zum Beispiel auf dem Monde, ohne da£ die
auBere Verkorperung, die auBere Auspragung der Wesenheiten so
ware wie die des Menschen. Aber das ist eben nicht der Fall. Etwas
wie eine menschliche Geschichte, wie eine Entwickelung von We-
senheiten, die auch seelisch dem Menschen oder unseren Tieren
ahnlich waren, findet auf dem Mond nicht statt. Aber auch wenn
wir aufsteigen vom Menschen nach aufwarts zu denjenigen Wesen,
die wir genannt haben die nachsten geistigen Fiihrer des Menschen,
die wir angesprochen haben in der Reihe der Wesenheiten der
hoheren Hierarchien als Engel, auch dann flnden wir ihre Evo-
lution, die Evolution der Engel, nicht auf dem Mond. Wir flnden
keine Wirkungsweisen, keine Krafte, wie sie von dem Eingreifen
der Engel oder Angeloi auf die Erde ausgehen. Wir haben ziem-
lich genau charakterisiert, was diese Wesenheiten fur den Men-
schen auf der Erde zu tun haben. Solch ein Eingreifen findet auf
dem Monde nicht statt. Wir linden nirgends sozusagen die Spur
einer menschlichen oder tierischen Tatigkeit oder einer solchen,
wie wir sie vom Engel kennen.
Wenn wir nun weiter die Krafte ins Auge fassen, mit welchen
die Erzengel die menschliche Evolution vorwartsbringen, und wenn
wir den okkulten Blick nun richten, einstellen auf den Mond, dann
finden wir merkwiirdigerweise diese Krafte allerdings vorhanden:
der okkulte Blick findet auf dem Monde dieselben Krafte als wirk-
same Krafte vor, die er da findet, wo er innerhalb der Erden-
entwickelung die Entwickelung eines Volkes durch seinen Volks-
geist, durch seinen Erzengel erblickt. Der Erzengel, der geistig das
Volkerleben leitet, ist in seiner charakteristischen Eigentumlichkeit
als Krafte auf dem Mond vorhanden, spricht zu uns, wenn wir den
okkulten Blick auf den Mond hin einstellen. Wenn wir die Wesen-
heit derjenigen geistigen Wesen, die wir als die Archai oder Zeit-
geister bezeichnen, ins Auge fassen, derjenigen Wesenheiten, welche
die irdische Evolution von Epoche zu Epoche ubernehmen und
weiter leiten, also zum Beispiel von der agyptischen Kultur zur grie-
chischen oder von der griechischen zu unserer gegenwartigen, wenn
wir uns eine okkulte Anschauung von den Kraften verscharTen, die
da waken bei der Fuhrung der Evolution durch die Zeitgeister,
dann finden wir dieselbe charakteristische Art von Kraften wie-
derum, wenn wir anschauen, was uns vom Mond entgegenblickt.
Wie wir fiir den Planeten als seine Sphare die Wesenheiten der
geistigen Hierarchien bis zu den Geistern der Form also bezeich-
nen konnten, so konnen wir beim Monde die Grenze machen und
sagen: Es erstreckt sich die Sphare des Mondes bis in das Gebiet
der Erzengel herunter.
Nun wird es fiir unsere weitere Betrachtung niitzlich sein, bevor
wir in derselben "Weise wie bisher die Ergebnisse des okkulten
Blickes verfolgen, wenn wir sozusagen vom Gesichtspunkt des
Okkultismus aus Mond und Planeten und Fixstern noch weiter
vergleichen. Es ist notwendig, wenn man eine solche Betrachtung
anstellt, daB man sich einmal zuerst ordentliche Vorstellungen uber
das aneignet, was schon am Menschen selber, und zwar am phy-
sischen Leib des Menschen, vorhanden ist und was ganz und gar
nicht beriicksichtigt wird von der gewohnlichen materialistischen
Anatomie und Physiologie unserer Wissenschaft. Nicht wahr, der
gewohnliche Anatom von heute, was tut er, wenn er den physischen
Leib untersucht? Nun, er untersucht ein Stuck, sagen wir Leber,
dann ein Stuck Nerven- und Gehirnmasse, eben als nebeneinander-
liegende Substanzen. Er untersucht beide so, wie man eben zwei
Dinge nebeneinander legt und sie nun miteinander vergleicht, rein
auBerlich. Er zieht nicht in Erwagung, der gewohnliche auBerliche
materialistische Anatom oder Physiologe, daB wir, wenn wir ein
Stuck Gehirnsubstanz vor uns haben und ein Stuck Lebersubstanz,
iiberhaupt ganz radikal verschiedene Dinge haben. Wir haben an
dem einen Teil des menschlichen Leibes etwas an uns, woran die
hoheren Leiber, die iibersinnlichen Glieder in ganz anderer Weise
arbeiten als an einem anderen Gliede. So zum Beispiel, wenn wir
ein Stuck Gehirnsubstanz haben, so ist ja in diesem alles so, daB
die ganze Struktur, die ganze Formung nicht entstehen konnte,
wenn diese Substanz nicht durchgearbeitet ware nicht nur vom Ather-
leib, sondern auch von einem astralischen Leib. Der astralische Leib
durchsetzt und durcharbeitet die Gehirnsubstanz, und es ist nichts
innerhalb der Gehirnsubstanz, nichts innerhalb irgendeiner Nerven-
substanz, worin nicht der astralische Leib neben dem atherischen
Leib mitarbeitete. Nehmen Sie dagegen einen groBen Teil der
Leber, so muBten Sie sich das so vorstellen, daB zwar der astra-
lische Leib auch die Leber durchdringt, daB er aber nichts tut in der
Leber, keinen Anteil nimmt an der inneren Organisation der Leber,
daB dagegen einen ganz wesentlichen Anteil nimmt an der Organi-
sation, an der Struktur der Leber der Atherleib. Die verschiedenen
Organe sind eigentlich ganz verschiedene Dinge beim Menschen.
Ein Stuck Leber ist etwas, was wir nur studieren konnen, wenn wir
wissen, daB da der Atherleib mit seinen Kraften den Hauptanteil
hat und daB der astralische Leib, wie Wasser den Schwamm, zwar
die Leber durchsetzt, aber an der Bildung der Leber, an der inneren
Konfiguration derselben keinen besonderen Anteil hat. Ein Stuck
Gehirnsubstanz konnen wir uns nicht anders vorstellen als so, daB
einen wesentlich groBen Anteil der astralische Leib hat und nur
einen geringen der atherische Leib. Wiederum an der ganzen
Struktur des Blutsystemes, bis in den Bau des Herzens hinein, hat
das Ich seinen wesentlichen Anteil, wahrend zum Beispiel an der
Organisation der Nervensubstanz als solcher das Ich gar keinen
Anteil hat, geschweige denn an den anderen Organen.
So haben wir, wenn wir den physischen Leib des Menschen im
Sinne von wirklichem Okkultismus betrachten, nicht im Sinne
bloBer okkulter Schematik, in seinen verschiedenen Organen Dinge,
Wesenheiten von ganz verschiedener Wertigkeit, von ganz ver-
schiedenem Wesen, uberhaupt von ganz verschiedener Natur. Wir
konnen sagen, es hangt das, was ein Wesen schon am Menschen
ist, Leber oder Milz, von den hoheren Gliedern ab, die in sie hin-
einwirken. Leber und Milz sind ganz verschiedene Organe. An der
Milz hat der astralische Leib in ganz besonderer Weise einen star-
ken Anteil, wahrend er an der Leber fast gar keinen Anteil hat.
Alle diese Dinge werden einmal, und zwar in nicht sehr ferner
Zeit, studiert werden miissen, auch von den Physiologen und
Anatomen, weil nach und nach Tatsachen zutage treten werden in
der materialistischen Beschreibung der menschlichen, tierischen und
pflanzlichen Organe, die keinen Sinn haben werden, wenn man nur
die Dinge so nebeneinander legt wie Erbsen und Bohnen, wie es
die auBere Anatomie und Physiologie heute tut. Wie ein Ding in
der Welt und am Menschen zum Geiste steht, so ist es iiberhaupt,
so ist seine Wesenhek. Und so wie es am Menschen ist, so ist es
auch im Himmelssystem. Ein Mond ist etwas ganz anderes als ein
Planet oder ein Fixstern. Wenn wir schon gesehen haben, daB die
Beziehungen der Wesenheiten der hoheren Hierarchien andere sind
zum Fixstern und andere zum Planeten und andere zum Mond, so
miissen wir noch folgendes ins Auge fassen, um die Verschieden-
hek des Mondes, des Planeten, des Fixsternes zu charakterisieren.
Nehmen wir einmal heraus aus einem Planetensystem, wie wenn
wir es herausschalen wiirden, alles, was die Monde der einzelnen
Planeten sind, das heiBt, denken Sie sich fur einen Moment weg
den Fixstern selber, denken Sie sich weg die Planeten, so daB im
Planetensystem nur die Monde iibrig bleiben. Wenn der okkulte
Blkk so gerichtet wird, daB er nun nur beobachtet dasjenige, was
ich Ihnen eben hervorgehoben habe: die Monde, alles, was Mond
ist innerhalb eines Planetensystems, alles, wo die Krafte bis zu den
Erzengeln herunter dieselben sind wie auf unserer Erde in der auf-
einanderfolgenden Evolution der Menschheit — , dann bekommen
wir einen ganz bestimmten Eindruck, dann machen wir eine ganz
bestimmte okkulte Erfahrung. Diese okkulte Erfahrung konnen wir
noch ein zweites Mai machen.
Nicht wahr, derjenige, der mit dem praktischen okkulten Blick
an die Dinge herangeht, der kann, wenn er geniigend Willensver-
mogen hat, sich die Fixsterne und die Planeten aus dem Planeten-
system wegdenken: es bleiben ihm die Monde zuriick, das heiBt er
stellt auf alles das, wofiir er sich so vorbereitet hat, seinen Blick ein.
Und nun muB man noch etwas anderes suchen, wo man dieselbe
Impression, denselben Eindruck hat, den man so von alien Mon-
den eines Planetensystems zusammen hat. Denselben Eindruck, den
man von alien Monden zusammen hat, hat man genau, wenn man
einen menschlichen Leichnam betrachtet, einen physischen Leib,
dessen Trager eben oder vor kurzer Zeit durch die Pforte des Todes
gegangen ist. So sehr die Dinge auBerlich verschieden aussehen,
das, was die aufiere Naturwissenschaft angibt als auBere Verschie-
denheit, das ist Maja. Was sich fur den okkulten Blick als Impres-
sion ergibt, wie wir als Menschen mit dieser Impression stehen zu
der Summe der Monde eines Planetensystems das einemal, und zu
dem, was uns ein physischer Leib, der verlassen worden ist von
seinem atherischen, seinem astralischen Leib und so weiter, was uns
ein physischer Leib als Eindruck hervorruft das anderemal, das ist
das gleiche. Daraus ergibt sich die okkulte Erkenntnis, daB das
Planetensystem in den fortdauernd entstehenden Monden innerhalb
seiner selbst nach und nach seinen Leichnam ausbildet. Alle Monde
eines Planetensystems sind das, was sich fortwahrend eingliedert
als der Leichnam des Planetensystems. Der Unterschied gegeniiber
dem Menschen ist der, daB der Mensch von dem Augenblick an,
wo er mit seiner Wesenheit iibergeht in den Zustand, in dem das
Planetensystem ist, wenn es seine Monde bildet, dann seinen Leich-
nam ausscheidet, daB das Planetensystem aber den Leichnam in
sich behalt, das Absterbende in den Monden zusammenschnurt,
zusammenkondensiert. Es ist so, wie wenn der Mensch, wenn er
durch die Pforte des Todes geht, seinen physischen Leib nicht ab-
legen, sondern ihn zusammenballen wiirde zu irgendwelchen Or-
ganen und durch irgendeine Kraft, die er an sich hat, ihn noch
weiterschleppen wiirde. In seinen Monden schleppt tatsachlich ein
Planetensystem seinen eigenen, und zwar fortwahrend sich andern-
den Leichnam mit sich, einen Leichnam, der im Werden ist, der in
Evolution sich beflndet.
Wir gehen nun weiter und versuchen eine Impression zu schil-
dern, welche der okkulte Blick hat, wenn er wegdenkt alle Monde
eines Planetensystems, den Fixstern und die eventuell vorhandenen
Kometen. Wenn er also das ganze System der Planeten selber ins
Auge faBt, sie hinstellt vor seinen okkulten Blick und dann, indem
er vollstandig konzentriert nur auf sich wirken lafit dieses System
der Planeten, die Impression skh klarmacht und. sie sich einpragt
seinem Gedachtnis, urn sie charakterisieren zu konnen, dann mufi
er spater wiederum vergleichen diese Impression mit irgend etwas
anderem, das verschieden ist von dem Eindruck, den er von den
einzelnen Planeten erhalt. Wenn der Mensch nach irgend etwas
sucht, was ihm einen solchen Eindruck gibt wie die Gesamtheit
der Planeten eines Systems, dann kommt er in seiner nachsten
irdischen Umgebung zu nichts anderem als zu dem Eindruck, den
er hat, wenn er die verschiedenen Formen von Tieren auf sich
wirken lafit. Es ist der Eindruck auBerordentlich schwierig voll-
standig zu gewinnen, aber man kann ihn dadurch partiell gewinnen,
daJ3 man verschiedene tierische Formen auf sich wirken lafit. Man
kann nicht von alien Tieren auf der Erde einen okkulten Eindruck
zu gleicher Zeit haben, das ware zu kompliziert, aber man kann
einen KompromiB machen, wenn man eine Anzahl von charakte-
ristischen tierischen Formen so auf sich wirken lafit, dafi man nur
dasjenige, was an okkulten Kraften in den tierischen Formen wirkt,
in Betracht zieht. Dann kann man aus den tierischen Formen mit
dem vergleichenden okkulten Blick etwas gewinnen, was einen
ahnlichen Eindruck macht wie die Gesamtheit der Planeten eines
Systems. Weil also das Tierreich — und insofern der Mensch den
Extrakt des tierischen Leibes in seinem lebendigen Leib hat, konnen
wir auch den menschlichen lebendigen Leib zum Vergleich heran-
ziehen — auf der Erde lebt und eine Impression von all den in
ihm wirkenden Kraften ahnlich ist den Kraften, die von den ein-
zelnen Planeten ausgehen, konnen wir sagen: Der eigentlich leben-
dige Leib, der Leib, mit dem ein lebendiges, bewufites Wesen be-
gabt ist, wie wir ein solches etwa im primitiven Menschen oder
in den Tieren kennen, der entspricht dem System der Planeten
eines Planetensystems, so dafi wir den lebendigen Leib, das heifit
den Leib, durchdrungen von dem Prinzip des Lebens und des Be-
wufitseins, innerhalb eines ganzen Planetensystems in demjenigen
vor uns haben, was wir nennen konnen die Gesamtheit der Pla-
netenmasse. Die Gesamtheit der Planeten eines Systems ist also
der lebendige Leib des Planetensystems. Wenn wir alle die geistigen
Wesenheiten, welche wir beschrieben haben als im Planetensystem
enthalten, als den Geist und die Seele des Planetensystems be-
trachten, so haben wir als den lebendigen Leib die Gesamtheit der
Planeten zu betrachten und als den schon mitgeschleppten Leich-
nam der Planeten die Gesamtheit der Monde.
Nun richten wir den okkulten Blick auf den Fixstern, bei uns
also auf die Sonne. Wir suchen in einer ahnlichen Weise, wie wir
das geschildert haben fur die Gesamtheit der Monde und Planeten,
eine Impression zu gewinnen von dem Fixstern. Wenn wir uns
merken, was wir durch die Krafte, die wirksam sind am Fixstern,
als Impression gewinnen, so konnen wir wiederum etwas finden,
was die gleiche Impression innerhalb der Erdenverhaltnisse selber
auf uns hervorrufen kann. Und siehe da, es ist das wiederum etwas
schwierig, weil wir es diesmal mit den Pflanzen zu tun haben und
wir nicht die gesamte Pflanzenwelt auf unserer Erde heranziehen
konnen. Aber es geniigt vergleichsweise, wenn man nur eine An-
zahl von Pflanzenformen in das, erlauben Sie den Ausdruck, okkulte
Auge faBt, um die okkulte Impression zu bekommen von jenem,
was in den Pflanzen wirkt und lebt. Und wenn man das auf seinen
okkulten Blick wirken laBt, so erinnert das an die Impression, die
man von der inneren Entwickelung des Fixsternes erhalten hat.
Die Verschiedenheit wird allerdings immer groBer und groBer.
In bezug auf die okkulte Impression ist die Ahnlichkeit zwischen
einem menschlichen Leichnam nach dem Tode und der Gesamt-
heit der Monde eigentlich noch eine frappierende. Diese Ahnlich-
keit ist ausgesprochen auch vorhanden bei den Impressionen, die
die Pflanzenwelt und die der Fixstern auf den Menschen machen.
Da ist die Ahnlichkeit deutlich vorhanden, aber sie ist nicht mehr
so groB wie die zwischen dem physischen abgelegten Menschenleib
und der Gesamtheit der Monde. Es wird aber die Ahnlichkeit viel
groBer, wenn wir dem okkulten Blick jetzt noch etwas Besonderes
zumuten, wenn wir namlich, nachdem wir die Impression von einer
Anzahl von Pflanzenformen bekommen haben, nun auch noch
von diesen Pflanzen absehen, die wir beobachtet haben mit dem
okkulten Blick, von den physischen Pflanzenleibern absehen, und
jene Mittel anwenden, die der praktische Okkultist anwendet, wenn
er die Atherleiber der Pflanzen betrachtet. Also wir machen eine
Nebenbeobachtung. Wir haben uns gemerkt die Impression, die
wir vom Fixstern bekommen, suchen dann die schon ahnliche, aber
uns doch noch nicht befriedigende Impression, die wir von einer
Anzahl von Pflanzen bekommen. Wir gehen weiter, abstrahieren
von der aufieren Form der Pflanze und lassen nur den Atherleib,
der ja in den Pflanzen ist, auf uns wirken. Dann erhoht sich diese
Ahnlichkeit und wird fast so groB wie die Ahnlichkeit zwischen
dem physischen Leichnam des Menschen und der Gesamtheit der
Monde. Daraus ergibt sich fur die okkulte Erkenntnis, daB wir,
indem wir zum Fixstern hinaufblicken, das als im Fixstern wirkend
erfaBt haben, was der Atherleib des Planetensystems ist, denn wir
bekommen tatsachlich den Eindruck eines Atherleibes. Wir ver-
stehen den Eindruck, den wir vom Fixstern bekommen, wenn wir
den Atherleib an den Pflanzen betrachten, da, wo der Atherleib
noch unvermischt, noch nicht mit einem astralischen Leib zusam-
men wirkt, wo er nur als atherischer Leib mit dem physischen zu-
sammen wirkt. Es ergibt sich also daraus die Erkenntnis, daB, indem
wir auf den Fixstern blicken, wir in der Tat vom Fixstern aus-
strahlend den Atherleib des Planetensystems haben.
Wir konnen jetzt sagen: Im Mond haben wir den Leichnam des
Planetensystems, in der Summe der Planeten haben wir den Leib,
und zwar den physischen Leib, in dem Fixstern selber, von ihm
ausstrahlend, haben wir den atherischen Leib des Planetensystems.
In der Tat, fur den okkulten Blick hort sehr bald die Moglichkeit
auf, jenes Tote, man mochte sagen, Papiermacheartige, das in aller
physischen Astronomie vorliegt, festzuhalten, denn der okkulte
Blick merkt iiberall, wie das gesamte Planetensystem von Leben
durchstromt ist, ein lebendiger Organismus ist. Und zwar geht ein
fortwahrender Strom atherischen Lebens von dem Fixstern aus bis
zum auBersten Rand des Planetensystems und flieBt wiederum zu-
nick. Wir haben es fortwahrend wie im lebendigen tierischen und
pflanzlichen Leibe mit Lebenskraften zu tun, die ungefahr so zen-
triert sind, ich sage das jetzt vergleichsweise, innerhalb des Fix-
sterns, wie das Leben des Tieres zentriert ist, sagen wir, im Herzen,
oder wie das pflanzliche Leben zentriert ist in den verschiedenen
Organen, welche die auf- und absteigende Saftebewegung regeln.
Kurz, wir haben es zu tun mit einem Zentrum des Planetensystems,
das wir im Fixstern zu suchen haben.
Dann kann man auch noch den okkulten Blick richten auf den
Kometen, auf das kometarische Leben. Nun, ich zweifle ja nicht
daran, daJ3, wenn irgendwo in der auBeren Wissenschaft diese
Dinge gehort werden, die wir eben besprochen haben, die Charak-
teristik des Planetensystems, dies heute als eine ganz besondere
Torheit betrachtet wird; das macht aber nichts. Gegeniiber dem
Kometenleben jedoch wird die Sache noch ganz besonders schwie-
rig, weil die Gelegenheit, das kometarische Leben zu beobachten,
eine seltene ist, so dafi schon eine gewisse Unbefangenheit des
okkulten Blickes dazu gehort, um dieses eigentiimliche kometarische
Leben im Planetensystem zu beobachten.
Sie werden ja keinen Augenblick daran zweifeln, meine lieben
Freunde, dafi in dem ganzen Planetensystem nicht nur das ist, was
wir jetzt Leichnam, physischen Leib und Atherleib genannt haben,
sondern es ist das ja iiberall naturlich von den Wesenheiten der
verschiedenen Hierarchien durchdrungen, es sind naturlich geistig-
seelische Krafte iiberall darinnen. Und Sie brauchen ja nur ins
Auge zu fassen, dafi im Planetensystem selbstverstandlich die Zeit-
geister, Erzengel und die luziferischen Wesenheiten darinnen sind,
die gehoren ja auch dazu. Wir haben jetzt entdeckt im Planeten-
system den Leichnam, den physischen Leib, den Atherleib. Wir
konnen aus dem, was wir bisher gehort haben, selbstverstandlich
sagen, da6 iiberall darinnen auch astralische Substanz ist, die zu
Wesenheiten gegliedert ist, denn in den Wesenheiten der hoheren
Hierarchien ist eben astralische Substanz. Wenn wir vom Menschen
sprechen, so wie er vor uns wandelt, dem Mikrokosmos, dann sagen
wir: Dieser Mensch besteht aus physischem Leib, atherischem Leib,
astralischem Leib und so weiter. Wenn wir ein Planetensystem
beschreiben, so miissen wir nur das unterste Glied etwas anders
ansetzen, wir miissen sagen: Ein Planetensystem besteht aus seinen
Monden, das ist sein Leichnam; aus seinen Planeten, das ist sein
physischer Leib; und aus alledem, als dessen Dirigent sich der Fix-
stern erweist, das ist sein atherischer Leib. Das Astralische flnden
wir schon von selber darinnen, denn das lernen wir dadurch kennen,
daB wir wissen, Wesenheiten wohnen darinnen. Wie der Mensch
in seinen Hiillen wohnt, so wohnen die Wesenheiten der hoheren
Hierarchien in der Leichnamhiille, in der physischen Hiille und
in der atherischen Hiille des Planetensystems. Fur den astralischen
Leib, mochte ich sagen, haben wir nicht erst zu sorgen, den haben
wir schon durch den esoterisch-okkulten Blick, der nach innen ge-
richtet ist. Aber schon wenn Sie das Menschenleben auf der Erde
betrachten, werden Sie zugeben, daB durch dieses Menschenleben
- das wissen Sie ja aus der bisherigen elementaren Geisteswissen-
schaft — eine Summe von astralischen Wesenheiten und Kraften,
von astralischen Formen entsteht, welche eigentlich schadlich, hem-
mend sind fur das Leben. Vom Menschen selbst stromen ja fort-
wahrend krtiimliche, haBliche, bose Gedanken aus: die sind ja
Realitaten, die gehen hinaus in die astralische Welt und leben dort
weiter. So daB die astralische Sphare eines Planeten angefullt ist
nicht nur von dem, was die normalen Substanzen seiner seelischen
Wesenheit sind, sondern auch von diesem ausgestromten Astra-
lischen. Und wenn wir erst zu all dem gehen wiirden, was an
schadlichen Kraften die verschiedenen luziferischen Geister hervor-
bringen, dann wiirden Sie eine Unsumme von schadlichen astra-
lischen Substanzen innerhalb eines Planetensystems flnden. Und
kurioserweise zeigt uns der okkulte Blick, der die Gelegenheit hat,
eine Zeitlang ein Kometenleben zu beobachten, daB alles Kome-
tarische iiberhaupt und alles Meteorartige innerhalb unseres Pla-
netensystems immer bestrebt ist, um sich herum zu sammeln die
schadlichen Astralprodukte im Planetensystem und diese schad-
lichen Astralprodukte aus dem Planetensystem fortzuschaffen. Wir
werden noch im Laufe der Vortrage sehen, wie sich das insbesondere
zu den schadlichen Astralprodukten des Menschen verhalt, aber
wir sehen, daB die groBen Schadlichkeiten, die luziferischen Schad-
lichkeiten, durch die Kometen aus dem Planetensystem fortgefuhrt
werden. Wie diese Fortfiihrung geschieht, davon mochte ich Ihnen
am Schlusse dieses Vortrages noch eine Vorstellung geben.
Nicht wahr, wenn ich hier ein Planetensystem mit seiner Sonne
andeute, so konnen wir irgendeinen Kometen, der gerade da durch-
geht, so andeuten, daB er in solch einer Bahn gleichsam das Pla-
netensystem kreuzt. Die physische Astronomie sagt: Nun ja, der
Komet kommt eben von sehr weit her. — Wenn man den Anfang
eines Dinges nicht verfolgen kann, dann sagt man eben: Das kommt
von sehr weit her. Und so sagt auch die physische Astronomie:
Es kommt von sehr weit her und geht auch wiederum sehr weit
fort. — Aber weil gewisse Kometen periodisch wiederkehren, so kann
die physische Astronomie nicht anders denken, als daB diese Ko-
meten, die doch von sehr weit her kommen, dann durch unser
System durchgehen und wieder verschwinden, dafi sie eben einen
recht weiten Weg machen im Weltenraum und dann wieder zuriick-
kommen. Anders kann sich das die materialistische Astronomie
nicht vorstellen. Der okkulte Blick zeigt uns, daB der Komet in
der Tat da, wo er dem physischen Blick ungefahr entschwindet,
sich aufldst und jetzt seinen Weg durch eine Welt nimmt, die nicht
innerhalb der gewohnlichen drei Raumdimensionen begrenzt ist.
Er ist gar nicht vorhanden innerhalb der gewohnlichen Welt. Er
verschwindet in der Tat nach der einen Seite und erscheint wieder-
um von der anderen Seite. Er ist gar nicht da in den Zwischen-
raumen. Er verschwindet nach der einen Seite und bildet sich von
der anderen Seite her neu. Das ist natiirlich eine Vorstellung, mit
der die materialistische Astronomie nichts anzufangen weiB, da sie
doch nicht daran denken kann, daJ3 der Komet, der da wiederum
erscheint, inzwischen nicht dagewesen sein soil. Der Anthroposoph
solite mit solchen Dingen schon etwas anzufangen wissen, denn
er weiB ja, daB zum Beispiel tatsachlkh die Aufeinanderfolge phy-
sischer Leiber der Menscheninkarnationen in gewisser Beziehung
von der Kraftseite her auch ein Ganzes bildet und doch physisch nicht
zusammenhangt. Also kurz, mit Ausnahme einiger weniger Ko-
meten, die wirklich langgestreckte, elliptische Bahnen haben, ist
der meiste Teil der Kometen so gestaltet, daB der Komet von der
einen Seite her kommt und nach der anderen verschwindet, und
wenn er wiederkommt, hat er sich eben neu gebildet. Warum?
Weil, indem er sich annahert, er Anziehungskraft ausiibt — er ist
zunachst bloB eine Art geistigen Kraftzentrums, er bildet sich nur
dadurch, daB dieses geistige Kraftzentrum alles von schadlichen
Astralstromungen anzieht und um sich herum entwickelt. Wir wer-
den in den nachsten Stunden noch horen, warum er Schweif und
Kern zeigt gerade unter dem EinfluB dieses Heranziehens der schad-
lichen Astralitat. Immer mehr und mehr zieht er an sich heran,
wahrend er durch das Planetensystem geht. Indem er nach der
anderen Seite fortgeht, tragt er das so lange mit, bis er hinauskommt
aus dem Bereich des Planetensystems, dann wirft er das in den
Weltenraum hinaus. Dann bildet sich das Kraftzentrum, ohne daB
es den dreidimensionalen Raum braucht, am anderen Pol wieder,
nimmt wiederum die schadlichen Stoffe auf und wirft sie nach der
anderen Seite aus. So daB wir das Kometenleben als etwas anzu-
sehen haben, was fortwahrend wie Gewitter im Planetensystem
reinigend wirkt. Indem der Komet durchfahrt durch das Planeten-
system, werden die Schadlichkeiten innerhalb des Planetensystems,
die hervorgerufen worden sind durch die schadlichen astralischen
Ausstrahlungen der Wesen, aus dem Planetensystem fortzuschaffen
versucht. Da haben wir allerdings in dem Kometenleben etwas,
wofiir wir zunachst nicht solch eine Analogie am Menschen selber
angeben konnen wie den physischen Leib und Atherleib. Physischer
Leib des Planetensystems ist die Gesamtheit der Planeten, Ather-
leib das, was ausstrahlend vom Fixstern das Planetensystem durch-
stromt; aber fur den physisch herumwandelnden Menschen haben
wir audi nicht die Sache so, daB er seinen Leichnam mitschleppt.
Das Planetensystem schleppt seinen Leichnam mit. Auf der anderen
Seite hat es die Einrichtung, das schlimme Astralische abzusondern
durch seine Kometen.
Wenn wir nun das, was nur der Maja nach im Kometen vor-
handen ist, was aber drinnen an Kraften wirksam ist, studieren,
dann ist es tatsachlich so, daB wir mit dem, was wir im Laufe dieser
Vortrage kennengelernt haben, auBerordentlich schwer zurecht-
kommen. Ich habe Ihnen charakterisiert, wie man hinaufkommt
zu den Thronen, zum Beispiel, daB man da eigentlich nur das Hilfs-
mittel hat, den menschlichen Willen zu studieren. Dann kann man,
wenn man dieses Studium des Willens mit den okkulten Mitteln
unternimmt, sich erheben bis zu den Thronen. Von all dem ist in
den Kometen gar nichts zu finden, nichts von den Geistern der
Weisheit, nichts von den Thronen. Wir finden, wenn wir den
Kometen selber anblicken, gar nichts, was anders erreichbar ware
als dadurch, daB wir jene Methoden anwenden, die in den letzten
Tagen von mir als okkulte Methoden angefiihrt worden sind.
Solche Methoden also, die davon ausgehen, daB wir einen Men-
schen verfolgen, der nicht bloB ein denkender, fuhlender und wol-
lender Mensch ist, sondern der uns eine besondere Impression geben
kann. Wir haben diese Impression so geschildert, daB wir sie ge-
winnen, wenn wir einen Menschen, der eine jahrzehntelange, reiche
Lebenserfahrung hinter sich hat, mit seiner Weisheit als Extrakt
dieser Lebenserfahrung auf uns unmittelbar wirken lassen, so daB
diese Weisheit mehr bewirkt, als man durch Griinde logischer Art,
bloB verst'andiger Art bewirken kann. Das eigentlich Uberzeugende
einer Weisheit aus der Menschenerfahrung spricht, durch den
okkulten Blick wahrgenommen, so, daB tatsachlich das Spirituelle
dadurch geschaut werden kann; das gibt dem okkulten Blick erst
eine Vorstellung der Cherubim. Und wenn wir diesen okkulten
Blick heranschulen an dem unmittelbar Uberzeugenden, das nun
selbst das ungesprochene Weistum, Krafttum eines solchen Men-
schen hat, wodurch er das, was er als Lebenserfahrung gewonnen
hat, bis in den Blick hineinbringt, dann konnen wir ein Verstandnis
gewinnen fur die Impression, die wir haben miissen fur die Sphare
der Seraphim. Aber die Impression, die wir so haben konnen, fiihrt
uns noch nicht zu der Betrachtung des Geistigen hinter den Kometen.
Alles das niitzt nichts, um den Kometen okkult zu studieren. Nur [je-
ne erwahnten] zwei Mittel, die zu der [Vorstellung vom Wesen der]
Cherubim und Seraphim fuhren, konnen uns Aufschlufi geben iiber
die Kometen. Die Sphare der Kometen reicht bis zu der Sphare der
Cherubim [und Seraphim]; wir miissen also erst wissen, worin das
Wesen der Seraphim und Cherubim besteht, um zu verstehen, was f iir
einen Sinn Substanz und Bewegung der Kometen haben.
Die Evolution innerhalb der Kometen ist also abhangig von den
Wesenheiten der hoheren Hierarchien bis herunter zu den Cheru-
bim. Die Evolution innerhalb des Fixsterns, von den Wesenheiten
der hoheren Hierarchien bis herab zu den Geistern der Weisheit,
die Entwickelung des Planeten selber, abgesehen von dem Men-
schen, der ihn bewohnt, ist abhangig von den Kraften, die ausgehen
von den Wesenheiten der hoheren Hierarchien bis herab zu den
Geistern der Form. Und dasjenige, was auf dem Mond wirkt, ist
abhangig von den Kraften, welche von den hoheren Hierarchien
ausgehen bis herunter zu der Sphare der Erzengel. So haben wir
von verschiedenen Seiten her das Leben eines Planetensystems be-
schrieben und konnen auf dieser Grundlage an den nachsten Aben-
den weiterbauen. Allerdings miissen wir beriicksichtigen, daB wir
gerade an einer solchen Sache im eminentesten Sinne sehen, wie
man mit bloB schablonenhaften Definitionen nicht auskommt. Wie
oft wird gesagt, daB jeder Mikrokosmos einem Makrokosmos ent-
spricht! Man kann den Menschen einen Mikrokosmos nennen, ein
Sonnensystem im kleinen. Wenn man aber davon sprechen will,
daB eine Entsprechung da ist, so muB man nicht bei diesen ab-
strakten Aussagen stehenbleiben, sondern man muJ3 auf das kon-
krete Verhaltnis so weit eingehen, dafi man weifi: uberall in der
Welt haben solche schablonenhafte Schilderungen nur einen an-
nahernden Wert. Und wenn wir beginnen, den mikrokosmischen
Menschen von unten herauf , vom physischen Leibe ab, als unmittel-
bar vor uns stehendes Wesen zu schildern, so miissen wir beim
Planetensystem schon vom Leichnam an schildern und finden in
dem physischen System dann auch die Substanzen der Kometen-
korper, die der aufiere Ausdruck sind fiir die reinigenden astra-
lischen Gewitter innerhalb des Planetensystems.
ACHTER VORTRAG
Helsingfors, 11. April 1912
Es wird gut sein, gleich im Beginne des heutigen Vortrags dariiber
zu sprechen, inwiefern iiberhaupt fur das menschliche Anschauen,
fur die menschliche Wahrnehmung und Erkenntnis der physische
Kosmos eine Bedeutung hat, das physische Weltsystem, das wir
gestern in bezug auf seine Teile — wenigstens in bezug auf einzelne
seiner Teile — einer Betrachtung unterzogen haben. Wir haben
gestern von dem Kometenleben, dem Fixsternleben, dem solarischen
Leben, von dem planetarischen und dem lunarischen, dem Leben
der Monde gesprochen. Wenn man so vom Standpunkte des ge-
wohnlichen Bewufitseins aus von diesen Himmelskorpern spricht,
so meint man ja natiirlich nur die Himmelskorper, die das Auge
wahrnimmt. Nun haben wir im Laufe unserer Vortrage eigentlich
dieses System von Himmelskorpern, man konnte sagen, ersetzt
durch etwas anderes. Wir haben es ersetzt durch die Betrachtung
entsprechender geistiger Wesenheiten, die wir als die Glieder der
verschiedenen Hierarchien anerkannt haben. Vielleicht wird das-
jenige, was eigentlich damit hat gesagt sein sollen, noch klarer,
wenn wir folgendes erwahnen. Wir haben als die unmittelbar uber
den Menschen stehende Kategorie von Wesenheiten die Angeloi
oder Engelwesenheiten gefunden. Wir haben audi gezeigt y wie
eigentlich der Mensch, wenn er zu einer Anschauung der geistigen
Welt, der iibersinnlichen Welt kommen will, sich gewissermaflen
hinauforganisieren muB zu dieser nachsten Wesenheit, die liber ihm
steht, wie er gleichsam lernen muB, mit der Wahrnehmungsart des
Engels oder der Angeloi die Welt anzusehen. Nun konnen wir ja
auch die Frage aufwerfen: Wenn nun solch ein Wesen der nachst-
hoheren Kategorie innerhalb der Rangordnung unserer Hierarchien
in seiner Wahrnehmung, die wir Offenbarung nennen, sich ein Be-
wuBtsein von dem Kosmos erwirbt, wie sieht dann fur ein solches
Wesen der Kosmos aus? Wenn wir diese Frage beantworten, dann
wird uns noch klarer werden, was eigentlich hat gesagt werden
sollen. Ein solches Engelwesen wiirde namlich drauBen im Kosmos
von all dem, was wir sehen und wovon wir ja wissen, daB es eine
Maja, eine Illusion ist, was wir nur hervorrufen durch mensch-
liches Anschauen, in einer solchen Weise nichts sehen. Das mussen
wir uns ganz klar vor die Seele stellen. Aber ein Engelwesen wiirde
dafiir sehen oder wahrnehmen in seiner Art, so wie wir es beschrie-
ben haben, das verschiedene Zusammenwirken der Wesenheiten
der Hierarchien, das wir angefuhrt haben. Statt daB ein solches We-
sen davon sprechen wiirde, daB da oben der Mars ist, wiirde es viel-
mehr sagen: Da oben wirken zusammen in der Weise, wie wir das
charakterisiert haben, diese oder jene Wesenheiten der hoheren
Hierarchien. — Das heiBt, fur diese Wesenheiten, fur die Engel oder
Angeloi, wiirde unmittelbar das ganze kosmische System als eine
Summe von geistigen Wirksamkeiten erscheinen. Ja, als was wiir-
den denn einem solchen Wesen unsere fur unsere Augen sichtbaren
Planeten und andere Himmelskorper erscheinen?
Wir diirfen iiber diese Dinge reden aus dem Grunde, weil wir ja
von der ganzen ubersinnlichen Welt, die dem Planetensystem oder
dem Himmelssystem, dem Kosmos uberhaupt zugrunde liegt, gar
nicht sprechen konnten, wenn wir uns nkht durch okkulte Schu-
lung gewissermaBen kunstlich hineinversetzen konnten in die An-
schauungsweise eines solchen Wesens. Denn hellsichtig sein heiBt
nichts anderes, als in sich die Moglichkeit hervorrufen, die Welt so
zu sehen, wie ein solches Wesen die Welt sieht. Also auch fur das
hellsichtige BewuBtsein verschwinden eigentlich die Formen, diese
Lichtformen der gewohnlich fur das Auge sichtbaren Himmels-
korper. Die sind nicht mehr da, die verschwinden. Dagegen be-
kommt das hellsichtige BewuBtsein und also, wie gesagt worden ist,
auch das BewuBtsein eines solchen Engelwesens doch auch einen
Eindruck von dem, was dem physischen Himmelskorper entspricht.
Den Mond, den Mars, so wie sie ein Erdenbewohner sieht, kann
das hellsichtige BewuBtsein nicht wahrnehmen, denn das ware ja
physisch gesehen, aber wissen kann das hellsichtige BewuBtsein
dennoch von dem, was da ist. Nun mochte ich Ihnen eine Vorstel-
lung davon hervorrufen, wie das, was das hellsichtige BewuBtsein
von einem solchen Himmelskorper weiB, geartet ist.
Sie konnen skh, allerdings zunachst theoretisch, denn das Prak-
tische ergibt erst die okkulte Schulung, eine Vorstellung davon
machen, wenn Sie sich einmal vor Augen stellen, was in Ihrer
Seele ein Gedachtnisbild ist, eine Erinnerung, ein Vorstellungsbild
von dem, was Sie gestern oder vorgestern erlebt haben. Nicht wahr,
dieses Vorstellungsbild, das in Ihrer Seele liegt, das unterscheidet
sich von dem Vorstellungsbild einer Sache, die gerade vor Ihren
Augen steht. Die sehen Sie mit aller nur notwendigen Intensitat.
Wenn Sie sich morgen erinnern an diese Rose, dann haben Sie das
Erinnerungsbild von dieser Rose. Machen Sie sich nun klar, wie
sich in Ihrem Gemiite, in Ihrer Seele das bloBe Erinnerungsbild
von demjenigen unterscheidet, was als Wahrnehmungsbild durch
den unmittelbaren Eindruck entsteht, dann haben Sie die Moglich-
keit zu verstehen, wie das hellsichtige BewuBtsein die Himmels-
korper wahrnimmt. Es versetzt sich also hellseherisch in die Welt,
und wenn es sich zum Beispiel in den Mars, in den Mond versetzt,
so weifi es unmittelbar nicht, was jetzt vor dem Auge erscheinen
wiirde, wenn man den Himmelskorper physisch betrachten wiirde,
aber es hat durch dieses Sichversetzen etwas in sich, was man nicht
anders bezeichnen kann als ein Erinnerungsbild, als ein Gedachtnis-
bild. Und so ist es mit allem, was uns fur das gewohnliche normale
BewuBtsein im Kosmos als physische Himmelskorper entgegentritt.
Fur das hellseherische BewuBtsein stellt sich das alles so dar, daB
wir unmittelbar wissen: Das alles, was uns da erscheint, das ist
eigentlich etwas Vergangenes, das ist etwas, was voiles Leben in
der Vergangenheit gehabt hat, und so, wie es in der Gegenwart ist,
ist es eigentlich nicht in seiner urspriinglichen lebendigen Gestalt
uns erscheinend, sondern vergleichsweise so wie ein Schneckenhaus,
aus dem die Schnecke fort ist. Das ganze physische System von
Himmelskorpern ist ein Zeugnis fur lauter Vergangenheiten, fur
lauter vergangene Geschehnisse. Wahrend wir auf unserer Erde mit
den Dingen gleichzeitig sind, die vor unsere physischen Augen tre-
ten, ist das, was wir im gestirnten Himmel sehen, weil es nicht
einen Zustand darstellt, der der lebendigen Gegenwart entspricht,
erst recht eine Maja, es stellt etwas dar, was eigentlich seine voile
Bedeutung in der Vergangenheit hatte und zuriickgeblieben ist. Die
physische Himmelskorperwelt stellt die Reste vergangener Taten
der entsprechenden Wesenheiten der Hierarchien dar, die nur noch
in ihrer Nachwirkung hereinreichen in die Gegenwart.
Wir wollen die Sache noch genauer betrachten, indem wir ver-
suchen, auf ein konkretes Beispiel einzugehen. Wenn wir unseren
Erdenmond betrachten, dann hat das hellsichtige BewuBtsein, das
von allem iibrigen abstrahiert und sozusagen sich nur dem Monde
gegeniiberstellt, den eigentumlichen Eindruck, daJ3 der auBere phy-
sische Mond verschwindet und an dessen Stelle etwas tritt, was
einen Eindruck macht, wie man ihn gegeniiber einer Erinnerungs-
vorstellung hat. Man hat den Eindruck, daB uns das, was da dem
physischen Auge sonst erscheint — was ja natiirlich physisch da ist,
aber alles Physische ist eben eine Maja — , im Grunde genommen
den Eindruck erzahlt von einer Vergangenheit, wie uns auch eine
Erinnerungsvorstellung von einer Vergangenheit erzahlt. Und las-
sen wir das alles auf uns wirken, was da jetzt beginnt, uns von
einer Vergangenheit zu erzahlen, so sagt uns der Eindruck: Wenn
das, was da eigentlich vor unser okkultes Auge tritt, so wie es da
auftritt, wirken wtirde, wenn es nicht durch andere Dinge in seiner
Wirkungsweise paralysiert wurde, dann konnte durch die Nachbar-
schaft dessen, was wir da am Monde wahrnehmen, unsere Erde
iiberhaupt nicht in ihrer gegenwartigen Gestalt bestehen. Der
Mond erzahlt uns etwas fur das okkulte BewuBtsein, was nicht
geschehen diirfte, so wie es sich darstellt, wenn unser Erdenleben
iiberhaupt moglich sein soil. Wenn dasjenige, was sich uns da dar-
stellt, nicht, ich mochte sagen, paralysiert wtirde durch andere
Dinge, so wurde zum Beispiel der Mensch durch das, was in bezug
auf den Mond uns der Planet selber erzahlt, in seinem jetzigen
Leben gar nicht moglich sein. Dagegen wtirde das gegenwartige
Tierleben auf der Erde, auch das Pflanzenleben und das Wirken
innerhalb der mineralischen Welt nicht besonders beeintrachtigt.
Gewisse Wesenheiten allerdings aus dem tierischen und dem pflanz-
lichen Reich wiirden ander e Gestalten haben miissen, das erkennen
wir unmittelbar durch die Krafte, die mit aller Vehemenz auf uns
wirken vom Mond herunter, aber im wesentlichen ware doch tie-
risches, pflanzliches und mineralisches Leben auf unserer Erde mog-
lich, nicht aber das menschliche Leben. Es erzahlt uns also der Mond,
indem er so vor uns hintritt, von einem Zustand, der, wenn er wirk-
sam ware, das menschliche Leben auf der Erde ausschlieBen wiirde.
Sie bemerken, meine lieben Freunde, ich versuche die Dinge
moglichst konkret zu schildern, so wie sie sich der Anschauung
durch den okkulten Blick ergeben. Ich mochte nicht in abstrakten
Schemen sprechen; damit kann man alles mogliche erzahlen. Ich
mochte so die Dinge darstellen, wie sie sich fur den okkulten Blick
ausnehmen. Der Eindruck, den man da erhalt, der laJ3t sich nur mit
folgendem vergleichen. Wenn in einem Menschen, der, sagen wir,
dreiBig Jahre alt ist, plotzlich auftreten wiirden all die Vorstellun-
gen, welche er gehabt hat, als er funfzehn Jahre alt war, und wenn
all die Vorstellungen schweigen wiirden, die er seit seinem fiinf-
zehnten Jahre in seiner Seele hat verarbeiten konnen, dann wiirde
er gleichsam objektiviert, seinem eigenen BewuBtsein gegeniiber-
gestellt, seine innere Seele im fiinfzehnten Lebensjahre vor sich
haben. Aber er wiirde sich sagen miissen: Wenn ich jetzt nur das in
mir hatte, was damals der Inhalt meiner Seele war, ja, dann konnte
ich alles das nicht denken, was ich jetzt denke, dann ware ich tiber-
haupt nicht moglich in dieser Seelenverfassung, in der ich jetzt bin. —
Zuriickgeschraubt um funfzehn Jahre wiirde sich der Mensch vor-
kommen, und er wiirde sich klarsein dariiber, daB alles das, was er
da erlebt als Inhalt seiner Seele im fiinfzehnten Lebensjahr, seinen
jetzigen Menschen nicht bewirken wiirde, daB das aber zu tun hat
mit dem, wie er geworden ist. So sehen Sie, daB wir allerdings in
einer gewissen Weise den Eindruck charakterisieren konnen, den
wir vom Mond erhalten. Wir konnen sagen, wir haben unmittel-
bar die Impression: Du hast etwas vor dir, was dir eigentlich keine
Gegenwart anzeigt, sondern was dir spricht von einer Vergangen-
heit, und wie du dir, wenn du mit dreiBig Jahren nur wahrnehmen
konntest deinen Seeleninhalt vom fiinfzehnten Lebensjahre, alles
wegdenken muBtest, was in den letzten fiinfzehn Jahren aus dir
geworden ist, so muBt du dir jetzt wegdenken die Moglichkeit, daB
iiberhaupt eine Erde ist. — Denn die Erde, so wie sie jetzt ist, die die
Bedingungen des Menschenlebens enthalt, ist nicht moglich, wenn
sich das realisieren wiirde, als was sich da der Mond darstellt. Da-
durch nun, daB diese Impression fur den hellseherischen Blick ein-
tritt, ist es iiberhaupt erst moglich, diesen hellseherischen Blick so
zu schulen, daB man einen Begriff, eine Vorstellung bekommen
kann von dem, was da war, bevor eine Erde moglich gewesen ist.
Denn das, was man da sieht, war moglich vor der Erde, und das,
was spater zur Erde gefuhrt hat, das ist erst moglich geworden, als
der Zustand, den man da erblickt, verschwunden war.
Ich habe Ihnen jetzt geschildert, was der Hellseher tun muB,
um, wie man sagt, in der Akasha-Chronik zuruckzukomrnen zu
einem friiheren Zustande unseres Planetensystems, denn dadurch,
daB man den hellseherischen Blick auf den Mond fixiert hat, hat
man einen friiheren Zustand unseres Planetensystems festgehalten.
Und wenn man den nun zu schildern versucht, dann kann man
sagen, wie es sich mit unserem Planetensystem verhielt, bevor es
unsere jetzige Erde gegeben hat. Und weil man so vorgehen muB,
daB man den Zustand vor der Entstehung unserer gegenwartigen
Erde dadurch erkennen lernt, daB man dasjenige fixiert, was im
Mond gedachtnismaBig erhalten geblieben ist, deshalb ist man
gewohnt geworden, den Vorfahrenzustand unseres Erdenzustandes
auch einen Mondzustand zu nennen. Allerdings, einen vollen Auf-
schluB iiber die ganze Sachlage bekommt man erst dann, wenn
man aus dem hellseherischen Zustand, den man da entwickelt hat,
um zu einer Art Erinnerungsbild des Planetensystems zu kommen,
wiederum iibergeht in den gewohnlichen BewuBtseinszustand und
sich versucht klarzumachen, worin der Unterschied besteht. Der
Unterschied besteht dann darin, daB man versuchen muB, die bei-
den Impressionen miteinander irgendwie in Einklang zu bringen,
und dieses Ineinklangbringen ist nur dadurch moglich, daB man
iiberhaupt zunachst absieht von dem Mond. Denn der gewohnliche
auBere Blick des normalen BewuBtseins sagt uns ja nicht viel iiber
den Mond. Sie wissen zwar, dafi die auBere Astronomie mancherlei
versucht iiber den Mond zu erkunden, aber im allgemeinen sagt
die auBere Beobachtung ja nicht viel. Wir miissen vielmehr zum
Vergleich eine gewisse hellseherische Beobachtung unserer eigenen
Erde heranziehen, so wie sie gegenwartig als der Himmelskorper
ist, auf dem wir selber herumwandeln. Wenn wir alles Physische
ausschlieBen, was uns in den verschiedenen Reichen der Natur vor
das Auge tritt, und hellseherisch unsere Erde betrachten, dann zeigt
sich uns, dafi diese Erde, die ja als physischer Planet unmittelbar
unter und um uns ist, sich wie ein fortentwickelter Zustand dessen
erschlieBt, was als Mond vorhanden war. Und wenn wir dann die
beiden Impressionen vergleichen, dann konnen wir uns fragen:
Wie ist der eine Zustand aus dem anderen geworden? Und dann
bekommen wir, ich mochte sagen wie von selbst, vor den hell-
seherischen Blick hingestellt die Arbeit, die geleistet worden ist, um
einen alten Zustand unserer Erde, den wir eben charakterisiert
haben als den Mondzustand, iibergehen zu lassen in unseren gegen-
wartigen Erdenzustand. Wir bekommen dann namlich die Impres-
sion, dafi diesen Ubergang bewirkt hat eine derjenigen geistigen
Wesenheiten oder eine Anzahl derselben, die wir in der Hierarchien-
ordnung genannt haben die Geister der Form. So bekommen wir
die Moglichkeit, in das Werden des Planeten, in seine fruheren Zu-
stande einzudringen. Die Frage ist nun: Konnen wir noch weiter
zuriickblicken? Wir miissen diese Betrachtungen schon anstellen
aus dem Grande, weil wir nur dadurch die geistigen Wesenheiten,
die beteiligt sind an diesen Himmelskorpern, im richtigen Sinne
verstehen werden.
Wir miissen nun als einen zweiten Versuch hellseherischer Be-
obachtung noch einmal absehen von unserer Erde, auch absehen
von unserem Monde, iiberhaupt von allem Mondhaften im ganzen
Planetensystem, und, soweit wir das konnen, uns in den Zustand
eines anderen Planeten oder einer Reihe von anderen Planeten ver-
setzen und diese Zustande miteinander vergleichen. Wohlgemerkt,
kh erzahle jetzt wirkliche Tatsachen, die im hellseherischen Be-
wuBtsein auftreten konnen. Es kann der hellseherische Blick, wenn
audi vielleicht nicht gleichzeitig — das lassen manchmal die Um-
stande nicht zu — , gerichtet werden auf andere Planeten unseres
Planetensystems, und er kann kennenlernen, was sich ihm als Ein-
druck, als Impression ergibt von anderen Planeten unseres Planeten-
systems. Wenn man so einen oder den anderen Planeten oder meh-
rere betrachtet, dann ergibt sich noch nicht sonderlich viel, da
bekommt man noch keine klare Vorstellung. Man bekommt aber
sofort eine klare Vorstellung, wenn man in einer gewissen Weise
mit seinen hellseherischen Eindriicken vorgeht. Ich will wiederum
einen Vergleich wahlen, damit uns das klarwerden kann, was ich
eigentlich sagen will. Nehmen Sie einmal an, Sie wiirden sich an
etwas erinnern, was Sie in Ihrem achtzehnten Lebensjahr erlebt
haben, und Sie wiirden sich sagen: Aber in meinem achtzehnten
Lebensjahre, da habe ich eben diesem Erlebnis gegeniiber einen
Standpunkt eingenommen, zu dem ich damals reif war. Ich werde
vielleicht iiber die Sache klarerwerden, wenn ich mich noch an ein
anderes Erlebnis erinnere. Ich habe ja iiber dieselbe Tatsache, an die
ich mich da erinnert habe, etwas in meinem funfundzwanzigsten
Jahre erlebt. Ich will einmal die beiden Eindriicke miteinander
vergleichen. — Versuchen Sie sich einmal klarzumachen, was Sie da-
durch gewinnen im Leben, wenn Sie dieselben Dinge, die aus-
einanderliegen im Leben, miteinander vergleichen. Sie bekommen
dann einen Gesamteindruck, wo immer das eine das andere be-
leuchtet, eins das andere aufklart. Sie werden bei einem solchen
Vergleichen eine Art arithmetischen Mittels bilden und eigentlich
etwas ganz Neues hervorrufen an Vorstellungen aus dem Zusam-
menwirken Ihrer beiden Erinnerungsvorstellungen. So muB es der
Hellseher machen, wenn es ihm gelungen ist, den hellseherischen
Blick beeindrucken zu lassen, sagen wir, vom Mars, vom Merkur,
von der Venus, von dem Jupiter und so weiter. Und er muB nun
diese einzelnen Impressionen nicht als solche betrachten, sondern
er muB diese einzelnen Impressionen miteinander vergleichen, auf-
einander wirken lassen, sie miteinander in Verhaltnis und Be-
ziehung bringen. Wenn man sich dieser Arbeit unterzieht, dann
bekommt man wiederum den Eindruck: Mit dem, was man da
durch Verglekhung dieser Impressionen gewonnen hat, hat man
wiederum etwas wie eine Erinnerungsvorstellung des Planeten-
systems vor sich. Es ist wieder kein Zustand, der in der Gegenwart
moglich ist, aber ein Zustand, der in der Vergangenheit moglich
sein muB, denn er driickt sich aus wie etwas, das in derselben Weise,
wie ich das vorhin fur den Mondzustand geschildert habe, Ursache
ist zu demjenigen, was jetzt im Planetensystem besteht.
Nun hat dieser Eindruck, den man auf diese Weise bekommt,
wirklich umfassende Eigentiimlichkeiten. Was man so, ich mochte
sagen, mit scheinbar recht trockenen Vorstellungen erzahlen muB,
das gehort eigentlich zu den allererhabensten Impressionen, die
man uberhaupt haben kann. Und wenn man sagen sollte, worin
das Charakteristische dieses Eindrucks besteht, so kann man wieder
nur einen Vergleich wahlen. Ich muB gestehen, ich konnte Ihnen
nicht gut irgend etwas anderes anfiihren als das, was ich jetzt an-
fiihren werde, wenn die Impression geschildert werden soli, die
man auf die geschilderte Weise erhalt.
Ich weiB nicht, ob Sie schon im gewohnlichen physischen Leben
einmal den folgenden Eindruck gehabt haben. Nicht wahr, Sie
haben ganz gewiB schon zuweilen geweint, waren zum Weinen
traurig und mitleidsvoll mit Wesenheiten, die im physischen Leben
urn Sie herum sind. Aber man kann auch noch einen anderen Ein-
druck haben. Es gibt gewiB viele unter Ihnen, die jenen Eindruck
kennen, der bisweilen kommt, wenn man eine hinreiBende, ergrei-
fende Schilderung in einem Kunstwerk, in einem Roman zum Bei-
spiel vor sich hat und eine Szene liest, von der man, wenn man nur
ein wenig sich besinnt, sogleich weiB, man hat ja keine Realitat
vor sich, aber die vollsten Tranen quellen aus den Augen. Man
kommt nicht in die Gelegenheit, nachzudenken daniber, ob man
eine Realitat vor sich hat oder nicht, sondern man nimmt das, was
einem nur geschildert wird, was man nur in Gedanken, in der
Empfindung aufnimmt, so, daB es wie eine Realitat wirkt, daB es
aus uns Tranenstrome herauspreBt. Wer jemals diesen Eindruck
gehabt hat, der hat ein wenig eine Vorstellung davon, was es heiBt,
durch ein Geistiges, bei dem man gar nicht in die Verlegenheit
kommt zu fragen, ob eine sinnliche Realitat zugrunde liegt, wie
inspiriert zu einer Impression zu kommen, zu einer solchen Impres-
sion, bei der man gar nicht nach irgend etwas anderem fragt, als
was einen ergreift und zusammenfiihrt mit sich selber, wovon man
nur innerlich erfullt ist und dennoch auch erfullt wie von irgend-
einem normalen Wahrnehmungsakt des normalen BewuBtseins.
Von soldi einer Impression muB man sprechen, wenn man den
Zustand schildern will, der einen iiberkommt, wenn man die Im-
pressionen, die das hellseherische BewuBtsein von den einzelnen
Planeten erhalt, miteinander vergleicht. Da ist alles, was man erlebt,
so, daB es nur durch unser Inneres wirkt, wie ein seelischer Ein-
druck. Und man bekommt dann einen ganz realen Begriff von dem,
was eigentlich eine Inspiration ist, wenn man Dinge weiB, fur die
es nur einen Impuls des Wissens von innen aus gibt. Niemand
versteht zum Beispiel den Inhalt der Evangelien wirklich, der sie
nicht vergleichen kann in bezug auf ihren Eindruck mit einem sol-
chen Eindruck, wie er jetzt eben geschildert worden ist. Denn die
Evangelien sind aus Inspirationen heraus geschrieben; nur muB
man dann auf ihre urspriinglichen Texte zuriickgehen. Aber noch
viel groBartiger und gewaltiger ist der Eindruck, den man auf die
geschilderte Weise durch eine Vergleichung der Impressionen von
den einzelnen Planeten aus erhalt.
Das ist das eine, was ich iiber diesen Eindruck sagen mochte. Das
zweite ist, daB man diesen Eindruck nicht ungestort und ungehemmt
bekommen kann, wenn man nicht fahig ist, wenigstens fur Augen-
blicke — es ist ja in unserem gegenwartigen Zeitenzyklus fiir langer
als fiir Augenblicke kaum jemand dessen fahig — restlos nur Mitleid
und Liebe zu fiihlen, restlos den Egoismus ganz aus der Seele zu
verdrangen, denn jeder Grad von Egoismus, mit dem sich dieser
Eindruck vereinigt, wirkt sogleich betaubend, und man bekommt
sogleich statt dessen, was ich geschildert habe, einen Zustand wie
Betaubung, wie Niedergeschlagenheit des BewuBtseins. Das Be-
wuBtsein verdunkelt sich dann sofort. Daher gehort es zu gleicher
Zeit zu den seligsten Erlebnissen, solch einen Eindruck zu be-
kommen.
Wenn man nun das Gliick hat, solch einen Eindruck zu bekom-
men, dann stellt sich etwas ganz Eigentiimliches ein. Man mag
dann tun, was man will: Es ist die Sonne nicht mehr als Sonne
aufzufinden fur das BewuBtsein. So wie die Sonne fur andere Zu-
stande des BewuBtseins aufzufinden ist, so ist sie nicht mehr auf-
zufinden. Die Sonne hort auf, etwas Abgesondertes zu sein. Nur
erst, wenn wir uns ein wenig zurechtfinden, dann bekommen wir
den Eindruck: Wir haben ja da etwas vor uns, einen Zustand, fur
den eine abgesonderte Sonne eigentlich keinen Sinn mehr hat. Denn
das Ganze, was da vor unsere okkulten Augen tritt, das konnen wir
wiederum nur haben, wenn wir von unserem ganzen heutigen Pla-
netensystem absehen und uns einstellen auf unsere gegenwartige
Sonne, das heisst, wenn wir den physischen Eindruck auch der Sonne
tilgen. Man kann das ja am besten tun, wenn man versucht, den
okkulten Eindruck von der Sonne nicht bei Tag zu haben, sondern
bei Nacht. Fur den okkulten Eindruck ist natiirlich die Tatsache,
daB bei Nacht die physische Erde vor der Sonne steht, kein Grund,
keine Impression von der Sonne zu haben, denn die physische Erde
ist zwar etwas Undurchsichtiges fur physische Augen, aber nicht fur
die okkulten Augen. Im Gegenteil, wenn man bei vollem, hellem
Tageslicht versucht, den okkulten Blick auf die Sonne zu richten, so
sind die Storungen doch so groB, daB man kaum ohne physische
Schadigung zu einem guten okkulten Eindruck von der Sonne ge-
langen kann. Daher ist auch in den alten Mysterien gar nicht ver-
sucht worden, die Schiller etwa bei Tag zu einem okkulten Eindruck
von der Sonne kommen zu lassen, sondern man hat sie so unter-
wiesen, daB sie okkult die Sonne gerade dann kennenlernten in
ihrer Eigentumlichkeit, wenn sie fur das physische Auge am wenig-
sten zu sehen ist, namlich um Mitternacht. Sie sind angeleitet wor-
den, durch die physische Erde hindurch gerade um Mitternacht den
okkulten Blick auf die Sonne zu richten. Daher finden Sie unter den
mancherlei Beschreibungen, die geblieben sind von antiken Myste-
rien, unter den Dingen, die heute meist nicht verstanden werden,
zum Beispiel in den agyptischen Mysterien, den Satz: Der Schiiler
muB die Sonne um Mitternacht sehen.
Was alles ist von dilettantischer Seite aufgebracht worden, um
durch allerlei nette und liebenswiirdige Symbole zu erklaren, was
es heiBt, die Sonne um Mitternacht sehen. Gewohnlich hat man
keine Ahnung, daB man am rkhtigsten die Dinge versteht, die in den
okkulten Schriften mitgeteilt sind, wenn man so wenig als moglich
sich bemiiht, sie symbolisch auszudeuten, sondern wenn man sie so
wortlich als moglich nimmt. Und zu den symbolischen Ausdeutun-
gen fiihlt sich gewohnlich nur der Mensch der neueren Zeit ver-
anlaBt, weil das gegenwartige BewuBtsein nicht mehr recht ein-
gestellt ist auf ein Verstandnis dieser alten Tatsachen. Fiir diejeni-
gen, die genauer nachdenken, sollte iiberall klarsein, daB man in
alten Schriften recht sehr gewohnt war, genau zu sprechen. Ich
mochte da nur gleichsam wie in Parenthese auf eines aufmerksam
machen, was in dem vorgestrigen offentlichen Vortrag hatte ein-
gefiigt werden konnen bei der Betrachtung der Kriemhilde. Es wird
ja erzahlt, sie habe, nachdem Siegfried tot war, den Nibelungen-
hort fiir sich gehabt und hatte Gutes damit getan, und dann hatte
ihn Hagen ihr genommen und in den Rhein versenkt, und als sie
ihn spater wieder forderte von Hagen, unten bei dem Konig Etzel,
da verriet er ihr den Ort nicht, wo er lag. Ja, sehen Sie, diese Stelle
steht ausfuhrlich in der Nibelungensage, um Licht zu verbreiten
iiber gewisse Dinge. Ich habe bei symbolischen Erklarern der
Nibelungensage wahrhaft geistvolle, ubergeistvolle Auseinander-
setzungen gefunden, die erzahlen sollten, was alles das zu bedeuten
hat. Bei dem einen sollte der Nibelungenschatz dies, bei dem ande-
ren jenes bedeuten. Ich gestehe, es wirkt manchmal iiberwaltigend
geistvoll, was aufgebracht wird zu solchen Erklarungen. Meistens
wird der Nibelungenschatz als Symbol fiir dieses oder jenes Gei-
stige erklart. Erstens ist es aber iiberhaupt schwer, mit bloBen Sym-
bolen Kranke zu heilen, zweitens kann man Symbole nicht dadurch
vor jemand verstecken, also auch vor der Kriemhilde nicht, daB
man sie etwa in den Rhein wirft. Wenigstens kann ich mir nicht
recht vorstellen, daB man ein Symbolum von der Art, wie es
manche Erklarer anfiihren, in den Rhein versenkt. LJberhaupt kann
ich mir schwer vorstellen, daB jemandem etwas auBerlich weg-
genommen werden konnte, was nur symbolisch erklart werden
kann. Derjenige freilich, der die Dinge kennt, weiB, daB es sich
um etwas ganz Besonderes handelte, um etwas, was wir jetzt nen-
nen wiirden einen Talisman, einen ganz physischen Talisman, der
nur in der Weise hergestellt worden ist, daB seine ganze Substanz
zusammengestellt war aus Gold. Aber dieses Gold war gewonnen
nur aus Schwemmland, nur aus dem, was das Wasser angeschwemmt
hatte im FluBsand, und all die Kraft, welche gerade dieses Schwemm-
gold hat, war noch dazu zusammengefaBt — jetzt tritt das Sym-
bolum ein — in der Form des Talismans, und die Wirkung die-
ses Talismans auf Kriemhilde erzeugte in ihr die Krafte, durch
die sie Kranke heilen konnte und dergleichen. Diesen Talisman
konnte Hagen tatsachlich vor ihr verstecken und ihr den Ort
spater verheimlichen. Da hat man es tatsachlich mit einem phy-
sischen Ding, mit einem ganz realen Ding zu tun, da ihm nur
durch die besondere Art seiner Herstellung okkulte Krafte eigen
waren.
Ich habe das nur als ein Beispiel angefuhrt, um Ihnen zu zeigen,
wie man oftmals in alten Schriften solche Dinge zu verstehen hat.
So hat man auch den Ausdruck wortlich zu nehmen: die Sonne
um Mitternacht sehen. Man bekommt also von der Sonne den
okkulten Eindruck am allerbesten dann, wenn man gar nicht sich
storen laBt vom physischen Eindruck, das heiBt, wenn man iiber-
haupt nichts vom Sonnenlicht sieht, sondern in der Nacht die Sonne
betrachtet. Da bekommt man den Eindruck von der gegenwartigen
Sonne, und der ist bis zu einem sehr hohen Grade ahnlich dem,
was sich durch jene Impression ergibt, die vorhin geschildert wurde.
Es ergibt sich eben durch alles das, was ich Ihnen geschildert habe,
die Impression eines noch friiheren Zustandes unseres ganzen
Planetensystems, dem auch unsere Erde angehort, eines Zustandes,
wo eine abgesonderte Sonne nicht vorhanden war, dagegen das
ganze Planetensystem in einer gewissen Weise Sonne war und auch
die Substanz unserer Erde enthielt. Diesen Zustand, der also gleich-
zeitig der Zustand unserer Erde war, bezeichnet man deshalb als
den Sonnenzustand. So daB wir sagen konnen: Unsere Erde war,
bevor sie Erde geworden ist, in einem Mondzustand, bevor sie
Mond war, in einem Sonnenzustand.
Einen entsprechenden Eindruck fiir einen noch friiheren Zustand
unseres Erdenplaneten wiirde man bekommen, wenn man ver-
suchte, einen okkulten Eindruck von derjenigen Kategorie von
Himmelskorpern zu gewinnen, iiber die gestern am SchluB des Vor-
trages gesprochen worden ist: von den Kometen. Das Genauere zu
schildern wiirde unsere Zeit zu sehr in Anspruch nehmen, metho-
disch aber stellt es sich ahnlich dar wie das schon Geschilderte.
Wenn wir nun wiederum vergleichen dasjenige, was wir hier durch
die okkulte Wahrnehmung des kometarischen Lebens bekommen,
mit der Vorstellung — jetzt handelt es sich darum, dafl wir uns eine
gewisse Vorstellung machen miissen, denn mit etwas Gegenwarti-
gem lafit sich die Erinnerungsvorstellung, die man da bekommt,
nicht gut vergleichen — , so erhalt man unmittelbar den Eindruck,
weiter kann man nicht gehen, man habe eine Impression bekom-
men von einem noch vor dem Sonnenzustand zuriickliegenden Zu-
stand, den man aus gewissen Griinden den Saturnzustand nennt. So
sehen Sie, wie unsere inneren Erlebnisse, die wir am Planeten-
system haben konnen, fur den Okkultisten ausschlaggebend sind
fiir die Vorstellung, die er sich macht von diesem Planetensystem.
Und jetzt wollen wir einmal fiir eine kurze Zeit abgehen vom
Planetensystem. Alles, was ich bis jetzt vorgebracht habe, war vor-
gebracht zu dem Zweck und dem Ziel, zu gipfeln in einer Gesamt-
schilderung der Wirkungsweisen der geistigen Wesenheiten in den
Himmelskorpern. Wir miissen aber, da die Himmelskorper gleich-
sam zusammengesetzt sind aus den Naturreichen, jetzt, wenigstens
annahernd, uns auch vom Standpunkt des Okkultisten aus eine Vor-
stellung verschaffen iiber den nachsten Tatbestand, der sich dem
okkulten Blick gegeniiber ergibt, wenn wir die einzelnen Natur-
reiche auf uns wirken lassen.
Gehen wir bei der Betrachtung der einzelnen Naturreiche zu-
nachst vom Menschen aus. Sie wissen, wenn wir den Menschen
betrachten, so reden wir davon, dafi der Mensch besteht aus phy-
sischem Leib, atherischem teib, astralischem Leib und dem, was wir
die Ichheit, das Ich selber nennen. Diese viergiiedrige menschliche
Wesenheit, wo ist sie zunachst fiir die geisteswissenschaftliche Be-
trachtung? Nun sehen Sie, diese viergiiedrige menschliche Wesen-
heit ist in der physischen Welt, denn alles das, was jetzt aufgezahk
worden ist vom Menschen, wirkt innerhalb der physischen Welt
auf uns. Nun wollen wir einmal iibergehen zu der tierischen Welt.
-plujS.L.*
Wenn wir das Tier betrachten, dann ist es ja ganz zweifellos, dafi
wir ebenso bei dem Tier einen physischen Leib innerhalb unserer
gewohnlichen physischen Sinneswelt finden wie audi beim Men-
schen. Daran kann kein Zweifel sein. Ebenso aber miissen wir auch
dem Tier einen atherischen und astralischen Leib zuschreiben, denn
wir schreiben ja innerhalb der physischen Welt dem Menschen
einen atherischen Leib zu, weil sein physischer Leib allein inner-
halb der physischen Welt eigentlich eine unmogliche Sache ist. Das
stellt sich sogleich heraus, wenn der Mensch durch die Pforte des
Todes gegangen ist. Da ist sein physischer Leib allein in der phy-
sischen Welt, da zerfallt er, da ist er seinen eigenen Kraften uber-
lassen. Wahrend der Mensch lebt, muB daher ein fortwahrender
Kampfer gegen den Zerfall des physischen Leibes vorhanden sein,
und das ist der atherische Leib, den erst das okkulte BewuBtsein
wirklich sieht. Dasselbe Verhaltnis ist auch beim Tiere vorhanden,
so daB wir ihm einen atherischen Leib zuschreiben miissen in der
physischen Welt. Weil wir uns klar sind, daB die Tatsachen und
Dinge auf den Menschen nicht nur Wirkungen ausiiben, sondern
daB sie in ihm sich spiegeln, daB sie in ihm etwas hervorrufen, was
man eine innere Splegelung nennen kann, deshalb schreiben wir
dem Menschen den astralischen Leib zu; der okkulte Blick nimmt
ihn wahr. Genau dasselbe ist aber beim Tiere der Fall. Wahrend
die Pflanze zum Beispiel keinen Schrei entwickelt, wenn ein auBerer
Eindruck auf sie gemacht wird, laBt sich das Tier im Schrei ver-
nehmen, das heiBt, ein solcher auBerer Eindruck tritt auch als inne-
res Erlebnis zutage. Der okkulte Blick lehrt uns, daB dieses innere
Erlebnis nur moglich ist, wenn ein astralischer Leib da ist. Von
einem Ich jedoch beim Tier zu sprechen, wenn man innerhalb der
Erscheinungen der physischen Welt bleibt, das hat hochstens einen
Sinn fur gewisse moderne Naturphilosophen, die rein nach der
Analogie gehen. Wenn man aber bloB nach Analogien vorgeht,
dann kann man wirklich alles mogliche behaupten. Es gibt ja heute
sogar Theosophen, denen es einen gewissen Respekt einfloBt, wenn
ein Naturbetrachter, der etwas bekannter geworden ist, Raoul
France, den Pflanzen eine Seele zuschreibt und dann nicht unter-
scheidet zwischen dem, was man beim Tier und was man bei der
Pflanze als Seele bezeichnet. Er findet namlich, was ja richtig ist,
daB es gewisse Pflanzen gibt, die, wenn ein kleines Insekt in ihre
Nahe kommt, die Blatter so zusammenlegen, daB sie dieses kleine
Insekt anziehen und auffressen. Solch ein auBerlicher Beobachter
sagt sich also: Wo in der Natur auBerlich die Tatsache eintritt, die
analog ausschaut dem Heranziehen von Nahrungsmitteln und dem
Verzehren derselben, da muB etwas Ahnliches vorliegen wie bei
Wesenheiten, die aus einem inneren Seelenhaften heraus diese
Dinge heranziehen und verzehren. Nun, ich kenne etwas, was auch
kleine Wesenheiten anzieht, dem man aber ganz gewiB nicht nach
dem Muster moderner Naturphilosophen eine Seele zuschreiben
wird. Das ist namlich eine mit Speck gespickte Mausefalle. Die
zieht auch kleine Wesen heran, und wenn man nach der Methode
von solchen Naturphilosophen vorgeht, dann muB man ebenso, wie
man der Venusf liegenf alle, Dionaea muscipula, eine Seele zuschreibt,
der Mausefalle eine Seele zuschreiben; denn sie zieht Mause an, wenn
sie gut mit Speck versehen ist. - Alle diese Betrachter, die nicht
bloB auf das AuBerliche gehen, diirften durchaus jene Sehnsucht
nicht verlieren, welche bei vielen spirituell Gesinnten vorhanden
ist, und sich zufrieden geben, wenn nur ein wenig vom Geiste
gesprochen wird.
Gerade innerhalb der deutschen Literatur ist in dieser Beziehung,
wie manche sagen, viel Schones zutage gefordert, wie der Okkultist
sagen wiirde, viel Unfug getrieben worden. Ebensowenig wie man
bei der Venusfliegenfalle oder irgendeiner anderen Pflanze von
einem der tierischen Seele ahnlichen Seelenwesen sprechen kann,
ebensowenig kann man bei unbefangenem Blicke bei irgendeinem
Tiere davon sprechen, daB das Tier ein Ich hat. Das Tier hat inner-
halb dessen, was uns auf dem physischen Plan entgegentritt, kein
Ich. Erst die okkulte Untersuchung fiihrt uns zum Ich des Tieres.
Aber dieses Ich des Tieres ist nicht mehr innerhalb desselben Be-
reiches zu finden, wo das menschliche Ich zu finden ist. Das tie-
rische Ich ist erst abgesondert von dem physischen Leib aufzufin-
den, so daB wir eigentlich eine ganz andere Welt kennenlernen,
wenn wir mit dem okkulten Blick aufsteigen zu dem tierischen Ich.
Und wenn man nicht liebt, allerlei schematische Einteilungen zu
machen und von vornherein zu sagen: die Welt besteht aus dem
physischen Plan, dem Astralplan, dem Mentalplan und so weiter,
wenn man das nicht liebt, weil bei all den Wortbezeichnungen
nicht viel herauskommt, dann muB man in anderer Weise vorgehen.
Ich habe sogar in theosophischen Biichern gefunden, daB viel von
dem Ausdruck Logos gesprochen wird, habe aber nicht gefunden,
daB damit eigentlich Vorstellungen hervorgerufen werden von dem,
was Logos wirklich ist. Gewohnlich fand ich nur, daB die Schreiber
dieser Biicher wissen, daB dieser Logos aus fiinf Buchstaben besteht.
Sobald man aber versucht, zu wirklich konkreten Vorstellungen zu
kommen, so daB man etwas im Gemiite behalt, dann verrauchen
die Vorstellungen. Denn damit, daB man allerlei Dinge erzahlt:
daB der Logos spinnt und so weiter, wird ein konkret sein wol-
lendes BewuBtsein nichts anzufangen wissen. Mag der Logos was
immer sein: eine Spinne ist er ganz gewiB nicht, und was er tut,
kann man ganz gewiB nicht als ein Gewebe bezeichnen. So ist es
also nicht gut, mit Abstraktionen vorzugehen, urn Vorstellungen
hervorzurufen, wenn man von Dingen spricht, die iiber das phy-
sische Bereich des Menschen hinausgehen.
Etwas anderes ist es, wenn der okkulte Blick fiir das Tier das-
jenige sucht, was beim Menschen schon in der physischen Welt
sich ankiindigt im ganzen Tun und Vorgehen des Menschen: das
Ich. Wenn er das beim Tier sucht, dann findet er es auch, nur nicht
in der "Welt, wo physischer Leib, Atherleib und astralischer Leib
des Tieres vorhanden ist, sondern in einer iibersinnlichen Welt, die
allerdings sich gleich ergibt, wenn man den Schleier der gewohn-
lichen Welt wegzieht vor der Welt, die der sinnlichen Welt am nach-
sten ist. So daB wir sagen konnen: In einer Welt iibersinnlicher Art
ist das tierische Ich zu finden. Und von diesem tierischen Ich muB
man wiederum sagen: Es tritt uns dort als eine Realitat entgegen,
kiindigt sich aber in der physischen Welt nicht als Individuality an,
sondern hier verstehen wir es nur, wenn wir das Interesse auf eine
ganze Gruppe von Tieren, auf eine Gruppe von Wolfen, von
Lammern und so weiter richten. Und so, wie zu unseren beiden
Handen, zu unseren zehn Fingern, zu unseren FuBen eine Seele
gehort, die ein Ich in sich hat, so gehort zu einer Gruppe gleich-
geformter Tiere ein solches Ich, das wir nicht in unserer physischen
Welt finden; es verrat sich nur in der physischen Welt. Der ge-
wohnliche Abstraktling, der heutige Materialist, sagt: Ja, eigentlich
ist am Tier nur das real, was man mit physischen Augen sieht, und
wenn wir uns den Begriff Wolf oder den Begriff Lamm bilden, so
sind das eben nur Begriffe. — Das sind sie fiir den Okkultisten nicht,
es sind nicht bloBe Begriffe, die in uns existieren, sondern es sind
Spiegelbilder von etwas Realem, was nur nicht auf dem physischen
Plan, sondern in einer iibersinnlichen Welt ist. Doch verrat es sich
fiir ein wenig Nachdenken schon auf dem physischen Plan, daB
auBer demjenigen, was man sinnlich wahrnehmen kann, noch etwas
vorhanden ist, was nicht wahrgenommen werden kann in der phy-
sischen Welt und dennoch Bedeutung hat fiir die inneren Kraft-
verhaltnisse des Tieres. Ich mochte nur diejenigen, die zum Beispiel
die Vorstellung Wolf fur einen Begriff halten, der keiner Realitat
entsprechen soli, auf folgendes Experiment aufmerksam machen:
Nehmen Sie eine Anzahl von Lammern — der Wolf frifk bekannt-
lich Dimmer — und f iittern Sie damit den Wolf so lange, bis es dem
entspricht, was die Naturwissenschaft herausgebracht hat, daB tat-
sachlich die ganze physische Materie sich umgewandelt hat, so daB
der Wolf, wahrend der Zeit, wahrend welcher sich die physische
Korperlichkeit ersetzt, nur Lammer gefressen hat. Nun hat der
Wolf lauter Lammer in sich. Was Sie am Wolf allein sehen konnen,
die physische Materie, riihrt von lauter Lammern her. Versuchen
Sie dann das Ergebnis zu Ziehen, ob der Wolf ein Lamm geworden
ist. Wenn er kein Lamm geworden ist, dann haben Sie kein Recht,
zu sagen, daB das, was Sie als Begriff des Wolfes haben, sich er-
schopft in demjenigen, was physisch wahrgenommen werden kann,
sondern es ist ein Ubersinnliches darin. Dieses findet man nkht
eher, als bis man in das Ubersinnliche kommt. Dort stellt es sich
so dar, daB ebenso, wie unsere zehn Finger zu der einen Seele, so
alle Wolfe zu dem einen Gruppen-Ich gehoren. Und die Welt, in
der wir das Gruppen-Ich der Tiere finden, die bezeichnen wir zu-
nachst ganz konkret als die astralische Welt.
Was nun die Pflanzen betrifft, so wird eine ahnliche Betrach-
tung dazu fuhren, daB wir innerhalb der physischen Welt bei der
Pflanze nichts anderes finden als den physischen und Atherleib!
Eben deshalb, weil die Pflanze in dieser physischen Welt nur phy-
sischen und Atherleib hat, schreit sie nicht, wenn man sie verletzt.
So daB wir sagen miissen: Von der Pflanze ist in der physischen
Welt der physische und der Atherleib vorhanden. Wenn wir nun
diejenige Welt mit dem okkulten Blick durchsuchen, das heiBt uns
einfach in sie versetzen, in die wir hineinversetzen muBten die tie-
rischen Gruppen-Iche, da finden wir in bezug auf die Pflanzenwelt
etwas sehr Charakteristisches: Wir finden namlich, daB es aller-
dings auch Schmerzen gibt in der Pflanzenwelt, und zwar dann,
wenn man die Pflanzen mit der Wurzel aus dem Boden heraus-
reiBt. Dann ist ein ahnlicher Schmerz fiir den gesamten Erden-
organismus vorhanden, wie er vorhanden ist, wenn man ein Haar
ausreiBt aus einem Organismus. Aber auch anderes Leben, be-
wuBtes Leben ist vorhanden mit dem Pflanzenwachstum. Versuchen
Sie sich einmal vorzustellen das HeraussprieBen — ich habe das
schon wahrend dieser Vortrage bei einer anderen Gelegenheit her-
angezogen — , das Herausdringen der Pflanzensprossen im Friihling
aus der Erde. Dieses HervorsprieBen, das ist etwas, was einer Emp-
findung entspricht in gewissen geistigen Wesenheiten, die zur Erde
gehoren, die die Erde in ihrer geistigen Atmosphare mit ausmachen.
Wenn man diese Empfindung schildern soli, so kann man sie mit
der Empfindung vergleichen, die man in seinem BewuBtsein in den
Momenten abends hat, wenn man aus dem Wachzustand in den
Schlafzustand iibergeht. Wie da das BewuBtsein allmahlich hin-
untergeht, so empfinden ahnlich gewisse Geister der Erde bei dem
Hervorsprossen der Pflanzen im Friihling. Bei dem allmahlichen
Welken und Hinsterben der Pflanzenwelt haben wiederum gewisse
geistige Wesenheiten, die mit der geistigen Atmosphare der Erde
verbunden sind, dieselbe Empfindung, die der Mensch hat, wenn
er am Morgen aufwacht. Wir konnen also sagen: Es gibt Wesen-
haftes, was mit unserem Erdenorganismus verbunden ist, das so
empfindet, wie unser eigener Astralleib empfindet beim Einschlafen
und Aufwachen. Nur darf man nicht abstrakt vergleichen. Da
wiirde natiirlich viel naher liegen, das Hervorsprossen in der Fruh-
lingsnatur mit dem Aufwachen und das Absterben der Pflanzen-
welt im Herbst mit dem Einschlafen zu vergleichen. Aber das Um-
gekehrte ist wahr, namlich daB die Wesenheiten, die da in Betracht
kommen, wie Aufwachen empfinden im Herbst und wie Einschlafen
beim HervorsprieBen der Pflanzen im Friihling. Diese Wesenheiten
sind nun nichts anderes als die Astralleiber der Pflanzen, und wir
finden sie in demselben Gebiet, in dem wir das Gruppen-Ich der
Tiere finden. Die Astralleiber der Pflanzen befinden sich auf dem
sogenannten astralischen Plan.
Nun miissen wir auch bei der Pflanze von einem Ich sprechen,
wenn wir sie okkult betrachten. Dieses Ich der Pflanzen finden wir
wiederum in ahnlicher Weise als ein Gruppen-Ich, als etwas, was
zu einer ganzen Gruppe von gleichgeformten Pflanzen gehort, wie
wir das bei dem Gruppen-Ich der Tiere betrachtet haben. Aber
dieses Gruppen-Ich der Pflanzen werden wir vergeblich dort suchen,
wo wir den astralischen Leib der Pflanzen und wo wir das Gruppen-
Ich der Tiere gefunden haben. Wir rniissen vielmehr in eine noch
hoher geartete ubersinnliche Welt gehen; wir rniissen uns geradeso
erheben von dem Astralplan zu einer Welt, die wir als noch hoher
empfinden. Erst in eine solche Welt diirfen wir das Gruppen-Ich
der Pflanzen versetzen. Und wir konnen nun wiederum, wenn wir
diese Welt durchforschen, in welcher die Gruppen-Iche der Pflan-
zen zu finden sind, diese Welt mit einem Namen belegen. Sie ist
zunachst, obwohl noch vieles andere darinnen ist, dadurch fur uns
charakterisiert, daB die Gruppen-Iche der Pflanzen darinnen sind.
Wir bezeichnen sie, die Namen tun nichts zur Sache, als die
Devachanwelt.
Beim Mineral haben wir — nun, das ist leicht einzusehen — in
der physischen Welt nur den physischen Leib. Dadurch erscheint
uns ja gerade das Mineral als das Unorganische, Unlebendige. Da-
gegen haben wir beim Mineral in derselben Welt, in welcher die
Gruppen-Iche der Tiere und die Astralleiber der Pflanzen sind, den
atherischen Leib der Mineralien. Aber noch nichts finden wir davon,
daB das Mineralwesen irgend etwas von Empfindung zeigt. Den-
noch, auch das Mineral erweist sich als etwas Lebendiges. Wir
lernen das langdauernde Leben von Mineralien, das Wachsen, das
Sichentwickeln, sagen wir, von Erzen oder dergleichen, kurz, wir
lernen das vielgestaltige mineralische Leben unseres Planeten auf
dem astralischen Plan kennen. Wir lernen erkennen, wenn uns ein
einzelnes Mineral entgegentritt, daB es nicht viel anders ist als
unsere eigenen mineralahnlichen Knochen, die aber doch mit
unserem Leben zusammenhangen. So hangt auch alles Mineralische
mit einem Lebendigen zusammen, nur ist dieses Lebendige erst auf
dem astralischen Plan zu finden. So ist also der atherische Leib der
mineralischen Welt auf dem Astralplan zu finden. Wenn wir nun
in derselben Welt, in welcher die Gruppen-Iche der Pflanzen sind,
uns sozusagen okkult aufhalten, dann merken wir, daB die minera-
lische Welt auch mit etwas zusammenhangt, dem die Empfindung
moglich ist, mit etwas Astralischem. Wenn Steine geklopft werden
in einem Steinbruch, merkt man es freilich auf dem astralischen
Plan nicht, daB da irgend etwas von einer Empfindung vorhanden
ist, aber auf dem Devachanplan, da fallt es einem sofort auf, daB,
wenn man die Steine zerklopft, wenn Teile abspringen, dann in
der Tat etwas auftritt wie eine Wohlempfindung, wie eine Art
GenuB. Das ist auch eine Empfindung; sie ist eben entgegengesetzt
der Empfindung, wie sie die Tiere und Menschen in solchem Falle
haben. Wenn man die zerklopfen wiirde, wiirden sie Schmerzen
haben. Bei den Mineralien ist das Gegenteil der Fall: wenn man
sie zerklopft, dann empfinden sie Wohlgefiihle. Wenn man in einem
Wasserglas Kochsalz aufgelost hat und man verfolgt mit dem Blick,
der auf die devachanische Welt gerichtet ist, wie sich das Kochsalz
wieder in Kristalle zusammenfugt, dann sieht man, wie das unter
Schmerzen geschieht; dann fiihlt man Schmerz an den betreflfenden
Stellen. So ist es iiberall in dem mineralischen Leben, wo aus dem
Wasserigen heraus durch Kristallisation ein Festes sich bildet. So
war es im Grunde genommen auch bei unserer Erde, die einmal
in einem weicheren und fliissigeren Zustand war. Das Feste hat
sich erst nach und nach herausgebildet aus dem Fliissigen, und jetzt
gehen wir auf dem festen Erdboden herum und fuhren unseren
Pflug iiber den Erdboden hin. Dadurch tun wir allerdings der Erde
nicht weh, das tut ihr sehr wohl. Aber das tat nicht wohl den
Wesenheiten, die mit der Erde verbunden sind und die als astra-
lisches Reich zum Planeten gehoren, daB sie sich kompakt zusam-
menballen muBten, damit das menschliche Leben auf dem Planeten
moglich wiirde. Da muBten die Wesenheiten, die als Astralleiber
hinter den Steinen stehen, Schmerz iiber Schmerz aushalten. Im
Mineralreich leidet die Wesenheit, die Kreatur mit dem fortschrei-
tenden ErdenprozeB. Es wird einem ganz sonderbar zumute, wenn
man dies aus der okkulten Untersuchung heraus erkennt und dann
einmal wiederum stoBt an die beriihmte Stelle bei einem Ein-
geweihten: «Alle Kreatur seufzet und leidet unter Schmerzen, der
Erlosung harrend, der Annahme an Kindes Statt harrend.» Uber
solche Dinge liest man hinweg in den auf okkulter Anschauung
begrundeten Schriften. Wenn man aber diesen Schriften gegeniiber-
steht mit dem okkulten Blick, dann weiB man erst: sie geben dem
einfachsten Gemute viel, noch mehr aber dem, der alles, was in
ihnen liegt, oder wenigstens vieles davon wahrnehmen kann. Das
Seufzen und Stohnen des mineralischen Reiches, das da sein muB,
weil der KulturprozeB unserer Erde einen festen Boden unter sei-
nen FiiGen braucht, das stellt Paulus dar, indem er von dem Seuf-
zen der Kreatur spricht.
Das alles geht vor in jenen Wesenheiten, die zugrunde liegen
dem mineralischen Reich als der astralische Leib und die wir finden
in der devachanischen "Welt. Das eigentliche Ich, das wirklkhe
Gruppen-Ich des Mineralreiches, ist in einer hoheren Welt zu
suchen, die wir die hohere devachanische Welt nennen wollen. Hier
erst finden sich die Gruppen-Iche des Mineralreiches. Sie miissen
sich namlich ganz freimachen von der Vorstellung, dasjenige, was
wir an einer Wesenheit, sagen wir, den astralischen Leib nennen,
zu identifizieren mit der astralischen Welt. Bei den Mineralien ist
der astralische Leib auf dem Devachanplan zu suchen, der Ather-
leib der Mineralien dagegen in der Astralwelt, das Gruppen-Ich der
Tiere auf dem astralischen Plan, der Astralleib der Tiere auf dem
physischen Plan. So wie die Welt uns entgegentritt, miissen wir
sagen: Wir diirfen, was wir an den Wesenheiten als die einzelnen
Glieder finden, nicht identifizieren mit den entsprechenden Welten,
sondern wir miissen uns eben daran gewohnen, Differenzierungen
bei den verschiedenen Wesenheiten vorauszusetzen. Eine genauere
okkulte Einsicht zeigt das ja ganz klar. Wir haben also vorlaufig in
einem hoheren devachanischen Gebiete zunachst nur die Gruppen-
seelen der Mineralien zu finden. So haben wir die einzelnen Wesen-
heiten der verschiedenen Naturreiche in ihren Beziehungen zu den
hoheren Welten angefiihrt, und erst das kann uns die Grundlage
geben, um die Verhaltnisse dieser verschiedenen Naturreiche zu
suchen zu den schaffenden und in der Welt wirkenden Wesenheiten
der Hierarchien, wie wir sie kennengelernt haben.
NEUNTER VORTRAG
Helsingfors, 13. April 1912
In unserer letzten Betrachtung haben wir andeutend darauf hin-
gewiesen, wie das Verhaltnis der geistigen Krafte, die in den Wesen
der Naturreiche der Erde wirken, zu dem ist, was man aufierlich
sieht. Wir wollen uns heute kurz ins Gedachtnis zuriickrufen, wie
das ausgefiihrt worden ist, weil es notwendig erscheint, diese Dinge,
die einen wesentlichen Teil unseres Themas bilden, noch genauer
zu beleuchten, denn sie werden uns zu dem fiihren, worin eigent-
lich unsere Vortrage gipfeln sollen: zu einer Erfassung des leben-
digen Zusammenwirkens der Wesen der verschiedenen Hierarchien
und ihrer Nachkommen in den Himmelskorpern und Naturreichen.
Wir haben ausgefiihrt, daB der Mensch auf dem physischen Plan
die vier Glieder seiner Wesenheit wirksam hat, den physischen, den
atherischen, den astralischen Leib und das Ich. Wir haben dann
weiter geltend gemacht, daB fur das Tier im wesentlichen die drei
Glieder, physischer, atherischer und astralischer Leib, wirksam sind
auf dem physischen Plan, das Gruppen-Ich dagegen auf dem astra-
lischen Plan. Wir haben weiterhin gesehen, daB fur die Pflanzen
auf dem physischen Plan wirksam sind der physische und atherische
Leib, auf dem astralischen Plan der astralische Leib und auf dem
devachanischen Plan das Gruppen-Ich. Dann haben wir fur das
Mineral den physischen Leib allein auf dem physischen Plan gefun-
den, den atherischen Leib auf dem astralischen Plan, den astra-
lischen Leib auf dem Devachanplan, und das, was wir als einen
hoheren Devachanplan bezeichnen wollen, das bewohnt das Grup-
pen-Ich des Minerals.
Wir wollen nun im genaueren darauf eingehen, was das alles
eigentlich in der Realitat heiBt. Bisher konnte ja eben nur gesagt
werden, daB der okkulte Blick, der sich bis zu der ersten, uns zu-
nachst liegenden iibersinnlichen Welt erhebt, innerhalb der phy-
sischen Welt beim Tier nicht das findet, was er noch beim Men-
schen in der physischen Welt findet, das Ich, sondern daB das, was
wir beim Menschen Ich nennen, fur das Tier erst gefunden werden
kann auf dem astralischen Plan, in der ubersinnlichen Welt und
dort erst den Angriffspunkt seines Wirkens hat. Wir sehen daraus,
daB die okkulte Wissenschaft innerhalb des physischen Planes dem
Tier nicht das Ich zusprechen kann. Sie spricht dem Tier das Ich
nicht ab, sagt aber, daJ3 das, was als Ich beim Tier anzusprechen ist,
erst in der astralischen Welt zu finden ist.
Es kann ja leicht der Einwand erhoben werden, daB damit den
Tieren, auch den hoheren Tieren, abgesprochen werde ein Ich auf
dem physischen Plan, wahrend man doch sagen miisse, daB die
Tiere in bezug auf viele ihrer Verrichtungen eine auBerordentliche
Intelligenz zeigen, einen ganz wunderbaren Verstand, so daB man
manches von dem, was das Tier auf dem physischen Plan tut, wohl
vergleichen konne mit demjenigen, was der Mensch auf dem phy-
sischen Plan tut. Nun muB gesagt werden, daB der, welcher so sich
ausspricht, nicht das eigentlkhe Grundprinzip dieser Sache erfaBt
hat. Niemandem, der in diese Dinge eindringt, wird es einfallen,
das, was wir die menschlichen Seelenkrafte nennen, der Tierheit
auf dem physischen Plane abzusprechen. Darum handelt es sich
gar nicht. Hier auf diesem Gebiet liegt der Grund zu den aller-
mannigfaltigsten Irrtumern und MiBverstandnissen. So finden wir
gleich ein MiBverstandnis, wenn ein gewisser materialistischer
Darwinismus unserer Zeit etwa sagen wollte: Ja, da seht ihr
Anthroposophen die Sache so an, als wenn der Mensch unbedingt
auf einer hoheren Stufe der Geistigkeit zu suchen sei als das Tier,
wahrend man doch beobachten kann, wie das Tier Intelligenz ent-
wickelt. So viel Intelligenz, auch so viel von einer gewissen instink-
tiven Moral ist im Tierreich vorhanden, daB sich ganz gut das, was
der Mensch in seinen Seelenkraften hat, als eine Art hoherer Stufe
ergeben kann von dem, was man schon im Tierreich antriff t. — Da ist
der Gesichtspunkt, um den es sich dabei handelt, ganz verschoben.
Einer unbefangenen Betrachtung wird es gar nicht einfallen, Ver-
stand, Vernunft selbst dem Tierreich abzusprechen. Man braucht
sich nur solche Tatsachen klarzumachen wie die eine, daB die
Menschheit in ihrer Entwickelung verhaltnismaBig spat aus ihrem
Kulturprozefi heraus zu der Erfindung des Papiers gekommen ist.
Wie wird doch in unseren geschichtlichen Beschreibungen diese
Erfindung des Papiers durch den menschlichen Verstand als eine
groBe Errungenschaft hingestellt, und sie ist in einer gewissen Be-
ziehung ja audi ein Zeichen fur den menschlichen Fortschritt. Aber
die Wespen haben Jahrmillionen vorher dieselbe Kunst schon ge-
kannt, denn was die Wespe in ihrem Nest macht, ist richtiges Pa-
pier. So daB wir sagen konnen: Das, was da der menschliche Ver-
stand als Verstand zuwege bringt, das haben wir im Tierreich da
unten, weit, weit unten schon. Es fallt dem unbefangenen Betrach-
ter gar nicht ein, die menschlichen Seelenkrafte als solche der Tier-
heit abzusprechen. Ja, wir sind auf dem Gebiete des Okkultismus
sogar iiberzeugt, dafi Verstand und Vernunft bei der Tierheit viel
sicherer, viel praziser, viel irrtumsfreier wirken als im Menschen.
Das Wesentliche, um das es sich handelt, ist, dafi beim Menschen
in der physischen Welt alle diese Seelenkrafte bezogen sind auf ein
Ich, das sich innerhalb dieser physischen Welt selbstandig ent-
wickelt, das selbstandige Entwickelung zunachst schon in der Er-
ziehung durchmacht. Wenn wir den Angehorigen irgendeiner tie-
rischen Gruppe haben, so wissen wir, dafi einfach durch die Spezies,
durch die Art, zu welcher das Tier gehort, der Kreis seiner Ent-
wickelung bedingt ist, also in ganz anderer Art, als das beim Men-
schen der Fall ist, der sich individuell entwickelt.
Richten wir nun einmal den Blick auf den Kreis des Tierreiches,
so finden wir innerhalb der tierischen Welt die mannigfaltigsten
Formen, die sehr weit voneinander verschieden sind, ganz anders
als etwa die menschlichen Rassen. Wir finden iiber den Erdball hin
allerdings auch eine grofie Verschiedenheit der menschlichen Ras-
sen, aber vergleichen Sie damit die groBe Verschiedenheit der Tiere
von den unvollkommeneren zu den vollkommeneren Arten herauf ,
dann werden Sie gleich merken, wie gewaltig die Differenzierung
innerhalb des Tierreiches ist; ganz anders als beim Menschen. Wo-
her riihrt denn das? Wir kommen einer Antwort darauf naher,
wenn wir uns erst einmal fragen: Was bewirkt denn die verschie-
denen Gruppen des Tierreiches, die verschiedenen Arten, die wir
da iiber den Erdball hin charakteristisch ausgebreitet finden?
Da zeigt uns der okkulte Blick, daB das, was die Verschieden-
heit der tierischen Arten bewirkt, nicht bloB von der Erde herriihrt,
daB die tierischen Arten vielmehr ihre Formen vom Himmelsraum
herunter erhalten, und zwar so, daB die Krafte, welche zu der einen
Art fuhren, von einem anderen Ort des Himmelsraumes sind als
die Krafte, welche zu der anderen Art fuhren. Die Krafte, welche
die verschiedenen tierischen Formen bilden, stromen namlich auf
unseren Erdplaneten her von den anderen Planeten unseres Pla-
netensystems. Wir konnen das ganze Tierreich eigentlich einteilen
in sechs bis sieben verschiedene Hauptgruppen, und diese Haupt-
gruppen haben die obersten Gruppen-Iche. Diese obersten Gruppen-
Iche haben ihre Wirkungsimpulse innerhalb der sechs bis sieben
zu unserem Planetensystem gehorigen Hauptplaneten, so daB gei-
stig die Krafte, welche die Hauptgruppen der Tiere bilden, von den
Planeten her wirken. Damit aber haben wir zugleich real an-
gegeben, was es denn eigentlich heiBt, bei den Tieren von Gruppen-
Ichen zu sprechen. Es heiBt, daB im Tiere geistige Krafte leben,
deren Wesenheit wir gar nicht auf der Erde selber zu suchen haben,
sondern deren Wesenheit wir zu suchen haben auBerhalb der Erde
im Himmelsraum, und zwar zunachst in der planetarischen "Welt.
Gleichsam die Regenten der Gruppenhauptformen der Tiere leben
auf unseren Planeten, und sie muBten sich auf diese Planeten zuriick-
ziehen, um mit ihren Kraften aus den richtigen Entfernungen, von
der richtigen Seite her auf die Erde zu wirken. Denn nur von diesen
Seiten her kann in der richtigen Weise das bewirkt werden, was
die tierischen Hauptformen ausmacht. Nun sehen Sie, wenn die
Planeten nur solche Krafte herniederstromen lieBen auf unsere
Erde, dann wiirden wir in der Tat nicht eine solche Mannigfaltig-
keit des Tierreichs haben, wie wir sie jetzt haben, sondern wir wiir-
den sieben Hauptformen haben. Es gab auch einmal in einer sehr
fernen Urzeit nur sieben Hauptformen des Tierreichs. Aber diese
sieben Hauptformen waren sehr beweglich, bestimmbar, so daB sie
gleichsam in ihrer Bildung weich, plastisch waren, leicht umgebil-
det werden konnten, die eine Form zu einer solchen speziellen
Form, die andere zu einer anderen, und das wurde in einer spateren
Zeit auch zustande gebracht. Die sieben Hauptformen liegen wek,
weit zuriick. Dann aber traten andere Krafte, die gleichsam unter-
stiitzend oder hemmend wirkten auf die Krafte der Planeten, hinzu.
Nun werde ich zunachst davon zu sprechen haben, wie diese
anderen Krafte zustande kommen. Wenn man den gewohnlichen
Blick hinausrichtet in die Himmelsweiten, so glaubt man sehr
leicht, daB drauBen eigentlich alles gleichformig sei. So ist es aber
nicht. Wenn wir nach irgendeiner gewissen Richtung den Blick in
den Raum hinein lenken, dann ist fur den okkulten Blick etwas
ganz anderes wahrzunehmen, als wenn man nach einer anderen
Richtung des Raumes den Blick lenkt. Der Raum ist durchaus
keine homogene Sache, nicht etwas, was nach alien Seiten hin
gleich ist, sondern von den verschiedenen Richtungen des Raumes
wirken aus dem Weltenall wiederum verschiedene Krafte herein.
Der ganze Weltenraum ist mit geistigen Wesenheiten der verschie-
denen Hierarchien ausgefiillt, welche aus den verschiedenen Rich-
tungen her auf die Erde verschieden wirken. In denjenigen Zeiten,
als die Menschen ein gewisses urspriingliches primitives Hellsehen
hatten, war es den Menschen klar: Wenn ich zu einer bestimmten
Tageszeit den Blick nach der einen Richtung gegen den Himmel
richte, dann kommen gewisse Krafte mir entgegen, und auf einer
anderen Seite finde ich andere Krafte. Und die Menschen nahmen
auch wahr, daB von gewissen Punkten aus besonders prazise und
bestimmte Krafte herkamen aus dem Himmelsraum, die fur die
Erde ganz besonders wichtig waren. Die liegen alle angeordnet in
dem Sternenkreise am Himmelsraum, den man seit alten Zeiten den
Tierkreis genannt hat. Man hat wahrhaftig nicht umsonst in alten
Zeiten von dem Tierkreis gesprochen, sondern man hat gewuBt,
warum man das tut. In dem Himmelsraum verhalt es sich so, daB,
sagen wir, die Krafte, die vom Planeten Mars herunterwirkten und
in dem noch wekhen Tierischen die eine der sieben Hauptformen
fur sich zustande brachten, verschieden wirken, wenn der Mars
iiber dem einen Teil des Tierkreises steht oder iiber dem anderen.
Man hat dann den Tierkreis eingeteilt nach zwolf Zeichen, die sich
naturgemaB ergeben als die Sternbilder, und je nachdem die Mars-
krafte, die fur eine Tierheitsform maBgebend sind, iiber dem Wid-
der oder Stier oder iiber einem anderen Sternbild stehen, je nach-
dem wirken sie anders. Danach spezifizieren sich die sieben Haupt-
formen. Daraus entsteht eine ganze Menge von Moglichkeiten fur
verschiedene Tierformen. Und wenn Sie daran denken, wie dazu
noch kommt, daB zum Beispiel der Mars bestimmend wirken kann,
indem er sich iiber den Lowen stellt, so daB er den LoweneinfluB
verdrangt in bezug auf die Erde, oder daB er von der anderen Seite
her sich bestimmend stellt, indem die Erde zu stehen kommt zwi-
schen die Sonne und den Mars, so gibt es eine noch groBere Anzahl
von Moglichkeiten. Das alles sind Krafte, die zusammengewirkt
haben, urn die sieben Hauptgruppen des Tierreichs weiter zu diffe-
renzieren. So ist die ganze Mannigfaltigkeit unserer Tierformen auf
der Erde dadurch entstanden, daB die Krafte der Planeten eigent-
lich die Sitze der Gruppenseelen, der Gruppen-Iche der Tiere sind
und daB diese Gruppen-Iche ihre Aufgabe erfiilien von diesen
Sitzen aus, weil sie nur von dort aus diese Aufgabe erfiilien konnen.
Denn nur dadurch, daB sich jenes Gruppen-Ich einer Tierform, das
vom Mars herunterwirken soil, gerade diesen Ort am Himmel aus-
gewahlt hat, kann es die entsprechende Wirkung auf die Erde her-
unter ausiiben. Hier liegen die Krafte, welche die Mannigfaltigkeit
unserer Tierformen gebildet haben, und wenn wir den Ausdruck
gebrauchen: Das tierische Gruppen-Ich ist auf dem Astralplan zu
finden, so heiBt das real: Wenn der okkulte Blick das Gruppen-Ich
irgendeiner tierischen Form suchen will, so muB er nicht auf der
Erde suchen, sondern auf einem Planeten. Was er beim Menschen
auf der Erde findet, das findet der okkulte Blick fur das Tier erst
im Himmelsraum drauBen bei den Planeten. Und so wie, sagen wir,
derjenige Mensch, der eine Arbeit auf der Erde auszufuhren hat,
die verschiedene Standpunkte notwendig macht, sich eben zu diesen
verschiedenen Standpunkten begeben muB, so muB das Gruppen-
Ich, das auf dem Planeten sitzt, durchlaufen den Himmelsraum
iiber dem Tierkreis, um von da aus seine Krafte zu differenzieren.
Wenn wir diese Tatsache, die wir eben hingestellt haben, damit
in Zusammenhang bringen, daB man heute so haufig die Impulse
der tierischen Formen in irgendwelchen Prinzipien der Erde selbst
sucht, zum Beispiel im Kampf urns Dasein, in irgendeiner natiir-
lichen Zuchtwahl und dergleichen, dann erscheinen wahrhaftig auf
der einen Seite die Tatsachen, die zustande gekommen sind durch
diese Bestrebungen, wie sie zum Beispiel Darwin angefiihrt hat,
groBartig, insoweit Darwin bei den Tatsachen stehengeblieben ist.
Denn unbewuBt hat der Darwinismus geschildert, wie die Beweg-
lichkeit der tierischen Formen besteht, wie in der Tat da geschaffen
wird aus den Grundformen heraus. Aber nach der ganzen Anlage
unserer Zeit hat man abgesehen davon, daB die Krafte, welche diese
Formen schaffen, aus dem Himmelsraum hereinwirken, daB also
die Schopfer der tierischen Formen in der Welt der Planeten zu
suchen sind, die zu unserem Planetensystem gehoren, aber auBer-
halb unserer Erde sind.
Wenn wir uns nun fragen: Wie steht dieselbe Sache in bezug
auf den Menschen? — da bekommen wir erst dann eine Antwort,
wenn wir uns vorher auch noch die andere Frage beantworten,
welcher Art diese Geister sind, die wir jetzt als Gruppenseelen der
Tiere angesprochen haben und die ihren Wohnsitz auf den ver-
schiedenen Planeten haben. Da zeigt sich, daB diese Gruppen-Iche
der Tiere Nachkommen sind jener Kategorie von geistigen Wesen-
heiten, die angefiihrt worden sind von mir im Laufe dieser Vortrage
als die Geister der Bewegung. Also wir miissen die Gruppen-Iche
der Tiere als Nachkommen der Geister der Bewegung auffassen.
Die Geister der Bewegung haben n'amlich aus ihrer eigenen Sub-
stanz heraus wahrend des alten Mondzustandes dem Menschen
seinen astralischen Leib gegeben. Wir konnen also, um die Sache
zu erganzen, so sagen: Dieser Erde ist der Mondenzustand voraus-
gegangen; da haben wahrend dieses Mondenzustandes die Men-
schen von den Geistern der Bewegung ihren astralischen Leib be-
kommen. Das heiBt mit anderen Worten: Als die Erde Mond war
— der alte Mond, nicht der jetzige; der jetzige ist ja nur ein abge-
lostes Stuck der Erde selber, wahrend der alte Mond etwas ist wie
eine vorhergehende Verkorperung unserer Erde — wahrend die
Erde in diesem alten Mondzustand war, da umschwebten die Geister
der Bewegung diesen alten Mond und lieBen gleichsam eintraufeln,
einstromen in das, was der Mensch heriiberbrachte aus noch
friiheren Zustanden, ihre eigene Substanz. So daB das, was der
Mensch als astralischen Leib bekam, der fur ihn neu war, denn
er hatte damals nur physischen Leib und atherischen Leib, her-
stammt von den Geistern der Bewegung. Der alte Mond ist ver-
schwunden, die Erde hat sich gebildet, die Geister der Bewegung
haben auBer ihrer eigenen Fortentwickelung auch noch Nach-
kommen entwickelt. Diese Nachkommen der Geister der Bewegung,
das sind diejenigen Wesenheiten, die wir als die Gruppen-Iche der
Tiere bezeichnen und die nun ihre Wohnsitze nicht auf der Erde auf-
geschlagen haben, sondern auf den anderen Planeten, urn von da aus
auf die Erde so zu wirken, daB sie die tierischen Formen hervorbrin-
gen in der geschilderten Art. Das ist das Spezielle von dem, was ich
gesagt habe, daB wir Gruppen-Iche in einer gewissen Weise als Nach-
kommen der Wesenheiten der zweiten Hierarchie charakterisieren
konnen.
Wir miissen nun einmal die folgende Frage stellen: Auf die
Tiere also wirken von den Planeten herunter diese Nachkommen
der Geister der Bewegung — wirken nun ahnliche geistige Wesen-
heiten auch auf den Menschen, auf das Menschengeschlecht, das
iiber die Erde hin ausgebreitet ist? Das konnen wir nicht behaupten
von denjenigen geistigen Wesenheiten, welche wir angefiihrt haben
als die normalen Glieder der einzelnen Hierarchien. Aber wir haben
ja die besondere Kategorie angefiihrt, die wir die luziferischen
Geister genannt haben, und wir haben charakterisiert, wie diese
luziferischen Geister sich verhalten zu den normalen Geistern. Fur
jede Kategorie der verschiedenen Hierarchien gibt es nun in un-
serem Zeitenzyklus auch die luziferischen Geister. Wahrend die
Tiergruppenseelen ganz normale Nachkommen, richtige Nach-
kommen der Geister der Bewegung sind, sind die luziferischen
Geister, welche den Geistern der Bewegung entsprechen, solche,
welche sich aufgelehnt haben gegen den normalen Weg der Geister
der Bewegung, welche sich entgegengestellt haben diesen normalen
Geistern der Bewegung. Diese luziferischen Geister der Bewegung
sind ebenso gruppiert auf den verschiedenen Planeten im Verhaltnis
zur Erde wie die richtigen Nachkommen der Geister der Bewegung,
sie haben auch gleichsam ihre Rolle so verteilt, dafi sie ihre Wohn-
sitze aufgeschlagen haben auf den verschiedenen Planeten. Wie
nun die Gruppenseelen der Tiere auf den Planeten wohnen, so
wohnen auch gewisse luziferische Geister der Bewegung auf den
Planeten. Sie haben sich die Aufgabe gestellt, die den Geistern der
Bewegung schon einmal entspricht: von den Planeten herein for-
mend zu wirken, so daB Gruppen der entsprechenden Wesen auf
der Erde entstehen. Wie sieben Haupttiergruppen sich bildeten, die
nur durch die geschilderten Verhaltnisse spezifiziert worden sind,
so wirkten die luziferischen Wesenheiten der Bewegung von den
Planeten auf die Erde herein, indem sie das Menschengeschlecht,
das eigentlich in einer gewissen Weise nach einem einzigen Plan
gedacht ist, spezifizierten. Wahrend also der Mensch so gedacht
war im ganzen Weltenplan, daB eine Menschenform iiber die Erde
hin hatte Platz greifen sollen, wirkten von den verschiedenen Pla-
neten herein diese luziferischen Geister der Bewegung und spezi-
fizierten die Menschenform so, daB die Formen fur die einzelnen
menschlichen Hauptrassen iiber die Erde hin entstehen konnten.
Das Genauere ist ja zu finden in meinen Vortragen, die kh in
Christiania gehalten habe iiber die besondere, spezielle Art, wie diese
luziferischen Geister der Bewegung rassenbildend wirken.
So haben wir zu unterscheiden Nachkommen der Geister der
Bewegung und luziferische Geister der Bewegung. Aber jetzt noch
etwas. Wir werden nun naturgemaB die Frage aufwerfen miissen:
Wo sind denn nun die normalen Geister der Bewegung, welche
wahrend der alten Mondenzeit dem Menschen seinen astralischen
Leib gegeben haben? Also diejenigen, die das Ziel ihrer Entwicke-
lung erreicht haben in jener Zeit, die abgelaufen ist beim Uber-
gang von der Mondenbildung zur Erdenbildung, diese ganz reif
gewordenen Geister der Bewegung, wo sind sie? Auch diese Geister
der Bewegung haben das Eigentiimliche, daB sie ihren eigentlichen
Wohnsitz oder vielmehr, besser gesagt, das Angriffsfeld ihres Wir-
kens auf den Planeten unseres Planetensystems haben, so daB sie
zum Beispiel nicht direkt als Geister der Bewegung von der Sonne
her wirken, wo sie sozusagen doch ihren Hauptversammlungsort
haben, sondern daB sie erst ihre Strahlen aussenden nach den Pla-
neten und von da zuriickwirken auf die Erde. Insofern wir es mit
den richtigen Geistern der Bewegung zu tun haben, kommt ihre
unmittelbare Wirksamkeit von den Planeten unseres Planeten-
systems her. Aber das alles, wie da von den Planeten her diese
geistigen Wesenheiten wirken, gehort naturlich der iibersinnlichen,
unskhtbaren Welt als solcher an. Nur die Wirkungen selbst auBern
sich sehr wohl auf der Erde, die Wirkungen kommen auf der Erde
zustande. Was tun denn fur den Menschen diese Geister der Bewe-
gung, die ihm einstmals auf dem alten Mond aus ihrer eigenen
Substanz heraus seinen astralischen Leib gegeben haben? Dieser
astralische Leib war als ein Keim im Erdensein enthalten, und
nachdem der alte Mond verschwunden und eine Zwischenzeit ver-
gangen war und die Erde sich wieder neu gebildet hatte, da hatte
auch dieser astralische Leib sich aus dem Keim wieder herausent-
wickelt. Die Geister der Bewegung aber haben sich weiterentwickelt
zu einer hoheren Tatigkeit. Von ihren Nachkommen wissen wir,
daB sie tierische Gruppenseelen geworden sind; von denjenigen,
die sich gegen sie emport haben, wissen wir, daB sie mitbildend
waren an der Differenzierung der Menschenrassen. Wo zeigen sich
nun diese fortgeschrittenen echten, normal entwickelten Geister
der Bewegung? An einem Beispiel soli es anschaulich gemacht
werden, wie sie sich zeigen.
Wir wissen, daB der einzelne Mensch zunachst gefuhrt wird von
dem, was wir seinen Engel nennen. Wir wissen, daB Volker geistig
zunachst von ihren Volkergeistern oder Erzengeln gefuhrt werden,
— Volker sind etwas anderes als Rassen. Wir wissen, daB die auf-
einanderfolgenden Zeitkulturen von den Geistern der Zeit, den
Archai, gefuhrt werden. Wir wissen dann, daB uber den Archai
diejenige Kategorie der Hierarchien steht, die wir da nennen die
Geister der Form, und uber ihnen die Geister der Bewegung. Wir
wollen sie in jenem Zustand fassen, wie sie auf der Erde sind, wo
schon hinter ihnen liegt, daB sie den Menschen den astralischen
Leib gegeben haben und daB sie selbst ihren richtigen Fortschritt
genommen haben. Es gibt nun in der menschlichen Evolution
etwas, was iiber die Charaktere der bloBen Zeitgeister hinausgeht,
was bedeutungsvoller, gewaltiger ist fur die gesamte Menschheit
als die Sphare der einzelnen Zeitgeister. Die Zeitgeister wirken auf
der Erde durch eine bestimmte Zeit hindurch. Aber es gibt geistige
Entwickelungen innerhalb der gesamten Menschheitsentwickelung,
welche groBere Spharen umfassen als die der bloBen Zeitgeister.
Solche groBeren Menschheitsepochen, die iiber die Sphare der
bloBen Zeitgeister hinausgehen, die haben nun zu ihren Regenten
die normal entwickelten Geister der Bewegung. Diese normal ent-
wickelten Geister der Bewegung zeigen sich also in ihrer Wirkung
im MenschenwerdeprozeB so, daB sie die groBen Kulturimpulse
geben. Und wenn wir nun die Menschengeschichte, die Menschen-
kulturgeschichte iiberblicken, dann sehen wir, daB die einzelnen
Menschen geleitet werden von Engeln, Angeloi; Volker von den
Erzengeln, Archangeloi; gewisse Zeiten hindurch werden Kulturen
geleitet von Zeitgeistern und auch gewisse Spharen, wie wir noch
sehen werden, von den Geistern der Form. Dann aber haben wir
den gesamten Kulturverlauf der Menschenentwickelung so, daB
gewisse lange Zeiten hindurch, die viel langer sind als die, die ein
Zeitgeist umspannt, in groBeren Spharen inspirierend sich betatigen
das eine Mai der Geist der Bewegung, der von dem einen Planeten
herunterwirkt, und das andere Mai der Geist der Bewegung, der
von dem anderen Planeten herunterwirkt. Und so wirken diese
Geister der Bewegung, die normale Entwickelung haben, so von
den Planeten herunter, daB sie sich nun im MenschenwerdeprozeB
ablosen und sich in den groBen iiber die Spharen der Zeitgeister
hinausgehenden Kulturimpulsen der Erdenentwickelung zeigen. So
kam zum Beispiel der Kulturimpuls des Geistes der Bewegung, der
von dem Planeten herunterwirkt, welchen die heutige Astronomie
die Venus nennt und den die alte Astronomie Merkur genannt hat
— diese zwei Namen sind verwechselt worden — , dieser Kulturimpuls,
er kam urspriinglich von jenem Geist der Bewegung, der sich in
dem Buddhismus ausdriickte. Andere Kulturimpulse, die iiber die
bloBen Zeitgeister hinauswirken, kamen von Geistern der Bewe-
gung, die von anderen Planeten herriihren. Wahrend also von den
Nachkommen der Geister der Bewegung die Gruppenseelen der
Tiere kommen und von den luziferischen Geistern der Bewegung
die Rassenform der Menschen, kommen diese groBen Kultur-
impulse von den Geistern der Bewegung, die ihre normale Ent-
wickelung erreicht haben. Es kommen noch mancherlei andere
Impulse von dieser Seite her, aber es ist zunachst wichtig, auch
von diesem Gesichtspunkte aus einmal die Kulturimpulse zu be-
trachten.
Sehen Sie, hier haben Sie zum Beispiel jetzt, ich mochte sagen,
aus unserem ganzen Planetensystem heraus entwickelt etwas, was
Sie angedeutet finden unter den groBen Wahrheiten, die, wie jeder
Kundige wei/3, in der «Geheimlehre» von H. P. Blavatsky stehen.
Kundige finden sie dort angedeutet. Da stent auf einer Zeile:
Buddha = Merkur. Buddha ist gleich Merkur, das heiBt, die ton-
angebende Individualist fur den Buddhismus wird zuruckgefuhrt
im Okkultismus auf jenen Geist der Bewegung, der von diesem
Planeten herunterwirkt. Der ist der Inspirator, von ihm kommt
jener EinfluB, der sich in dieser Kulturstromung zum Ausdruck
bringt. Es ist schon einmal so, daB gerade dieses merkwiirdige Buch,
die Blavatskysche Geheimlehre, groBe Wahrheiten birgt, die man
nur in der richtigen Weise erkennen muB. Man darf dieses Buch
nicht einfach wie ein Dogmenbuch hinnehmen, sondern man muB
alien einzelnen Dingen nachgehen. Dann wird man erst die GroBe
dieses Buches erkennen. Von all den groBen Wahrheiten, die der
wirkliche Okkultist lehrt, finden Sie zuweilen bedeutsame Andeu-
tungen gerade in der Blavatskyschen Geheimlehre. Und als dies
niedergeschrieben worden ist durch den Inspirator der Blavatsky-
schen Geheimlehre, Buddha ist gleich Merkur, da wirkte die groBe
Wahrhek mit, daB der Inspirator der H. P. Blavatsky wuBte: Jene
Individuality, die im neunundzwanzigsten Jahre ihres Lebens der
Buddha wurde, die konnte in dem Zeitpunkt, der uns symbolisch
angedeutet wird dutch das Sitzen unter dem Bodhibaum, anfangen,
sich von dem Geist der Bewegung, der auf dem Merkur thront,
inspirieren zu lassen. Damit war diese Individuality aus einem
Bodhisattva ein Buddha geworden, das heiBt einer der Geister,
welche das, was sie erfiillt, hereininspiriert bekommen nicht aus
der Erdensphare, sondern aus dem Weltenraume her, aus dem
Kosmos. Damit war er der Erdensphare entriickt nach Nirwana,
das heiBt in das Gebiet, wo die Erdensphare nicht mehr hinein-
spielt. — H. P. Blavatsky wuBte in ihrem gewohnlichen BewuBtsein
von vielen dieser Dinge nichts, aber ihr Inspirator wuBte es. Diese
Dinge miissen eben aus den Tiefen des Okkultismus herausgeholt
werden, und es darf in diesen subtilen und auch groBen Wahrheiten
nicht etwa alles durcheinandergeworfen werden. Nun ist meine
Behauptung nicht, daB in dem Augenblkke, wo ein Bodhisattva
zum Buddha erhoben wurde, nur der Geist der Bewegung inspi-
rierend wirkte, sondern durch ihn wirkten die "Wesenheiten der
hoheren Hierarchien dann herein. Das "Wesentliche ist, daB von
dem Zeitpunkte an die anderen Geister, der unteren Hierarchien,
wegfielen, daB er unmittelbar sozusagen zu jenen Wesenheiten
hinkommen konnte, welche man als die normal entwickelten
Geister der Bewegung bezeichnet.
Nun wollen wir, bevor wir den menschlichen KulturprozeB noch
in bezug auf einen anderen Punkt in Betracht ziehen, ubergehen
zu dem Pflanzenreich. Bei dem Pflanzenreich sehen wir, daB schon
der astralische Leib auf dem astralischen Plan zu finden ist, dort wo
zu finden ist das tierische Gruppen-Ich. Das fiihrt wiederum auf
die reale Tatsache zuriick, die sich dem okkulten Blick zeigt, daB
fiir die Pflanzen nicht nur im Gruppen-Ich, sondern schon in dem
astralischen Leib der Pfianze Kr'afte wirken, welche nun auch von
dem Planetensystem, von den Sternen her wirken. Wahrend beim
Tier also erst in den Gruppenkraften, in den Kraften, die die
Gruppenformen schaffen, die Geister der Bewegung wirken, wirkt
schon auf den pfianzlichen astralischen Leib dasselbe, was zur
Sphare der Geister der Bewegung gehort. Nachkommen der Geister
der Bewegung sind auch solche, nur unterscheiden sie sich dadurch
von den anderen Nachkommen, daB sie sich zu einer etwas anderen
Zeit gebildet haben, aber sie wirken ebenso als Nachkommen der
Geister der Bewegung auf den astralischen Leib der Pflanzen, nicht
bloB auf das Ich. Wiederum konnen wir namlich sagen, daB auf
den astralischen Leib der Pflanzen von den Planeten des Planeten-
systems her die Krafte der Geister der Bewegung oder ihrer Nach-
kommen wirken. Der astralische Leib ist namlich bei jedem Wesen
dasjenige, was den Impuls gibt zur Bewegung. Auf dem physischen
Plan haben wir von der Pflanze den physischen und Atherleib.
Wenn auf die Pflanze irgendwelche Krafte aus der Sphare der
Geister der Bewegung wirkten, so wiirden diese Krafte, weil der
astralische Leib nicht in der Pflanze drinnen ist, sondern sie um-
spiilt, die Pflanze zur Bewegung bringen, aber jetzt nicht so, wie
Menschen und Tiere sich bewegen, sondern so, daB sie die Pflanze,
wie sie zuerst entsteht, von der Erde wegholen. Wenn Sie sehen,
wie sich an einer Pflanze die Krafte wie in Spiralen von Blattansatz
zu Blattansatz weiterentwickeln, dann haben Sie die Tatigkeit dieser
Krafte, welche von den Planeten hereinwirken. Und je nachdem
von diesem oder jenem Planeten herein die Krafte der Nach-
kommen der Geister der Bewegung wirken, wird diese eigentum-
liche Linie, welche die Blatter ansetzt, anders.
Es gibt ein gewisses Mittel, die wirklichen Bahnen der einzelnen
Planeten in ihrem Abbild zu studieren; und wenn man einmal in
der auBeren Wissenschaft diese Tatsache erkannt haben wird, dann
wird man noch manches an den bishetigen astronomischen Syste-
men zu kor rigieren haben. Gewisse Pflanzen sind zugeteilt den Kraf-
ten der Geister der Bewegung, die auf dem Mars sind, andere denen,
die auf der Venus, andere denen, die auf dem Merkur sind. Da wirken
sie herein, und je nachdem sie von dem einen oder anderen Pla-
neten her wirken, erteilen sie der Pflanze die in ihrem spiralen
Blattergewinde zum Ausdruck kommende Bewegung: dieselbe Be-
wegung, die der entsprechende Planet macht, die absolute Bewe-
gung, die er im Himmelsraum macht. Wenn Sie eine gewohnliche
Ackerwinde nehmen, noch dazu, wo der Stengel selbst gedreht ist,
da haben Sie in den spiralen Bewegungen des Stengels sogar nach-
geahmt planetarische Bewegungen, die von den Geistern der Bewe-
gung herruhren. Da wo der Stengel feststeht, da haben Sie in den
Blattansatzen Abbilder jener Krafte, die von den Geistern der
Bewegung aus den Planeten des Planetensystems herruhren. Diese
Krafte wirken bei der Pflanze zusammen mit den eigentlichen
Gruppen-Ichen, und diese Gruppen-Iche der Pflanzen, die wirken
nun alle so, daB wir die Richtung ihrer Krafte finden konnen,
wenn wir einfach die Sonne mit dem Mittelpunkt der Erde ver-
binden, das heiBt, es wirken zusammen mit den Kraften, die aus
den Geistern der Bewegung kommen, andere Krafte, welche in der
Richtung des Pflanzenstengels gehen, der ja irnmer nach dem
Mittelpunkt der Erde hin wirkt. "Wir haben also die gesamte Pflanze
zusammenzusetzen aus dem, was gegen die Sonne oder gegen den
Mittelpunkt der Erde hin wachst, und dem, was sich herumwindet
und in den Blattansatzen nachbildet die Bewegungen der Planeten.
Dem aber entspricht die reale Tatsache, daB wir die unmittelbaren
Wirkungsimpulse fur die Gruppen-Iche der Pflanzen in der Rich-
tung von der Erde zur Sonne hin zu suchen haben. Das heiBt, wenn
wir den okkulten Blick jetzt nicht nach den Planeten richten, son-
dern nach der Sonne, da bekommen wir die einzelnen Gruppen-
Iche fur die Pflanzen. Diese Gruppen-Iche der Pflanzen, die sind
nun ebenso Nachkommen der Geister der Weisheit, wie die Grup-
pen-Iche der Tiere Nachkommen der Geister der Bewegung sind.
Also wir haben in den Gruppen-Ichen der Pflanzen Nachkommen
der Geister der "Weisheit zu sehen.
Nun habe ich im Verlaufe dieser Vortrage ausgefuhrt, daB wir
in den Naturgeistern zu sehen haben Nachkommen der dritten
Hierarchie, daB wir zu sehen haben in den Gruppen-Ichen Nach-
kommen der zweiten Hierarchie. Dazu kommt jetzt das Hinzu-
treten der Geister der Umlaufszeiten, welche die Zeiten regeln. Hier
sind wir an einer Stelle, wo wir hinweisen konnen auf die Funk-
tion einer gewissen Kategorie solcher Geister der Umlaufszeiten.
Wir konnen an dieser Stelle namlich darauf hinweisen, daB gewisse
Geister der Umlaufszeiten fiir die Pflanze die Wirkungen der von
den Planeten herkommenden Bewegungskrafte, die spiralig wirken,
und der Krafte, welche von der Sonne her kommen, miteinander
verbinden. Die werden zu einer bestimmten Zeit verbunden durch
Geister der Umlaufszeiten, und zwar, wenn der Zeitpunkt des Jahres
eintritt, wo die Pflanze zu ihrer Befruchtung schreitet. Da verbindet
sich das spiralige Bewegungsprinzip mit dem Prinzip, das im Stengel
w'achst. Daher haben wir ja auch das Prinzip, welches spiralig wirkt,
in den StaubgefaBen und das Prinzip, das die direkte Fortsetzung
des Stengels ist, in dem Fruchtknoten in der Mitte der Pflanze.
Wenn der Kreislauf der Pflanze abgelaufen ist, das heiBt, wenn
die Geister der Umlaufszeiten fiir die Pflanze die Tatigkeit der
Planetengeister mit der Tatigkeit des Sonnengeistes verbinden,
dann ordnen sich bei der Pflanze, die also vollstandig ist, die-
jenigen Organe, die bis dahin spiralig den Planeten folgten,
hiibsch in einem Kreis an wie die StaubgefaBe ringsherum, und
der Stengel wachst und schlieBt sich ab im Fruchtknoten. Die
beiden werden verbunden. Es wird das Pflanzenwachstum ab-
geschlossen, indem hinzutritt zu den beiden geistigen Tatigkeiten
der Geister der Bewegung und der Geister der Weisheit, respek-
tive ihrer Nachkommen, die Tatigkeit der Geister der Umlaufs-
zeiten, welche die beiden geistigen Wesenheiten zu einer Art von
Ehe verbinden.
So haben wir in dem Pflanzenreich eine Gelegenheit gehabt,
Nachkommen der Geister der Weisheit kennenzulernen. Wir miis-
sen wiederum voraussetzen, dafi diese Nachkommen der Geister
der Weisheit — und Sie konnen das ja auch noch nachlesen in
meiner «Geheimwissenschaft» oder in der « Akasha-Chronik» — eben
sich gebildet haben aus diesen Geistern der Weisheit seit jener Zeit
her, da die Geister der Weisheit selber aus ihrer eigenen Substanz
heraus dem Menschen seinen atherischen Leib gegeben haben. Das
geschah, wahrend die Erde in dem Zustand der alten Sonne war. Da
wurde der menschliche Atherleib aus den Geistern der Weisheit her-
aus entlehnt. Nun ist aber seit jener Zeit die alte Sonne fortgeschrit-
ten zum Mondenzustand, dann wiederum der Mondenzustand fort-
geschritten zu unserem Erdenzustand. Schon wahrend des Monden-
zustandes waren die Geister der Weisheit, die einstmals wahrend der
alten Sonne die Fahigkeit hatten, aus ihrer eigenen Substanz heraus
dem Menschen seinen atherischen Leib zu geben, so weit fortgeschrit-
ten, daB sie nicht mehr unmittelbar aus sich heraus die Fahigkeit zu
entwickeln brauchten, dem Menschen etwas zu geben. Sie waren auf
der Erde zu hoheren Tatigkeiten f ortgeschritten. Nun ist es nicht nur
charakteristisch f iir die Nachkommen der Geister der Weisheit, die
wir gefunden haben als Gruppen-Iche fur das Pflanzenreich, daB sie
ihren unmitteibaren Impuls von der Sonne her geben, so daB er
also nicht nur von den Planeten zu kommen scheint, sondern von
der Sonne her; es ist auch den eigentlichen Geistern der Weisheit
eigen, dafi sie sich unmittelbar von der Sonne auf die Erde her-
kommend zeigen. Wie zeigen sich nun die Impulse, welche von
den Geistern der Weisheit, die ihre normale Entwickelung durch-
gemacht haben, herkommen?
Wir haben gesehen, daB in solchen Geistern wie dem den Buddha
inspirierenden zunachst ein normal entwickelter Geist der Bewegung
von einem Planeten her wirkt. Nun kommen wir dazu, die nor-
malen Geister der Weisheit aufzusuchen. Wir miissen sie nach dem
ganzen Geist der bisherigen Betrachtungen auf der Sonne suchen.
Wir miissen sie im selben Sinne auf der Sonne suchen, wie wir die
normalen Geister der Bewegung von den Planeten her wirkend
zu suchen haben, wenn sie auch ihren eigentlichen Wohnsitz auf
der Sonne haben. Unmittelbar von der Sonne ausgehend, haben wir
die Impulse der normal entwickelten Geister der Weisheit zu
suchen. Nun tritt uns aber hier etwas Eigentiimliches entgegen.
Zwar konnen wir fur die Pflanzen, weil wir es mit Nachkommen
der Geister der Weisheit zu tun haben, wenn wir okkult recht
genau vorgehen, Differenzierungen unterscheiden, aber wenn wir
die Pflanzen auf der Erde in ihrer Beziehung zu den Geistern der
Weisheit auf der Sonne anschauen, dann erscheinen uns ihre Be-
wegungen alle mehr oder weniger als Vertikalverbindung von der
Sonne mit dem Mittelpunkt der Erde. Wir konnen unterscheiden
das, was in der Pflanzenform von den Geistern, die auf den Pla-
neten ihren Sitz haben, herruhrt, aber es fliefit uns in die eine Verti-
kale zusammen dasjenige, was wir als von den Geistern der Weis-
heit herriihrend empfinden. In einer ahnlichen Weise verhalt es
sich, und davon wird ihnen jeder, der die okkulten Tatsachen auf
diesem Gebiete kennt, genau denselben Bericht geben konnen, daB
wir auf dem Gebiete, das wir da betreten, wenn wir den Blick nach
der Sonne richten — denn dort miissen wir die normalen Geister
der Weisheit suchen — , nicht mehr Differenzierungen unterscheiden
konnen. Da empfinden wir eine Einheit. Es fliefit uns das, was von
den normalen Geistern ausgeht, in eine Einheit zusammen. Und
wenn wir nun fragen, wo zeigt sich das, was von dieser Einheit
der Geister der Weisheit, die auf der Sonne unmittelbar ihren Sitz
haben, wo zeigt sich das in der Erdenwirksamkeit, dann kommen
wir zu einer noch weitergehenden Sphare.
Die Sphare eines solchen Geistes, wie er den Buddha inspiriert
hat, der also der Geist der Bewegung auf dem Merkur ist, sie ist
eben noch klein im Verhaltnis zu der weit umfassenderen Sphare,
die da im MenschenwerdeprozeB dirigiert wird von der als Einheit
empfundenen geistigen Wesenheit der Weisheit, die auf der Sonne
aufzusuchen ist. Wenn wir zuriickgehen in die Kultur des alten
Indiens, da finden wir, dafi die sieben heiligen Rischis von dem
sprachen, was sie aus ihren okkulten Griinden heraus ein jeglicher
der Menschheit zu geben hatten. Sie waren sich bewufit, daB sie das
bewahrt hatten, was durch sieben lange Kulturzeitraume dirigiert
war von den Geistern der Bewegung. Und wie wenn sieben hinter-
einanderliegende Zeitraume in der Erdenentwickelung dadurch auf
einmal wkken sollten, daB sie nebeneinander in ein Kollegium
groBe Individualitaten hineinstellten, so geschah es, daB diese sieben
aufeinanderf olgenden Wirksamkeiten von den Geistern der Planeten
zutage traten in demjenigen, was die heiligen sieben Rischis der
Menschheit zu sagen hatten, ein jeder von sich aus. Sie behaupteten
damit nicht etwa, das, was sie zu geben hatten, sei ein unmittel-
barer AusfluB eines Geistes der Bewegung, sondern sie sagten, daB
es wie eine Erinnerung in eines jeden Seele sei fur das, was fruher
die Geister der Bewegung gegeben hatten. Denn die hohen Weis-
tumer, welche die heiligen Rischis der Erdenmenschheit gaben,
waren die groBen Erinnerungen an die altatlantischen Kulturen,
nur neu gestaltet. Aber diese sieben heiligen Rischis sagten zu-
gleich: liber dem, was wir zu geben haben als Kulturen der auf-
einanderfolgenden Zeitraume, liegt etwas anderes, was iiber unserer
Sphare lebt. Vischvakarman nannten die heiligen Rischis das, was
iiber ihrer Sphare lag. Sie wiesen also hin auf etwas, was iiber ihrer
Sphare liegt, was eine groBere Erdensphare umfaBt als die der
einzelnen Geister der Bewegung. Wie diese Spharen der Zeitgeister,
so wiesen die heiligen Rischis auf Kulturepochen hin, die iiber den
Spharen der einzelnen Geister der Bewegung liegen.
Dann kam die Zarathustra-Kultur, und Zarathustra wies wieder-
um hin auf dasselbe, was die heiligen Rischis Vischvakarman ge-
nannt haben. Nur wies er in seiner Art darauf hin. Ahura Mazdao
nannte er es. Sowohl die heiligen Rischis wie auch Zarathustra
wuBten, daB dasjenige, was mit Vischvakarman gemeint ist, den Geist
der Weisheit darstellt, der umfassend auf die Erde stromt und
groBere Spharen hat als die Sphare der einzelnen Geister der Be-
wegung. Auch Zarathustra meinte, daB Ahura Mazdao groBere
Spharen hat als die Geister der Bewegung.
Und es kam die agyptische Kultur und sah aus gewissen Griin-
den die Notwendigkeit ein, zu sagen: Die Gegenwart, das heiBt die
damalige agyptische Gegenwart, ist nicht geeignet, so den Blick
hinaufzurichten zu jenem Sonnengeist der Weisheit, den der Zara-
thustra in seiner Art geahnt hat. — Daher kleidete die agyptische Kul-
tur ihre Anschauung von dem Wesen dieses Geistes in die Legende,
daB dieser Geist, als er der Erde sich mitteilen wollte, sogleich zer-
stiickelt wurde. Osiris, der von seinem Bruder zerstiickelt wird, er
ist ein Hinweis auf das, worauf schon die heiligen Rischis hin-
gewiesen hatten mk ihrem Vischvakarman. Und dann kam die vierte
nachatlantische Kulturperiode und wies darauf hin, daB dasjenige,
worauf jede Kulturepoche hingewiesen hatte, durch die besonderen
Verhaltnisse gerade fur diese vierte nachatlantische Kulturperiode
in unmittelbarer Anschauung zu erreichen sei; das heiBt, daB durch
besondere Vorgange der vierten nachatlantischen Kulturperiode die
Moglichkeit gegeben sei, dafi eine Wesenheit von ihr inspiriert wer-
den konnte.
Die sieben Rischis wiesen darauf hin, daB diese Wesenheit vor-
handen ist, Zarathustra, daB der okkulte Blick, der auf die Sonne
gerichtet ist, diese Wesenheit schaut, die agyptische Kultur, daB
diese Wesenheit der Erde noch so fremd ist, daB der Mensch sie erst
antrifft nach dem Tode; die vierte Kulturperiode durfte darauf
hinweisen, daB innerhalb unserer Erdenentwickelung die Bedingun-
gen eingetreten waren, daB drei Jahre hindurch eine menschliche
Wesenheit unmittelbar inspiriert werden konnte von diesem Geist
der Weisheit. Und es war dadurch moglich, zu erkennen, daB tat-
sachlich die Sphare dieses Sonnengeistes der Weisheit umfassender
ist als die Sphare der Geister der Bewegung, weil sie nun den
gesamten KulturprozeB der Erde umfaBt. Das heiBt, dasjenige, was
man in der Sprache der heiligen Rischis als Vischvakarman bezeich-
net, in der des Zarathustra als Ahura Mazdao, in der der agyp-
tischen Kultur, wenn man wirklich versteht, was hinter dem Na-
men steckt, als Osiris, und was man bezeichnete in der Sprache des
vierten Kulturzeitraumes mit dem Wort Christus, das hat herein-
geleuchtet durch das Tor des Sonnengeistes der Weisheit. — Eben-
sowenig als ich gesagt habe, daB es nur der Geist der Bewegung
ist, der durch den Buddha hereingeleuchtet hat, sowenig sage ich,
daB es nur der Sonnengeist der Weisheit ist, der durch den Chri-
stus hereingeleuchtet hat. Er war das Tor, um hinauszurichten den
okkulten Blick in unendliche Spharen, worin die Geister der hohe-
ren Hierarchien vorhanden sind; aber der EinlaB war der Geist der
Weisheit, der Sonnengeist der Weisheit. Wie die Sonne sich zu den
Planeten verhalt, so verhalt sich der Sonnengeist der Weisheit zu
den Geistern der Bewegung, die ihrerseits in solchen Geistern zum
Ausdruck kommen wie der, der den Buddha inspiriert hat. So hat
es in ihrer guten alten Theorie H. P. Blavatsky gemeint. Ihr ist es
niemals eingefallen, den Christus mit irgendeinem der Planeten-
geister der Bewegung etwa zu identifizieren.
Es ware ein arger Abfall von dem urspninglichen Geist der
theosophischen Bewegung, in dem so viel GroBes und Richtiges
und Bedeutsames an tiefen okkulten Wahrheiten geherrscht hat,
wenn man zu der Verwechselung dessen kommen sollte, was uns
durch den Okkultismus iiber solche Geister gelehrt werden kann,
die da gipfeln in einem Namen wie Buddha, von dem H. P. Bla-
vatsky in ihrer einfachen Anfuhrung so deutlich gezeigt hat, daB
er dem Merkurgeist entspricht — es ware ein Bruch mit alien
ursprunglichen Ausgangspunkten der theosophischen Verkiindi-
gung, mit dieser Lehre, die dazumal richtig verstanden worden ist
und aus der heraus niemals der Buddha-Geist mit dem Christus-
Geist verwechselt worden ware wenn man heute diese einzelnen
Wesenheiten durcheinanderwerfen wiirde; wenn man aus den
Grundelementen der okkulten Lehre heraus nicht den Unterschied
zu machen wuBte zwischen jenen Geistern, welche das Menschen-
werden im Laufe aufeinanderfolgender Zeitenspharen leiten und
die ihren Gipfel haben in Geistern wie Buddha, und jenem Geist,
auf den alle anderen, auch der Buddha selber, hingewiesen haben,
der der Einheitsgeist der Erdenkultur ist, so wie das Sonnenhafte
der Einheitskorper fur das Planetensystem ist. Und dieser Einheits-
geist muB im Sinne der vierten nachatlantischen Kulturperiode als
der Christus bezeichnet werden. Innerhalb des Sonnensystems kann
man nicht in dem gewohnlichen Sinn von zwei Sonnen sprechen
und etwa sagen, das ware eine andere Sonne, die den Widder be-
deckt das eine Mai, und eine andere Sonne, die den Steinbock
bedeckt das andere Mai. Man muB sich klar sein, daB es dieselbe
Sonne ist, die durch den ganzen Tierkreis geht, und daB es ver-
schiedene Planeten sind, die durch die Tierkreisbilder gehen. So
aber auch muB man sich klarsein, wenn man von dem Christus
spricht, der durch die Kulturspharen der ganzen Menschheits-
entwickelung der Erde hindurch geht, wie zu alien Zeiten von alien
Religionen anerkannt worden ist, da wo diese Religionen ihre
Gipfel erreichten. Dann muB man unterscheiden diesen Christus-
Geist von den Geistern der einzelnen Spharen, die etwa so in ihren
groBen Individualitaten gipfeln, wie der Buddhismus in seinem
Buddha gipfelt. Das zeigt uns, wie das Objektive in diesen Dingen
erst zu finden ist.
Es darf, wenn der abendlandische Okkultist auf diese Tatsache
hinweisen muB, ihm nicht etwa zum Vorwurf gemacht werden, daB
er etwas vertreten wolle, was intolerant ware gegen andere Reli-
gionssysteme, wahrend die Theosophie die Aufgabe habe, jedes
Religionssystem zu seinem Rechte kommen zu lassen. Bei einem
solchen Vorwurf darf man nicht vergessen, daB das, was da von
dem abendlandischen Okkultisten gefordert wird, schon geleistet
ist. Ist der Christus-Impuls aus dem Abendland heraus geworden?
Hat irgendein Volk des Abendlandes den Christus-Impuls aus sei-
nem Volkstum, aus seinem Rassentum herausgeboren? Nein, es hat
den Christus-Impuls als einen Impuls, der der ganzen Menschheit
gilt, angenommen, trotzdem dieser Christus-Impuls in bezug auf
sein auBeres Auftreten den Volkern des Abendlandes fremd war.
Es hat die abendlandische Kultur damit zuerst gezeigt, daB sie Ver-
standnis hat fur jene EntauBerung, welche notwendig ist in bezug
auf das Eigene. Indem das Abendland sich des Geistes der Bewe-
gung auf dem Mars als unmittelbaren Inspirators entschlagen hat,
damals, als es vertauschte diesen Inspirator mit dem Christus-Geist,
mit dem Inspirator, der da entspricht dem Geist der Weisheit auf
der Sonne, da hat das Abendland eine historische, eine wichtige
Tat geleistet. Und es ist unangemessen, wenn etwa von anderer
religioser Seite gerade um dieser Sache willen dem Abendland
Intoleranz vorgeworfen wiirde. Die groBen Fuhrer der anderen
Religionen zeigen uberall, daB sie iiber den Geistern der Bewegung
den Geist der Weisheit anerkennen. BloB diejenigen, die ihren
eigenen Geist der Bewegung unter einem anderen Namen zu einer
Art fuhrendem Geist machen wollen, die selber den Schritt nicht
unternehmen wollen, von ihrem Geist aufzusteigen zu dem Sonnen-
geist, die konnen davon sprechen, daB eine Intoleranz bei den-
jenigen vorliegt, die das Tolerante schon geleistet haben. Man leiste
auf anderen Gebieten erst jene Toleranz, welche das Abendland
geleistet hat, indem es vertauscht hat seinen Geist der Bewegung
mit dem Geist der "Weisheit.
So ist mit dieser Tat schon vortheosophisch die theosophische Tat
vollfuhrt, den einzelnen Religionen zu ihrem Recht zu verhelfen,
indem kein einzelner, zu irgendeiner einzelnen Menschengruppe
gehoriger Impuls beansprucht wird fur den Christus, sondern nur
das, was auch die Theosophie beansprucht: jenen Impuls zu suchen,
welcher ein Menschheitsimpuls ist im Unterschied zu den speziel-
len Religionen, wie der Sonnenimpuls fiir alle Planeten. Es ge-
schieht aus den Tiefen des Okkultismus heraus, wenn diese Tat-
sache objektiv so dargestellt wird, und es ware, wenn jemals ge-
sagt wiirde, daB diese Darstellung des Christus-Impulses irgend-
einem besonderen nationalen oder Volkerinteresse oder abendlan-
dischen Interesse entspringt, es ware das nur moglich aus einem
Nichtwissen der faktischen Verhaltnisse heraus oder aus einem Ent-
stellen derselben. Es kommt in alien Dingen darauf an, daB wir
ungeschminkt und kiihn den objektiven Tatsachen ins Auge
schauen. Wir konnen dies nur, wenn wir in die Tiefen des Welten-
werdens hineinschauen. Alle okkulten Wahrheiten zeigen uns zu-
letzt, wie das Weltenwerden geschieht. Aber wir miissen den Mut,
wir miissen auch die Unbefangenheit haben, uns diesem Welten-
werden gegeniiberzustellen. Was gehen uns Namen an, ob sie aus
dem Orient oder aus dem Okzident entlehnt sind, ob sie von diesen
oder jenen personlichen Geistern getragen werden; die gehen uns
nichts an. Das, was in der Welt wirkt, das geht uns an, das miissen
wir bekennen. Und Geisteswissenschaft fiihrt uns dazu, das zu
schauen, das zu sehen, was in der Welt wirkt. Haben wir es ja im
Grunde genommen auf dem geisteswissenschaftlichen Felde so
leicht schon aus dem Instinkt heraus, mochte ich sagen, das Rich-
tige zu finden. Wir miissen nicht immer lechzen nach neuen Sen-
sationen, sondern ein wenig zu verstehen suchen, was in den ersten
Impulsen der theosophischen Bewegung liegt. Indem H. P. Blavatsky
identifiziert hat den Buddha mit dem Merkur, war eine groJ3e
Wahrheit ausgesprochen, die urn so besser erkannt wird, je mehr
man auf okkultem Gebiet das Verhaltnis des Buddha zum Christus
erkennt, so wie man die kosmischen Verhaltnisse besser erkennt,
wenn man das Verhaltnis des Planeten Merkur zum Fixstern Sonne
erkennt. Die Dinge lassen sich nicht durch Menschenvorurteile aus
den Angeln heben. Sie wirken nur das Richtige im KulturprozeB,
wenn wir ihnen unbefangen ins Auge schauen.
Diese Betrachtung durfte angefiigt werden gerade an dasjenige,
was heute iiber die in den Planeten und in der Sonne wirksamen
Geister gesagt wurde, denn diese Geister erstrecken ihre Wirksam-
keit auf die Erde, und von vielem, was in popularen Vortragen
gelehrt werden mu6, ahnt die Welt nicht, wie tief es in okkulten
Grunden wurzelt. Wie tief begrundet ist das Verhaltnis der auf-
einanderfolgenden Kulturspharen, das jetzt gegeben werden darf,
von denen die eine im Buddha kulminiert, die andere in dem,
nennen Sie es, wie Sie wollen, die vierte Kulturepoche nannte es:
Christus. Wie sich das eine von dem anderen unterscheidet, kann
nur aus den Tiefen des Okkultismus heraus gelernt werden. Der
Okkultismus aber bezeugt uns auch, wie, richtig angesehen, der
Kosmos uns iiberall Zeichen bietet fur das, was tief in unsere Her-
zen sich einspricht. So dafi wir sagen konnen: Lernen wir die Schrift,
die ausgebreitet ist im Kosmos, in den Sternen, in ihrer Anordnung
und Bewegung kennen, so spricht iiberall aus dem Kosmos das-
jenige, was unsere Herzen durchdringt mit der Wahrheit, mit der
Liebe und mit jener Frommigkeit, die die Menschheitsentwicke-
lung forttr'agt von Epoche zu Epoche.
ZEHNTER VORTRAG
Helsingfors, 14. April 1912
Aus der Darstellung, die gestern gegeben werden konnte iiber das
Zusammenwirken der verschiedenen Geister der einzeinen Hier-
archien in den Naturreichen, ist uns zunachst noch geblieben eine
Betrachtung des mineralischen Reiches. Wir erinnern uns daran,
daB wir das mineralische Reich so charakterisieren konnten, daB
auf dem physischen Plan, in der physischen Welt von ihm nur der
physische Leib vorhanden ist, daB wir dagegen dasjenige, was als
atherischer Leib dem Mineral entspricht, zu suchen haben in der
sogenannten astralischen Welt, den astralischen Leib in der niederen
devachanischen Welt und das eigentliche Gruppen-Ich des Mineral-
reiches auf dem hoheren Devachanplan. So bildet das mineralische
Reich einen merkwiirdigen Gegensatz zum Menschen. Wahrend
wir sagen muBten, daB beim Menschen auf dem physischen Plan
alle vier GHeder seiner Wesenheit wirksam sind, sowohl der phy-
sische wie der atherische, der astralische Leib und das Ich, so miis-
sen wir gleichsam auseinanderschalen dasjenige, was der Mensch
auf dem einen Plan hat, und sagen: Auf dem astralischen Plan
haben wir beim Mineral das zu suchen, was dem atherischen Leib
des Menschen entspricht, auf dem Devachanplan den astralischen
Leib und auf dem hoheren Devachanplan das Gruppen-Ich des
Mineralreichs. So ist in bezug auf seine Wirkungsweise fur das
Mineralreich in verschiedene Welten verteilt, was beim Menschen
in der physischen Welt zusammengefaBt ist. Wenn wir mit dem
okkulten Blick wiederum verfolgen, um was es sich real dabei han-
delt, so stellt sich uns folgendes heraus. Wir mussen im Sinne des
Okkultismus auf dem physischen Plan von dem Mineralreich zu-
nachst uberhaupt nur dasjenige suchen, was wirklich physisch wahr-
nehmbar ist, was also fur die auBeren Sinne vom Mineralreich
wahrnehmbar ist. Wir mussen uns klar sein dariiber, daB vom
Mineralreich zunachst wahrnehmbar ist dasjenige, was wir die
Formen, die Gestalten nennen. Wir wissen ja — das kann hier
nur beriihrt werden — , daB uns die mineralische Welt, teilweise
wenigstens, in einer solchen Weise geformt, gestaltet entgegen-
tritt, daB wir diese Gestaltung als etwas der mineralischen Na-
tur Angeraessenes empfinden. Wenn wir einen Korper in Wiirfel-
form erblicken und einen anderen in einer anderen Form, so
wissen wir, daB diese Formen nichts Zufalliges sind, sondern daB
sie in einer gewissen Weise mit der Natur des Minerals zusammen-
hangen.
Es lehrt uns nun die okkulte Forschung, daB diese Formen im
Mineralreich, die wir ja auch als Kristallformen bezeichnen, zu-
nachst auf die Wirkungsweise der Geister der Form zuriickzufuh-
ren sind. Eben weil der Okkultismus uberall auf die Realit'at aus-
geht und sucht, woher dieses oder jenes ruhrt, so wird auch die
Namengebung im Okkultismus so getroffen, daB der Name irgend-
wo auf etwas Charakteristisches hinweist. Und der Name Geist der
Form ist aus dem Grunde gewahlt worden, weil in dem Reiche, das
wir auf der Erde als das mineralische Reich ansprechen, wirksam
sich erweisen die Geister der Form, und ferner vor alien Dingen
die Nachkommen der Geister der Form in dem Sinne, wie wir von
Nachkommen der Geister hoherer Hierarchien im Laufe dieser Vor-
trage gesprochen haben. Wir miissen, wenn wir die Natur des
Minerals verstehen wollen, uns jetzt klar dariiber sein, daB eigent-
lich in der Hauptsache fur das physische Wahrnehmen diese For-
men des Minerals vorhanden sind; dann allerdings gewisse Krafte,
die sich im Mineralreich auBern, zum Beispiel Krafte der Elektrizi-
tat, des Magnetismus, Krafte, die da bewirken, daB die Mineralien
uns in gewissen Farben erscheinen. Kurz, wir miissen uns klar sein
dariiber, daB eigentlich von dem Mineralreich in der Hauptsache
nur die Form auf dem physischen Plan zu beobachten ist. Lassen
wir zunachst die anderen Eigenschaften unberiicksichtigt, betrach-
ten wir die Form, die uns wenigstens bei einem groBen Teil des
Mineralrekhes entgegentritt, und seien wir uns klar, daB diese reine
Form zunachst von der Wirkungsweise der Geister der Form oder
von ihren Nachkommen herruhrt.
Nun kommen wir 2u dem, was wir als zweites Glied eines We-
sens des Mineralreiches anzusprechen haben, zum sogenannten
atherischen Leib. Der okkulte Forscher findet das, was er als den
atherischen Leib bei einem Mineral anzusprechen hat, nicht in der
physischen Welt, er findet es in demselben Gebiete, in dem er
suchen muB, wenn er zum Beispiel den astralischen Leib der Pflanze
oder das Gruppen-Ich der Tiere ins Auge faBt. Und wir haben
gestern gesehen, er braucht keine anderen Veranstaltungen in sei-
ner Seele zu machen als diejenigen, die notwendig sind, um die
Gruppen-Iche der Tiere zu finden: mit denselben BewuBtseins-
zustanden, mit denen er die Gruppen-Iche der Tiere wahrnimmt,
findet er auch die astralischen Wesenheiten der Pflanzen und das,
was als Atherisches dem Mineralreich zugrunde liegt. Nun hat sich
uns gezeigt, daB wir dazu mit unserer Beobachtung bis in die Re-
gion der Planeten eines Planetensystems gehen miissen; also bei
unserem Planetensystem zu denjenigen Planeten, die auBerhalb der
Erde vorhanden sind. Und wir haben gezeigt, wie sozusagen un-
mittelbar von diesen Planetenorten her die entsprechenden Krafte
wirken, welche sich in den Gruppen-Ichen der Tiere, in den Astral-
leibern der Pflanzen auBern. Dahin miissen wir aber auch gehen,
wenn wir suchen wollen, was atherisch hineinwirkt in die Minera-
lien. Wie ein Mineral umspult wird von Lebenskraften, das zeigt
sich uns erst, wenn wir bis zu jenem allgemeinen Leben gehen,
welches gleichartig ist von der Erde bis zu den iibrigen Planeten
unseres Planetensystems. So haben wir also das Prinzip, durch wel-
ches das Mineralische belebt wird, das Leben des Minerals, nicht in
der physischen Welt zu suchen, nicht im Bereich dessen, was unsere
Erde unmittelbar uns darbietet, sondern in den Lebensstromungen,
die von den Planeten herunterstromen. Angeregt allerdings von der
Sonne, aber unmittelbar eben doch von den Planeten herunter-
stromend und lebendig unseren Erdplaneten durchdringend, um da
drinnen mit ihren Nachkommen, den atherischen Naturgeistern,
von denen wir gesprochen haben, zu durchdringen dasjenige, was
Form ist, so daB also dasjenige, was Form ist, Innerlichkeit hat;
mit anderen Worten, daB die Form des Minerals, als einzig und
allein vom physischen Plan herriihrend, nicht durchdringlich ist,
sondern uns Widerstand entgegensetzt. Wiirde im Mineral zunachst
nichts wirksam sein als das, was auf dem physischen Plan wirksam
ist, dann wiirde das Mineral uns eben bloB die Form wahrnehm-
bar machen, aber es ist diese Form ausgefiillt mit Innerlichkeit.
Das Mineral hat doch auch Innerlichkeit, es hat die Innerlichkeit
der verschiedenen Mineralsubstanzen. Es hat nicht nur Form, es
hat Materie, es hat Substanz. Wenn wir diese Substanz unmittelbar
in der physischen Welt gewahr werden, so ist sie allerdings eine
erstorbene, eine tote Substanz; fur den Weltenraum ist sie nicht tot,
fur den Planetenraum wenigstens ist sie etwas, was zu seinem Leben
gehort, was das Leben des Planetensystems ausscheidet. So wie der
menschliche oder tierische Organismus, sagen wir, auch Harte-
produkte ausscheidet, die Nagel zum Beispiel, so wird ausgeschie-
den die mineralische Substanz. Aber die wirksamen Krafte, durch
welche diese ausgeschieden werden, sind nicht auf der Erde selber
zu suchen, und daher erscheinen sie uns fur die Erde tot. Es sind
diese Lebensstromungen, diese Lebenskrafte, es ist dieses Atherische
als herabstromend von den einzelnen Planeten zu suchen. Und so
wie wir beim Betrachten der Gruppen-Iche der Tiere sagen konn-
ten: es werden eigentlich nur allgemeine Formen geschaffen durch
die Gruppen-Iche der Tiere, die dann weker ausgebaut werden, so
mtissen wir auch sagen: die Lebensstromungen, welche von den
einzelnen Planeten herunterstrbmen und die Erde allseitig durch-
dringen, sie schaffen fur die Mineralien nicht die Formen, denn die
werden geschaffen durch die Geister der Form, sondern es werden
durch diese Stromungen die Mineralien durchdrungen mit Inner-
lichkeit, aber zunachst so, daB diese Innerlichkeit gewisse Haupt-
typen, Hauptinnerlichkeiten, Hauptsubstanzen gibt, und eine jede
Substanz hangt mit irgendeiner Stromung, die von einem Planeten
ausgeht, zusammen. Nur werden von diesen Planeten aus beim
mineralischen Reich, weil die Mineralien gleich feste Formen be-
kommen, durch diese planetarischen Stromungen nicht Typen
geschaffen, die in Beweglichkeit sind, sondern gleich eindeutige
Typen, und es werden dann durch die verschiedenen Stellungen
der Planeten, wie ich das gestern fiir die Gruppenseelen der Tiere
geschildert habe, auBer den Haupttypen, auBer den Hauptsubstan-
zen andere Typen, Nebensubstanzen geschafTen, die wiederum von
der Konstellation der einzelnen Planeten abhangen; aber das, was
die Planeten dur ch ihre urspr iingliche Eigenheit schaffen, das driickt
sich in den Hauptsubstanzen des Erdorganismus aus.
Wir haben also gewisse mineralische Hauptsubstanzen des Erd-
organismus, von denen wir sagen konnen: Hier ist eine Substanz,
die ist so, wie sie ist, dadurch, daB sie mit einer atherischen Stro-
mung von dem einen Planeten durchzogen wird; eine andere wird
von einer Stromung von einem anderen Planeten her durchzogen.
So daB wir die Natur der mineralischen Substanzen zuruckzufuhren
haben auf Tatigkeiten innerhalb des Planetensystems, auf Tatig-
keiten, die sich innerhalb des Erdenorganismus als atherische Stro-
mungen auBern. Und deshalb haben die okkulten Schulen, die
solche Sachen zu untersuchen haben, wirklich auch die Haupt-
substanzen unseres Erdenorganismus so auf die Planeten bezogen,
daB sie diejenigen Substanzen, die ganz unmittelbar, nicht erst
durch Konstellation, sondern durch die Haupttatigkeit der Planeten
bewirkt sind, mit denselben oder ahnlichen Namen bezeichnet haben
wie die Planeten; oder wenigstens haben sie diese Substanzen in
Zusammenhang gebracht mit den entsprechenden Planeten, und
zwar so, daB dabei wirklich die okkulte Beobachtung eingehalten
worden ist. Nehmen wir innerhalb unseres Planetensystems den
Saturn, so hangt mit der Stromung, die gerade unmittelbar von ihm
als Lebensstrdmung die Erde durchzieht, die Substanz zusammen,
die wir als Blei bezeichnen. Wir haben da also eine Grundsubstanz,
die innerlich belebt ist vom Saturn aus. Vom Jupiter aus haben
wir als Hauptsubstanz das Zinn, vom Mars das Eisen, von der Venus
— also jetzt im okkulten Sinn gemeint — das Kupfer. Bei dem Mer-
kur hat man ja zu beriicksichtigen, daB er spater mit der Venus
verwechselt worden ist. Was nun die Lebenstatigkek des Merkur,
im Sinne der eigentlichen okkulten Namengebung, substantiell
schaffend bewirkt hat, indem sie eindrang in den Erdenorganismus,
das zeigte durch die groBere Nahe noch mehr Ahnlichkeit mit dem
Planeten selbst, denn der Merkur steht ja der Erde naher als die
anderen Planeten. Darum hat man der Substanz denselben Namen
gegeben wie dem Weltenkorper selbst, namlich Merkur oder
Quecksilber. Das sind die Hauptsubstanzen, die in ihrem Atherieib
zusammenhangen mit den entsprechenden Planeten des Planeten-
systems. Und wenn wk uns erinnern, wie wir von dem, was iiber-
haupt von dem Planetensystem aus wirkt, sprechen muBten in
bezug auf die Gruppenseelen der Tiere, in bezug auf die Astral-
leiber der Pflanzen, so handelte es sich immer um Wesenheiten,
die im Zusammenhang stehen mit den Geistern der Bewegung, ent-
weder mit ihnen selbst oder ihren Nachkommen, und die von den
Planeten des Planetensystems in ihrer Gesamtheit auf die Erde wir-
ken. So miissen wir dasjenige wiederum zur Sphare der Geister der
Bewegung rechnen, was atherisch die mineralischen Substanzen
durchdringt.
Nur um eine Welt hoher, sozusagen, haben wir zu steigen, wenn
wir in Betracht ziehen wollen, was als astralischer Leib zu dem
mineralischen Reich gehort. Im Sinne unserer gepflogenen Be-
trachtung wird es Ihnen klar sein, daB wir, so wie wir von dem
astralischen Leib der Pflanzen zu dem Gruppen-Ich der Pflanzen
aufsteigen muBten, von den Planeten zur Sonne, zum Fixstern hin,
so beim mineralischen Reich, wenn wir von dem atherischen Leib
zum astralischen Leib gehen, wiederum zum Fixstern hin aufsteigen
miissen. Das heiBt, wir konnen verstehen, daB der okkulte Blick
uns sagt, daB das Astralische des Minerals in der Reihe der Wesen-
heiten der Hierarchie von dem aus wirkt, was wahrnehmbar ist
unmittelbar von der Sonne her, von dem, was wir Geister der Weis-
heit nennen oder was zusammenhangt mit der Sphare dieser Gei-
ster der Weisheit. Also es kommt alles in Betracht, auch was Nach-
kommen der Geister der Weisheit sind. Das, was da im Mineral
wirkt, zeigt sich fur die okkulte Forschung allerdings abgesondert,
auBerhalb des Minerals. Aber es zeigt sich so, daB allerdings das
Leben, das jetzt eben geschildert worden ist als im Mineral sich
befindend, als das Atherische des Minerals, von auBen herein-
gedrangt wird. Wahrend der astralische Leib, sagen wir, beim Men-
schen oder Tier das Atherische von innen zusammenhalt, wird beim
Mineral das Atherische vom astralischen Leib, der auBerhalb des
Minerals ist, gleichsam zusammengeschoben, nicht zusammen-
gezogen wie beim Menschen oder Tier. Wir konnten sagen: Wenn
wir das Verhaltnis des astralischen Leibes des Menschen zu dem
atherischen Leib betrachten, so wird das, was ais atherischer Leib
wirkt, durch anziehende Krafte zusammengehalten; bei dem Mine-
ral ist das so, daB das Atherische von auBen durch Krafte zusam-
mengeschoben wird, so daB also in die Form des Minerals durch
astralische Wirkungskrafte hineingeschoben wird der Inhalt, die
Innerlichkeit, die sich in der atherischen Stromung zum Ausdruck
bringt. Das Mineral wird astralisch von auBen zusammengehalten,
und zwar dadurch, daB dieses Mineral in bezug auf dieses astra-
lische Zusammendrangen bestimmt wird durch die verschiedenen
Stellungen, die die Sonne zur Erde hat. Man konnte sagen: Von
dem Punkte aus, von dem die Sonne auf die Erde scheint, wird die
atherische Substanz in das Mineral hineingeschoben. Wahrend also
dieses Atherische selber von dem Planeten dirigiert wird, wird es
hineingeschoben und zusammengehalten im Mineral oder Kristall
von der Sonne aus, von jenen Kr'af ten aus, die zur Sphare der Gei-
ster der Weisheit gehoren.
7.
/
Nun zeigt sich da aber etwas sehr Merkwiirdiges. Wenn wir diese
Wirkung, die als astralische Kraft von der Sonne aus auf die
Mineralien wirkt, okkult durchforschen, so erkennen wir gerade an
diesem Punkt am allerdeutlichsten eine auBerordentlich wichtige
Tatsache: Wir lernen namlich hier kennen, daB, wahrend alle
atherischen Krafte, die auf die Mineralien wirken und eigentlich
ihre Grundsubstanzen bilden, von den Planeten herriihren, auch
von der Sonne aus solche atherische Stromungen auf die Erde her-
untergehen. Also wahrend im allgemeinen fiir die normale Bildung
der Mineralien das substantiell Atherische von den Planeten her
kommt und nur die atherische Substanz von auBen zusammen-
gezogen, zusammengeschoben wird durch die Krafte, die von der
Sonne ausgehen, ist es doch wiederum nicht so, daft von der Sonne
gar keine atherischen Stromungen herunterkamen, sondern es
kommt tatsachlich eine solche Stromung von ihr herunter. Woher
ruhrt das nun? Warum kommt da von der Sonne eine atherische
Stromung herunter, die gleichsam das Mineral doch innerlich be-
leben kann? Warum geschieht das?
Das geschieht aus dem Grunde, weil da hinein wirkt dasjenige,
was ich bezeichnet habe als das luziferische Prinzip. Diejenigen
Geister, die aus der Reihe der hoheren Hierarchien heraus astra-
lisch auf die Mineralien wirken, sind, wie wir eben erwahnt haben,
die Geister der Weisheit, wahrend die Geister der Bewegung athe-
risch wirken. Es gibt nun solche Geister der Weisheit, von der
Sonne aus wirksam, die ihren normalen EntwickelungsprozeB
durchgemacht haben; die wirken so, wie das eben beschrieben wor-
den ist, sie wirken astralisch auf das Mineralische. Es sind aber Gei-
ster der Weisheit luziferisch geworden. Wir haben dieses Luzi-
ferischwerden von gewissen geistigen Wesenheiten einer Hierarchie
wie eine Art Rebellentum im Weltall bezeichnen konnen. Dieses
Rebellentum wird dadurch bewirkt, daB sich gewisse Geister einer
hierarchischen Stufe gegen ihresgleichen auflehnen und dadurch
ihnen entgegenwirken, etwas anderes wirken. Erreicht wird dieses
Auflehnen dadurch, daB sie einfach die Entwickelung nicht mit-
machen, die die anderen machen. Sie bleiben einfach zurtick auf
einer fruheren Stufe. So wie wir es in unserer eigenen Seele erleben,
daB wir fortwollen, aber die Vorstellungen und Gewohnheiten, die
wir uns angeeignet haben, uns nicht fortlassen, weil sie auch dasein
wollen. Unsere Gewohnheiten sind oftmals die Rebellen gegen das,
was wir uns in einer neuen Lebensepoche erworben haben. So sind
die geistigeri Wesenheiten, die auf einer fruheren Stufe zurtickblei-
ben, die Rebellen im Weltenall. Die luziferischen Geister, die
Weisheitsgeister aus der zweiten Hierarchie, welche nicht mitge-
macht haben die Entwickelung, die stromen nun, statt daB sie von
der Sonne auf die Mineralien astralische Stromungen aussenden,
atherische Strome herunter auf die Erde. Dadurch aber geschah
es, daB eine gewisse mineralische Grundsubstanz gebildet wurde,
die direkt von der Sonne her ihre Innerlichkeit erhielt. Also nicht
von den Planeten, sondern von der Sonne her hat diese Grund-
substanz ihre Innerlichkeit erhalten, und das ist das Gold. Der
Okkultist hat deshalb der Sonne direkt zugeteilt das Gold. Das
Gold ist jenes luziferische Mineral, welches in bezug auf seine
Innerlichkeit nicht von den Planeten atherisch bewirkt wird, son-
dern von der Sonne aus. Dadurch ist gerade dieses Metall in einer
gewissen Beziehung etwas anderes als die anderen Metalle.
Nun konnen Sie leicht begreifen, daB dadurch, daB atherische
Stromungen von der Sonne kommen und etwas in der Erde bewir-
ken, was eigentlich innerhalb der Erde ein Rebellenprinzip ist, das
Gleichgewicht der Erde gestort ist. Das Gleichgewicht der Erde in
bezug auf das Mineralreich ware dann vorhanden, wenn alle athe-
rischen Einfliisse auf die Mineralien von den Planeten kamen und
nur die astralischen Einfliisse von der Sonne. So aber gibt es auch
von der Sonne her direkte atherische Einfliisse, die das Gleich-
gewicht storen. Dieses Gleichgewicht muBte nun durch die weisen
Weltenfiihrer wiederum hergestellt werden. Die Erde konnte ihre
Evolution nicht in solchem Zustande durchfuhren. Das Zusammen-
wirken der Hierarchien muBte so geschehen, daB wiederum Gleich-
gewicht bewirkt wurde. Den starkeren luziferischen Atherkraften
muBten entgegengestellt werden Krafte, die diese Wirkung in einer
gewissen Weise paralysieren, aufheben. Das konnte nur dadurch
geschehen, daB der Atherstromung, welche von der Sonne kam,
eine andere entgegengestellt worden ist, die mit ihr in ein Wechsel-
spiel tritt und ihre Wirkungen in einer gewissen Weise ausgleicht.
Wahrend sich also Geister der Weisheit luziferisch erwiesen haben
und von der Sonne in das Mineralreich der Erde schickten Ather-
stromungen, haben andere Geister daftir gesorgt, daB diesen Stro-
mungen andere Stromungen entgegengesetzt werden. Diese ent-
gegengesetzten Strome, die das Gleichgewicht wieder herstellen,
sind nun dadurch geschaffen worden, daB aus der gestorten Gleich-
gewichtssubstanz der Erde ein Teil abgesondert wurde und als
Mond die Erde umkreiste. So kommen den Atherstromungen von
der Sonne her jene Atherstrome entgegen, die nun von dem Mond
von der ganz anderen Seite her auf die Erde flieBen und das Gleich-
gewicht wieder herstellen. Es muBten also, weil luziferische Geister
der Weisheit auf der Sonne die Moglichkeit gewonnen hatten,
Atherstrome auszusenden, andere Geister der Weisheit darauf ver-
zichten, von der Sonne aus zu wirken, vielmehr sich herbeilassen,
ihre Krafte dazu zu verwenden, um das Gleichgewicht herzustellen.
Das heiBt: eine Weltenkolonie, eine Planetenkolonie wurde be-
griindet auf dem Monde, von dem nun ausstromten atherische Stro-
mungen nach der Erde hin, so daB eine Substanz erzeugt wurde, die
in der Erde sein muBte, damit die direkte Goldkraft abgeschwacht
wurde. Das geschah dadurch, daB der Mond von der Erde getrennt
wurde. Und von den Geistern der Weisheit her, die den Mond ab-
getrennt haben und jetzt gewissermaBen die Gegner der luziferi-
schen Geister der Weisheit von der Sonne geworden sind, durch-
stromen die Erde diejenigen Atherkrafte, die nun zum Silber als
Substanz gefuhrt haben. Sie sehen daraus, daB in dem Weltall, in
dem Kosmos gewisse Dinge so wirken, daB man, ich mochte sagen,
mit einem gewissen Schema zurechtkommen kann, aber das Eigen-
artige ist, daB dieses Schema iiberall durchbrochen wird. Wenn
jemand schematisch behaupten wollte, alle Atherkrafte fiir die
Mineralien kamen von den Planeten, so wiirde er sich irren, denn
in Wahrheit kommen zwei Atherstrome von anderen Seiten her,
die eine von der Sonne, die andere vom Monde, und dadurch
werden auf andere Weise gerade zwei Grundsubstanzen gebildet.
Wenn wir uns einmal vergegenstandlichen wollen, versinnlichen
wollen, wie sich das, was ich eben erzahlt habe, auBerlich zum Aus-
druck bringt im Weltenall, so konnen wir dazu den folgenden Weg
einschlagen. Wir miissen uns zuerst klarwerden dariiber, was es
denn eigentlich ist, was wir sehen, wenn wir zur Sonne hinauf-
schauen. Wir haben ja vor einigen Tagen gezeigt, wie von den
hoheren Hierarchien eine eigene Entwickelung auf dem Fixstern
eigentlich nur durchmachen die Geister, die heruntergehen bis zu
den Geistern der Weisheit. So daB wir sagen konnen: Wenn wir
den Blick hinausrichten auf einen Fixstern, so ist das, was da drin-
nen ist im Fixstern, eigentlich Inhaltssubstanz der Geister der Weis-
heit. Das ist der wahre Inhalt des Fixsterns. Ja, der Mensch kann
sich eigentlich zunachst von dem, was diese Substanz der Geister
der Weisheit ist, nur dann eine Vorstellung bilden, wenn er das
nimmt, was in ihm selber wenigstens als Bild dieser Substanz vor-
handen ist. Was ist in uns selber, im Menschen, in der mensch-
lichen Seele ein Bild der Substanz der Geister der Weisheit? Unsere
Gedanken. Aber unsere Gedanken sehen wir nicht mit physischen
Augen. Das ist das Wesentliche, daB auch die Fixsterne, insofern
sie der Schauplatz sind der echten Geister der Weisheit, auch nicht
zu sehen sind mit physischen Augen. Hier stehen wir an einem
Punkt, wo wir wiederum hinweisen konnen auf das ungeheuer Be-
deutungsvolle, das uns in den religiosen Urkunden, die auf Okkul-
tismus gebaut sind, entgegentritt. Sie wissen ja, daB in der bibli-
schen Urkunde, in der Genesis, die Menschen auf eine ganz eigen-
artige Weise geschaffen werden. Es wird uns gesagt, daB zur Eva
Luzifer hinzutrat und ihr sagte, wenn sie das tut, was er will, wer-
den ihr die Augen aufgetan werden. Wer den urspriinglichen Text
kennt, wird auch da nicht mit einer symbolischen Erklarung bei
der Hand sein. Denn wie das Gute und Bose in der Bibel gemeint
ist, ist es nicht auf das moralische Gute und Bose bezogen — das
gehort einer ganz anderen Kulturentwickelungsschichte an — , was
dort als gut und bose bezeichnet wird, ist das, was auBen gesehen
wird, also etwas, das nicht geistig-seelisch geschaut wird, sondern
mit Sinnesaugen. «Eure Augen werden aufgetan werden! » Vorher
waren sie nicht aufgetan. Das ist buchstablich zu nehmen. Bevor
Luzifer herangetreten ist an den Menschen, konnte der Mensch
hinausschauen; er sah mit einem urspriinglichen, den Menschen zu-
teil gewordenen Hellsehen die Fixsterne, aber er sah sie so, wie sie
sind in ihrer Substanz als der Substanz der Geister der Weisheit:
er sah sie geistig. Und er fing an, sie physisch zu schauen, das heifit,
es strahlte ihm erst fur seine physischen Augen wahrnehmbares
Licht entgegen, als er selber, der Mensch, der luziferischen Ver-
suchung unterlegen war. Das heifit, so wie die Fixsterne zunachst
dirigiert werden von den Geistern der Weisheit, so sind sie phy-
sisch nicht sichtbar, so verbreiten sie nicht physisches Licht. Phy-
sisches Licht kann nur verbreitet werden, wenn etwas zugrunde
liegt, was dem Lichte wie ein Trager unterliegt, wenn das Licht
gleichsam gefesselt wird durch einen Trager. Dafi ein Fixstern
sichtbar werden kann, dazu ist noch etwas anderes notwendig, als
daB bloB die geistigen Wesen der Weisheit in dem Fixstern wirken.
Dazu ist notwendig, daB in diesem Fixstern luziferische Geister
wirken, die sich auflehnen gegen die bloBe Substanz der Weisheit,
die diese bloBe Substanz der Weisheit durchsetzen mit ihrem Prin-
zip. Und so ist innerhalb des Fixsterns dasjenige, was nur geistig
sichtbar ist, untermischt mit dem, was sich gegen diese bloB gei-
stige Sichtbarkeit auflehnt als Luziferisches in den Fixsternen, was
das Licht bis zur physischen Erscheinung heraustragt.
Der Fixstern ware nicht sichtbar, wenn er nicht in sich zu den
Geistern der Weisheit, die normal fortgeschritten sind, auch solche
hatte, die nicht ihr Ziel erreicht haben, die auf untergeordneter
Stufe stehengeblieben sind, entweder auf der Stufe der Geister der
Bewegung oder der Geister der Form. Stehengebliebene Geister der
Weisheit, die nicht ihr Ziel erreicht haben, die haben wir als die Tra-
ger des Lichtes in der lichtlosen Geistsubstanz der Fixsterne anzu-
erkennen. Und wenn wir uns nun dariiber klar sind, daB uns also
eigentlich von den Fixsternen, somit auch von unserer Sonne, phy-
sisch Leuchtendes nur entgegendringt, weil sich den normalen Gei-
stern der Weisheit die zuriickgebliebenen beigesellen und zu Tragern
des Lichtes, zu Luzifer, zu Phosphoros werden, so werden wir uns jetzt
auch klar dariiber sein, daB derselbe Grund, der die Sonne sichtbar
macht, der uns von dem Fixstern das Licht zusendet, auch der ist,
der die atherischen Lebensstrome nach der Erde schickt und das
Gold bewirkt. Deshalb war es notwendig, daB eben von dem
Monde aus die anderen Krafte entgegenwirken, welche — als Ather-
strome nimmt der okkulte Blick das wahr — zum Silber fiihren.
Wenn es nun aber wirklich Geister der Weisheit gibt, welche den
Mond der Sonne entgegenstellen, urn einen Ausgleich zu schaffen,
so miissen wir uns sagen: Diese Geister der Weisheit auf dem
Monde konnen nicht leuchten, denn Geister der Weisheit leuchten
nicht. Wenn daher der okkulte Blick die Geister auf dem Monde
sucht, so findet er sie nicht leuchtend. Aber ausschlieBen miissen
diese Geister der Weisheit, die auf dem Monde eine Kolonie be-
griindeten, die luziferischen Geister gerade vom Monde, sonst wiirde
ja keine Waage gehalten werden.
Daher darf vom Mond kein Eigenlicht ausstrdmen, sondern nur
das Licht, das als Sonnenlicht zuriickgeworfen wird. Auf dem Mond
haben ganz normale Geister der Weisheit wie durch ein Opfer
ihren Sitz aufgeschlagen, urn von da aus die Erde zu versorgen mit
den notigen Stromen, die das Gleichgewicht halten gegeniiber den
luziferischen Stromungen, die von der Sonne ausgehen. Daher ist
vom Mond das Eigenlicht ausgeschlossen. Und es ist jetzt nicht
schwer, in dem auBeren Tatbestand, der uns in der physischen Welt
entgegentritt, ein Symbolum zu sehen fiir einen tiefen okkulten
Zusammenhang. Von der Sonne erscheint uns Eigenlicht, von dem
Monde nicht, und das zuriickgeworfene Licht, das uns vom Monde
zustrahlt und von dem Luzifer der Trager ist, Luzifer, Phosphoros
kiindigt uns an, daB dieses Licht ausgeschlossen ist von dem Mond.
Das, was Luzifer ist, kann nur dadurch in einem Bild, in einer Maja
vom Monde herein erscheinen, daB Sonnenlicht zuriickgestrahlt
wird. Wenn also zum Beispiel die Mondsichel Sonnenlicht zuriick-
strahlt, so ist zunachst auf dem Mond selber nichts von luziferi-
schen Geistern der Weisheit, sondern das, was von der Sonne her-
stromt von den luziferischen Geistern der Weisheit, das wird als
Licht zuriickgeworfen. Richtet man nun den okkulten Blick nach
dem Mond hinauf, dann verschwindet das, was der physische Blick
sieht, dann verschwindet die leuchtende Mondsichel, denn die ist
nur fiir physische Augen da; aber an der Stelle, wo die Mondsichel
ist, da zeigt sich dem okkulten Blick das reale Wesen, das dem
Lichtschein im Kosmos zugrunde liegt, zeigt sich das Bild des
Luzifer, allerdings wie ein Spiegelbild. Denken Sie sich also das
Bild des Luzifer fur den okkulten Blick an die Stelle der Mond-
sichel gesetzt, dann miissen Sie sagen: Dieser Mond verdankt seine
Entstehung dem Umstand, daB normale Geister der Weisheit Ver-
zicht geleistet haben auf ihren Wohnplatz auf der Sonne, auf-
geschlagen haben ihren Wohnplatz auf dieser Kolonie und dort
bandigen, was von den luziferischen Geistern ausstrahlt. Daher
zeigt sich fur den okkulten Blick der Geist der Weisheit hier ober-
halb der Mondsichel, bandigend das luziferische Prinzip. Wie ein
guter Geist der Weisheit, der da bandigt das luziferische Prinzip
unter sich, so zeigt der okkulte Tatbestand sich symbolisch vor der
Imagination.
Die Okkultisten haben daher eine Gestalt hingestellt, die man
gewohnlich auffaBt als einen Erzboten des hoheren Geistes der
Weisheit, der Luzifer bezahmt, und an Stelle der Mondsichel ist
hingestellt der Luzifer, der gefesselt, der gebandigt wird. Das ist
ein okkultes Bild. Sie finden auch unter unseren okkulten Bildern
eines, das darstellt, wie der Erzbote bandigt Luzifer. Das weist eben
auf tiefe okkulte Geheimnisse hin. Das, was aufierlich in der Maja
erscheint, ist in Wahrheit zuzuschreiben dem Zusammenwirken der
Geister der Hierarchien. Wenn wir die Mondsichel mit physischen
Augen sehen, silbererglanzend, und oben noch wie einen Schatten
dadrinnen das Finstere, das manchmal zu erblicken ist, so verwan-
delt sich vor dem okkulten Blick die Mondsichel in ein lebendiges
Lebewesen mit dem bandigenden Geist dariiber, der das Gleich-
gewicht vom Mond aus herstellt. Sie sehen also, daB schon, urn eine
solche Erscheinung hervorzubringen, wie unser Erdenmond ist,
mancherlei Veranstaltungen im Kosmos notig sind. Das Zusam-
menwirken der verschiedenen Hierarchien im Kosmos ist ein sehr
kompliziertes, und man wiirde auch in einer langeren Reihe von
Vortragen immer nur Andeutungen geben konnen. Wir konnen
nur das Prinzip, wie diese geistigen Hierarchien zusammenwirken,
klarmachen.
Halten Sie bitte diesen Gedanken fest, der jetzt ausgefuhrt wor-
den ist in Ankniipfung an den astralischen Leib der Mineralien.
Wir haben ja jetzt noch das Gruppen-Ich der Mineralien zu be-
trachten. Wenn wir dieses Gruppen-Ich ins Auge fassen, so ist das
zunachst in einer noch hoheren iibersinnlichen Welt zu suchen, das
heiBt in einer Welt, die wir nicht innerhalb der Gebiete finden, wo
die Gruppen-Iche der Tiere oder die der Pflanzen sind. Wir kon-
nen es deshalb auch nicht auf der Sonne finden. Wo zeigt sich denn
nun dem okkulten Blick das Gruppen-Ich der Mineralien? Ja, sehen
Sie, das ist das Eigentiimliche, daB dieses Gruppen-Ich der Minera-
lien eigentlich nirgends so recht sein Ende hat, wenn wir in den
Weltenraum hinausgehen: dafi es im ganzen weiten Weltenraum
ist und von da hereinwirkt. Da kommen wir dazu, einzusehen: Wir
miissen das Gruppen-Ich des Mineralreiches eigentlich auBerhalb
des Planetensystems suchen, wir miissen es als etwas ansehen, das
von auBen her in das Planetenreich hereinwirkt. Das stimmt ja in-
sofern auch mit dem, was Sie aus der « Akasha-Chronik» wissen: dafi
die nachsthohere Klasse von Wesenheken nach den Geistern der
Weishek die Geister des Willens oder die Throne sind. Diese Gei-
ster des Willens, die der ersten Hierarchie angehoren — ihre Nach-
kommen bringen es aber nicht so weit, daB sie der ersten Hier-
archie beizuzahlen sind — , diese Geister des Willens oder ihre Nach-
kommen geben dasjenige ab, was zum Gruppen-Ich der Mineralien
fuhrt und was im Grunde genommen von auBen in das Planeten-
system hereinwirkt. Das stimmt ja auch damit iiberein, daB gleich
mit der AusgieBung der Geister des Willens die Bildung des
Planetensystems beginnt mit dem alten Saturn, der bewirkt wird
von den Geistern des Willens. So wie diese dazumal aus dem
Weltenall die erste Verkorperung unserer Erde aufgebaut haben, so
wirken sie auch jetzt noch. Sehen konnen wir diese Geister des Wil-
lens eigentlich nur dadurch, dafi sie, wenn sie luziferisch werden, in
einer gewissen Weise sich in jenen Erscheinungen zeigen, die wir
als Meteore im Bereich der Erde finden und die wie aus dem Welten-
raum hereinkommen. Es zeigt sich uns, man mochte sagen, der kos-
mische Ursprung, der auBerirdische Ursprung dessen, was da in
Betracht kommt, dadurch dafi, wenn diese Geister des Willens
hereinwirken, sie sich angliedern, leicht, leicht angliedern an das,
was in das Planetensystem hereinwirkt als kometarische und meteo-
rische Wesenheiten, kometarisches oder meteorisches Leben.
Wir haben gezeigt, was dieses Leben fiir einen Sinn hat inner-
halb des Planetensystems. Andeutend mochte ich wenigstens be-
merken, daB tatsachlich der Komet etwas ist, was von auBen herein-
kommt, was sich aber in gewisser Weise das Mineralische anglie-
dert. Indem der Komet das Planetensystem durchfahrt, gliedert sich
an, was auch von den Geistern des Willens herstammt, das Minera-
lische. Und die Folge kann sein, daB, indem der Komet das
Planetensystem durchsaust, sich Mineralisches angliedert, das dann
von der Erde angezogen wird und hinunterfallt. Das ist natiirlich
nicht der Komet; es verhalt sich vielmehr so, daB er in irgendeiner
Weise durch Meteorsteinauswurfe sich auf der Erde ankundigt. Die
Dinge sind durchaus sachgemaB, und wenn sich bei einer Betrach-
tung gewisse Widerspriiche herausstellen zu dem, was friiher dar-
gestellt wurde, so darf man immer gewartig sein, daJ3 diese Wider-
spriiche sich einfach losen, wenn man alles, was in Betracht kommt,
wirklich beriicksichtigt.
Das war nur eine Andeutung, die zeigen sollte, dafi wir es im
Planetensystem wirklich mit Dingen zu tun haben, die aus dem
Kosmos hereinwirken. Diese Gruppenseelen der Mineralien wirken
strahlenformig von auflen nach innen. Und da ja von den verschie-
denen Seiten her der Raum uns verschiedene Wirkungsweisen dar-
bietet, da es ja nicht ein gleichartiger Raum ist, strahlen uns diese
Gruppenseelen der Mineralien, die dem Bereich der Geister des
Willens angehoren, von den verschiedenen Seiten her in der ver-
schiedensten Weise entgegen. Durch das Zusammenwirken nun
dessen, was fiir die Mineralien von den Planeten kommt, was von
der Sonne kommt und was aus dem Weltenall hereinstromt in den
verschiedensten Richtungen, durch alles das entsteht die Moglich-
keit, daB nicht nur jene Grundtypen, die wir heute erwahnt haben,
im Mineralreich vorhanden sind, sondern daB alle moglichen
anderen Formen und alle moglichen anders modifizierten Substan-
zen des Mineralreiches sich bilden. Welche Substanz ein Mineral
aufweist, das hangt lediglich davon ab, in welcher Weise die Krafte,
die von den Planeten aus wirken, wiederum beeinfluBt werden von
anderen Kraften, die entweder astralisch von der Sonne her oder
aber aus dem Weltenraum herein in verschiedenen Richtungen auf
die Erde zustrdmen. Die ganze Mannigfaltigkeit des Mineralreiches
kann damit also begriffen werden.
Wenn wir unseren heutigen Saturn betrachten, so stellt er sich
zunachst fiir den okkulten Blick als der auBerste Planet unseres
Planetensystems dar. Warum? Weil eigentlich der Saturn als Planet
geradeso wie der alte Saturn, welcher die erste fiir uns verfolgbare
Verkorperung unseres Erdenzustandes ist, mitbewirkt wird von den
auBeren Stromungen, die aus dem Weltenraum hereinkommen.
Und wenn wir in einem sehr friihen Zustand unserer Erden-
entwickelung den Saturn hatten beobachten konnen, so wiirden wir
gesehen haben, daB er in seiner Bahn wie eine Art von Kern hat
und eine Art Kometenschweif, welcher hinausgeht in die Welten-
weiten. Der Saturn wiirde sich fiir alte Zeiten durchaus so gezeigt
haben, daB er einen Kern hat und einen richtigen Kometenschweif,
der in die Weiten hinausgeht. Das heiBt, der Saturn wiirde sich in
Urzeiten unserer Erde als ein in der Saturnbahn fortgehender, den
Schweif nach auBen gerichteter Komet gezeigt haben.
So war er friiher, so zeigen ihn die Tatsachen der Akasha-Chro-
nik. Dieser Schweif des alten Saturn, der gab die verschiedensten
Richtungen in den Raum hinaus an, welche den Stromungen ent-
sprachen, die vom Weltenraum hereinkamen, dirigiert von den Gei-
stern des Willens, die die Gruppenseelen der Mineralien sind. In
einer spateren Zeit, als durch die Geister der anderen Hierarchien
das Planetensystem in sich geschlossen worden ist, da hat sich das,
was sonst in den Weltenraum hinausging, so zusammengezogen,
daB aus dem Schweif ein in sich geschlossener Ring wurde. Durch
die Anziehung des Planetensystems formierte es sich zu dem Ring.
Der Ring des Saturns ist nichts anderes vor dem okkulten Blick als
genau dieselbe Erscheinung wie ein Kometenschweif . Wenn Sie den
Ring des Saturns nehmen wiirden, wie er den Saturn umkreist, und
ihn auflosten, so hatten Sie den Kometenschweif.
Wir haben also die Moglichkeit, auf das Hereinstromen der
Gruppenseelen der Mineralien in unser planetarisches System noch
zuriickzusehen. Wiederum geben uns die einzelnen Stationen in
der Hauptsache die Zeichen des Tierkreises an. Zu bemerken ist,
daB die beiden auBersten Planeten, die heute von der physischen
Astronomie zu unserem System gezahlt werden, Uranus und Nep-
tun, urspriinglich nicht zu unserem Sonnensystem gehorten, son-
dern daB diese viel spater zugeflogen und in den Anziehungsbereich
unseres Systems gekommen sind. Dann wurden sie Genossen und
blieben bei dem Sonnensystem. Also nicht in demselben Sinn kon-
nen sie zu unserem System zugezahlt werden wie die anderen
Planeten vom Saturn an, die sozusagen vom Anfang an zu unserem
System gehorten. So haben wir im Saturn, namentlich wenn wir
ihn in seiner alten Gestalt betrachten, einen Planeten zu sehen,
der, indem er seine eigene von seiner Mitte ausgehende atherische
Stromung unserer Erde zuschickt, die Substanz des Bleies, wir kon-
nen sogar sagen, schafft. Wir sehen aber zugleich, wie die Gruppen-
seelen der Mineralien hereinstromen, wie diese Gruppenseelen er-
griffen werden, indem auf sie eine Anziehung ausgeiibt wird von
der Sonne, von der aus der astralische Leib des Minerals ausstromt.
Von der Sonne stromt in den Raum hinaus der astralische Leib des
Minerals, vom Weltenraum herein stromt das Ich des Minerals.
Indem sie zusammenstromen, wird etwas bewirkt, was modifiziert
gleichsam sich ausdriickt in einer Befruchtung des Gruppen-Ichs
mit dem astralischen Leib und wodurch erst das Mineral in seiner
Vollstandigkeit zustande kommt.
So haben wir aber auch, wenn wir noch einmal auf die Kometen
zuriickgehen, in den Kometen etwas zu sehen, was im Grunde ge-
nommen aus dem Weltenraum herein mit einer ahnlichen Art von
Wesenheit stromt wie die Gruppenseelen der Mineralien. Die
Gruppenseelen der Mineralien gehoren dem Bereich der Geister des
Willens an. Uber sie hinaus liegen nun die Wesenheiten, die dem
Kometenleben wesentlich zugrunde liegen. Aber iiberall gibt es
luziferische Wesenheiten; so auch in den Kometen drinnen, welche
auf der Stufe der Throne, nicht der Seraphim oder Cherubim stehen.
Dadurch bekommt der Komet eine mineralische Natur, erscheint
also als ein mineralischer Einschlag im Planetensystem, und wir
haben, mit anderen Worten, in den Kometen Weltenkorper zu
sehen, die aus dem Kosmos hereinfliegen zu einer Zeit, als das
Planetensystem schon gebildet ist, und die daher nicht so weit kom-
men wie die Korper innerhalb des Planetensystems selbst, sondern
auf einer wesentlich friiheren Stufe zuriickbleiben.
Es wiirde nun allerdings reizvoll sein, die Stufen des Welten-
werdens zu verfolgen, wie sie sich bilden durch das Zusammenwir-
ken der Geister der Hierarchien innerhalb eines Fixsternsystems,
wie diese selben Geister uns im Grunde genommen erscheinen,
wenn wir den Blick hinausrichten auf Weltennebel und auf feme
Fixsterne. Wo immer wir den okkulten Blick auf einen Fixstern
richten, iiberall begegnen wir zunachst normalen Geistern der Weis-
heit. Es wiirde unsichtbar bleiben der ganze Himmel fiir die phy-
sischen Augen und sichtbar nur fiir ein hellsichtiges BewuBtsein,
wenn nur diese normalen Geister der Weisheit wirkten. Aber iiber-
all sind in die normalen Geister der Weisheit hineingemischt
luziferische Geister, die physisches Eigenlicht in die Fixsternwelten
hineinbringen. Wenn uns der nachtliche Sternenhimmel entgegen-
leuchtet, wirkt eigentlich Phosphoros aus unzahligen Punkten her,
und iiberall im Weltall finden wir die Moglichkeit der Gestaltung
nur durch das Zusammenwirken von Gegensatzen, durch das Zu-
sammenwirken von den normalen Geistern der Hierarchien mit
denen, die Rebellen geworden, das heiBt zuriickgeblieben sind. Un-
leuchtend dem physischen Auge, aber dem geistigen Auge sichtbar,
ist der Sternenhimmel durch die normalen Geister der Weisheit;
leuchtend wurde er dem physischen Auge, in Maja zeigt er sich
durch Luzifer oder durch die luziferischen Geister, die iiberall tatig
sind und sein miissen.
So haben wir, meine lieben Freunde, audi im Mineralreich etwas
Merkwiirdiges gesehen. Wir haben sozusagen heute abgefangen
den Mond als einen Schauplatz, von dem aus ein Weisheitsgeist
wirkt, der Luzifer bandigt, weil ein Ort geschaffen werden muBte,
von dem aus durch den Gegensatz das Gleichgewicht gegeniiber
der luziferischen Wirksamkeit hergestellt werden konnte. Welche
Bedeutung hat das nun fur den Menschen? Wir haben gesehen,
wie beim Menschen alles zusammengedrangt ist auf den physischen
Plan, was gleichsam verteilt ist iiber die Welten fiir das Mineral.
Wir haben Gruppenseelen gefunden fiir die Mineralien, Pflanzen,
Tiere. Gibt es auch fiir den Menschen eine Art Gruppenseele? O ja.
Die Gruppenseelen der Mineralien finden wir im Reich der Throne,
die Gruppenseelen der Pflanzen in der Sphare der Geister der Weis-
heit, die Gruppenseelen der Tiere in der Sphare der Geister der
Bewegung; der Mensch aber hat seine Gruppenseele so erhalten,
daB mit dem Einflofien seines Ich eine Gruppenseele urspriinglich
als der AusfluB der Geister der Form gegeben war. Und was diese
Gruppenseele des Menschen, die eigentlich durch die Geister der
Form dazu bestimmt war, eine einheitliche Seele in der ganzen
Menschheit zu sein, was diese Gruppenseele differenziert, geglie-
dert hat in solche Verschiedenheiten, daB Rassenverschiedenheiten,
Stammesverschiedenheiten auftraten, das ist nun durch das Wirken
der anderen Geister geschehen. Wir haben einiges davon gestern
andeuten konnen. Der Mensch ist iiber die Erde hin als eine Einheit
geschaffen worden, durch die sich geltend machen sollte das ge-
meinsame, das Ur-Ich der Menschen wie eine Gruppenseele, die in
alien Menschen lebt, die eben bis zum physischen Plan herunter-
gestiegen ist. So wie fiir die Mineralien nur die auBere Form von
den Geistern der Form zustande gebracht werden kann, so wird
von denselben Geistern der Form fiir den Menschen das Gruppen-
Ich geschaffen, das dann durch die anderen Wesenheiten der ver-
schiedenen Hierarchien differenziert wird. Was nun fiir das minera-
lische Reich durch die Bildung des Mondes an Gleichgewicht ge-
schaffen worden ist, es ist auch fiir den Menschen an Gleichgewicht
geschaffen worden, und zwar so, daB, wahrend fiir das mineralische
Reich im Mond auch der physische Ausgleich da ist, nun auch fiir
den Menschen genau in derselben Weise ein Mondprinzip vorhan-
den ist, das dem luziferischen EinfluB auf die menschliche Natur
ebenso entgegenwirkt wie im Mineralreich das dunkle Mond-
prinzip dem luziferischen Prinzip. Wie in der mineralischen Welt
im Monde etwas wirksam ist, was das Gleichgewicht halt dem von
der Sonne ausstromenden luziferischen Prinzip, so wirkt ein gei-
stiges Mondprinzip vom Mond aus der Versuchung des Luzifer ent-
gegen, die an den Menschen herangetreten ist im Verlaufe der
Erdenentwickelung. Und wie wir gesehen haben, daB alle Planeten,
alle Himmelskorper in Zusammenhang stehen mit Wesenheiten
der hdheren Hierarchien, so auch der Mond. Die Geister der Weis-
hek begriindeten eine Kolonie auf dem Monde, um das Gleich-
gewicht zu retten, und so wirken auch in der Richtung vom Mond
her auf den Menschen ausgleichende Geister, zunachst gegen Luzi-
fer, der versuchend an den Menschen herantrat und, wie er das
Licht verbreitete, so auch seine geistigen Prinzipien in die Men-
schenseele hineinsenkte. So daB wir damit auch hinweisen konnen
auf den Mond als den Trager des Gegners des Luzifer, als den
Wohnsitz von flnsteren Geistern, die aber da sein miissen, damit
den vorwartsdrangenden Lichttragern, die zugleich die versuchen-
den Geister der Menschheit sind, das Gleichgewicht gehalten werde.
Im hebraischen Altertum wurde im Grunde genommen das Ge-
heimnis vom Mond und seinem geistigen Prinzip zuerst der Mensch-
heit enthiillt, und was wir physisch am Mond gefunden haben, ist
in seinem geistigen Aspekt das, was das hebraische Altertum als
das Jahveprinzip bezeichnet. Es ist damit sozusagen der Mond als
der Ausgangspunkt der Wirkungskrafte des Gegners des Luzifer auf
den Menschen bezeichnet. Jahve oder Jehova ist der Gegner des
Luzifer. Die althebraische Geheimlehre schaut hin auf die Sonne
und sagt sich: In der Sonne wirken die unsichtbaren Geister der
Weisheit, die nur fiir den geistigen Blick sichtbar sind, nicht aber
fur den physischen Blick. Fiir diesen strahlt herunter das Prinzip
des Luzifer. Was auGerlich zu sehen ist an dem Sonnenprinzip, ist
Luzifer; darinnen aber wirkt geheimnisvoll, unsichtbar fiir den phy-
sischen Blick alles das, was erreichbar ist durch die Geister der
Weisheit, die das Tor dazu bilden. Abgetrennt und geopfert hat sich
einer dieser Geister der Weisheit und seinen Platz auf dem Mond
aufgeschlagen, urn von da aus so zu wirken, daB das Licht geban-
digt, aber auch das Geistige des Luzifer getilgt wird. — Einen Ab-
gesandten jener wahren, hoheren geistigen Wesenheiten, zu denen
sich der Blick eroffnet durch die Geister der Weisheit, wenn geistig
auf die Sonne geschaut wird, sah das hebraische Altertum in Jahve
oder Jehova. So lange — das stellte sich mit Recht das althebraische
Altertum vor — so lange muB Jahve vom Mond her wirken, bis
die Menschen reif geworden sind, innerlich wenigstens zunachst,
zu ahnen, zu empflnden, was nach und nach im weiteren Verlauf
die Menschheit auch erkennend schauen wird: da6 nicht nur das
Physische des Luzifer von der Sonne her kommt, sondern von der
Sonne aus die Verbreitung desjenigen geschieht, wozu die Geister
der Weisheit das Tor sind.
So erschien dem hebraischen Altertum in Jahve das, was gleich-
artig ist mit den Geistern der Weisheit der Sonne, und wir konnen
sagen: Wie das Sonnenlicht vom Mond im Raum zuriickgeworfen
wird, so war fiir die wirklichen Kenner des hebraischen Altertums
Jahve die Zuriickstrahlung jener geistigen Wesenheit, die einstmals,
wenn die Menschen reif werden, von der Sonne herstrahlen wird,
deren Erscheinen die Rischis und Zarathustra und die Osirisdiener
vorausgesagt haben. Wie im Raum das Sonnenlicht vom Mond
zuriickgestrahit ist, so zeigte sich in Jahve oder Jehova wie eine
Reflexion das Prinzip des Sonnengeistes, den Sie mit einem Namen,
wie Sie wollen, bezeichnen konnen: mit Vischvakarman, wie ihn die
alten Inder, mit Ahur a Mazdao, wie ihn Zarathustr a, mit Osiris, wie
ihn die alten Agypter, oder mit Christus, wie ihn die vierte nach-
atlantische Kulturperiode bezeichnet hat. Das ist die esoterische
Auffassung des Jahve: es ist der vom Mondenprinzip zuriick-
gestrahlte und, weil in der Zeit zuriickgestrahlte, vorher angekiin-
digte Christus. Daher uns auch im Johannesevangelium eine Stelle
entgegentritt, die sonst niemals verstanden werden kann, da wo
darauf hingewiesen wird, daJ3 bei Moses die Rede ist von dem Chri-
stus. Es ist in Wahrheit die Rede von Jahve; aber es ist der Christus,
der vorher verkiindigt wurde. Es wird auf eine solche Stelle hin-
gewiesen, wo von Jahve die Rede ist, weil der Trager des Christus
damit die Tatsache andeutet, dafi Jahve nur der in der Vorzeit
angekiindigte Christus ist.
So sehen wir, wie diese Dinge in sich selber zusammenstimmen
und wie sich uns zusammenschlieBt die heutige Betrachtung mit
der gestrigen; wie wir nunmehr in dem, was wir auBeres Licht und
seinen Trager nennen, etwas zu sehen haben, was im Kampfe liegt
mit einem geistigen Prinzip, das auf dem normalen Punkt seiner
Entwickelung ist und das uns zunachst als der geistige Mittelpunkt
unseres Planetensystems so erscheint, wie wir das gestern und heute
dargestellt haben. Auf Namen kommt es dabei nicht an, sondern
darauf, daB wir die ganze Bedeutung dieses Prinzips erkennen. Wir
miissen erkennen, daB wir auf geistigem Gebiete sprechen vom
Christus, wie wir sprechen auf physischem Gebiete von der Sonne;
daB wir auf geistigem Gebiete von den Planetengeistern und den
Planeten sprechen, wie wir sprechen in der Entwickelung der
Erdenkultur etwa von dem Prinzip des Buddha. Hier haben Sie
wiederum einen Punkt, wo Sie eine der bedeutenden Offenbarungen
finden, die Ihnen entgegentreten bei H. P. Blavatsky. Was fiir
groBe Offenbarungen in der «Geheimlehre» sind, ersehen Sie auch
wiederum aus der Behandlung, die Blavatsky dem Jahvebegriff
zuteil werden laBt. Wir brauchen uns nicht daran zu stoBen, daB
sie den Dingen nicht gerecht wird, weil sie eine gewisse Antipathie
gegen Christus und Jahve hat; aber das Wahre dringt doch durch,
und die Charakteristik des Jahve als einer Mondgottheit und die
Darstellung, da6 Luzifer sein Gegner ist, bei H. P. Blavatsky, das
erweist sich als etwas wie, man mochte sagen, der gebrochene Aus-
druck eines Wahren. Und die Darstellung, die da bei Blavatsky
gegeben ist aus der Inspiration, sie erhalt nur bei ihr eine subjektive
Farbung, weil sie die Empfindung hatte, daB Luzifer eigentlich eine
gute Gottheit ist. Sie empfand ihn als eine gute Gottheit. Sie zog
ihn in gewisser Beziehung dem Mondgott vor, weil Luzifer fur sie
ein Sonnengott war. Das ist er auch, aber wir muBten den wahren
Zusammenhang hinstellen, damit wir den Ausspruch, der friiher
figurierte, begreifen konnen: Christus ist der wahre Luzifer. «Christus
verus Luciferus.» Heute klingt das nicht mehr gut fur die Men-
schen. Damals hat es noch gut geklungen, als man aus den alten
Geheimlehren wufite: In dem auBeren physischen Licht oflenbart
sich Luzifer, der Lichttrager, aber wenn wir durch das physische
Licht durchdringen zu den Geistern der Weisheit, durchdringen
zum geistigen Licht, dann gelangen wir zu dem Lichttrager des
geistigen Lichtes: Christus verus Luciferus.
Ich denke, meine lieben Freunde, daB trotz all der Unvollkom-
menheit, mit der dieses umfassende Thema hat ausgefiihrt werden
konnen, dennoch vor Ihre Seelen getreten ist, was wir ja auf
geisteswissenschaftlichem Gebiet immer erreichen wollen: daB uns
die Behandlung eines jeglichen Themas dahin bringt, aus dem
Sinnlichen ins Geistige aufzuschauen. Bei den Himmelskorpern,
die uns als die Abdriicke der Weltenwunder hereinleuchten aus
dem Raum, wird das ja in vieler Beziehung ganz besonders schwer,
weil wir in den Himmelskorpern ein kompliziertes Zusammen-
wirken der Wesenheiten der verschiedenen Hierarchien haben und
weil wir alles das, was im Weltenraum geschieht, doch nur begrei-
fen konnen, wenn wir auch hier hinter aller Materie, selbst hinter
der Lichtmaterie, den Geist oder die Geister finden. Hinter all
diesem Geistigen liegt ja das gemeinsame, das vaterliche, gottliche
Leben. Dieses eine alluberall und immer wirkende, allgottliche
Leben gliedert sich, bevor es im Physischen zum Ausdruck kommt,
in zahlreiche Welten geistiger Hierarchien. Wir aber blicken auf
zu diesen Welten und sehen in ihnen das, was den Wundern des
Himmels zugrunde liegt und herunterwirkt bis in unsere Natur-
reiche hinein. Denn auch in unseren Naturreichen zeigen sich die
Hierarchien selber oder ihre Nachkommen. Wenn wir so in den
Himmelsraum hinausblicken, dann konnen wir durch eine solche
Betrachtung doch auch einen moralischen Eindruck bekommen,
einen moralischen Eindruck, der darin bestehen muB, daB, wenn
wir die gewaltigen Wirkungen der Hierarchien am Himmelsraum
auf uns ein wenig EinfluB gewinnen lassen, wir dann abgezogen
werden von den Leidenschaften, von den Trieben, Begierden, Vor-
stellungen, die das physische Erdenleben zeitigt. Diese Vorstellun-
gen, diese Triebe, Begierden und Leidenschaften, die das physische
Erdenleben zeitigt, sie sind es im wesentlichen, welche iiber die
Erdenentwickelung das hinwerfen, was die Menschen in Partei-
ungen spaltet, was die Menschen iiber die Erde hin zu Gegnern
und Anhangern der verschiedensten Richtungen macht. Man
kommt in einem hoheren moralischen Sinn zu einer Freiheit, wenn
man wenigstens fur kurze Momente von der Betrachtung des
Irdischen sich losreiBt und die Welten der Geister im Weltenraum
betrachtet. Da werden wir frei von dem, was sonst hereinspielt in
unsere egoistischen Triebe, die doch nur die Ursachen aller Erden-
kampfe und aller Erdenkleinigkeiten sind. Daher ist es wohl das
sicherste Mittel, gerade die hohen Ideale des anthroposophischen
Lebens zu erreichen, wenn wir zuweilen den Blick hinaufrichten
zu den Sternenwelten und ihren geistigen Lenkern und Leitern,
den Hierarchien. Wenn wir da oben, so wie wir es gestern und
heute versucht haben, Kulturstrdmungen ergriinden und die Bedeu-
tung der inspirierenden Geister fur die Religionen und Weisheits-
trager der Menschheit, dann wird es uns vergehen, Streit zu fiihren
auf der Erde wie die Bekenner einzelner Systeme. Wir werden
uns nicht an Namen hangen, nicht an Bekenntnisse einzelner Grup-
pen von Menschen auf der Erde. Wenn die Menschen dort ihre
Erkenntnisse suchen werden, wohin die Blicke aller Menschen der
Erde sich richten konnen und wo sie gemeinsame Erkenntnisse
finden — Erkenntnisse, welche einen und nicht entzweien — , wenn
die Menschen wirklich vordringen werden bis zu dem, was als
Himmelssprache ausspricht die Bedeutung der verschiedenen Reli-
gionsstifter und Inspiratoren der Menschheit, dann wird das geistes-
wissenschaftliche Ideal einer toleranten und unbefangenen Betrach-
tung aller Religionen und Weltanschauungen wirklich eintreten
konnen. Es werden sich die Menschen nicht mehr streiten, wenn
sie nicht mehr fur eine Gruppe diesen oder jenen Trager religioser
oder sonstiger Kulturstromungen in Anspruch nehmen, sondern
wenn sie die Ursprunge dieser Trager drauBen im Himmelsraum
suchen. In diesem Sinn kann auch eine solche Betrachtung eine
groBe moralische Bedeutung gewinnen, indem fur mancherlei, was
sonst auf der Erde Entzweiungen, Disharmonien bringt, Friede,
Harmonie gestiftet wird. Nur miissen wir lernen, die gewaltige, in
den Formen und Bewegungen der Himmelskorper gegebene Schrift
zu lesen, lesen wie wahrhaftig nicht verschiedene Geister, sondern
dieselben Geister fur alle einzelnen Menschen auf der Erde wirken,
alien Menschen angehoren. Man mochte mit einem physischen Bild
diese Tatsache erklaren: Solange wir auf der Erde bleiben, kann
eine Gruppe von Menschen oben oder unten, im Westen oder Osten
wohnen. Dann aber schauen wir auf die Bewegungen der Erde,
wie sie ihr Antlitz zukehrt den Sternen, indem sie ihre Stellung
andert, sei es in kurzen Zeitraumen oder im Laufe von Jahr-
millionen, wie die siidliche Halfte nach der nordlichen gewendet
und unseres nordlichen Sternenhimmels ansichtig wird, und dann
die nordliche Erdhalfte dem Siiden zu sich wendet und des sud-
lichen Sternenhimmels ansichtig wird. Und so wie die Erde im
Laufe der Zeiten ihr Antlitz sozusagen alien Sternen, die aus dem
Weltenraum uns entgegenglanzen, hinwendet, so moge die Mensch-
heit lernen durch die Ideale der Geisteswissenschaft unbefangen zu
blicken auf alles, was geistig von dem Weltenraum herein spricht.
Durch ein solches positives Betrachten der Tatsachen wird am
besten dieses anthroposophische Ideal erreicht werden, nicht durch
ein sentimentales Betonen von Liebe und Frieden. In realer Weise
werden wir Liebe und Frieden und innere Harmonie erlangen,
wenn wir von den Angelegenheiten unserer Erde, welche die Men-
schen in Rassen, Nationen, Religionen teilen, den Blick hinauf-
wenden zu den Sternenwelten, wo Geister zu uns sprechen, die fur
alle Menschenseelen, fur jedes Menschenherz die gleiche Sprache
sprechen durch alle Zeiten, ja durch alle Ewigkeiten, wenn wir sie
nur richtig verstehen.
In diesem Sinne mochte ich, da wir jetzt am Schlusse dieses
Vortragszyklus stehen, auch hingedeutet haben auf die moralische
Wirkung einer jeden geisteswissenschaftlichen Betrachtung, wenn
wir uns bemiihen, die Tatsachen des Okkultismus kennenzulernen.
Wenn wir sie im echten okkulten Sinn kennenlernen, so stromen
sie zuletzt in unser Herz ein, daJ3 das Gelernte in uns Kraft des
Lebens, Hoffnung des Lebens, daB es vor alien Dingen moralische
Energie wird und uns wirklich zu dem macht, was wir nennen
konnen einen Burger der Himmelswelten. Dann tragt der Mensch
den Himmel durch sein geistiges Leben in die Angelegenheiten der
Erde herein und bewirkt im Verlaufe des Kulturprozesses das, was
wir im hochsten Sinne als Harmonie, als Frieden bezeichnen kon-
nen. Und mehr und mehr wird es ihm dann auch zum BewuBtsein
kommen, dafi wirklich am Ausgangspunkt wie am Ende der Kultur-
entwickelung ein Einheitsgeist waltet, ein Geist der Form, der ein-
heitlich durch die Menschen hindurch wirkt und sich anregen lafit
durch seine Briider, die anderen Geister der Form, die ihm Dienst
leisten, um ein einheitliches Wirken durch die ganze Menschheit
hindurch zu senden. So wird durch die wahre Himmelswissenschaft
etwas Einheitliches in alle Menschen gebracht und damit das intel-
lektuelle und moralische Verstehen der Menschheit auf der Erde
gefordert. So wollen wir nicht bloB Abstraktes, Theoretisches be-
trachten, sondern jede solche Betrachtung soli zugleich zu einer
Kraftquelle, vor alien Dingen zu einer moralischen Kraftquelle in
uns werden, und dann werden auch alle Kapitel uns dazu dienen,
auch diejenigen, die scheinbar sehr weit hergeholt sind, um die
unmittelbaren Ziele und Ideale der Geisteswissenschaft zu ver-
folgen.
Mit diesen Worten, die in einer Empfindungsnuance Geist und
Gesinnung dieser Vortrage zusammenfassen sollten, mochte ich
mich von Ihnen, meine lieben Freunde, am Ende dieses Vortrags-
zyklus verabschieden.
DER OKKULTISMUS UND DIE INITIATION
Offentlicher Vortrag
Helsingfors, 12. April 1912
Wer in unserer Gegenwart von Okkultismus spricht, muB ge-
wartig sein, daB sehr vieles von dem, was er zu sagen hat, auf-
genommen wird als nicht nur etwa eine Summe von gewagten
Hypothesen, sondern vielleicht sogar als Traumerei, als Phantasterei.
Und wenn in einer Seele, welche im Bildungsleben und vielleicht
im wissenschaftlichen Leben der Gegenwart stent, sich Wider-
spruch regt zunachst gegen mancherlei von dem, was in der Be-
trachtung dieses Abends zu sagen sein wird, so bitte ich in bezug
darauf die Versicherung entgegenzunehmen, daB zu denen, die
einen solchen Widerspruch, wie er sich regt in den Herzen der
Gegenwart, voll verstehen konnen und begreiflich finden konnen,
ganz gewiB ich selber gehore. Vorerst mochte ich auf das hinweisen,
was gemeint ist, wenn heute gesprochen werden soli von Okkultis-
mus und von jenen Forschungsmethoden, welche zu den Ergeb-
nissen des Okkultismus fuhren und die man zusammenfassen kann
in dem Wort Initiation. Denn im Grunde genommen ist unter
Initiation nichts anderes zu verstehen als die Summe aller der-
jenigen Verrichtungen, welche der Mensch zu vollbringen hat,
wenn er zu den Ergebnissen des Okkultismus kommen will. Nun
meine ich unter Okkultismus hier nicht all das Verschiedene, das
unter diesem Namen in der Gegenwart da oder dort verbreitet wird,
sondern ich meine jene ganz bestimmten, sich im Grunde den wis-
senschaftlichen Denkweisen und Iogischen Forderungen der Gegen-
wart fugenden Ergebnisse einer Art von Geisteswissenschaft. Ich
meine alles das, was sich unter diesem Namen und unter dem eben
erwahnten Gesichtspunkt hereinstellen will an Erkenntnissen in das
Gegenwartsleben, an solchen Erkenntnissen, welche Dinge betrach-
ten, von denen es unzweifelhaft gelten muB, daB gewohnliche Wis-
senschaft, gewohnliches Erkennen zu ihnen nicht fuhren kann. Was
von diesem Gesichtspunkte aus heute in der Literatur seinen Einzug
halt, ist nur allzu leicht geeignet, recht sehr den Widerspruch man-
cher unserer Zeitgenossen hervorzurufen, so hervorzurufen, daB
man dagegen sagt: Was ist das alles, was da auftritt und Erkennt-
nisse bieten will iiber ein iibersinnliches Leben, iiber iibersinnliche
Tatsachen, was ist das alles, wenn man es vergleicht mit den auf so
strenger, gewissenhafter Forschung beruhenden Ergebnissen der
gegenwartigen Wissenschaft! — Die Erkenntnisse, die da auftreten
und die ich meine, sind vor alien Dingen diejenigen, welche hinaus-
fiihren iiber das mit den Sinnen "Wahrnehmbare und das durch den
gewohnlichen, an das Instrument des Gehirns gebundenen Verstand
Erkennbare, was hinausfuhrt iiber das innerhalb von Geburt und
Tod Erlebbare, was hinausfuhrt in diejenigen Regionen, welche der
Mensch betritt, wenn er durch die Pforte des Todes schreitet. Und
die Ergebnisse, zu denen diese Geisteswissenschaft oder, sagen wir
auch, dieser Okkultismus kommt, sie sprechen so von einer Ent-
wickelung des eigentlichen geistigen Wesenskernes im Menschen,
daJ3, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, dieser
geistig-seelische Wesenskern iibergeht in eine iibersinnliche, in eine
geistige Welt, daB er aus dem Leben, das er gefiihrt hat zwischen
Geburt und Tod innerhalb des physischen Leibes, gewisse Krafte
mitnimmt, aus denen er sich in Verbindung mit anderen rein iiber-
sinnlichen Kraften und Machten in einer Zwischenzeit, die da ver-
lauft zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, die Fahigkeiten,
die Krafte aneignet, durch die er als geistig-seelischer Wesenskern
sich verbindet mit dem, was als physisches Erbstiick gegeben wird
innerhalb der physischen Vererbung, was also abstammt von Vater
und Mutter und von den Vorfahren iiberhaupt, was sich also mit
diesen rein physischen Substanzen und Kraften verbindet und erst
den ganzen Menschen gibt.
Sie erkennen daraus, daB die Ergebnisse dieser Forschung spre-
chen miissen von einer solchen Entwickelung des geistig-seelischen
Wesenskernes des Menschen, die durch wiederholte Erdenleben
fiihrt, die da spricht von Wiederverkorperung, von wiederholten
Erdenleben und die auch spricht davon, daB das, was wir an inne-
ren Fahigkeiten erieben, die in einem Leben aus unserer Seele her-
vorsprieBen, ja was wir sogar erieben an Schicksalsschl'agen, daB
das in einer gewissen Weise die Ergebnisse sind von dem, was wir
uns in friiheren Erdenleben zubereitet haben, und daB wiederum
dasjenige, was wir in diesem Erdenleben durchleben, erfahren, an
Fahigkeiten uns aneignen, hindurchgefiihrt wird durch die Pforte
des Todes und verarbeitet wird in einer iibersinnlichen, rein geisti-
gen Welt, urn, wenn es reif verarbeitet ist in dieser geistigen Welt,
neuerdings einzutreten in ein neues Erdendasein auf die geschilderte
Weise. Schon diese Erkenntnis ist etwas, was den Menschen der
Gegenwart abenteuerlich beruhren kann. Dazu kommen dann die
Dinge, welche auf Grundlage dieser Geisteswissenschaft das iiber-
sinnlich zu dem sinnlichen Wesen des Menschen Hinzugehorige
seiner Natur erklaren wollen, diejenigen Dinge, die erklaren wol-
len, dafi der Mensch auBer jenem physischen Leib, den wir mit
unseren auBeren Sinnen wahrnehmen, noch einen iibersinnlichen
Trager hat, den man auch in einer gewissen Weise mit den Mitteln
der Geisteswissenschaft durchschauen kann und den man eben als
geistig-seelischen Wesenskern erkennt, der die charakterisierten
Schicksale durch die wiederholten Erdenleben durchmacht. Ja, so-
gar das fmdet man in der Literatur dieser Geisteswissenschaft, daB
auf friihere Zustande unseres Menschenlebens in langst verflosse-
nen Epochen des Erdendaseins hingewiesen wird, daB sogar in einer
auf Geisteswissenschaft fuBenden Weise hingewiesen wird auf Zu-
stande im Kosmos, die skh zugetragen haben, als die Erde noch
nicht als der gegenwartige Planet vorhanden war — daB also hin-
gewiesen wird auf Zustande, die sich vor unserem Erdenleben ab-
gespielt haben. Auf die Entwickelung also des kosmischen Lebens
selber, auf die Umgestaltung unserer Erde und anderer Himmels-
korper wird hingewiesen. Von den Methoden dieser Wissenschaft
aus muB man auf der einen Seite zugeben, daB, falls sich iiber diese
Dinge irgendwie etwas erkennen laBt, diese Erkenntnisse zu dem-
jenigen gehoren, was am aller-, allertiefsten das Leben des Men-
schen beruhren muB, weil es zusammenhangt mit dem, was der
Mensch eigentlich seiner tiefsten Natur und Wesenheit nach ist.
Und auf der andern Seite wiederum muB darauf hingewiesen wer-
den, daB gerade vom Standpunkt unserer gegenwartigen, sagen wir,
Naturerkenntnisse aus eine berechtigte Skepsis gegen die Moglich-
keit eines Wissens auf diesem Gebiete sich erhebt.
Die nachste Frage, die gegenuber solchen Forschungsergebnis-
sen aufgeworfen werden kann, ist eben die, die uns am heutigen
Abend beschaftigen soli. Sie ist ja keine andere als die allzu be-
rechtigte: Auf welchen Wegen kommen denn diejenigen, die solche
Angaben machen, die solche Behauptungen tun, zu ihren Ergeb-
nissen? Wie machen sie es? Denn daB man mit der gegenwartigen
Wissenschaft iiber diese Dinge nichts wissen kann, daB man mit
denjenigen Methoden, welche wahrhaftig niemand mehr als gerade
der gewissenhafte Geisteswissenschafter bewundern kann, trotz
ihrer Gewissenhaftigkeit und Sicherheit, trotz ihrer inneren Logik
nicht in jene Gebiete eindringen kann, dariiber braucht ja nicht
weiter gesprochen zu werden. Wenn aber diese Frage aufgeworfen
wird, so kann sich fur die menschlkhe Seele sogleich eine andere
ergeben. Angesichts einer gewissen Tatsache kann sich die Frage
ergeben: Da es nun doch einmal unzweifelhaft ist, daB in jedem
Menschenherzen, in jeder Menschenbrust eine tiefe Sehnsucht ist
nach einem Wissen von solchen Dingen, wie kommt es denn, daB
der Mensch gerade durch die gewissenhafteste Forschungsmethode
abgeschlossen erscheint von der Welt, in die er da hineinblicken
mochte? Wenn man sich diese Frage unbefangen vorlegt, dann
kommt man sehr bald zu dem Ergebnis, daB der Mensch ja eigent-
lich nur eine gewisse Art von Tatsachen verstehen kann, denen er
in einer ganz bestimmten Weise gegeniibersteht. Im Grunde ge-
nommen kann der Mensch nur das verstehen, wovon er weiB, wie
es entsteht, wie es wird. Er kann nur das verstehen, an dessen
Schopfung er in einer gewissen Weise erkennend sich beteiligen
kann. Nur das kann der Mensch verstehen, bei dessen Schopfung er
in einer gewissen Art anwesend zu sein vermag. Wenn der Mensch
aber den Blick auf das richtet, was ihn in der Natur umgibt, auf das
Wesen aller Naturreiche, dann muB er sich sagen: Ja, so wie sie
sind, so wie sie fertig vor mich hingestellt sind, so kann ich sie mit
meinen Sinnen iiberblicken, so kann ich sie dadurch erkennen, daJ3
ich etwa ihre Gesetze erforsche durch Kombinationen meines Ver-
standes; aber in dem Augenblick, wo ich das Werden, wo ich die
Entstehung ergreifen will, da versagt im Grunde genommen der
Blick, der in die Dinge eindringen will. — Als fertige, als geschaffene
Dinge treten den Menschen die Wesenheiten und Tatsachen der
Naturreiche entgegen, und es scheint, als ob er zunachst nicht teil-
nehmen konnte an der Schopfung des Geschaffenen.
Wenn der Mensch wiederum in sein Inneres blickt, iiberblickt
das, was in seinem Seelenleben als Gedanken, Vorstellungen, Ge-
fiihle, Willensimpulse lebt, dann hat er damit eine mehr oder
weniger reiche Innenwelt gegeben, eine Welt, deren Realitat er
wahrhaftig viel mehr noch erlebt als die Realitat der auBeren
Dinge, ja als die Realitat dessen, was von ihm selber der AuBenwelt
angehdrt. Denn wer konnte es leugnen, daB mehr als die Realitat
der physischen und physiologischen Vorgange, die in unserem Or-
ganismus ablaufen, fiir uns Realitat, Wirklichkeit unsere Schmer-
zen und Leiden, unsere Triebe und Begierden, unsere Gedanken
und Ideale haben, kurz, dasjenige, was vom Aufwachen bis zum
Einschlafen innerhalb unseres Seelenlebens auf- und abwogt. Aber
auch dann, wenn wir noch so sehr versuchen, Einblick zu halten in
unser Seelenleben — wir sehen, wie sich dieses Seelenleben an der
AuBenwelt entzundet, wie das oder jenes uns ergreift, wie das oder
jenes uns mit Sorgen, mit Freude erfullt; aber an der eigentlichen
Entstehung, an dem schopferischen Prozefi konnen wir auch da
nicht teilnehmen. Und gerade wenn wir bedenken, wie uns eine
Sache nur verstandlich wird, wenn wir an dem schopferischen Pro-
zeB teilnehmen, dann wird uns erklarlich, was uns durch die beiden
angedeuteten Betrachtungsweisen versagt ist. Wir brauchen ja nur
einen Blick auf das zu werfen, was unsere Phantasie hervorbringt,
was wir schaffen durch das, was sozusagen in unserer eigenen inne-
ren Macht steht, was wir formen nach unseren Gedanken und
Idealen; wir brauchen uns auch nur an das zu erinnern, was dem
Menschen heute schon zu durchschauen moglich ist durch seine
Technik; an die Art und Weise, wie er die Naturkrafte kombiniert
und wie ihm das, was er da empfindet als Teilnahme an dem Auf-
bauen, an dem Schaffen, an dem Werden, das Gefiihl der befriedig-
ten Einsicht hervorruft und wie er sich unbefriedigt fuhlt, wie er
sich wie vor einem Tor stehend fuhlt, durch das er nicht eingelas-
sen wird, wenn er die Dinge um sich herum und an sich erblickt,
an deren SchafFungsprozeB er nicht einmal Anteil haben kann.
Nun fragt es sich, ob es nicht doch moglich ist, in dasjenige, was
wir eigentlich als die Werdeprozesse des Daseins empfinden, in die
wir selbst hineingestellt sind, irgendwo einen EinlaB zu finden, an
dem Schopferischen teilzunehmen? Es gibt ein Gebiet, bei dem wir
unmittelbar wissen konnen, daB wir in einer gewissen Art an dem
Schopferischen teilnehmen, aber bei dem wir ebensogut wissen, daB
wir erkennend, beobachtend mit unserem gewohnlichen BewuBt-
sein in den SchopfungsprozeB nicht hineinschauen konnen! Das-
jenige, was hier gemeint ist, offenbart sich dem Menschen an jedem
Tage, wenn er nur ein wenig nachdenkt tiber die sonderbaren Er-
scheinungen in der Abwechslung von Schlafen und Wachen. Diese
Erscheinungen sind fiir den, der tiefer eindringen will in das Wesen
des Lebens, von einer ungeheuren Bedeutung. Sie rufen dasjenige
hervor, was wir ein Mysterium des Lebens nennen konnen; und
wenn es dem gewohnlichen BewuBtsein nicht auffallt, daB etwas so
unendlich Bedeutungsvolles vorliegt in diesem Wechsel von Schla-
fen und Wachen, so ruhrt das wohl nur davon her, daB alles Ge-
wohnte auf den Menschen die Starke des Eindrucks verliert. Weil
der Mensch einfach gewohnt ist, Schlafen und Wachen wechseln zu
sehen innerhalb von vierundzwanzig Stunden, so empfindet er nicht
mehr das ganz Bedeutungsvolle, das GroBe und Gewaltige, in das
uns gerade diese alltagliche Erscheinung hineinweist. Wenn wir
charakterisieren wollen, worin der Unterschied von Schlafen und
Wachen liegt, so ist diese Charakteristik zunachst eine Trivialitat,
eine Selbstverst'andlichkeit, denn jeder Mensch weiB, daB sein
Schlafzustand so eintritt, daB jene Erfiillung seiner Seele, die vom
Aufwachen bis zum Einschlafen da ist, die sich zeigt in den auf-
und abwogenden Gefuhlen, Empfindungen, Trieben, Begierden und
Leidenschaften, Vorstellungen und Idealen, schwindet, daB diese
ganze Welt hinunter taucht in das Dunkel, in die Finsternis des Un-
bewufiten. Jeder Mensch ist aber audi iiberzeugt davon, daB an
seiner Wesenheit auch in dem Zwischenzustand zwischen Einschla-
fen und Aufwachen fortgear beitet wird, daB etwas geschieht, etwas
geschieht, bei dem er nur nicht mit seinem BewuBtsein dabeisein
kann. Das also, was man so iiber die Wechselzustande von Schlafen
und Wachen sagen kann, ist gewiB eine Selbstverstandlichkeit; aber
wenn wir uns diese Selbstverstandlichkeit denken, so werden wir
gewahr, daB der Grund, warum sich hier unserem Wissen, unserer
Erkenntnis ein Riegel vorschiebt, eigentlich nicht besonders feme
liegt. Wir mussen uns sagen, wenn wir diesen Wechsel von Wachen
und Schlafen ins Auge fassen, daB im Grunde genommen unser
ganzes bewuBtes Tagesleben, unser ganzes Wachleben etwas sein
muB wie ein ZerstorungsprozeB, wie ein AuflosungsprozeB von tie-
feren Vorgangen, die in unserem Organismus stattfinden. Ich kann
hier nicht — denn das wiirde zu weit fiihren — eingehen auf die
physischen, chemischen, physiologischen Prozesse, welche sich
innerhalb der Erscheinung der Ermiidung abspielen; darauf kommt
es jetzt nicht an. Das aber ist es, was jedem vor Augen treten kann:
daB die Ermiidung etwas ist wie ein Abnutzungs-, wie ein Zersto-
rungsprozeB tieferer Krafte, die in unserem Organismus arbeiten.
Daraus kann sich uns ergeben, daB eigentlich unser waches Tag-
leben die Merkwiirdigkeit an sich hat, daB es nicht an unserem Auf-
bau, nicht an unserer Schopfung teilnimmt, sondern im Grunde
genommen in seinem Ergebnis die Ermiidung zeigt, daB es uns im
Grunde genommen fortwahrend aufzehrt, auflost. Tatsachlich ist
das wache Tagleben ein Auflosungs-, ein ZerstorungsprozeB, und
jedem unbefangenen Beobachter drangt es sich eigentlich auf, dafi
der Schlaf der entgegengesetzte ProzeB ist: ein schopferischer Pro-
zeB, der das wieder herstellt, wieder in Ordnung bringt, wieder
schafFt, was der WachprozeB ertotet, verwelken laBt.
Nun ist es natiirlich, daB wir gerade von diesem schopferischen
ProzeB in uns, der wahrend des Schlafes sich abspielt, nichts wissen
konnen. Es ist ein schopferischer ProzeB, der an uns selber statt-
findet, von dem wir aber doch nichts wissen konnen, weil wir un-
mittelbar, bevor dieser schopferische ProzeB eintreten muB, das Be-
wuBtsein verlieren, wir also mit unserem Wissen nicht eindringen
konnen, wenn ein schopferischer ProzeB an uns selber geschieht.
Daraus ergibt sich aber unmittelbar , daB wir das, was in der Natur,
in den Vorgangen der Welt ein Schopferisches ist, ergreifen konn-
ten, wenn es uns gelange, unser BewuBtsein iiber den Zustand hin-
aus zu erhalten, bei dem es eben betaubt wird. In dem Augenblick,
in dem der Mensch sein Schopferisches in sich entwickelt, wird ihm
sein BewuBtsein betaubt; er kommt in einen Zustand des Schlafes,
der BewuBtlosigkeit. Und wir sehen daraus, dafi die menschliche
Wesenheit, so wie sie nun einmal gegenwartig ist, so eingerichtet
ist, daB dann, wenn der Mensch eindringen sollte in eine schopfe-
rische Tatigkeit, die noch dazu an ihm selber stattfindet, er betaubt
wird, sein BewuBtsein hinschwindet, daB er nicht Zeuge sein kann
von dem schopferischen ProzeB. Wir haben also in derjenigen
Tatigkeit innerhalb unseres Organismus, die sich als eine schopfe-
rische erweist, etwas an uns selbst, in das wir nicht eindringen
konnen, weil unser BewuBtsein davor betaubt wird, weil unserem
BewuBtsein dieser ProzeB eine AuBenwelt bleibt. Es gibt keinen
anderen Weg, zu einer Erkenntnis iiber die Dinge zu kommen, die
hinter der Sinneswelt liegen, als wenn wir in die Lage kommen,
iiber unser BewuBtsein hinauszukommen, einzudringen in einen
schopferischen ProzeB, wie er sich an uns selber abspielt, oder
wenigstens in einen ahnlichen ProzeB.
Wo gibt es etwas in der Welt, das uns lehren kann, daB wir iiber
uns selbst, iiber unser gewohnliches BewuBtsein hinauskommen
und eindringen konnen in ein uns Fremdes und dennoch nicht be-
taubt werden, nicht in eine Art Schlafzustand verfallen? Im weiten
Umkreis unseres gewohnlichen BewuBtseins gibt es zwei Dinge,
denen gegeniiber der Mensch sich allerdings eingestehen muB, daB
er durch sie aus seinem gewohnlichen BewuBtsein, aus seinem All-
tagsbewuBtsein herausgefiihrt wird und dennoch nicht etwa so be-
taubt oder in Schlaf iibergefuhrt wird, wie das an jedem Abend der
Fall ist. Und diese beiden Dinge, die uns innerhalb des gewohn-
lichen BewuBtseins wie eine Art Muster sein konnen fur ein Her-
ausdringen des BewuBtseins aus sich selbst und ein Eindringen des-
selben in ein Fremdes, diese beiden Dinge liegen auf moralischem
Gebiet. An zwei moralischen Erlebnissen, die das ganze Menschen-
leben durchziehen, kann die menschliche Seele sich Musterbegriffe
schaffen fiir die Art und Weise, wie es, ohne daB unser BewuBt-
sein betaubt wird, den Weg aus sich selber heraus machen kann.
Und diese zwei Dinge sind erstens das Mitleid und zweitens das
Gewissen. Und wenn wir studieren, wie im moralischen Leben das
Mitleid, das Gewissen zu dem BewuBtsein sich verhalten, dann
bekommen wir zunachst eine Idee, wie es sein konnte, daB dieses
BewuBtsein aus sich heraus kommt. "Wenn wir Mitleid, Liebe, Mit-
gefuhl mit einer fremden Seele entwickeln, dann erleben wir in uns
selber je nach unserer Fahigkeit nicht dasjenige, was uns beruhrt
- denn das ware nicht das Erlebnis von Mitleid und Liebe — , son-
dern wir erleben die Freuden, die Leiden, die Schmerzen und lust-
vollen Dinge der anderen Seele. Wir stecken tatsachlich in einem
solchen Augenblicke, wo wir mitleidsvoll in der andern Seele auf-
zugehen vermdgen, wir leben tatsachlich — eine unbefangene Be-
trachtung kann das lehren — auBerhalb unseres gewohnlichen Be-
wuBtseins, wir stecken in der andern Seele drin. Ein tiefes Geheim-
nis des Lebens steht dabei eigentlich vor unserer Seele. Das ist um
so tiefer, als wir bei diesem Hiniiberleben in ein Anderes, wenn wir
moralisch empfinden, eben nicht betaubt werden, nicht unser Be-
wuBtsein dahinschwindet. Und es ist geradezu ein Gradmesser fiir
die Moralitat eines Menschen, wie weit er imstande ist, sein Be-
wuBtsein voll aufrechtzuerhaken, wenn er nicht seine eigenen
Leiden und Freuden erleben soil, sondern die Leiden und Freuden
einer fremden Seele. Und ein moralischer Defekt ist es eben, wenn
das BewuBtsein sich betaubt fuhlt an den Leiden und Freuden der
fremden Seele, denn dann ist es in einer ahnlichen Lage wie der
eigenen schopferischen Tatigkeit gegeniiber, die im Schlaf sich voll-
zieht. Es schlaft gleichsam das BewuBtsein ein gegeniiber fremdem
Leid und fremder Freude.
Und ein zweites Erlebnis, auch auf moralischem Gebiete, das
uns hinausfuhrt iiber unser gewohnliches BewuBtsein, ist das Ge-
wissen; das Gewissen, von dem wir, wenn wir es unbefangen be-
trachteti, sagen konnen: Was wir auch immer aus unseren Trieben
und Begierden, aus der Leidenschaft unseres E>aseins heraus, aus
den Anforderungen der alltaglichen Sympathie und Antipathie, die
wir haben, was wir da auch lieben oder verabscheuen, tun oder
lassen wollen — von auBen spricht vielleicht Erziehung, spricht
sozialer Zusammenhang, aber niemals spricht von auBen das, was
wir das Gewissen nennen. Das Gewissen kommt uns aus einer
Welt — das fiihlen, das erleben wir — , aus der gesprochen wird in
unsere Wahrnehmungswelt herein; denn alles, was wir wahrneh-
men konnen, wird korrigiert, wenn es zu Impulsen des Handelns
wird, durch die iibersinnlichen Forderungen des Gewissens. DaB
unserer Seele also etwas gesagt werden kann, was nicht innerhalb
des gewohnlichen BewuBtseins liegt, dafur ist auf moralischem Ge-
biet ein Zeugnis das Gewissen. Und wiederum ist es so, daB ein
moralischer Defekt vorliegt, wenn unsere Seele, wo das Gewissen
sprechen sollte, in eine Art von Schlafzustand kommt, die Stimme
des Gewissens nkht hort, nur auf das hort, was innerhalb der
Sinneswelt zu den Impulsen des Handelns aus Sympathie oder
Antipathie sprechen kann. Konnen wir lernen, aus unserem Be-
wuBtsein herauszugehen ohne Betaubung, so konnen wir an dem
Gewissen schon innerhalb des gewohnlichen BewuBtseins eine Er-
scheinung beobachten, durch welche zur Seele so gesprochen wird,
daB sie nicht angewiesen ist, irgend etwas wahrzunehmen, sich die
Impulse geben zu lassen durch irgend etwas, das von der AuBen-
welt auf sie wirkt. Daraus aber ist einzusehen: Wenn die Mog-
lichkeit vorliegt, in bezug auf andere, fremde Wesenheiten, auf
anderes, auBerhalb unseres Wissens, unseres BewuBtseins Liegendes
in ahnlicher Art einzugehen, wie wir auf moralischem Gebiet auf
fremde Wesenheiten durch Mitleid und Liebe eingehen, wenn wir
uns also durch das Gewissen sozusagen Wahrheiten sagen lassen,
die nicht aus der Sinneswelt kommen — wenn es mbglich ist, so in
fremde Wesenheiten einzudringen und uns Wahrheiten in die Seele
hereinsprechen zu lassen nach jenem Muster, wie das Gewissen
spricht, dann ist eine Aussicht vorhanden, in eine andere Welt als
diejenige, die uns fiir unser WachbewuBtsein vom Aufwachen bis
zum Einschlafen gegeben ist, einzudringen. Dies aber ist eben mog-
lich, und die Mdglichkeit ergibt sich in praktischer Weise durch
jene Methoden, die wir die Methoden der Initiation nennen. Diese
Methoden der Initiation bestehen darin, daB wir unser Seelenleben,
insoweit es Vorstelien, Fuhlen, Wollen ist, in einer etwas anderen
Weise betatigt sein lassen, als wir das fiir das aufiere Wissen und
fur die auBere Erkenntnis der Welt gewdhnt sind.
Warum verschaffen wir uns im gewohnlichen Leben Vorstel-
lungen, Begriffe, Ideen? Niemand wird leugnen, daB namentlich
fiir den Menschen der Gegenwart der Zweck, warum er sich Vor-
stellungen, Begriffe und Ideen schafft, der ist, durch diese Vorstel-
lungen, Begriffe und Ideen, ja sogar durch seine Empfindungen
und Gefuhle sich eine gewisse Erkenntnis von dem zu verschaffen,
was in der Aufienwelt um ihn herum ist. Wir nennen ja heute das
Wahrheit, was an unseren Begriffen und Ideen mit irgendeiner
Aufienwelt, mit einer Erscheinung der AuBenwelt zusammen-
stimmt, was gleichsam diese Erscheinung der AuBenwelt abbildet.
Fiir alles auBere Leben, fiir alle auBere Kultur ist selbstverstand-
lich diese Betatigung unseres Seelenlebens die einzig richtige. Voll-
standig andern muB sich diese Betatigung unseres Seelenlebens,
wenn wir in die iibersinnlichen Geheimnisse des Daseins eindringen
wollen, mit andeten Worten, wenn wir — es sei das verponte Wort
gebraucht - in die okkulten Geheimnisse eindringen wollen; dann
miissen wir bei den Begriffen, bei Ideen, bei Vorstellungsbildern,
ja auch bei Empfindungen, Gefuhlen und Willensimpulsen ganz
absehen konnen von dem, was sie in der AuBenwelt bedeuten. Wir
miissen zunachst nicht fragen: Was bedeuten sie in bezug auf ihren
Wahrheitswert fiir das oder jenes in der AuBenwelt? Wir miissen
alles das, was so Inhalt unseres Seelenlebens werden kann, ledig-
lich betrachten als ein inneres padagogisches Selbsterziehungsmittel
unseres Seelenlebens. Wir miissen Begriffe, Ideen, ja auch Empfin-
dungen und Gefuhle in unserer Seele so wirken lassen, daB wir
diese Seele abgeschiossen haiten von ailedem, was wir aus der
AuBenwelt aufnehmen konnen, ja sogar, was wir schon im Laufe
des Lebens an Erfahrungen, an Erlebnissen aufgenommen und im
Gedachtnis angehauft haben. Wenn wir absehen konnen dutch eine
energische Willensbetatigung von alien Eindriicken, die uns die
auBere Sinneswelt geben kann, von alien Kombinationen, die unser
Verstand machen kann, wenn wir audi absehen konnen von alien
Bekummernissen und Sorgen, von alien Freuden und sonstigen
Dingen, die in unserem Gedachtnis angehauft sind, wenn wir die
Seele leer machen konnen, so wie sie sich selber leer macht, wenn
durch die Ermudung abends der Schlafzustand eintritt, wenn wir
aber dann das vollig Entgegengesetzte erreichen konnen als beim
Schlaf ; wenn wir in der Lage sind, unter volliger Aufrechterhaltung
des BewuBtseins dieses BewuBtsein nun hinzulenken auf irgend-
welche fruchtbaren, namentlich sinnbildlichen Vorstellungen, auf
solche, die moglichst vieldeutig sind — denn man hat nicht nach
ihrem Wahrheitswert zu fragen, sondern nach dem Erziehungswert
fur die Seele — ; dann, wenn man diese Seele durch einen energischen
WillensentschluB auf einen Inhalt hin konzentriert, entweder ein
Vorstellungsbild oder einen Empfindungsimpuls, den man in den Mit-
telpunkt des Seelenlebens stellt, und wenn man nun die seelische Ta-
tigkeit, die gereinigt ist von allem anderen, auf dieses selbstgewahlte
Bild hinwendet und immer langer und langer es dahinbringt, mit star-
ker Willenskonzentration das gesamte jetzt wachgehaltene Seelen-
leben auf einen solchen selbstgewahlten Inhalt zu konzentrieren — ,
dann wird man merken, daB nicht von diesem Inhalt, wohl aber von
den aufgewandten, energisch zusammengehaltenen Seelenkraften
etwas wie ausstrahlt in unserem Seelenleben und wir in die Lage
kommen, innerlich etwas zu erleben, was wir sonst nicht erleben
konnen, wovon wir dann das unmittelbare Erlebnis, die unmittel-
bare Erfahrung bekommen: Du erlebst jetzt etwas, was so real, so
wichtig, so wesentlich ist fur das Dasein wie die Dinge, die du
durch deine Augen siehst, durch deine Ohren horst — was auch so
wirklich ist, was du aber niemals durch eine auBere Sinnesbetati-
gung und durch den Verstand hattest erleben konnen. — Kurz, jetzt
erst fangt man an zu wissen, was eigentlich das ist: iibersinnliches
Erleben; jetzt weiB man sich erst in seinem geistig-seelischen Kern
darinnen; jetzt fangt man an zu begreifen, daB man ein Leben
fiihren kann in einer inneren seelischen Wesenheit, unabhangig
von der Korperlichkeit. Das ganze BewuBtsein wird dadurch um-
geandert.
Ich bemerke ausdruckiich, daB das, was zu einer solchen inneren
Betatigung fiihrt, ja viel Ahnlichkeit hat und doch wieder das Ent-
gegengesetzte ist von dem trivialen ProzeB, der etwa hervorgerufen
wird, wenn man auf einen glanzenden Gegenstand die "auBere Auf-
merksamkeit wendet und sich in eine Art Hypnose versetzt. Das,
was da so hervorgerufen wird von einem Seelenzustand, der sonst
nicht da ist, das wird durch die scharfe Konzentration auf einen
Gegenstand hervorgerufen, der weghalt die iibrige seelische Betati-
gung. Insoferne stimmt das, was durch die geschilderte Konzen-
tration auf einen inneren, frei gewahlten Inhalt erzielt wird, mit
einer solchen Betatigung der Seele iiberein, weil es auch Konzen-
tration ist; aber es ist das Gegenteil insofern, als unser BewuBtsein
dadurch ausgeloscht wird, daB wir uns durch einen glanzenden
Gegenstand in eine Art Hypnose versetzen, unser BewuBtsein aber
immer erhalten bleibt, wenn wir durch einen energischen Willen
einen inneren - und nur inneren - Vorstellungsinhalt in den Mit-
telpunkt unseres Seelenlebens riicken. Solch eine Methode, die
eigene Seele heranzuziehen, man nennt sie mit einem technischen
Ausdruck innerhalb der Geisteswissenschaft Meditation. Das ist die
wirklkhe Meditation. Und ich bemerke ausdruckiich, daB diese
Meditation in der Praxis etwas weitaus Schwierigeres ist als das,
was man zunachst glauben konnte, wenn sie so einfach geschildert
wird. Denn mit wenigen Experimenten auf diesem Gebiete ist es
nicht abgetan, sondern man muB versuchen, in immer wieder und
wieder gebildeten Vorstellungen, Bildern, Vorstellungen, die dem
moralischen, dem intellektuellen Leben entnommen sind, nament-
lich sinnbildlichen Vorstellungen, man muB immer wieder und
wiederum versuchen, eine solche Konzentration, solche Meditation
vorzunehmen, bis der entscheidende Augenblick auftritt, der ein-
fach in dem inneren Wissen liegt: Du hast in dir einen geistig-
seelischen Wesenskern, der in einer ubersinnlichen Realitat lebt
unci der sich zu seiner Wahrnehmung in dieser ubersmnlichen
Realkat nicht der auBeren Sinnesorgane und des an das Gehirn
gebundenen Verstandes bedient.
Nun werden Sie aus all den Vorgangen, die da geschildert wor-
den sind, eines entnehmen konnen: daB wir da ja eigentlich immer
innerhalb unser selbst bleiben, daB wir eigentlich im Grunde ge-
nommen uns von aller AuBenwelt abgewendet haben und auf unser
Inneres zuriickgegangen sind. Was wir da also zunachst erfahren
konnen, ist eigentlich nur und kann nur sein Innenerfahrung, aber
diese Innenerfahrung bringt zunachst praktisch zu einem ganz be-
stimmten Punkt. Der Mensch, der namlich in dieser Weise seine
Konzentration, seine Meditation vornimmt, der sieht alsbald, und
zwar sieht er das wirklkh, sein Blickfeld ausgefiillt mit Realitaten,
Realitaten, die wir zunachst meinetwillen Visionen nennen kon-
nen. In Form von Bildern erscheint allerlei, was sich nicht verglei-
chen laflt mit friiher Erlebtem; in bezug auf gewisse AuBerlich-
keiten laBt es sich vergleichen, aber namentlich in bezug auf die
Art und Weise, wie es sich zusammenstellt und wirkt, ist es eine
durchaus neue Erfahrung, ist es nicht kombiniert aus Friiherem,
Wir konnen dieses durchaus Neue nach dem gewohnlichen Wort-
gebrauch, den man hat, eben Vision nennen. Es gleicht auch aufs
Haar, mochte man sagen, Traumbildern; nur ist es, wenn man es
mit den gewohnlichen Traumbildern vergleicht, von einer unge-
heuer weiter gehenden Intensitat und von einer sich aufdrangenden,
man mochte sagen, aufdringlichen Realitat.
Hier kommt fur denjenigen, der also die Methoden durchlauft,
um in die ubersinnliche Welt einen Einblick zu gewinnen, eine
Klippe, die man eine Gefahr nennen kann. Es kommt die Gefahr,
daB er nun diese visionare Welt von vornherein als etwas Reales
hinnimmt, als etwas, was sich vor ihn hinstellt, wie sich die ge-
wohnliche auBere Sinnenwelt vor ihn hingestellt hat, und daB er
sozusagen denselben Sinn, den er mit dem Wort verbindet, «diese
Welt ist real», wenn er von der Sinnenwelt spricht, mit dem Wahr-
nehmen dieser visionaren Welt verbindet. Diese Klippe, die da vor-
liegt, wird um so groBer, wenn nicht wirklkh alle diejenigen Vor-
sichtsmaBregeln ergriffen werden bei einer solchen okkulten Schu-
lung, wie sie hier geschildert wird, die naturlich heute nicht alle
besprochen werden konnen, die Sie aber auseinandergesetzt finden
konnen in meinem Buch: «Wie erlangt man Erkenntnisse der hohe-
ren Welten? » Wenn aber diese VorsichtsmaBregeln ergriffen werden,
dann verliert der Mensch gegenuber der Welt, der er dann gegen-
iibersteht, keinen Augenblick das Gefiihl, daJ3 er es selbst ist, der
diese Welt hervorruft. Und das ist das ungeheuer Wichtige, daB
wir niemals unser BewuBtsein betauben lassen bis zu der Impres-
sion, daB wir eine f remde Welt vor uns haben. Sie sieht aufs Haar
wie eine fremde Welt aus, sie breitet sich aus wie eine raumliche
Welt, sie zeigt uns Vorgange, die zeitlich sind wie die Vorgange
der auBeren Sinneswelt; sie tauscht uns ganz wie eben ein in die
ungeheuerste Lebhaftigkeit gesteigerter Traum zunachst eine Rea-
litat vor. — Personen, welche durch die gemeinten VorsichtsmaB-
regeln nicht dahin kommen, einzusehen, daB sie nun in dieser
visionaren Welt nur ihre von sich selbst aus geschaffene Welt
haben, die kommen selbstverstandlich in die Traumerei, in die
Phantastik hinein. Denn dadurch unterscheidet sich der, lassen Sie
mich das Wort gebrauchen, wirklich hellsichtige Mensch von dem
Phantasten und Visionar, daB der Phantast und Visionar glaubt, die
Visionen, die er zunachst vor sich hat, seien objektiv hervorgerufen;
derjenige aber, der zur wirklichen Hellsichtigkeit vordringt, der
weiB in jedem Augenblick, und muB es wissen — muB es wissen
durch eine intensive Selbsterziehung — , daB er, trotzdem er eigent-
lich eine weite Raumeswelt um sich herum wahrnimmt, nur eine
selbstgeschaffene Welt vor sich hat. In keinem Augenblick — und
die Dinge wirken auBerordentlich suggestiv — darf das BewuBtsein
schwinden, man habe es doch nur mit seiner eigenen Schopfung
zu tun. Und dieses BewuBtsein muB nun wiederum ein Gegenstand
der Meditation und Konzentration selbst werden. Der Mensch muB
nun wieder lang und intensiv seinen Willen energisch anstrengen,
immer wieder und wiederum sich darauf zu konzentrieren, daB die
Welt, die er jetzt sozusagen erobert hat, seine eigene Schopfung ist,
daB sie von ihm selbst hervorgerufen ist. Dann tritt — das kann ja
natiirlich nur als praktisches Erlebnis geschildert werden — etwas
Eigentiimliches in unser BewuBtsein herein. Dann erkennen wir
namlich, daB wir auch jetzt in dieser Tatigkeit etwas getan haben,
ganz bewuBt getan haben, was wir sonst im normalen BewuBtsein
auch tun.
Es ist heute gesagt worden, daB wir im normalen BewuBtsein
eigentlich einen ZerstorungsprozeB an uns selber bewirken. Das
weiB der Mensch im gewohnlichen BewuBtsein nicht, wenigstens
achtet er nicht darauf. Wenn er in der geschilderten Weise unter
voller Aufrechterhaltung seines BewuBtseins bis dahin kommt, eine
solche Welt sich vorzuzaubern, und dabei eben den Gedanken, der
gerade charakterisiert worden ist, festhalt, dann tritt er auch in ein
voiles Wissen davon ein, daB er mit alledem, was er da als ein,
man nennt es mit dem technischen Ausdruck imaginatives Wissen
sich erobert hat, auch einen ZerstorungsprozeB hervorruft. Er
merkt, daB es immer bis zu dem Punkt kommt, wo die imaginative
Welt an uns zehren kann, wo wir bis zur Nervenschwache, bis zur
Krankheit kommen wiirden, wenn wir auslieBen das voile, nur bei
einem energischen Willen mogliche BewuBtsein: Da steckst du
iiberall selber drinnen. — Die Kraft, die in diesem BewuBtsein
liegt — da steckst du selber drinnen — , die wird uns nie zu dem
Punkt kommen lassen, wo wir die Grenze uberschreiten wiirden,
jenseits welcher der wirkliche ZerstorungsprozeB beganne. Wir sind
dadurch, daB wir es nicht bis zum ZerstorungsprozeB kommen las-
sen, sondern ihn dadurch zuruckhalten, daB wir das energische Be-
wuBtsein aufrechterhalten: Wir sind selbst die Schopfer der imagina-
tiven Welt — wir sind dadurch in der Lage, an einem schopferischen
ProzeB teilzunehmen. — Dadurch treten wir in der Tat in eine schop-
ferische Welt ein, und wir lernen erkennen, lernen bewuBt etwas
verfolgen, was in ahnlicher Weise geschieht, wenn wir nach Ein-
tritt des Schlafes an uns selbst schopferische Tatigkeiten vollfiihren,
die wir im normalen BewuBtsein nicht wahrnehmen konnen. Wir
lernen dadurch, daB wir auf diese Weise von einem schopferischen
ProzeB Zeuge werden, etwas verstehen von einem Werden, von
einem Werden in uns selber.
Aber das 1st noch mit etwas anderem verbunden — es konnen
nur diese Stadien der Initiation geschildert werden — , damit ver-
bunden, daB nach und nach der ganze Vorgang uns zwingt, auf
etwas zu verzichten, auf das der gewohnliche Hellseher gar nicht
gern verzichtet. Der gewohnliche Hellseher ist so froh, wenn er nun
in der Welt seiner Visionen leben kann, er tut sich so etwas zugute
mit diesen seinen Erfahrungen einer hoheren Welt, und sie wirken
so suggestiv, dafi sie leicht als eine Realitat genommen werden
konnen. Dann kann er sehr leicht hineinkommen in das Nerven-
zerriittende. Wenn aber der geschilderte WillensentschluB mit dem
vollen BewuBtsein: Das machst du alles selber! — beibehalten wird,
wenn nie das BewuBtsein einschlaft, ja, dann tritt das ein, was man-
chem leid tut: daB diese Kraft, die in dem genannten Willens-
entschluB liegt, sich zerstorend hermacht iiber die ganze imagina-
tive Welt, daB diese durcheinandergetrieben wird, daB vieles von
dem, was gerade diesen gewohnlichen Hellseher am wertvollsten
diinkt, ausgeloscht wird. Es tritt, mit anderen Worten, das Folgende
ein: Wahrend wir in dem Auftreten des imaginativen BewuBtseins
ein Element haben, das wirklich die Krafte darstellt, die einen
schopferischen ProzeB bilden — denn wir lassen es nicht weiter
kommen als bis zu der Grenze, wo die Zerstorung eintreten
wiirde — , wahrend wir da wirklich nach dem Muster des gewohn-
lichen BewuBtseins im Mitleid und in der Liebe aus unserem Be-
wuBtsein herausgehen, in einen schopferischen ProzeB hineingehen,
so kommen wir, wenn wir nun durch den geschilderten Willens-
entschluB selbst zerstorend, selbst ordnend, aber auch zusammen-
stellend eingreifen in unsere visionare Welt, dazu, eine Tatigkeit in
uns zu entwickeln, die nirgends in der AuBenwelt wahrnehmbar
ist und die sich doch sehr bald fur die Beobachtung herausstellt als
die schopferische Tatigkeit, die in uns stattfindet und die dem ge-
wohnlichen BewuBtsein entzogen ist, jene schopferische Tatigkeit,
die unseren geistig-seelischen Wesenskern darstellt, wie er schafft an
unserem eigenen Organismus, wie er seine Krafte wiederum heraus-
holt aus der geistigen Umgebung, wie er drinnensteht in dem gei-
stigen Kosmos. Wir lernen auf der nachsten Stufe, die man tech-
nisch die Inspiration nennt, unsern geistig-seelischen Wesenskern
erkennen, wie er drinnensteht in den schopferischen Kraften des
Kosmos selber. Wahrend die Imagination als die erste Stufe der
Initiation uns nur eigentlich in uns selbst hineinfiihrt und noch
dazu so, daB uns eine Welt vorgezaubert wird, die aber nur
eine visionare Welt ist, treten wir durch den ProzeB der Inspi-
ration auf eine hohere Stufe. Es fallt wie ein Blitz hinein in die
ganze visionare Welt etwas, was so wirkt, wie wenn es durchaus
aus dem geistigen Kosmos kame — es kommt auch daher, das zeigt
die Beobachtung selber — , was aber doch so zu uns spricht, wie wir
das im gewdhnlichen, normalen BewuBtsein nur an dem Gewissen
erkennen. An dem Gewissen haben wir einen Vergleich mit der Art
und Weise, wie in der Inspiration zu dem imaginativen BewuBtsein
gesprochen wird; dann aber tritt diese Imagination in die Inspira-
tion iiber, und wir gelangen dadurch in eine wirkliche geistige, in
eine wirkliche ubersinnliche Welt hinein.
Und jetzt werden wir imstande, dadurch, daB wir durch unsere
eigene Entwickelung den Punkt erreicht haben, wo wir hinter die
sinnlichen Ereignisse schauen konnen, zum Beispiel das wunderbare
Geheimnis des menschlkhen Werdens und auch des menschlichen
Todes zu begreifen. Denn jetzt wird uns vergehen, zu glauben, daB
das, was in der Seele eines Menschen herein sich lebt, wenn wir
diesen Menschen durch die Geburt ins Dasein treten sehen, wenn
wir erleben, wie aus den unbestimmten Gesichtszugen und unge-
schickten Bewegungen des Kindes sich allmahlich bestimmte und
geschickte entwickeln — es wird uns unmoglich, zu sagen, alles, was
in dem Kinde aus dem Mittelpunkt der Seele heraustritt, die Phy-
siognomic des Leibes plastisch macht, so weit, daB auch noch die
feineren Windungen des Gehirns gebaut werden schon nach der
Geburt, alles, was uns so entgegentritt, das ware nur ein Ergebnis
der Vererbung. Jetzt sehen wir vielmehr zuriick auf den geistig-
seelischen Wesenskern, der aus einer ganz anderen Welt kommt,
der sich mit dem zusammenfiigt, was von Vater und Mutter genom-
men wird, und jetzt sprechen wir nicht nur von Erbstiicken, son-
dern von dem, was sich aus der geistigen Welt heraus mit dem ver-
bindet, was von Vater und Mutter, von den Vorfahren uberhaupt
vererbt ist. Eine reale Anschauung wird das, was sonst nur Glaube
ist: daB der geistig-seelische Wesenskern aus der geistigen Welt
kornmt und das Physisch-Leibliche selber plastisch gestaltet. Und
weiter: Wenn wir dann das Leben verfolgen, verfolgen mit der
durch die Initiation gewonnenen Erkenntnis, dann sehen wir, wie
der geistig-seelische Wesenskern die Erfahrungen und Erlebnisse
des Daseins zwischen dem Tod und einer neuen Geburt immer
mehr und mehr gegen sein Inneres hin richtet, abzieht von der
auBeren Welt. Wir begreifen es, wie durch dieses Zuriickgehen des
Wesenskernes von dem AuBeren das Gesicht sich runzelt, und wir
bekommen den unmittelbaren Eindruck: Wahrend, nachdem wir
den Hohepunkt des Lebens uberschritten haben, unser auBerliches
Korperhaftes zu welken beginnt, sogar unser Gehirn zu welken
beginnt, so daB das, was die Seele in sich hat, nicht mehr zum Aus-
druck kommen kann und es scheint, als ob die Seele selber ver-
kummerte — , sehen wir, wie das, was nicht mehr sich auBern kann,
sich in sein Inneres zuriickzieht, seine Krafte zusammennimmt, wie
gerade das, was wir erlebt, erfahren, erlitten, ersiegt haben, sich zu-
sammenfindet in der Seele und dann am starksten ist, seine starkste
innere Kraft hat, wenn der Leib uns entlaBt; seine starkste innere
Kraft, welche dann, wenn der Vorgang weiterverfolgt wird, sich
vereinigt mit den Kraften, die in einer ubersinnlichen Welt das
Urbild zu einer neuen Verkorperung, zu einem neuen Leibe in
einem neuen Leben zusammenfiigen. Es wird so die Evolution des
geistig-seelischen Wesenskernes, sein Schaffen an der auBeren Leib-
lichkeit eine unmittelbare Tatsache durch das Hineinschauen in die
geistige Welt. Und wenn wir dann dasjenige, was am Anfang des
Lebens steht, das allmahliche plastische Herausgestalten des Leibes,
mit dem vergleichen, was am Ende steht, mit dem In-sich-Zuruck-
ziehen der Lebenserfahrungen durch die Seele, mit dem LosreiBen
der seelischen Krafte vom Leibe und mit dem Hindurchtreten durch
die Pforte des Todes: dann wird das fur eine ubersinnliche Betrach-
tung so, wie wenn wir vergleichen Anfangs- und EndprozeB, sagen
wir bei der Pflanze, wo wir den EndprozeB so haben, daB das, was
als Keim gebildet wird, wiederum den Anfangspunkt bildet fiir die
nachste werdende Pflanze. Wahrend wir aber da Anfang und Ende
so verkniipft sehen, daB im wesentlkhen immer das gleiche er-
scheint, sehen wir durch eine in der Initiation gewonnene iiber-
sinnliche Erkenntnis, daB dasjenige, was die Seele im Leben erfah-
ren hat, hineinverwoben wird in den geistig-seelischen Wesens-
kern, und der Mensch, wenn er nun nach der Zwischenzeit zwi-
schen dem Tod und einer neuen Geburt, die eine lange Zeit ist,
zuriickkehrt, formt sich den neuen Leib. Aber jetzt formt sich dieser
geistig-seelische Wesenskern seinen neuen Leib, sein neues Dasein
so, daB er die Wirkungen darstellt dessen, was als Ursachen in
fruheren Leben erlebt worden ist.
So werden durch jene Methoden, die durch die Initiation gewon-
nen werden und die ihr Vorbild gewissermaBen in dem erlebten
Mitgefuhl und dem Gewissen des normalen BewuBtseins haben, die
Vorgange der ubersinnlichen Welt, die mit dem Menschen zusam-
menhangen, unmittelbare Erkenntnis. Initiation wird dadurch zum
Weg, in die ubersinnlichen Welten hinaufzusteigen.
Wenn Sie sich nun tiefer auf das einlassen, was nur skizzenhaft
hier geschildert werden konnte, wenn Sie es verfolgen in meiner
Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der hoheren Welten? »,
dann werden Sie finden, daB diese Initiation, wie sie gegenwartig
geschildert wird, eine ganz bestimmte Eigentumlichkeit hat. Sie
richtet sich namlich durchaus in ihrem ganzen Verlauf und in der
Art und Weise, wie sie die Ereignisse darstellt, nach den Anforde-
rungen der gegenwartigen Menschheitserziehung, den gegenwar-
tigen Forderungen von Logik, von gesundem Menschenverstand
und von Wissenschaft; so daB immer mehr und mehr diese Vor-
gange der Initiation von den Menschen erkannt werden konnen als
das, was den Weg darstellt, auf dem der Mensch, und zwar jeder
Mensch, Erkenntnisse der ubersinnlichen Welt erlangen kann. In
vollig freien, nur durch das Wachrufen seiner Seele, seiner inneren
Seelenkrafte bewirkten Vbrgangen lebt er sich selber hinauf in jene
ubersinnlichen Vorgange, die ihm AufschluB dariiber geben, welches
der Weg seines geistig-seelischen Wesenskernes durch die Welt ist,
Aufschliisse, die nicht etwa bloB einer Welt angehoren, die uns
nichts anzugehen braucht, sondern einer Welt, aus der wir fort-
dauernd Kraft und Zuversicht fiir das gewohnliche Leben schopfen
miissen. Dies, daB die Initiation mit den Mitteln unserer gegen-
wartigen Logik, unserer gegenwartigen wissenschaftlichen Anfor-
derungen rechnet, das ist allerdings eine neue Errungenschaft,
mochte man sagen, des Initiationsprozesses. Sie sehen ja, daB die
Menschen allmahlich dahin gelangen werden, auf diese Weise nach
dem Muster wissenschaftlichen Denkens Erkenntnisse zu gewinnen,
die in das religiose Gefuhl eindringen, welche dem religiosen Ge-
fuhl Befriedigung durch das Wissen geben. Damit ist aber ein Um-
schwung gegeben durch das ganz sichtbar eintretende Eindringen
des Initiationsprozesses in die Kultur der Gegenwart und Zukunft.
Es ist ein Umschwung gegeben in der Entwickelung der Mensch-
heit, den wir bezeichnen konnen als den Umschwung, der eintreten
wird von dem Glauben zum Wissen von iibersinnlichen Dingen.
Der Glaube ist aber — und man wird leichter verstehen, daB
dieser Umschwung eintreten kann, wenn man dies berucksichtigt.— ,
der Glaube, wie er aufgetreten ist, er ist, wenn man die Dinge
namentlich mit den Mitteln der Initiation studiert, so, daB er iiber-
all, wo er aufgetreten ist, auch nicht etwas Ausgedachtes ist, wie
eine neuere, im Wesenlosen wurzelnde Aufklarung annehmen will,
sondern jeder Glaube fiihrt urspriinglich zuriick auf Ergebnisse, die
initiierte Menschen gewonnen haben, auf Erlebnisse der Initiation.
Nur gibt es eben diesen gewissen Unterschied zwischen neuerer
Initiation, die hier gemeint ist und die immer mehr und mehr die
Initiation der Menschheit iiberhaupt werden wird, und der Initia-
tion in den alten Zeiten.
In den alten Zeiten war es strenge Regel, und es ist heute noch fiir
viele Initiationen, die in der Welt sind, strenge Regel, daB der, der
den geschilderten Weg sucht, eine Art von Fiihrer hat, den man in
gewissen Kreisen eben den geistigen Fiihrer, den Guru nennt. Was
ist die Aufgabe dieses Guru? Nun, wir haben gesehen, daB man
im Verlaufe jener inneren Entwickelung, die geschildert worden ist,
vor gewisse Gefahren kommt, Gefahren, vor denen man gewarnt
werden soil. Zunachst ist die Aufgabe gewesen in denjenigen Initia-
tionen, die noch axis den alten Zeiten sich heriibergeerbt haben, daB
der Guru ein Warner ist. Das kann er auch noch heute sein, wenn
er einfach die Person ist, die man als eine Art von Lehrer aufsucht
wie in der auBeren Wissenschaft und zu der man Vertrauen hat.
Aber es ist auBerordentlich naheliegend, daB das, was der alte Guru
sein mufite, der neue sein will, was er aber nimmer sein darf und
immer weniger wird sein diirfen, je mehr sich die Initiation dem
fortschreitenden EntwickelungsprozeB der Menschheit anpassen
wird. Im Grunde genommen fing die Initiation iiberall so an, wie
geschildert worden ist. Dem Menschen wurden — nur daB er seinen
personlichen Fiihrer hatte — die einzelnen Regeln gegeben: jetzt
sollst du dich auf das, dann auf jenes konzentrieren, jetzt sollst du
diese, dann jene Ubung machen; dann wurde unter strenger Fuhrer-
schaft der Zustand herbeigefuhrt, in welchem die Welt der Imagi-
nation eintrat. Wahrend nun — es liegt das in der Natur des
modernen Menschen — der moderne Mensch dahin kommen muB,
durch seinen eigenen energischen WiliensentschluB das in sich zu
haben, was geschildert worden ist: die Imagination in die Inspira-
tion hinaufzufuhren, wurde von dem alten Guru die Aufgabe iiber-
nommen, den Schuler aus der Imagination in die Inspiration hinauf-
zufuhren durch gewisse Einflusse, denen dann der Mensch eben
lekhter zuganglich ist, wenn er bis zu einer solchen Stufe der
Initiation gebracht ist, so daB das, was hier geschildert worden ist
als im Menschen selber sitzend, dann als ein Impuls ausgeiibt wird
von dem Guru auf den Schuler. Es wird gleichsam von dem Guru
in den Schuler hiniiber verpflanzt etwas, wodurch Ordnung hinein-
kommt in sein imaginatives, in sein visionares Leben. Damit aber
hat der Gum den Schuler vollstandig in der Hand; dadurch ist der
Schuler in gewisser Beziehung ein Werkzeug in den Handen des
Guru. Und Sie verstehen, daB dadurch verkniipft war mit alien
alten Initiationen, von denen im Grunde genommen auch alle
religiosen Bekenntnisse ausgegangen sind, die strenge Forderung,
daB der Guru, daB der Initiator iiber jede Unmoralitat, iiber jede
Moglichkeit, einen unrkhtigen EinfluB auf den Schuler auszuiiben,
erhaben war, daB er in seiner ganzen Gesinnung iiber die MogHch-
keit des Betruges erhaben sein muBte und daB nur dann etwas
herauskommen konnte, wenn er diese Eigenschaft hatte; daB er
seinen EinfluB nur dahin wandte, die von ihm selbst gewonnenen
Erkenntnis-Bilder der hoheren Welt auf den Schiiler zu iibertragen,
so daB er dem Schiiler den Weg erleichterte.
Ich glaube, es wird fiir Sie nicht vieler Beweise bediirfen, wenn
Sie unbefangen den Gang des modernen BewuBtseins einsehen
wollen, daB die Menschheit auch in bezug auf die hoheren, iiber-
sinnlichen Erkenntnisse sich immer mehr und mehr unabhangig
machen wird von dem personlichen EinfluB. Das liegt einfach in
der fortlaufenden Enrwickelung der Menschheit. Die Gurus, die ihre
Schiiler so urn sich versammelten wie eben Religions- oder Sekten-
stifter, werden immer mehr und mehr aus dem Menschheits-
entwickelungsprozeB verschwinden; an ihre Stelle werden fiir die-
jenigen, die die Initiation suchen, die Menschen des Vertrauens tre-
ten, des Vertrauens, das man gewinnt, wie man auch das Vertrauen
zu einem anderen Lehrer gewinnt. Aber es muB sozusagen der
selbstgewahlte Lehrer, der nicht von irgendeiner Seite her fest-
gesetzte Guru sein. Sektenstifterei in der Weise der alten Adepten,
das ist nicht etwas, was die Menschheitsnote iiberwinden wird. Und
es ist sogar gut, wenn in bezug auf diese ubersinnliche Entwicke-
lung die Menschen nicht sehr leichtglaubig, sondern sehr schwer-
glaubig sind, wenn sie sich nicht einmal und zweimal, sondern viel-
mal fragen, wem sie ihr Vertrauen entgegenbringen sollen, und
wenn sie viel, viel MiBtrauen aufzubringen vermogen, wenn von
auBen her ihnen irgend etwas wie ein Prophet, wie ein Sekten-
stifter, wenn ein Adept ihnen wie ein groBer Lehrer aufgedrangt
werden soli. Das wird gerade auf dem Gebiet, das hier gemeint
ist, immer eine gefahrliche Klippe sein, wenn geistige Stromun-
gen, die Okkultismus in die Welt bringen wollen, vor alien Din-
gen sich auf groBe Lehrer berufen, auf diejenigen, die von auBen
her den Menschen aufgedrangt werden sollen, die nicht aus dem
selbstverstandlichen Vertrauen, aus innerem Vertrauen, das aus
der Begegnung mit dem Lehrer hervorgeht und das sich im Schiiler
selbst bildet, hervorgeht. Wir haben ja in gewisser Beziehung ein
klassisches Beispiel erlebt, das gerade hier erwahnt zu werden nicht
unnotig ist. Wir haben das Beispiel erlebt, daB in den letzten Jahr-
zehnten eine Personlichkeit aufgetreten ist, die in die Menschheit
groBe bedeutsame Erkenntnisse gebracht hat; nicht solche, die von
der auBeren Aufklarung anerkannt werden, aber solche, die sich
durch ihre innere Gediegenheit als etwas entpuppt haben, was tief
gerade in die ubersinnlichen Geheimnisse hineinfiihrt. So etwas ist
ja enthalten in den Biichern der in gewissen Kreisen beriihmten
H. P. Blavatsky. Was in diesen Biichern steht, das ist auch fur den-
jenigen, der in diesen Dingen bewandert ist, zuweilen etwas auBer-
ordentlich GroBes, Bedeutungsvolles, was mehr in die Geheimnisse
des Daseins hineinfiihrt als irgend etwas anderes. Aber leider stand
am Ausgangspunkt der okkulten Bewegung, die damit eingeleitet
worden ist, etwas, was dieser okkulten Bewegung geschadet hat,
was ich zwar hier nicht als eine Unrichtigkeit hinstellen will — im
Gegenteil, es hat geschadet, trotzdem es seine Richtigkeit hatte:
H. P. Blavatsky hat sich auf Lehrer berufen, die der Welt nicht be-
kanntgeworden sind, auf ihre Gurus. Wer eine Einsicht hat in die
Fahigkeiten der H. P. Blavatsky, weiB, daB sie durch diese nicht in
der Lage war, selbstandig zu den Dingen zu kommen. Zu diesen
hohen Erkenntnissen hatte H. P. Blavatsky durch ihre Fahigkeiten
niemals kommen konnen. Sie empfehlen sich durch sich selbst, so-
weit sie wahr sind, und sie konnen nachgepriift werden. Daher
schadete es nichts, daB H. P. Blavatsky hinweisen muBte auf Uber-
lieferungen, auf Schulungen, die von Gurus ausgingen und zu
denen sie selber niemals hatte kommen konnen. Ihrer Bewegung
hat es selbstverstandlich geschadet, daB nicht auf die innere Wahr-
heit des Okkultismus, sondern auf auBere Autoritat hin die Dinge
angenommen worden sind. So gutwillig es mancher hinnehmen
wird, die Zeit ist voruber, ob berechtigt oder unberechtigt, die Not-
wendigkeit der Zeit lehrt es, daB das voruber ist als Moglichkeit,
daB auf Autoritat von Gurus hin die Dinge einfach aufgenommen
werden. Aufgenommen werden miissen die Dinge auf die Autoritat
des gesunden Menschenverstandes hin. Und so darf Ihnen das, was
gewonnen werden kann auf dem Wege, der geschildet t worden ist
etwa in solchen Schriften wie in meiner «Theosophie», so entgegen-
treten, daB es zwar nur in der heute beschriebenen Art erforscht
werden konnte, daB es aber, wenn es als Ergebnis nun da ist, ge-
priift werden kann, verglichen werden kann mit den Tatsachen des
Lebens und auf keine Autoritat hin bloB angenommen zu werden
braucht. So wird die Initiation nur als eine richtige aufzufassen sein,
wenn bei ihr heute berucksichtigt wird, daB sie sich anpaBt dem
modernen KulturprozeB, daB sie Mittel und Wege beschreitet, die
jedem Menschen zuganglich sind.
GewiB, es wird noch lange dauern, daB Menschen von diesem
oder jenem Bildungsgrade, auch von dieser oder jener wissenschaft-
lichen Hohe noch Rat brauchen von einem okkulten Lehrer, daB
ihnen die Initiation erleichtert werden muB durch einen solchen,
der sie schon empfangen hat, in den schon eingedrungen sind die
Inspirationen einer hdheren Welt, denn er allein kann in den Ein-
zelheiten die richtigen Ratschlage geben. Aber das Verhaltnis kann
nur ein solches sein zwischen Schiiler und Lehrer, wie es auch sonst
in unserer heutigen Kulturwelt ist zwischen dem, der etwas lernen
will, und dem, der etwas lehren kann. Alles Geheimnisvolltun mit
Adeptentum, alles Hintreten vor die Welt mit der Anforderung:
Glaubt an irgendwelche neue Propheten oder Religionsstifter — , all
das wird zuriickgewiesen werden von dem modernen Kulturgeist,
von dem modernen wissenschaftlichen Geist und empfiehlt sich
schon durch die einzige Tatsache nicht, daB es dem modernen Kul-
turgeist widerspricht. Was man auch sagen mag von Lehrern, die
auftreten sollen: das einzige, was verbiirgen wird in der Zukunft,
daB einer Lehrer sein kann, wird nur das Vertrauen in seine Lei-
stungen sein, in die Art und Weise, wie er sich gibt, wie er ist. Das
Vertrauen muB es sein, durch das derjenige, der Rat haben will,
hingelenkt werden kann zu dem Lehrer. Sonst, wenn diese Vorsicht
nicht geiibt wird, gerade auf okkultem Gebiet, wo Initiation gesucht
wird, dann wird die Gefahr nicht von der Welt weichen, die immer
da sein muB durch das Bedenkliche des geschilderten Gebietes: die
Gefahr, die einfach in der Tatsache besteht, daB auf diesem Ge-
biete unmittelbar neben dem gewissenhaften Initiierten, der auf
gewissenhafte Weise seinen Weg gesucht hat in die iibersinnlichen
Welten und die Ergebnisse der Welt vermittelt, sich hinstelit der
Scharlatan. Scharlatanerie ist das, was sich so leicht hinstellen kann
neben die gewissenhaften, vom Wahrheitsgeist diktierten Ergebnisse
des Okkultismus oder der Initiation. Und weil in unserer Zeit
ebenso grofi ist die Leichtglaubigkeit, die Sensationslust gegeniiber
Mitteilungen aus der iibersinnlichen Welt, die aus der Initiation
heraus stammen, wie auf der anderen Seite die Zweifelsucht — weil
es fast ebenso viele Menschen gibt, die gleich mit ihrem Glauben
bei der Hand sind auf die Autoritat dieses oder jenes hin, wie es
Menschen gibt, die alles ableugnen, was auch mit den strengsten
Methoden ubersinnlicher Forschung gewonnen ist, muB heute all-
gemein verbreitet werden ein zu den okkulten Tatsachen fuhrender
Forschungsweg, wie er heute eben geschildert worden ist als In-
itiation. Und dieser Initiationsweg ist ein solcher, der von jedem
Menschen betreten werden kann, dessen Ergebnisse aber sich dem
gesunden Menschenverstand ebenso aufdrangen konnen wie andere
Ergebnisse der Wissenschaft, die auch hingenommen werden vom
unbefangenen Menschenverstand, ohne daJ3 man sie vielleicht in
jeder Lage priifen kann. Man weiB von den Tatsachen, die in unse-
rer Klinik zum Beispiel oder anderswo gewonnen werden, daB sie
jeder untersuchen kann, wenn er sich die dazu notwendige Methode
aneignet; man kann aber doch nicht alles nachpriifen, man nimmt
das hin, was sich dem Menschenverstand als geeignet erweist, was
sich ihm als wahr ergibt. So und nicht anders kann es auch sein
mit den Ergebnissen der Initiation. Nicht ein jeder wird in der Lage
sein, immer nachzupriifen, aber diejenigen, die forschen, werden
ihre Ergebnisse immer mehr und mehr mitteilen der Welt, und es
wird sie der gesunde Menschenverstand hinnehmen, wie er hin-
nimmt die Ergebnisse anderer Wissenschaften. Der eine Unter-
schied besteht allerdings, daB die Ergebnisse der Initiation die
Wahrheiten enthalten, die ein jeder Mensch braucht, um Kraft und
Sicherheit in den Leiden und Freuden des Lebens zu haben, Kraft
und Sicherheit zu haben in seiner Arbeit, in seinem Wirken, damit
er sich nicht verliert, wenn ihm das Leben hart zusetzt, sondern er den
Mittelpunkt zu ergreifen vermag, der ihn sicher den Weg zu seinen
Idealen fiihrt. Kraft aber auch konnen ihm die Resultate seiner
Forschung geben, wenn es sich darum handelt, daB das Leben uns
niederdriickt und wir Trost brauchen gegenuber dem Nieder-
driickenden der Welt, in der Krankheit und Tod herrschen, durch
den Aufblick in die Tatsachen der geistigen, der iibersinnlichen
Welt, der wir angehoren und aus der wir auch fiir diese Sinneswelt
die echten, die aufrechterhaltenden Krafte gewinnen. Denn das
wird von den Ergebnissen der Initiation und des Okkultismus in
die Gesinnung eindringen, was man etwa zusammenfassen konnte
in die Worte, die in" Empfindungsnuancen, in Gefuhlsnuancen
geben mochten, was iiber Initiation gesagt worden ist, in die Worte:
Es sprechen zu den Menschensinnen
die Dinge in den Raumesweiten.
Sie wandeln sich im Zeitenlaufe.
Erkennend dringt die Menschenseele,
von Raumesweiten unbegrenzt
und ungestort durch Zeitenlauf,
ins Reich der Ewigkeiten.
HINWEISE
Zu dieser Ausgabe
Zu dem Vortragszyklus des vorliegenden Bandes war Rudolf Steiner von den
Theosophen Filmlands nach Helsinki (ehemals Helsingfors) eingeladen worden. Der
Zyklus hatte urspriinglich in St. Petersburg, der Hauptstadt des russischen Reiches,
auf Einladung des Petersburger Zweiges der Theosophischen Gesellschaft stattfin-
den sollen, was jedoch von der obersten Behorde fur kulturelle Belange, dem «Heilige
Synod» der russischen Rechtglaubigen Kirche unter dem formellen Vorsitz des
Zaren, verunmoglicht wurde. — Unter den Zuhorern befanden sich auch zahlreiche
deutsche u. a. Mitglieder der deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft.
Die Vortrage fanden im Saale des schwedischen Normallyceums in Helsinki start. -
AnlaBlich dieses Vortragszyklus hielt Rudolf Steiner auch zwei dffentliche Vortrage:
am 9. April 1912 «Das Wesen nationaler Epen mit speziellem Hinweis auf Kalewala»
(in GA 158) und am 12. April 1912 «Der Okkultismus und die Initiation)) (im
vorliegenden Band).
Textgrundlage: Die Vortrage wurden von Rudolf Steiner frei gehalten und von einem
namentlich nicht bekannten stenographiekundigen Zuhorer mitstenographiert. Sie
wurden nach dessen Klartextubertragung 1912 erstmals als Manuskriptdruck (Zyklus
21) herausgegeben. Alle folgenden Auflagen beruhen auf diesem Erstdruck. Korrek-
turen gegeniiber den friiheren Auflagen sind am SchluB der Hinweise angefiihrt.
Der Titel des Vortragszyklus wurde von Rudolf Steiner gegeben. Die Inhaltsangaben
stammen vom Herausgeber.
Hinweise t(um Text
Werke Rudolf Steiners innerhalb der Gesamtausgabe (GA) werden in den Hinweisen mit
der Bibliographie-Nummer angegeben. Siehe auch die Ubersicht am SchluB des Bandes.
zu Seite
35 «Wie erlangt man Erkenntnisse der boheren WeltenU (1904/05), GA 10.
86 «Theosophie. Einfiihrung in ubersinnliche Wekerkenntnis und Menschenbestimmung»
(1904), GA 9.
«Die Geheimwissenschafi im UmriB» (1910), GA 13.
91 aus den Schilderungen der Akasha-Chronih Gemeint sind die Aufsatze «Aus der Akasha-
Chronib) (1904-1908), GA 11.
102/201 Zu den Planeten Uranus und Neptun vergleiche auch den Vortrag vom 18. April
1909 (abends) in «Geistige Hierarchien und ihre Widerspiegelung in der physischen
Welt. Tierkreis, Planeten, Kosmos», GA 110.
108 Materie im physischen Sinne gibt es nur da, wo Formen %ersplittert werden: Ausfiihrlicher
hieriiber vgl. Rudolf Steiner «Die Welt der Sinne und die Welt des Geistes», GA 134.
11 Of. Kant-Laplacesche Weltentstehungstbeorie: Immanuel Kant, 1724—1804. Kants kosmogoni-
sche Nebeltheorie: «Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels oder Ver-
such von der Verfassung und dem mechanischen Ursprunge des ganzen Weltgebaudes,
nach Newtonschen Grundsatzen abgehandelt», 1755; durch Laplace 1796 in einigen
wesentlichen Punkten erganzt; allgemein als Kant-Laplace-Theorie bezeichnet.
112 der grofie Zarathustra: Der eigentliche oder erste Zarathustra, den schon griechische
Geschichtsschreiber ca. 5- bis 6000 Jahre vor.den trojanischen Krieg versetzten. Vgl.
Rudolf Steiners Vortrag iiber Zarathustra, Berlin 19. 1. 1911 in «Antworten der
Geisteswissenschaft auf die groBen Fragen des Daseins», GA 60.
147 in den dgyptischen Mjsterien: der Scbiikr muj? die Sonne urn Mitternacht sehen: Ausfiihrlicher
hieriiber vgl. z. B. Rudolf Steiner «Die Mysterien des Morgenlandes und des Chri-
stentums», GA 144.
148 vorgestriger offentlicher Vortrag. Vortrag vom 9. 4. 1912 «Das Wesen nationaler Epen mit
speziellem Hinweis auf Kalewala» in «Der Zusammenhang des Menschen mit der
elementarischen Welt», GA 158.
1 52 Raoul Heinrich Frame, 1 874-1 943, osterreichischer naturwissenschaftlicher Schriftstel-
ler. Direktor eines biologischen Instituts in Miinchen. In Nr. 31 (1906, ohne Monats-
angabe) der Zeitschrift «Lucifer-Gnosis» besprach Rudolf Steiner die Schrift Frances
«Das Sinnesleben der Pflanzen»; wiederabgedruckt in «Lucifer-Gnosis 1903— 1908»,
GA 34.
153 in theosophischen Biichern ... Ausdruck Logos: Vgl. hierzu Rudolf Steiner in GA 93a
«Grundelemente der Esoterik», 27. Vortrag.
155 Nehmen Sie eine Amdahl von Ldmmern: Vgl. hierzu Vincenz Knauer (1828—1894): «Die
Hauptprobleme der Philosophic in ihrer Entwicklung und teilweisen Losung von
Thales bis Robert Hamerlingw, Wien u. Leipzig 1892, 21. Vorlesung: «I. Die Erkennt-
nisquellen», S. 136f.
158 «Alle Kreatur seufoet ...»: Paulus, Romer 8,22-23.
1 66 Charles Darwin, 1 809-1 882. «Die Entstehung der Arten durch naturliche Zuchtwahl
oder Die Erhaltung der bevorzugten Rassen im Kampfe urns Dasein» (1859).
168 Vbrtrage in Christiania: «Die Mission einzelner Volksseelen im Zusammenhange mit
der germanisch-nordischen Mythologie», GA 121.
171 H. P. Biavatsky, 1831-1891. «The Secret Doctrine» 1888; deutsche Ubersetzung «Die
Geheimlehre», Leipzig o. J. (1899) und Arkana-Verlag Ulm a. D. 1960.
da steht auf einer Zeik: Buddha - Merkur. «Geheimlehre» Bd. II, S.31, wortlich: «Der
Herr der Weisheit ist Merkur oder Buddha».
Inspirator der Biavatsky: Vgl. hierzu «Die okkulte Bewegung im neunzehnten Jahrhun-
dert und ihre Beziehung zur Weltkultur», GA 254.
176 «Gebeimmssenschap»: Siehe Hinweis zu S. 86.
«Akasha-Chronik»: Siehe Hinweis zu S. 91.
194 «Eure Augen merden aujgetan werden»: 1. Mos. 3,5 und 3,7.
197 unter unseren okkulten Bildern: Siehe das 5. Bild in «Bilder okkulter Siegel und Saulen.
Der Munchner KongreB Pfingsten 1907 und seine Auswirkungen», GA 284.
206 Johannes-Evangelium . . . da/ bei Moses die Rede ist von dem Christus: Joh. 5,46.
im johannesevangelium erne Stelk: Joh. 1,45.
207 Blavatsky . . . Jabve als Mondgottheit . . . Lucifer sein Gegner. Siehe «Geheimlehre», Bd. II,
S. 79, und Rudolf Steiner, 26. Vortrag in «Grundelemente der Esoterik», GA 93a.
236 Blavatsky hat skh auf Lebrer berufen: Vgl. Hinweis zu S. 171.
238 in unserer Klinikt Das Klinisch-Therapeurische Institut in Arlesheim wurde 1921 von
Dr. Ita Wegman (1876-1943) gegriindet, woraus eine intensive Zusammenarbeit mit
Rudolf Steiner auf medizinischem Gebiet entstend. Vgl. Rudolf Steiner / Ita Weg-
man: «Grundlgendes fur eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftli-
chen Erkenntnissen» (1925), GA 27.
Textkomkturett in der 5. Auflage (1984)
Seite
46 Zeile 7 von oben: Das sind diejenigen Wahrnehmungen in der Welt der Maja. . .
Friiher: Das sind diejenigen Wesenheiten der Maja...
135 Zeilen 11-16 v. o.: Aber die Impression, die wit so haben konnen ... usw. Die
sinngemaBen Erganzungen eines offensichtlichen Mangels in der
Nachschrift wurden hier in eckigen Klammern hinzugefugt.
152 Zeile 2 von unten: Venusfliegenfalle, Dionaea muscipula
Friiher: «Drosera» (Fehler in der Nachschrift)
Textkorrekturen in der 6. Auflage (1996)
57 Zeilen 15,14 v.u.: offenbart in meinem Innern, unrichtig
Friiher: offenbart, in meinem Innern unrichtig
82 Zeile 12 v. o.: aus dem Jahrzehnte
Friiher: wie Jahrzehnte
137 Zeile 4 von oben: das physische Weltsystem,
Friiher: das physische Weltsystem hat,
204 Zeilen 10, 9 v.u.: auf den Menschen ausgleichende Geister, zunachst gegen Luzifer,
der
Friiher: auf den Menschen zunachst gegen Luzifer ausgleichende
Geister, der
222 Zeilen 9, 8 v. u. andere, fremde Wesenheiten, auf anderes, auBerhalb
Friiher: andere fremde Wesenheiten, auf anderes auBerhalb
225 Zeile 16 v. u. — und nur inneren — Vorstellungsinhalt
Friiher: - und nur inneren — nur Vorstellungsinhalt
REGISTER
* = ohne Namensnennung
Namenregister
Blavatsky, H. P. 171, 180, 183, 206f., 236
Die Geheimlehre 171,206
Buddha 171, 176f., 179-181, 183, 206
Darwin, Charles 166
Etzel 148
Eva 194
France, Raoul 152
Hagen 148f.
Kant, Immanuel 11 Of.
Kriemhilde 148f.
Laplace, Pierre Simon 11 Of.
Moses 206
Paulus 158* 159
Rischis 177-179, 205
Siegfried 148
Steiner, Rudolf
Theosophie (GA 9) 86, 237
Wie erlangt man Erkenntnisse ...
(GA 10) 35, 60, 67, 227, 232
Aus der Akasha-Chronik (GA 11)
176, 198
Die Geheimwissenschaft (GA 13)
86, 176
Die Mission einzelner Volksseelen
(GA 121) 168*
Vortrag 9. April 1912 (in GA 158)
148*
Zarathustra 1 1 2f., 1 78f., 205f.
Register der geistigen Wesenheiten
Ahriman (Angramainyu) 112f.
Ahura Mazdao (Ormuzd) 1 12, 178f., 206
Cherubim 80f., 83, 88, 90, 93, 95,
108-110, 112f., 116-119, 120*, 121,
123*, 135, 194*, 202
Christus 178*, 179-183, 206f.
Engel (Angeloi) 61, 63-65, 76, 96-98,
116, 122, 137f., 169f.
Erzengel (Archangeloi) 61-65, 76, 97,
116, 122f., 125, 130, 135, 169f.
Geister der Bewegung 74, 88, 90, 92,
95, 108, 116, 118-121, 123* 135*,
166-182, 189, 191, 195, 203
Geister der Erde 26-28* 32f., 37, 64
Geister des Feuers 30f.*, 33, 37*, 64
Geister der Form 73, 87f., 90-92, 95f.,
102, 104-109, 116, 119-121, 123,
135, 143, 169f., 185, 187, 195, 203f.
Geister der Luft 30-32*, 33, 36f., 64
Geister der Umlaufszeiten 36f.*, 38-
40, 42, 44-47, 48*, 77* 84f., 175
Geister des Wassers 26*, 28-32*, 33,
36f., 64
Geister der Weisheit 74*, 76, 88, 90,
92f., 95, 108, 116f., 119-121, 123*
134E, 175-178, 181, 189-196, 198,
202-205, 207
Geister des Willens (Throne) 79£, 83,88,
90, 93, 95, 108, 116-119, 120* 121,
123*, 134, 135*, 194*, 198f., 201-203
Hierarchien 91, 95, 11 If., 114, 131,
138, 140, 159£, 172, 180, 184, 197,
201-204, 207-210
- erste 77-85, 96, lOOf.
- zweite 68, 70-74, 76-79, 82-85, 96,
100f., 167, 175, 192
- dritte 49-53, 61-67, 70-73, 76f.,
79, 82, 84f., 96f., 100f., 105, 175
Jahve (fehova) 203*, 205-207
Luzifer, luziferische (abnorme) Geister
98f*, 101f., 105-108, 112-114, 130-
132, 167f., 169* 171, 191-198, 202-
205, 207
Osiris 179, 205f.
Phosphoros (Luzifer) 195f,, 203
Planetengeist der Erde 42-48
Planetengeister (andere) 47
Seraphim 81-83, 88, 90, 94f., 108-110,
112f., 116-121, 123*, 135, 194*, 202
Vater, Sohn u. heiliger Geist 87*, 88-
90, 94
Vischvakarman 178f., 206
Zeitgeister (Archai) 62-65, 76, 97,
116, 123, 130, 135* 169f., 178
UBER DIE VORTRAGSNACHSCHRIFTEN
Aus Rudolf Steiners Autobiographie
«Mein Lebensgang» (35. Kap., 1925)
Es liegen nun aus meinem anthroposophischen Wirken zwei Ergeb-
nisse vor; erstens meine vor aller Welt veroffentlichten Biicher, zwei-
tens eine grofie Reihe von Kursen, die zunachst als Privatdruck
gedacht und verkauflich nur an Mitglieder der Theosophischen (spa-
ter Anthroposophischen) Gesellschaft sein sollten. Es waren dies
Nachschriften, die bei den Vortragen mehr oder weniger gut gemacht
worden sind und die - wegen mangelnder Zeit - nicht von mir
korrigiert werden konnten. Mir ware es am liebsten gewesen, wenn
mundlich gesprochenes Wort miindlich gesprochenes Wort geblieben
ware. Aber die Mitglieder wollten den Privatdruck der Kurse. Und so
kam er zustande. Hatte ich Zeit gehabt, die Dinge zu korrigieren, so
hatte vom Anfange an die Einschrankung «Nur fur Mitglieder» nicht
zu bestehen gebraucht. Jetzt ist sie seit mehr als einem Jahre ja fallen
gelassen.
Hier in meinem «Lebensgang» ist notwendig, vor allem zu sagen,
wie sich die beiden: meine veroffentlichten Biicher und diese Privat-
drucke in das einfiigen, was ich als Anthroposophie ausarbeitete.
Wer mein eigenes inneres Ringen und Arbeiten fur das Hinstellen
der Anthroposophie vor das Bewufitsein der gegenwartigen Zeit
verfolgen will, der mufi das an Hand der allgemein veroffentlichten
Schriften tun. In ihnen setzte ich mich auch mit alle dem auseinander,
was an Erkenntnisstreben in der Zeit vorhanden ist. Da ist gegeben,
was sich mir in «geistigem Schauen» immer mehr gestaltete, was zum
Gebaude der Anthroposophie - allerdings in vieler Hinsicht in un-
vollkommener Art - wurde.
Neben diese Forderung, die «Anthroposophie» aufzubauen und
dabei nur dem zu dienen, was sich ergab, wenn man Mitteilungen aus
der Geist-Welt der allgemeinen Bildungswelt von heute zu iibergeben
hat, trat nun aber die andere, auch dem voll entgegenzukommen, was
aus der Mitgliedschaft heraus als Seelenbedurfnis, als Geistessehn-
sucht sich offenbarte.
Da war vor allem eine starke Neigung vorhanden, die Evangelien
und den Schrift-Inhalt der Bibel iiberhaupt in dem Lichte dargestellt
zu horen, das sich als das anthroposophische ergeben hatte. Man
wollte in Kursen liber diese der Menschheit gegebenen Offenbarun-
gen horen.
Indem interne Vortragskurse im Sinne dieser Forderung gehalten
wurden, kam dazu noch ein anderes. Bei diesen Vortragen waren nur
Mitglieder. Sie waren mit den Anfangs-Mitteilungen aus Anthroposo-
phie bekannt. Man konnte zu ihnen eben so sprechen, wie zu Vorge-
schrittenen auf dem Gebiete der Anthroposophie. Die Haltung dieser
internen Vortrage war eine solche, wie sie eben in Schriften nicht sein
konnte, die ganz fur die Offentlichkeit bestimmt waren.
Ich durfte in internen Kreisen in einer Art iiber Dinge sprechen,
die ich fiir die offentliche Darstellung, wenn sie fur sie von Anfang an
bestimmt gewesen waren, hatte anders gestalten miissen.
So liegt in der Zweiheit, den offentlichen und den privaten Schrif-
ten, in der Tat etwas vor, das aus zwei verschiedenen Untergrunden
stammt. Die ganz offentlichen Schriften sind das Ergebnis dessen, was
in mir rang und arbeitete; in den Privatdrucken ringt und arbeitet die
Gesellschaft mit. Ich hore auf die Schwingungen im Seelenleben der
Mitgliedschaft, und in meinem lebendigen Drinnenleben in dem, was
ich da hore, entsteht die Haltung der Vortrage.
Es ist nirgends auch nur in geringstem Ma£e etwas gesagt, was
nicht reinstes Ergebnis der sich aufbauenden Anthroposophie ware.
Von irgend einer Konzession an Vorurteile oder Vorempfindungen
der Mitgliedschaft kann nicht die Rede sein. Wer diese Privatdrucke
liest, kann sie im vollsten Sinne eben als das nehmen, was Anthropo-
sophie zu sagen hat. Deshalb konnte ja auch ohne Bedenken, als die
Anklagen nach dieser Richtung zu drangend wurden, von der Ein-
richtung abgegangen werden, diese Drucke nur im Kreise der Mit-
gliedschaft zu verbreiten. Es wird eben nur hingenommen werden
miissen, dafi in den von mir nicht nachgesehenen Vorlagen sich
Fehlerhaftes findet.
Ein Urteil uber den Inhalt eines solcben Privatdrucke s wird ja
allerdings nur demjenigen zugestanden werden konnen, der kennt,
was als Urteils-Voraussetzung angenommen wird. Und das ist fiir die
allermeisten dieser Drucke mindestens die anthroposophische Er-
kenntnis des Menschen, des Kosmos, insofern sein Wesen in der
Anthroposophie dargestellt wird, und dessen, was als «anthroposo-
phische Geschichte» in den Mitteilungen aus der Geist-Welt sich
findet.